Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 8 (18.2.1910)
- Date
- 1910-02-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Die Wahrheit Sette 9. talmudische. In diesem beinahe ein Jahrtausend umfassenden Zeitraum hat das volkstümliche Vortragswesen die herrlichsten 'Blüten gezeitigt. Das war in den Verhältnissen auch vollauf begründet. Ans der Heimat vertrieben, der politischen Selbstständigkeit verlustig, um seine religiösen und nationalen Ideale betrogen, was blieb dem jüdischen Volk noch übrig, als das tröstende, erbauende und erhellende Wort, das einzige Mittel, die entschwundene Herrlichkeit der nationalen Vergangenheit und die zu erwartende einer hoffnungsreichen Zukunft in glänzenden Farben vor dem Auge erstehen zu lassen. (Fortsetzung folgt.) Uerschiedene Nachrichten. Wien. (Bortrag aus jüdischerGeschichte, Literatur und K u l t u r.) Donnerstag, den 24. Februar 1910, präzise */,8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. M. Rosen in a n n statt. Thema : „I. N. Mannheimer." Mir Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karren. Wien. (Generalversammlung der Wiener Jüdischen Toynbee-Halle.) In den Räumen des Israel. Humanitätsvereines „Eintracht Bsticu B'rith" hat in der Vorwoche bei Anwesenheit zahlreichen Mitglieder und Gönner die ordentliche Generalversammlung stattgefnnden. Ans dem vom Obmanne, Dr. I. S a m n e l y, erstatteten Rechenschaftsberichte ist zn entnehmen, daß im Jahre 1909 in der Toynbee- .Halle an 148 Abenden Veranstaltungen stattgesunden haben, hievon an 103 dlbenden populär-wissenschaftliche Borträge aus den verschiedensten Wissensgebieten. 23 Konzert- und 22 Bibelabende. Die Frequenz beträgt durchschnittlich 200 Personen pro Abend, sohin insgesamt zirka 30.000 Personen pro Jahr. Filialveranstaltnngen der Toynbee-Halle finden an jedem Samstage im XV. Bezirke, in den Räumen des Kinderhortes statt und es ist auch hier der Besuch ein recht befriedigender. Auf das Jahr 1909 entsallen dort 16 Abende mit mehr als 3000 Personen Frequenz. Eine höchst erfreuliche Entwicklung nehmen die unentgeltlicheu Unrerrichtskurse des Vereines, welche von bewährten Bernfslehrkrästen abgehalten werden. Dermalen sind 2 Anfängerknrse und 1 Kars für Vorgeschrittene ans englischer Sprache mit je 40 Schülern und 1 Stenografieknrs mit 35 Schülern im Betriebe. An 6 Sonntag-Nachmittagen haben die unter der Bezeichnnng „Kinderjause" stattfindendeu Belustigungen, Bewirtungen und Bescheukiingen von armen Schulkindern fast 2000 Schützlinge m den Räumen der Toynbee-Halle versammelt. Die Aermsten hievon wurden mit Kleidern beteilt, kränkliche der ärztlichen Obsorge zngefüyrt. Die Vorträge wurden von 65 Dozenten bestritten. Das Arrangement ganzer Konzertabende hatte an 16 Tagen je 1 Persönlichkeit übernommen, darunter auch 4 Orchesterkonzerte und 3 Kainmerinusikabende. Als erfreulich muß noch begrüßt werden, daß gerade im Berichtsjahre eine gesteigerte Frequenz von jugendlichen Besuchern wahrnehmbar wurde. Nach Erstattung des 'Kassaberichtes durch Herrn Franz Katz und des Revisionsberichtes fand die Wiederwahl der bisherigen Funktionäre, ferner der Herren Komm.-Rat R o s e n z w e i g und Hermann E l t b o g e n, in die Vereinsleicung statt. In den nächsten Tagen gelangt der Detailbericht des Vereines zur Versendung. