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Die Wahrheit · 1910-03-04 · Heft 10 (4.3.1910) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 10 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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.Redaktion «nd Adininistration: - Wien, If/j Nvvaragasse 27 Telephon: Redaktion 5107/VII1. Administration 493S/11. ft. k. öftere. Postsparkassa- Scheck-Konro Dir. 1000.918. JnJ'rrate: Tie viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Abonnementsnnd Inscrtionsbeiräge sind in Wien zahlbar nnd klagbar. «abhängige Seitschrift für Mische Interessen. Erscheint jeden Ir eilag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Bezugspreis: Ganzjährig.K 14.— Halbjährig.K 7.— Für Kiilnisbetiinte: Ganzjährig.K 10. - Für Aiisloiid: Ganzjährig.8 Mark 6 Rubel oder 18 FrcS. Ar 10. Wie«, 4. Winz 1010. Inhalt: Aus der Woche. — Ein moderner Wiener Jndenroman. — Die Lage der Inden m Galizien. — Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen. — Liberale Aeußerungen. — Das volksrümliche Borrragswesen im Judenrnme. — Verschiedene Nachrichten. — Sigmund Wilkowitsch. — Austritte ans deni Jndentum. Ans der Woche. Knapp vor der ersten Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses hat sich ein politisches Ereignis vollzogen, dessen äußerer Anstoß lvohl die etwas unsanfte Entlassung des deutschen Landsmannministers Dr. Schreiner schien, das in Wirklichkeit aber nur eine natürliche Konsequenz der derzeit bestehenden Machtverhältnisse und Stimmungen im deutschen Lager ist. Wir meinen die Vereinigung der sogeilanten deutschfreiheitlichen Parteien zum deutschen Nationalverbande nnd das Aufgehen des früheren dentschfortschrittlichen Klubs in den Reihen der deutschnationalen und radikalen Antisemiten. Wir weinen dem psendoliberalen Klub, der durch die Ablehnung jüdischer Abgeordneter seine wahre Gesinnung nur allzudeutlich bekundet hat, keine Träne nach, sondern freuen uns vielmehr darüber, daß endlich auch jenem Teile unserer Glaubelisgenossen, der sowohl in Wien als auch in der Provinz nicht sehen wollte and noch immer auf die Verläßlichkeit der liberalen Partei baute, die Augen geöffnet werden; denn für so dumm können wir doch einen Juden nicht halten, daß er sich auch fernerhin für Klnbgenossen der Schönerianer begeistern wird. Die Herren vom dentschfortschrittlichen Klub scheinen allerdings mit einer derartigen Dummheit ernstlich zu rechnen, denn während sie sich im Reichsrate ganz in die Arme der Radikalen werfen, wollen sie für die Länder — das bezieht sich vornehmlich auf Mähren — ihre bisherige Organisation aufrechterhalten, um bei den Wahlen die liberale Toga wieder umhängen und mit Hilfe jüdischer Stimmen eine Anzahl von Mandaten ergattern zu können. Dieser Gimpelfang wird ihnen aber hoffentlich nicht wieder gelingen und die jüdische Presse wird auch dafür Sorge tragen, daß die jüdischen Wähler zur gegebenen Zeit die nötigen Aufklärungen und Direktiven erhalten. Aus der Vereinigung der deutschen Abgeordneten könnten auch die jüdischen eine heilsame Lehre ziehen nnd wir glauben, wenn Lecher und Wolf sich in einem Klub zusammenfinden können, dann könnten auch die Gegensätze zwischen den einzelnen jüdischen Abgeordneten überbrückt und ungeachtet ihrer sonstigen politischen Haltung ' eine Vereinigung derselben gebildet werden. * * Der „N euen N a t i o n a l-Z e i t n n g" beliebtes seit einiger Zeit, sich als Mentor der Wiener jüdischen Presse aufzaspielen lind bezugnehmend auf eine derartige, erst jüngst ervlgte kollegiale Anrempelung erhalten wir folgende Zuschrift: Hochlöbliche Redaktion! Die „Rene National-Zeitung" (Nr. 4 vom 18. Februar 1910) greift in ihrem Artikel „Freunde und Feinde der galizischen Juden" die hiesige jüdische Presse an. daß sie gegen die Lessingschen Verganismen keine Stellung genommen habe. Obzwar diese Verläumdnng durch die Antwort des Dr. Lessing „Zur Abwehr" in Nr. 7 der ..Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar in sich selbst zusammenfällt. nnd obzwar Dr. Lessing selbst, der mehr Loyalität besitzt als die „Neue National-Zeitung", dafür gesorgt hat, daß die (von mir veröffentlichte) kräftige Abfuhr der „Wahrheit" gegen seine antisemitischen Phantasien verbreitet werde, dürfen wir im Interesse der Ehre der hiesigen jüdischen Presse diesen Vorwurf des Schweigens, der Feindschaft gegen die galizischen Juden nicht ohne Zurückweisung sitzen lassen, da er für solche Kreise berechnet war (nämlich im Osten), wo sowohl die ..Allgemeine Zeitung" als auch die „Wahrheit" vielleicht weniger gelesen wird. Ich bitte also die Tatsache zu konstatieren, daß die „Wahrheit" die vielbesprochene Abwehr bereits am 21. Jänner 1910 an leitender Stelle veröffentlicht hat, noch bevor es Vergani einfiel, ans den Reiseeindrücken des Herrn Dozenteil Kapital zu schlagen und noch bevor es der Verteidiger der galizischen Juden von Gottes Gnaden für nützlich hielt, sich mit der Sache zu beschäftigen, nämlich — sehr vorsichtig — in einem Privatschreibeu an den Krakauer Kultusvorstand. So das sx offo Blatt der galizischen Juden, — — — während die Kahalsche „Wahrheit" ganz furchtlos für die Pollacken in die Bresche trat.- Für die Veröffentlichung dieser Zeilen in der nächsten Nummer der „Wahrheit" im voraus bestens dankend, zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Ben A r j e h. Wien, 27. Februar 1910. * * -i- Das prächtige Tierepos Roslands, „Chanteclair". das von aller Welt mit großer Spannung erwartet wurde, hat die Wiener Varietedirektoren aus dem Häuschen gebracht. Sie wollen mit Parodien den Erfolg des Meisterwerkes für ihre Taschen ansnützen. Geschäft ist Geschäft! Aber der gute Geschmack darf dabei doch nicht gar zu gröblich verletzt werden. Wir wollen nicht von Eisenbachs Schnurren sprechen, sie sind nicht der Rede iverr, aber daß der Jude Ben Tiber fein Theater (Apollotheaker) dazu hergibl, in der Maske eines „Rebhuhn" das Judentum herabzusetzen, der Tiergestalr fortwährend mau-

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