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Die Wahrheit · 1910-02-25 · Heft 9 (25.2.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 9 (25.2.1910)
Date
1910-02-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit dir. 9. Mädchen gegen minimale Beitragsleistung die Möglichkeit zn bieten, sich un Falle der Heirat einen Ausstarrungsbetrag zu sichern. Ferner bemerkte der Präsident, daß der Verein au ordentliche Mitglieder trotz des kurzen Bestandes den Betrag von K2300 und an Waisenmädchen (Nichtmitglieder) den Betrag von K 586 ausbezahlt hat. Genannter Verein ist mit den bereits aufgelösten ifrael. humanitären Verein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen. II.,, Schmelzgasse 9. nicht identisch. Wien. (Jüdisches Theater, Regie M. Siegler, Hotel Stefanie, H„ Taborstraße 12.) Freitag, 25., Sonntag, 27. Feber: „D a s lustige Wab 1", von Wilensky, Fr. R. Siegler in der Titelrolle. Samstag, den 26. Feber: „D er wilde Men s ch", von I. Gordin. Sonntag Nachmittag, halb 4 Uhr : „O p f e r u n g Jsaks", vonA. Goldfaden. Montag. 28. Feber : „B a r K o ch b a, von Goldfaden. Dienstag, den 29. Feber, Premiere: „Die goldene C h a s s e n e", von Lateiner. Wien. (E i n 106 jähriger Brautführer.) Letzten Samstag wurde im II. Bezirke eine überaus interessante Hochzeit gefeiert. Ein Zufall unterstrich geradezu das Ungewöhnliche dieser Hochzeit, weil sie am hundertsten Todestage Andreas Hofers stattfand und ein Zeitgenosse dieser schon legendären Gestalt und Epoche, der 106jährige Fleischhauer Moritz Weiß, in voller körperlicher und geistiger Frische als Trauzeuge seiner Enkelin, des Fräuleins Regina Weiß und nunmehrigen Frau A l t st ä d r e r fungierte. Die Popularität des Greises, der seit Dezennien un 2. Bezirke wohnt und fiich der besonderen Fürsorge des „Vereines zur Bekleidung und U n t e r st ü tz u u g armer alter Al ä li it t r ifrael. Konfessio u" erfreut, trug dazu bei, daß sich zu der Hochzeit viele Tausende eingefunden hatten. Vor dem Hause, 2. Bezirk, Zirknsgafse 50, erwarteten Hunderte die Abfahrt des Brautpaares und der Leopoldsiädter Tenipel, wo die Trauung starifand, war bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Rabbiner Dr. David, der im Vereine mit dem Oberkautor G u t t m a u u die Traunngszeremonie vornahm, verwies in seiner Ansprache an das Brautpaar auf das ungewöhnlich yohe Aller des Großvaters und beglückwünschte ihn zu seiner Rüstigkeit. Nach der Trauung kam es zu wahrhaft stürmischen Szenen. Als Herr Weiß, der das Aussehen eines Siebzigjährigen hat, das Tor verließ, streckten sich ihm bunderte Hände entgegen, um ihn zu beglückwünschen und Hunderte drängten sich, um ihn zu sehen. Wien. (Di amanteue Hochzeit.) Am 26. d. feiern die Ehegatte» Herr Salomo» H o f f m a n n und Frau Juli H o f f m a n n, geborene Nußbaum, das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Die Jubilare wurden am 26. Februar 1650 in Uugarisch-Ostra (Mähren) getraut. Aus der Ehe entsprangen zwei Söhne und eine Tochter, die mit Kindeskindern das Ehepaar au seinem Ehrentag umgeben werden. Herr Salomon Hoffmann, am 25. Juli 1822 in Klefucka bei Brünn geboren, steht im 88. Lebensjahr. Seine Frau, am 24. Jänner 1825 geboren, hat das 86. Lebensjahr bereits überschritten. Herr Hoffmann, der Obmannstellvertreter des „Ungarisch-Ostrauer Vereines in Wien" ist, war Verwalter der Jarofchauer Brauerei, welche er in Wien einführte. Seit einigen Jahren privatisiert er. Beide Eheleute erfreuen sich der besten Gesuudheck und Rüstigkeit. Fragt man sie. wie sie es angestellt haben, daß sie bis ins hohee Alter frisch und lebenslustig geblieben sind, so erfährt man, daß sie zeitlebens stets mäßig