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Die Wahrheit · 1910-02-25 · Heft 9 (25.2.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 9 (25.2.1910)
Date
1910-02-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9. Die Wahrheit Leite 7. Unter ihrem Schilde ist jedem der Wohlstand, allen die Gleichheit > gewährleistet; überlegene Kraft nnd Klugheit genießen wohl höheres Ansehen nnd Einkommen, können aber beu Schwächeren nicht unterdrücken. Heute wo der jüdische Stamm, heimatlos und vom Bodenbesitz ausgeschlossen, sich wieder seiner Einheit bewußt wird und mit allen Kräften danach ringt, durch neue Berwnrzelnng mit der Erde seiner alten Väterheimat wieder zum Volk zu werden, kehrt er zu den alten heiligen Ackergesetzen zurück, wenn er auf Oer modernen Genossenschaft anfbant. Hierzu bietet die Einrichtung des Jüdischen Nationalfonds die gegebene Grundlage, da seine Bestimmung ist, Grund und 'Boden in Palästina und seinen Nachbarländern als Gesamtbesitz des jüdischen Volkes für ewige Zeiten zu erwerben. Die Siedlnngsgenosfenschaft, die Genossenschaft des Besitzes und des Betriebes, vom Zionisteu- .Kongresse in Hamburg einstimmig beschlossen, soll auf diesem vom Natioualfvuds in Erbpacht erworbenen Boden den Anfang bilden zur Verwirklichung einer Hoffnung von zwei Jahrtausenden, soll der e r st e V e r s n ch sein, die Ketten d e r w i r t s ch a f r l i ch e n, sozialen und teils auch politischen Knechtung zu zerreißet!, in denen acht Millionen unserer Stammes- und Glaubensgenossen, zwei Drittel unseres Volkes schmachten. Ueberflüssig. die Segnungen der Genossenschaft zu schildern! Sie hat sich, wo sie erprobt wurde, als die sturmfreie Feste erwiesen, die ihre Mitglieder vor Armut und Verfall! schützt, als das Werkzeug, das den Wohlstand und die Sittlichkeit heranfzanbert; von allen Arten der Genossenschaft aber hat keine entfernt so Wunderbares geleistet, wie die bäuerliche Besitz- und B e l r i e b s g e n o s s e n s ch a f t. j Sie wird sich auch hier bewähren, dessen sind wir sicher. , Sie wird jüdische Handwerker und Hausierer zur Landarbeit! erziehen, sie wird aus zersplitterten jüdischen Proletariern freie, gedeihende Bauern machen, um die sich das Baud der Genossenschaft schlingt, das ihren Verband unzerbrechlich macht wie jenes Pfeilbündel des arabischen Märchens. Aber sie wird mehr leisten als nur die Umschaffnng von l 'Luftmenschen in Bauern, die im Vollgeuuß aller Kulturgüter, I selbstbewußt und hochgebildet, in Freiheit auf der unverlierbaren väterlichen Scholle wirken. Wer Bauern schafft, schafft auch Städte! Wo der Bauer Nahrung zu Markte zu bringen hat, gedeiht das Handwerk und der Handel, erblüht Kunst und Wissenschaft. Und so ist denn auch das letzte Ziel, auf dem Fundament des bäuerlichen Wohlstandes das stolze Gebäude einer reich gegliederten Volksknltnr ansznrichten. Dazu freilich wäre die Grundlage einer einzigen Siedlnngsgenossenschaft viel zu schmal. Aber es wird auch nicht bei der einen bleiben! Der erste Versuch wird zeigen, daß hier eine K r e d i t b a s i s gegeben ist, wie keine andere wirtschaftliche Organisation sie entfernt besitzt. Nicht Almosen erbitten wir, sondern eine Beteiligung au dem großen Unternehmen, Kredit