Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 8 (18.2.1910)
- Date
- 1910-02-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. . .......... ... /-_______3Äl'..8._ Werke Spinozas in klassisches Hebräisch, die er unter dem dem Maimonidesschen Hauptwerk entlehnten Titel „Der neue Führer der Irrenden" heransgab. Im Jahre 1865 übersiedelte Rubin nach Wien; hier erschien sein bedeutendstes Werk in deutscher Sprache: „Sp-noza und Maimonides". ans Grund dessen ihm die Universität Göttingen den Doktortitel verlieh. Außerdem ist seine in hebräischer Sprache abgefaßte „Geschichte des Aberglaubens" von dem bekannten Spinoza-Uebersetzer I. Stern in Stuttgart ins Deutsche übertragen worden. Literatur. Ost «nd West. Heft 2. Februar 1910. 10. Jahrgang. Inhalt: „Zwei jüdische Kongreße". Bon Dr. Simon B e r n f e l d. „Benedictus Spinoza" <Jm Lande Spinozas, mit 21 Illustrationen). Von Ernst A l tk i r ch. „Chassidische Melodie" «Noten). „Hermann Bnrchardt" (mit Porträt). Von Dr. M. Fricdländer. „Schachrubrik". „Luis Gumpert". Mitteilungen aus dem Deurscheu Bureau der „Alliance Jsraslite Universelle": I. Die Vertraqsrechte der Juden in Rumänien. (Eine Denkschrift). II. Die Knabenschule der Alliance in Hamadan (Persien) 1909 (mit Illustration). III. Die Loge in Rumänien. IV. Die Mission der Alliance nach Jemen. V. Amara. YL Die Israeliten in Marokko. VH. Notizen: Die Schulen in Bulgarien. Alliance-Armenschule in Bagdad. Zentral-Komitee der A. I. U. Lokal- Komitee Berlin. Gnesen. Lokal-Komitee Leipzig. Lokal-Komitee Lissa I. P. Salomon Reich. Frau Otterbourg. Die jüdische Eiilwauderuiig iu Newyork im Monat November. (Alle Siechte Vorbehalten.) Gin neues Licht. Bon Adolf Heinrich Landau (Wiener-Neustadt). (Fortsetzung.) XI. Es war ein wunderschöner Herbsttag. Der große Stadtpark bot im Sonneuglanze ein entzückendes Bild, die Blätter lagen vergilbt ans dem Boden und raschelten unter den kräftigen Schritten des Rabbiners und des Sekreläts. die sich zu einem kleinen Spaziergang zusammeugefilnden hatten. „Ich habe schon oft darüber nachgedacht," begann Dr. Fuchs, „warum die Knltnsbeannen keine große Organisation bilden. Jeder sucht sich nur zu separieren und sieht in seinem Kollegen einen Gegner. Alistatt gemeinsam für ihr gutes Recht zu kämpfen, sind sie aufeinander eifersüchtig!" „Leider nur zu wahr! Wie sollen wir bei anderen Achtung finden, wenn mir sie uns selbst versagen? Aber fällt nicht ein Teil der Schuld auch auf die Gemeinden? Um nur Geld zu ersparen, werden mindere Kräfte für vollwertig anerkannt, beim Vorbeter ist eine schöne Stimme der Befähigungsnachweis für alles und hilft über sonstige Mängel hinweg. Wird aber ein Beamter ohne Grund entlassen, so finden sich gleich eine Menge Bewerber, die ohne viele Bedenken auch um eine geringere Entlohnung die Stelle annehmen. Es fehlt jedes Solidaritätsgefühl, es fehlt jede Kollegialität und die Gemeinden rechnen mit diesem Uebel und nützen es aus — um Ersatz ist ja keine Sorge." „Das wird sich einmal bitter rächen! Nur dadurch wird der Stand entwertet, daß sich seine Träger s e l b st erniedrigen und e n 1 w e r t e n!" „D e m Kn l t u s b e a m t en bleibt nichts erspart. Es tut mir weh, es Ihnen sagen zu müssen, Herr- Doktor. Bloß die erste Zeit ist er ein P r u n k st ü ck, auf das man stolz ist, dann aber wird er ein gewöhnliches M ö b e l st ü ck, das man zwar braucht, aber nicht besonders beachtet und wertschätzt." „M an muß es v e r st e h e n, seinen Wert s e l b st a u s z n p o s a u n e n. Wer diese Kunst nicht gelernt, der hat sein ganzes Leben darunter zu leiden. „Es ist wahr: Jeder gibt seinen Wert sich selbst. Wohl dem, der stets das rechte Wort zur rechten Zeit gefunden, doch wehe, wenn man zur Unrechten Zeit geschwiegen hat. Nur einmal einen Schlag ruhig hingenommen — — dann folgen die anderen unabwendbar. Doch es kommt eine