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Die Wahrheit · 1910-03-04 · Heft 10 (4.3.1910) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 10 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Sette 6. Nr. 10. (j .:•<.•; .;.v -y;r:;:rjii>.«< ’ Mun-Mtch-Defstttle^chelu. man gemiß eine' genaue Kenntnis dieser HMe zittMllen dqrf, das HapptgMicht ^esegh. iHntz?diese-^a^ fteÜuiig. der.Schwachen, ber..reicher, gewordenen, nach der Taufe) M' iehnelldt'tt JMn. der .„Getauften^nnh BaldgeWften".-ist ihry;.doMglich. Mluilgssn^ Es -kannunseres .Erachtens)nicht MftzWe/.sslner.BksPrechnnA feinerdievFabeh -Romaues ßarzW . lWn^e.v.st ostst g.nles.en. me r^e n,, nrn d zw a rr -m,o gl i ch st o ft'un.dl^awfmerkiain.^ -er-; Nur noch eine Bemerkung zum.Schlüsse. Das Schicksal Coitstauzeno, der sozialistisch gesinnten Tochter Jordans> des von seiiiem Irrtum geheilten, von seinem falschen Ideal der Baronin Hebenstreit grausam mißbrauchten Leopold, ferner die Zukunft der Ehe Lottens und Gschmeidler, ob sie wirklich auf die Däner glücklich fein werden, läßt uns fast eine Fortsetzung und envgiltigen Abschluß erwarten. Im übrigen „seit der Antisemitismus so stark in Mode ist, sind wir Christen bei den Juden ungeheuer in Wert gestiegen. . . . Man verliert viel bei den Inden, wenn man sie lobt oder sich mit ihnen befreundet. Ich seist das am besten bei mir. Mit was für einem heillosen Respekt haben ulich meine ersten jüdischen Bekannten behandelt. Auf einem Sockel hält' mich jeder am liebsten hinaufgestellt. Aber seit ich mit ihnen und noch vielen anderen sogar intim geworden bin, schauen mich alle über die Achsel an. 0 je, sagen sie. jetzt von mir, der verkehrt ja nur mit Inden, ist 'selber schon ein halber JndErwin Kaller. Die Kuge der Inden in Galisten. ii. Wir glauben, im Vorhergehenden die Lage der Inden in Galizien genügend geschildert zn haben, und können uns nunmehr den Maßnahmen znwenden, die notwendig sind, um diese Lage zu verbessern. Voransschicken müssen wir. daß sich das westeuropäische Judentum der schmachvollen Lage seiner galizischen Stammesgenossen nicht verschlossen hat. Bon verschiedenen Seiten wurde damit begonnen, die Lage der galizischen Juden zu heben. Der große Philanthrop, Baron Hirsch, hat bekanntlich eine größere Anzahl Volksschulen dort errichtet, um den jüdischen Knaben die für das praktische Leben erforderliche Volksschulbildung beibringen zu lassen; auch seine hochherzige Gemahlin spendete reichliche Mittel zum Zwecke der kulturellen Förderung der galizischen Juden. Die Israel. Allianz zu Wien ist bestrebt, im Rahmen ihrer bescheideneren Mittel in ähnlicher Weise tätig zu sein; , auch der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin hat mit der Gründung einiger Kindergärten eingegriffen. In wirtschaftlicher Hinsicht war I. C. A. tätig, indem sie eine Reihe von Vorschußkassen schuf, um dem Kleingewerbe und dem Kleinhattdel die Erlangung eines billigen Kredits zn ermöglichen; sie hat eine Ackerbauschnle gegründet und mit der Errichtung von Handwerkerschulen, von denen gegenwärtig noch eine besteht, den Anfang gemacht. Unser Verein, der von den B'nai B'rith-Vereinigttngen ins Leben gerufen wurde, hat während seines kurzen Bestandes eine Reihe von Industrien in Galizien eingeführt, die gegenwärtig über 4000 jüdischen Arbeitern Erwerb und Nahrung verschaffen. Erwähnen möchten wir auch noch die Tätigkeit der Oesterreichischeu israelitischen Union, die es sich angelegen sein läßt, überall dort, wo die Juden in Oesterreich, sei es im Einzelnen oder in ihrer Gesamtheit, in den ihnen Anstehenden Rechten verkürzt werden, einzuschreiten. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß man in den Kreisen des westeuropäischen Judentums über die zur Hebung der Lage der galizischen Juden erforderlichen Maßnahmen bereits vollständig im klaren ist. Man weiß, daß diese Lage nur gebessert iverden kann, wenn sowohl in materieller, als auch in kultureller Hinsicht eingegriffen wird. Betont muß aber werden, daß uns selbst die Hebung der wirtschaftlichen Lage der Juden vor allem anderen notwendig erscheint. Leuten, die am Hungertuche nagen, muß vor allem Erwerb verschafft werden. Wenn sie dann der iiiederdrückenden Sorge um das tägliche Brot enthoben sind, werden sie — es handelt sich doch hier um Juden, die immer M;d WMll,HeUM.MedÜLfltiffe