gelebt haben, zeitlich früh aufgestanden sind, nicht viel gegesieu und noch weniger getrunken und das Leben trotz aller Wechselfällc stets von der freundlichen Seite betrachtet haben. Samstag den 26. d. um VolO Uhr vormittags findet im Leopoldstädter Tempel die Ehrung des diamantenen Jubelpaares seitens der Kultusgemeinde statt, hierauf um 12 Uhr in der Wohnung der Jubilare, II.. Zirkusgasse 35, die Gratulation. Wien. DerBerein i s r a e l. F l e i s ch h h a u e r und Fleischverkäufer in Wien veranstaltet am 1. März a. c. im Festsaale des Hotel Konrinental, II., Praterstraße 3, ein K o st ü m- Kränzchen (ohne Kostümzwang). Im Gemütlichen für die Tanzlustigen das Quartett Lenz mit den Duettisten Huber und W o lf e r t, Komiker K u b a l a und der berühmte Sregreifsäuger Ungrab. Die Tanzmusik besorgt die K a p e l l e des k. u. k. Infanterie- Regiment Nr. 67. Freiherr Kray de Krajova et T o p o l j a. Das Tanzarrangement obliegt der bewährten Leitung Professor Singers. Der Beginn des Festes ist für präzise 9 Uhr festgesetzt. Karten bei Komitee-Mitgliedern im Vorverkauf K 2.50, an der Äbendkasia X 3. Wien. Die im Vereine „Liwias dien“, II., Stefaniestraße 2, (Stefanichof) jeden Samsrag um ^4 Uhr nachmittags stattfindenden Korträge des Herrn Abraham L a n d m a n n erfreuen sich seitens der zahlreichen Zuhörerschaft einer immer größer werdenden Beliebtheit. Ausgestattet mir modernem Wisien, versteht es dieser Gelehrte nicht nur für seine Landsleute die Bibelexegese durch eingestrente geistreich-pointierte und witzige zu einer wahren fptP JJJ? zu gestalten, sondern auch bei den einheimischen Juden diese spezifiisch-östliche Eigenart, welche bekanntlich in dem „Dubnoer Magid" ihren markantesten Vertreter gefunden, durch moderne Vortragsweise populär zu machen. Freunde des jüdischen Schrifttums seien auf diese Vorträge besonders aufmerksam gemacht. Wie». Der humauitäre Geselligkeitsverein „Die Szeniczer in Wien", veranstaltet am 26. d. M. im Horel „Central". IX. Taborstraße 8, eine Akademie mit anschließendem Kränzchen. Hervorragende Kunstkräfte haben ihre Mitwirkung zugesagr. Beginn 9 Uhr. Vereiuslokal: Cafe Concordia", X, Concordiaplatz. Wien. (Brigittenauer israel. Tempelverein.) Zuolge Niederlegung der Mandate seitens der zwölf Vorstandsmitglieder findet Montag, den 26. Februar 1910, um 7, beziehungsweise 8 Uhr abends, in Kohn's Restauration, XX., Heinzelmanngaffe Nr. 1, eine außerordentliche Generalversammlung zum Zwecke der Wahl eines neuen Vorstandes statt. Znaim Der „Znaimer T u r n e r k l u b" veranstaltet am Samstag, den 12. März 1910, um 8 Uhr abends, in den Festräumen des Deutschen Bürgervereinshauses in Znaim ein K o st ü m - F e st, („Mit Cook zum Nordpol"). Der Reinertrag wird ivohltätigeu und Vereinszwecken zugeführt. Das Reisekomitee gibt für die ulkige Vergnügungsfahrt zum Nordpol folgenden N e i s e p l a n aus: Die gemeinschaftliche Abfahrt aller Reiseteilnehmer erfolgt um 8V2 Uhr abends unter persönlicher Führung des berühmten Nordpolentdeckers Dr. Cook auf dem mit allem Komfort ausgestatteten Salondampfer „Ulkia" vom Landungsplätze „Deutsches Bürgervereinshaus" in Znaim. Jeder Teilnehmer har sich rechtzeitig mit Fahrscheinen (Eintritt per Person Iv 2) zu versehen, welche während der ganzen Dauer der Polarnacht Giltigkeit haben. Die Rückfahrt erfolgt kostenlos und zu jeder beliebigen Stunde. Für die Belustigung am Nordpol hat das Komitee in ausgiebiger Weise gesorgt. Eisbären, in Freiheit dressiert, werden vorgeführt; Vorträge, Tänze und Schaustellungen werden den Reiseteilnehmern ein Bild nordischer Kultur entrollen. Weiters werden Eingeborene in gebeizten Zelten Erfrischungen aller Art