Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 9 (25.2.1910)
- Date
- 1910-02-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9. Die Wahrheit Seite 9. csllle Rechte Vorbehalten.) Gin neues Licht. Bon 'Adolf Heinrich Landau (Wiener-Neustadt). (Schluß.) Der erste Schnee bedeckte bereits die Fluren und eine Schar hungriger Raben flog kreischeild über ein ödes Feld. Eine scharfe Brise bewegte die schlanken Pappeln, die am Ufer des schnellen, gurgelnden Flüßchens standen und lustige Knaben versuchten ans dem dünnen Schnee Ballen zu formen. Das waren untrügliche Anzeichen des nahen Winters und der klare .Himmel ließ einen herben Nachtfrost vermuten. Dr. Fuchs halte lveit draußen, außerhalb der Stadt einen armen alten Mann besucht, der schon drei Wochen krank dariliederlag. Er hatte ihm Trost zngesprochen und mit ihm zu seiner Beruhigung das Sündenbekenntnis gesagt. Nun begab er sich wieder nach Hanse und blickte den steilen Berg hinan, der zu den Friedhöfen führte. Da bewegte sich langsam ein trauriger ..Zug, bloß zwei kleine Mädchen und zwei Männer folgten schluchzend dem Sarge. Dr. Fuchs blieb stehen, ihm fielen die Verse Schillers ein: Ach die Gattin ist'S die teure, Ach es iß die teure Mutter, Die der schwarze Fürst der Schatten Wegführt audein Arm deS Gatreu, Aus der zarreu Kinder Schar, Die sie blühend :hin gebar! Doch w a s war denn das? Der Zug bewegte sich ja links, zum jüdischen Friedhof! Atemlos rannte er den Berg hinauf 'und kam gerade dazu, wie der Sarg in die kühle Gruft geseiikt wurde. Herzergreifende Worte sprach er am Grabe, denn er war tief bewegt, dann tröstete er die jammernden Kinder und den tiefgebeugten Vater. „Herr Rabbiner", sagte der arme Mann, ..was Sie da getan haben, werde ich Ihnen nie vergessen. Vielleicht erbarmen Sie sich meiner, es ist eine Gratisleiche und nicht genug, daß meine teuere Frau abseits liegen muß, kann ich ihr auch keinen Stein stellen." „Gehen Sie ruhig nach Hause. Ich werde für Sie in der Trauerwoche sorgen lassen und seien Sie unbesorgt, es wird auch ein Stein da sein." Der Mann wollte ihm die Hand küssen, er aber war rasch verschwunden. Am nächsten Tage sprach der Rabbiner bei Dr. Süß vor. Er erzählte ihm alles und bat ihn, für die armen Leute etwas tun zu wollen und, wenn möglich, auch einen schlichten Stein am Grabe anfstelleu zu lassen. „Ich werde den Armen gleich eine größere Unterstützung ex praesidio anweisen," sagte der edle Mann, „und auch für einen Stein rverde ich Sorge tragen." „Ich danke Ihnen herzlich, Herr Doktor. Noch ein Anliegen hätte ich. Bitte mich verständigen zn wollen, wenn wieder so ein unglücklicher Fall Vorkommen sollte." „Weshalb denn, Ehrwürden?' „Ich möchte es wissen, damit auch bei den Gratisleichen funktioniert rverde. Ich, für meinen Teil, bin gerne bereit, es umsonst zu tun." „Das wird gar nicht nötig sein, bereits in der nächsten Sitzung werde ich diese Sache zu Ihrer Zufriedenheit regeln lassen, denn es berührt auch mich stets peinlich, wenn ein Armer ohne Sang und Klang beerdigt wird." ..Möge Ihnen, Herr Doktor, der himmlische Vater für diese Tat reichen Lohn spenden."