gefühlt und deren -Hefriedignug angMebt haben -7vonselbst schon in kultureller Hinsicht sich zu,Hebers trachten,',abgesehen davoist daß mit den befferen. Erwerbsverhältniffeusv^ wie Jo die moralische Lebeirshaltnng sich er.hyht^Es.solb aher damitdurchaus nicht gesagt.werden,, daß nichtsninch ßlei.chzpstig jene Maßnahmen getroffen werden st ollen, die geeignet sind, in früherer oder späterer Zeit die galizischen Juden auch kulturell zn fördern. . ,Dse Hebung. sowohl des materiellen.als auch des kulturellen Niveaus des galizischen Juden wird also von verschiedenen Seiten bereits angestrebt; es braucht nur mehr s y st e m atischer und intensiver vorgegangen zu werden, damit das Ziel in absehbarer Zeit erreicht wird. Systematischer, indem ein vollständiges Aktionsprogramm sowohl in materieller, als auch in kultureller Hinsicht ausgestellt und dnrchgeführt wird; uuenfitiev, indem mit größeren Mitteln und in rascherem Tempo, als dies bisher der Fall war. gearbeitet wird. Was zuerst die Lösung der wirlschasllicben Ausgabe betrifft, so wollen wir zunächst ihren Umfang ziffermäßig feststelleu. Man darf sich durch die früher angegebene Zahl von 400.000 Juden, die derzeit gar nicht oder nicht genügend Erwerb finden, nicht abschrecken lasfen. Wie schon oben gesagt wurde, sind darunter auch die Familienangehörigen der in Industrie und Gewerbe. Handel und Verkehr tätigen Personen enthalten. Es müsfen also zuerst die Kinder, sagen wir bis zum vollendeten 14. Lebensjahre, hievon in Abzug gebracht werden, das ist rund 42°/ft, also 168.000. Es bleiben dahr von den 400.000 nur mehr 232.000 übrig. Ebenso müssen wir die alten, nicht mehr erwerbsfähigen Leute hievon ausscheiden. Für Galizien kann mit Rücksicht auf die schlechte Ernährung und die traurigen hygienischen Znstünde gesagt werdet!, daß fast alle Personen, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, nicht mehr erwerbsfähig sind. Es sind dies 3-84°/0, was für 400.000 Menschen rund 15.000 ansmacht. Wird diese Zahl von 232.000 abgezogen. so betrügt der Rest 217.000. Teilen wir ihn nach dein Geschlechte, so ergibt sich mit Rücksicht auf die überwiegende Anzahl des weiblichen Geschlechtes in den höheren Altersperioden. daß hievon ungefähr rund 100.000 ans das männliche und 117.000 ans das weibliche Geschlecht entfallen. Von diesen 117.000 Personen sind infolge der in Galizien üblichen frühen Heiraten zwei Drittel, das ist 78.000. verheiratet. Genaii kann diese Ziffer nicht angegeben werden, weil die offizielle Statistil nur jene Ehen ausweist, die nach dem Sraatsgeietze geschlossen werden, während in Galizien die überwiegende Anzahl Ehen bloß rituell eingegangen wird. Für diese 78.000 Ehefrauen braucht ein selbständiger Erwerb nicht beschaff: zn werden; sobald ihre Ehemänner ein genügendes Einkommen haben, ist auch ihnen geholfen. Wir haben es daher im schlimmsten Falle bloß mit 39.000 weiblichen Personen zu tun, die einem selbständigen Erwerb zugeführt werden müssen. Und wenn man berücksichtigt, daß wir selbst in wenigen Jahren und mit geringen Mitteln ungefähr 4000 weibliche Personen, atio 10% dieser Anzahl, erwerbsfähig gemacht haben, so ist es klar, daß es nicht in das Gebiet der Unmöglichkeit fällt, in absehbarer Zeit auch die übrigen einem Erwerbe zuzuführen. Was nun die 100.000 Männer betrifft, so ist von ihnen ein Teil überhaupt erwerbsfäbig zu machen, der andere abelbloß einem nutzbringenderen Erwerb znznfühien. Letzteres kann schon dadurch geschehen, daß diesen Personen ein billiger Kredit verschafft wird, womit von der I. C. A. durch die Gründung ihrer Vorschnßkassen bereits begonnen wurde. Wenn mit der Errichtung dieser Kreditanstalten in beschleunigtem Tempo vorgegangen würde, so könnte vielleicht die Hälfte der erwähnten männlichen Personen in kurzer Zeit ans ein höheres wirtschaftliches Niveau gebracht werden. Es ist demnach bloß für 50.000 männliche und für 39.000 weibliche Personen auf andere Weise zu sorgeu, und es ist gar kein Zweifel, daß für eine io verhältnismäßig geringe Anzahl Personen, bei Vorhandensein der erforderlichen Mittel in nicht allzu langer Frist Arbeit und Nahrung geschafft werden könnte. Die Wege, die zn diesem Zwecke einznschlagen sind, sind dieselben, die wir bereits begangen haben. Mit Rücksicht darauf,

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