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XX. Othmargasse 46.) Samstag, den 12. d. M., hatte der bekannte Musikpädagoge und Orgelvirtuose Pros. M. Storch das Arrangement eines höchst genußreichen Konzertabends in der Toynbee-Halle durchgeführr. Das geschmackvoll gewählte Programm haben nebst dem Arrangeur des Abends die Herren Beck (Klavier) und A n t s ch e r l (Violine), ferner Frl. Helene K o h n (Klavier) bestritten und die trefflichen Leistungen fanden wohlverdiente Anerkennung. — Das nächstwöchentliche Programm wurde wie folgt festgesetzt für die Zeit vom 18. bis 25. Februar 1910: Freitag, den 18., Bibelvortrag, Lehrer Josef P i ck. Samstag, den 19., Konzert, Arrangement Dr. B e t t e l h e i m. Sonntag, den 20., „Ibsen als Erzieher" (Zyklus), Dr. Beruh. Münz. Montag, den 21.. „Kindersterblichkeit und Säuglingsfürsorge", Dr. Heinrich Grün. Dienstag, den 22., „Literarischer Abend", Direktor Urbach. Mittwoch, den 23., „Reiseerinuernugen aus der Schweiz" (mit Lichtbildern). Lehrer Isidor F a l t i t s ch e k. Donnerstag, den 24., „Ueber Frauenkrankheiten" (nur Frauen haben Zutritt), Dozent De. M. Oppenheim. Freitag, den 25., Bibelvortrag, Lehrer H. L ö m- Vogel. Wien. (B e t h - H a m i d r a s ch Talmud-Thora, II., Malzgaffe 16.) Populär-wissenschaftlicher Vortrag (für Herren und Damen) Freitag, den 18. d. M., um s/4 8 Uhr abends. Thema: „Die Bedeutung des Wörtchens Herr Prof. Moritz A n s ch e r l. Samstag, den 19. Februar 3910, nachmittags 3 Uhr Vortrag des Herrn Rabbinalskandidaten Bala Fischers „Abraham Jbu Esra's Bibelkommentar. Wien. Mittwoch, den 16. d. M., 1j2S Uhr abends, fand im Sitznngssaale der israel. Kultusgemeinde die 'Generalversammlung des „V e r e l n für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten" statt. Dem daselbst erstatteten Berichte entnehmen wir, daß der Verein im abgelaufeneu Jahre für Krankenpflege den Betrag von X 6201-20 und an Pensionsunterstützungen X 19.950 ausbezahlt hat. Vor Beginn der Generalversammlung wurde im Seitenstettentempel eine Gedächtnisfeier für die verstorbenen Vereinsmitglieder abgehalten. Wien. (Frankl-Feier im jüdischen Muse» m.) Diese -Gesellschaft veranstaltet Sonntag, den 27. d. M., V/2 Uhr abends, im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, Eschenbachgaffe 11, eine Feier aus Anlaß des 100. Geburtstages von Ludwig August Frankl. Herr Direktor Adolf W e i s s e wird Dichtungen Frankl'» zum Borrrag bringen. Hieran schließt sich die Wiedergabe jüdischer Dichtungen von verschiedenen Antoren. Eintrittsbelege im Jüdischen Museum, II., Praterstraße 28, Samsrag und Sonntag 11—1 Uhr. Wie» (Jüdisches Museum.) Die durch die Freiherrl. von Rothschild'sche Künstlerstisruug prämiierten Arbeiten von Malern, Bildhauern und Architekten, sowie die Arbeiten der Maler Otto H e r s ch e l und S. Ben e s ch bleiben noch diesen Samstag und Sonntag im jüdischen Museum. II., Prarerstraße 28, ausgestellt. Wie». (Verein der S a b b a t h f r e u u d e.) Herr Rabbiner Jakob H o f f m a n n aus Kostet, durch sein Wirken in Wien bekannt, wird am Donnerstag, den 24. Februar, 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotel „Central". II., Tabocstraße 8, über das Thema „Die Bedeutung des Sabbalh im jüdisch-religiösen Leben" einen Vortrag halten. Gäste. Damen und Herren, willkommen. Wien. (Anmeldungen für die F e r i e u - K o l o n i e n und das S e e h o s p i z.) Die Ansuchen um Aufnahme von Schützlingen für die Kolonien des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" und für das „Oesterr. Kaiser Franz Josess-Jubilünms-Seehospiz" beginnen am 23. d. M. und werden allwöchentlich Mittwoch und Freitag von 3 Uhr nachmirrags ab im Bereinsbureau, IX.. Türkenstraße 17. entgegengenommen. H.ezn haben Vater, Mutter oder Pflegeeltern, mit dem betreffenden Kinde unter Mitbringung eines