fordern wir von denen, die helfen können. Und wenn wir ihn, wie es unsere Absicht ist, ausreichend verzinsen und pünktlich amortisieren, dann werden w i r mit größeren und immer größeren Dritteln arbeiten können, die man uns vertrauensvoll barbietet; nnb ans der Kleinkolonisation wird in kurzer K e i t eine Kolonisation großen Stils erwachsen. Darum ergeht an alle diejenigen, die noch ein Herz für ihr jüdisches Volk haben, und die unseren armen Brüdern nicht durch Almosen, sondern durch soziale Mitarbeit helfen wollen, der Ruf: Beteiligt Euch an diesem Untern ehme it, d a s den Ausgangspunkt einer neue n wirtschaftlichen nnb sozialen Entwicklung des -jüdischen Volkes bilden soll. Für das Gründungskomitee des Jüdischen Genossenschaftsfonds Dr. Franz Oppenheimer, Berlin, Gr. Lichterfelde, Belevuestraße 44. Jeder Zeichner von mindestens Frs. 100.— erhält eine provisorische Quittung, die möglichst schnell in einen Anteilschein einer Kapitalsgesellschaft umgewaitdelt werden soll, deren Sitz und Verfassung zur Beratung steht. Beiträge und Zeichnungen sind zu richten an das Hanptbureau des Jüdischen Nationalfonds z u H a n d e n des Herrn Dr. M. I. B o d e n h e i m e r, Köln, Karolingerring 31 und die Landessammelstellen des Jüdischen Nationalfonds. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Vorrrag aus j ü d i s ch e r G e s ch i ch ce, Literatur u u d K u t r u v.) Donw'rscag, den 3. März 1910, präzise lj2S Utjr abends, findet tut Festsaale des Ingenieur- und Architekrenvereines, I., Eschenbachgasse 9. ein Bartrag des Herrn Rabbiners Dr. Max G r u n w a l d statt. Thema : „Moses Montefiore." Mir Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karren. Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e, XX., Othmargasse 46.) Samstag, den 26. Februar, Konzert. Sonnrag. den 27., lieber Dr. Zollschans „Rassenproblem", Dr. PH. S ch v n w a l d. Montag, den 28., Juristischer Zyklus, Dr. M. Reist. Dienstag, den 1. März, „Ans der jüdischen Literatur und Philosophie", Rabbinals-Kalididar Bela Fischer. Mittwoch, den 2., „Italienische Kunst", I. Rafael. Mir Lichtbildern. Pros. Dr. Ludwig Singe r. Donnerstag, den 3.. „Das Jndenrnm im Lichte der Moderne", Rudolf B e ck. Freirag. den 4., Bibelvorcrag. Wien. (B e t h - H a m l d r a s ch Talmud-Thora, II., Malzgasse 16.) Freitag, den 25. Februar 1910, 3/t8 llhr abends, sinder daselbst ein Bortrag des Herrn Oberlehrers Jakob K o h n statt. Thema: „Denkwürdigkeiten ans der jüdischen Geschichte". Samstag, den 26. Februar 1910, 3 Uhr nachmilrags, Bortrag des Herrn Rabbiiiats-Kaiididarrn Bela Fischer. Thema: „Jbn Esra's Exegetik zur Bibel". Wien. (B e r e i it z n r Bekleid n n g nnd llute rst ü tz n n g armer alter M ä n n e r i s r a e l. K o n s e s s i o n.) Samstag, den 26. Feber, halb 7 Uhr abends, findet im Sitzungssaale der israel. Kttlrnsgeineinde, I., Seitenstectengasse 4, II. Stock, die ordentliche G e u e r a l v e r s a m m l u n g des Vereines statt. Tagesordnung : I. Rechenschaftsbericht; 2. Kassabericht; 3. Bericht der Revisoren; 4. Referat über die Statistik der uns zugehörigen Schützlinge; 5. Wahl von 7 Borstandsmitgliedern mir dreijähriger Funkrionsdaner nnd 3 Revisoren mit einjähriger