- Bald nach dieser Unterredung kam der Große Rat zusammen, um über die Verleihung des Definitivnms zn beschließen. Man hörte nur eine Stimme des Lobes und alle erklärten, keinen edleren, sympathischeren und besseren Menschen gesehen zu haben. So wurde denn das Definitivnm samt der Gehaltserhöhung ohne Debatte e i n st i m m i g angenommen. Der Vorstand holte hierauf den jungen Rabbiner aus seiner Wohnung ab und machte ihm den Beschluß vor allen Herren bekannt. Dr. Fuchs dankte in längerer Ansprache und gab dann unter Handschlag die eidliche Versicherung, das Interesse d er G emei n d e zu w a h ren, treu s ei n e P f l ich t zu e r f ü l l e ll und allen Weisungen des B o r st a n d e s. s o w e i l sie mit seiner S l a n d e s e h r e vereinbar feie n» st e r s n a ch z u k o m m e n. Er Unterzeichnete dann einen Kontrakt, wonach sein Gehalt alle fünf Jahre, bis zum Betrage von 6000 Kronen steigen solle, ferner verpflichtete er sich. Den Posten innerhalb der nächsten fünf Jahre nicht zn verlassen. Alle Herren drückten dem jungen Rabbiner beglückwünschend die Rechte und begleiteten ihn dann nach Hanse, wo sie auch der alten Mutter gratulierten. Dr. Süß sagte: „Ihnen, gnädige Frau, gebührt das Verdienst, die Gemeinde aus finsterer Nackt befreit zn haben, denn Sie haben uns mit ihrem Sohne ein neues Licht geschenkt!" Die Nachricht verbreitete sich blitzschnell im ganzen Crte und fand überall freudigen Widerhall. „Etwas früh ist er definitiv worden." sagtet! manche, „aber er hat es verdient." Bald folgte dieser Neuigkeit eine zweite, die schon einige Häuser in Aufruhr brachte: Dr. Fuchs teilte nämlich den Mitgliedern der Gemeinde mit. daß er am 6. Jänner in Wien heiraten werde. Mit Ausnahme derjenigen, die sich Hoffnung machten, den trefflichen Mann zum Schwiegersohn zn bekommen, schickten alle, auch die Armen, schöne Geschenke. Nur einige Räte waren recht erbost. Als Dr. Ehrlich eines Tages zn einem Kranken ging und beim Hanse des Herrn Heller vorüberkam. standen einige Herrn da und sprachen erregt über den Rabbiner. Dr. Ehrlich trat hinzu. „Nun. was sagen Lie zn unserem Rabbiner? Kaum hat er die fixe Anstellung, rennt er heiraten," sagte Herr Hellerrecht aufgeregt. „Was wollen Sie," erwiderte der Doktor, „er kann doch nicht mit der alten Mutter allein bleiben. Die Frau ist ja leidend und dann soll ein Rabbiner nicht ledig sein." „Ja. aber er hätte doch ein hiesiges Mädchen nehmen können!" rief Herr Weinmann. Und Herr Bär schrie wütend: „Wozu haben wir denn einen Ledigen gewühlt?" Dr. Ehrlich mußte herzlich lachen. „Ach so, die Herren wollten schlau sein! Unser F u ch s war aber ein wenig s ch laue r!" Sprach« und eilte zu seinen Patienten. Ende. Austritte ans dem Judentum. S z i l a g y i Amalia, Näherin, geb. 23. Mai 1383 in TaSnad, III., Arudtstraße 17. T r e b i t j ch Dr. Heinrich, Industrieller, geb. 21. Juni 1872 in Wien, I.. Angnsrinerstraße 8. Lorsch Hermann, Bankbeamter. geb. 3. Jauner 1880 in Wien, I., Börsegasse 7. Lembach Hermine, Private, geb. 9. Dezember 1384 in NikolSbnrg, XX., Woltsangasie 9. Byk Stefanie, Ministerialiekretärsgatlin, geb. 25. Jänner 1884 in Wien, IV.. Gnßhausstraße 19. Klötzel Wirrel, geb. 25. Juni 1386 in Brody (Galizien), IV., Leibenfrostgasie 5. Klötzel Karl. geb. 8. Sevtember 1909 Wien, IV.. Leibenfrost- * i)ai) e 5. Friedländer Elise, Beamtin, geb. 22. April 1872 in Wien. VLLL, Laudongasse 57. Pollak Laura, Geschäftsfrau, geb. 15. September 1369 in Wien, I., Schorrenring 33. H a l p e r n Elsa. geb. 15. Februar 1875 in Prag, IX., Währingerstraße 15. Blau Rudolf, geb 22. Juli 1880 in Wien, Schauspieler, IX.. Simoudenkgasie 1. Z ch m i e d l Julius, geb. 12. 'August 1834 in Golö-Jenikau, Bankbeamter, IX., Rögergasie 14 b. Mandl Regine, geb. 15. Jänner in Srrebersdorf, Kontoristin, XVII., Steinergasse 11.