darbieteu; Feinschmecker werden Gelegenheit finden, die erlesensten Leckerbissen der Eisregion zu verkosten; Blumen in seltener Pracht werden direkt ans den Polartreibhäusern geliefert. Die Reisemnsik besorgt die Kapelle des k. u. k. Jnfauterieregimentes Parmann Nr. 12. N e i s e w i n X e : Für diese Reise besteht zwar kein Kostümzwang,, doch ist eine möglichst starke Beteiligung in Kostümen erwünscht. Um sich gegen die versengende Glut der Mitternachtssonne zu schützen, ist es auch gestattet, in Masken zu reisen, doch haben sich maskierte Teilnehmer über Aufforderung dem Reiiemarschall gegenüber zu legitimieren. Da eine Erfrierungsgefahr ausgeschlossen ist, kann diese Reise auch von den Bewohnern der heißesten Erdzone nuternvmmen werden. Boskowitz. Nach kurzem Krankenlager ist hier vor einigen Tagen die Kaufmannswitwe Frau Jeanette B u ch f ü h r e r im hohen Alter von 88 Jahren gestorben. Das Leichenbegängnis, an welchem sich nicht nur ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung, sondern auch Christen beteiligten. gab Zeugnis, daß die Verblichene, ivelche äußerst human und gottesfürchtig war. sich einer allgemeinen Beliebtheit erfreute. Ruhe sie sanft! — Ebenso wurde unter zahlreicher Beteiligung der im 54. Lebensjahre verstorbene Max B r ü l l am 11. d. At. begraben. Pakrac. Unsere Gemeinde hatte sich mit einer sehr schönen und vielversprechenden Institution bereichert. Unser überaus rühriger Herr Rabbiner Lazar S ch ö n f e l d hat einen langgehegten Plan dieser Tage zur Ausführung gebracht, indem es ihm endlich gelungen ist, die Mittel für die Errichtung einer würdigen, schönen, öffentlichen jüdischen Bibliothek zn beschaffen. Diese Institution ist hauptsächlich für die jüdische Jugend von unschätzbarem Werte und sie hat die Aufgabe, das Interesse für jüdische Geschichte und Literatur in den weitesten jüdischen Kreisen wachzurufen, um dem Judentume die stumpf gewordene und dein Abfalle nahen jüdischen Seelen zurückzuerobern und zu erhalten. Der jüdische humanitäre Frauenverein und unsere Chewra Kadischah haben bedeutende Summen der Bibliothek gewidmet. Kiteratnr. Heine-Kalender für das Jahr 1910 von Eugen Korn. Mit Schmuck von Anna Helnemaun. Berlin-Leipzig. Modernes Verlagsbureau Curt Wigand. 1 Mk. * Mit der Absicht, dem Dichter, Denker und Menschen in Heine die gebührende Beachtung zu schaffen und ein umfassendes Bild des Größten nach Goethe zu entwerfen, hat Korn den Heine-Kalender herausgegeben, der in seiner künstlerischen Ausstattung entzückend schön und durch eine geschickte Auswahl Heinescher Liederperlen, Aphorismen und Briefen wohl geeignet ist, für diesen ungezogenen Liebling der Musen warmes Jutereffe in weite Kreise zu tragen. In Goethes Worten zur Beurteilung der dichterischen Persönlichkeit finden die Heine-Feinde a 1a Bartels ihre gebührende Abfertigung. Mit der Wiedergabe einiger Heine-Bilder, namentlich des Heinedenkmals von Hasselriis auf Korfu, hat sich Korn den Dank aller Heine-Verehrer erworben. Das Büchlein wird überhaupt jedem, der Sinn für Schönheit hat, höchst willkominen sein. Dr. K a h a n, Znaim. Marunttg. Seit einiger Zeit treibt sich in Wien ein Schwindler hermn. der sich fälschlich als Kantor Posamentir aus Hnmpoletz ansgibt und besonders bei Kantoren an das kollegiale Mitgefühl zu appellieren sucht. Die geehrten Leser dieses Blattes werden hiemit ans diesen Schwindler aufmerksam gemacht und ersucht, denselben im Betretungsfalle der Polizei überstellen zn lassen. 888^ Die heutige Nummer enthält als Beilage einen Prospekt der Verlagsbuchhandlung Gustav Engel, Leipzig, ans welchen wir unsere Leser aufmerksam machen.

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