Fnnktionsdauer; 6. Anträge und Jnrerpellarionen. Rach Erschöpfung der Tagesordnung: Vortrag Sr. Ehrwürden des Herrn Rabb. Dr. I. Taglicht. Wie». (Goldfaden-Preis.) Der akademische Verein „Jüdische Kultur" in Wien wendet sich in einem Ausrufe an die jüdische Oeffentlichkeic. um die Mittel für einen P reis zu beschaffen, der alle drei Jahre im Betrage von 1000 Kronen zur Berteilung kommen nnd dem besten Drama, das während dieses Zeitraumes geschaffen wurde, zuerkannt werden soll. Der Preis wird zu Ehren des Begründers der jüdischen Bühne den Namen „Goldfadenpreis" führen nnd die Anerkennung desselben soll durch eine Kommission von jüdischen Literaten und Knnstrennern erfolgen. Aus diese Weise wird sowohl den Jnreiltionen des toten Dichters entsprochen, als auch ein Mittel geschaffen werden, die jungen Talente anzueisern. wirkliche echte Knnstwerke zu schaffen nnd so den Kunstgeschmack des jüdischen Thearerpnbliknms zu verfeinern. Briese und Wertsendnilgen wollen an die Adresse: Akademischer Verein „Jüdische Kultur" in Wien, II, Blnmauergaffe 20, gerichtet werden. Wien. (Frankl-Feier i m j ü d I s ch e II M u s e n m.) Diese Gesellschaft veranstaltet Sonntag den 27. d. M.. 71/., Uhr abends, im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines. Eschenbachqaffe 11. eine Feier aus Anlast des 100. Geburtstages von Ludwig August Frankl. Herr Direktor Adolf W e i s s e wird Dichtungen Frankl's zum Bortrag bringen. Hieran schliestt sich die Wiedergabe jüdischer Dichtungen von verschiedenen Auroren. Eintrittsbelege im Jüdischen Museum. II., Pratersiraße 28. Samstag nnd Sonntag 11 — 1 Uhr. Wien. (W o h l t ü r i g k e i t s a k a d e m i e des human ir ä r e n V e r e i n e s zur U n t e r st ü tz n n g armer jüdischer K u r b e d ü r s r i g e r.) Dieser vor drei Jahren vom Herrn Lektor Friedmann s. A. begründete Verein veranstaltete am 17. d. M. im Hotel „Central" eine Akademie, die einen glänzenden Verlaus nahm. Dem von Hermann Stein versastten, von der elfjährigen Ella B e r g n e r gesprochenen Prolog folgten Vorträge. Herr Hofoverniänger Joses Schwarz entzückte durch seinen herrlichen Gesang. Herr Paul M o r g a n erheiterte die Zuhörer durch humoristische Vorträge; Fräulein Mizzi Grassi- F a n t o. eine reizende Kabarerlivre, erntete besonders durch das Lied „Ringelringelreih'n". koinponiert von R. B. W e r a u, stürmischen Applaus. Herr Robert N e n b a ch sang vortrefflich. Der zehnjährige Mischa S t i l l m a n n erwies sich als vortrefflicher Geigenvirtuose nnd den glanzvollen Abschluß des Festes brachte die Klaviervirtuosin, Fräulein Elsa K r i ß. An die Borträge schloß sich ein Tanzkränzchen an. Um das Gelingen des Festes hatten sich besondere Verdienste erworben die Frau des Vereinsobmannes, Frau Dr. Martha Brau n. sowie das Komitee, an dessen Spitze Herr Dr. Jacodovics stand. Wien. (I. Wiener israel. humanitärer Heirats- A n s st a t r n n g s - B e r e i n „2 achnusas Kalu“ II., Sperlgaffe Nr. 32—34.) Am 14. Februar a. c. fand die ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Der Bereinspräsidenr Oskar R » b i n besprach die humanitäre Tendenz desselben, welche dahin geht, mittellosen

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