Zeit, wo man sich nach Ruhe sehnt, daun gewöhnt man sich an alles. Dem jungen Manne steht die Welt offen da. Wer aber feine bester! Kräfte im Amte verbraucht, wer sich im Dienste seiner Gemeinde aufgerieben, der hat es gelernt, gar vieles zu ertragen; den mutet ein Wort des Lobes und der Anerkennung wie eine feine Ironie an. Wir K u l t n s b e a m t e n sind d a z u d a, den Karren der Gemeinde zu ziehen. Oft. sitzt ein Menschenfreund am Lenksitz, oft auch nicht. I m m e r aber sind die Zügel straff ängezogen und moralische Peitscheu-- hiebe nichts Seltenes!" Festen Schrittes gingen die beiden kraftvollen Gestalten nebeneinander. Der junge Rabbiner sah mit bewunderndem Blick zu dem iu Erfahrung ergrauten Manne auf. Er dachte,, daß es doch vernünftig sei, von älteren Leuten zn lernen und daß es viel besser sei, einen guten Rat zn befolgen, als sich überall den Kops an der Wand anzurenneu, bis man endlich selbst gelernt, der Wand ausznweichen und den geraden Weg aller Welt zn wandeln! Der Sekretär brach das Schweigen. „Herr Doktor haben sich wirklich. Mühe gegeben und den Frieden herznstellen versucht. Aber er dauert schon zn lange;: die Leute suchen neuen Zündstoff. Anfangs war alles entzückt, nun rücken Nenwahlen heran Und wieder nähren einige den Unfrieden. Jetzt heißt es wieder, daß die Jugend nicht fromm ist. Wem will man da die Schuld geben?" „Fromm? Das ist ein weiter Begriff. Wer seinen Nächsten liebt, wer Gott fürchtet, hilfbereit und gut ist — der ist fromm. D u r ch Zwang w e r d e n wir die I n g e n d nicht zu r Frömmi gkei t hinziehen! Aber wir müssen es dazu bringen, daß unsere jungen, kräftigen Sprossen den Namen „Jude" mit lautem Schlachtruf stolz auf ihr Banner schreiben. Und wahrlich, der junge Mann, der mit kräftiger Faust den Feind gezüchtigt. Weiler das Judentum verspottet — er hat nicht Minderes geleistet als der furchtsame Fromme, der e i n g e s ch l o s s e n in seinen v i e r W ä n d e n um Hilfe fleht!" „Wir tun ja unsere Pflicht. Aber solange wir nicht im Hanse kräftig unterstützt werden, können wir die vielen Abfälle nicht verhindern. Wenn das Haus das umstürzt, was die Schule aufbant — dann ist alle Mühe und Plage umsonst." Da wandte sich Dr. Fuchs leuchtenden Auges seinem Begleiter zu: „Und soll wirklich alle Mühe, alle Plage, alle Arbeitumsonst sein? Nein! Wenn auch nur ein Saatkörnlein ans fruchtbaren Boden fällt, wenn auch nur ein Blümlein unter unserer Wartung aufblüht — ist das nicht schon göttlicher Lohn? Was können schwache Menschenhände mehr tun als rastlos schaffen und arbeiten? Plagen will ich mich, redlich und ehrlich plagen, auch nicht ein: Hindernis soll mich abhalten, den Weg der edlen Gottesfurchtzu wandeln. Im Schweiße meines Angesichtes will ich den' Acker pflügen und säen, ich will den Samen warten und pflegen, ich will ohne Ruh und Rast ein jedes Unkraut aus dem Wege räumen — — und wenn dann doch die Ernte ausbleibt - wentl doch!-daun mnß ich mich in dem Willen Gottes ergeben und demütig sprechen: V e rz e i h e m i r, H e r r! — Ich habe das Meinige getan!" (Fortsetzung folgt.) Austritte ans dem Judentum Schwarz Alfred, Beamter, geb. 23. Dezember 1879 in Wien, UI., Rübeckgasfe 3. Königsberg Stefan, Schriftsteller, geb. 23. November 1886 in Draganowka (Galizien),'VI., Gumpendorferstraße 22. E b e r m a n n Leon. geb. 16. Juli 1863 in Wien, VII., Neubaugasse 53. W o z a s e k Oskar, Privatbeamter, geb. 21. Februar 1880 in Prag, XV.,. Klementinengasfe 26. Schwarz Siegfried, geb. 12. Jänner 1884 in Wien, XVII., Hauptstraße 30. Szekulla Arpad, Privat, geb. 25. Oktober 1874 in Finme, X.,. Keplerplatz 9. Bury Felix. Bankbeamter, geb. 9. März 1883 in Wien. XVHL, Währingerstraße 117. Brunner Julie. Komptoiristin, geb. 9. Dezember 1880 in Wien, XX.,- Wolfsangasse 9. Lembach Hermine, Private, geb. 6. August 1864 in Nikolsbnrg, XX.,. Karajangasse 25.