Mittellosigkeitszengniffes sich periöulich einzufinden. Die Anmeldungen werden Ende April geschlossen und können später vorgebrachte Ansuchen keinesfalls Berücksichtigung finden. Wie». In Ergänzung unseres Berichtes über den Bethans- und Unterstütznngsverein „B’nei Britli", haben wir noch nachzutragen, daß b.ii der jüngst abgehalrenen Generalversammlung Herr Obmann C h a m e i d e s, ferner die Herren H o i d y und Podhorzer für ihre vieljährigen Verdienste um den Verein einstimmig zn Ehrenmitgliedern ernannt wurden und wird demnächst demselben das Diplom überreicht werden. An Stelle des Restaurateurs Keßler — der auf sein Ehrenamt resignierte — wurde Herr P i n k a s in den Ausschuß kooptiert. Wien. Das in diesem Blatte angekündigte Gründungsfest des neukreierten Vereines „Jad Charuzim“ har tatsächlich unter zahlreicher Beteiligung von Mitgliedern und Gönnern des Vereines startgefunden und erfreuten sich die wahrhaft künstlerischen Darbietungen allgemeinen Beifalles. Dem Vereine, der nach den jeweiligen Verhältnissen auch mit kleinen Darlehen anszuhelfen pflegt und das Handwerk unterstützt, ist bestes Gedeihen für die Zukunft zu wünsche». Wie». (D i e Kunst im Dienste des jüdischen Relig i o n s u il l e r r i ch c e s.) lieber dieses interessante Thema hielt Professor D. K o h n letzten Samstagabend im Sitznngssaale der Israel. Kulmsgemeinde einen höchst instruktiven Vortrag. Gleichzeitig illustrierte er die Methode des Anschaunugsnilterrichtes. namentlich der Volks- und Bürgerschüler, durch gelungene Zeichnungen von Ritualien, wie: Lulew, Myrte des Feststraußes, Sederschüssel. Menorah, Darstellung des Molochgötzen u. dgl. An den beifällig anfgenommenen Vorrrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, an der sich Knltnsvorsteher Dr. Samuel y, Pros. Dr. Weiß, Rabbiner Dr. Abeles sowie die Religionslehrer Breuer. Rindskopf und W i e s n e r beteiligten. Wie». (Jüdisches Theater, Regie M. Siegler, Hotel Stephanie, II. Taborstraße 12.) Ab Freitag, den 18. Februar, „Das lustige Wab'l" von Wilensky. Frau Siegler in der Titelrolle. Sonn rag. den 20., Nachmittag volkstümliche Vorstellung zu halben Preisen „Die Jüdische Neschome" tzon I. Gordin. Montag, den 21., „Sulamith" von A. Goldfaden. Frl. Weintraub in der Titelrolle. Dienstag, den 22., „Der wilde Mensch" von I. Gordin. Mittwoch, den 23., „Kreutzer Souare" vou I. Gordin. Donnerstag, den 24.. „Die Seder-Nacht" von Lareiner. Wien. Der Vorstand des Vereines „Liwias Chen" gibt hiemir bekannt, daß der Talmudrst Herr 'Abraham L a n d m a n n aus Wilna jeden Samsrag von ^4—5 Uhr nachmittag Vorträge über den laufeuden Wochenabschnitt im Berhause. II., Srefaniestraße 2. abhült. Wien. (Verein Tiferes Bchurim.) Sonntag, den 20. Februar, abends 7 Uhr. findet im Turnsaal der Talmud-Thora Schule, H., Malzgasse 16. ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. D. Feuchtw a u g statt. Gaste, auch Damen, ivillkommen. Krakau. Der Nestor der hebräischen Schriftsteller und Förderer der hebräischen Wissenschaft. Tr. Salomon Rubin, ist im hohen Alter von 87 Jahren gestorben. Mir Rubin ist einer der letzten ans der alten sogenannten Haskalah-Schnle. die den Kampf gegen den Aberglauben und den Fanatlsmus im Ghetto tapfer führte, indem sie Aufklärung und moderne Bildung ililter den Juden des Ostens verbreitere, ins Grab gesunken. Unter diesen Haskalay-Kämpfern nahm Rubin eine hervorragende Stellung ein. Er war in Dolina in Galizien im Jahre 1823 als Sohn armer Eltern geboren und erhielt im zarren Knabenalter Unterricht ausschließlich in Bibel und Talmud. Aber schon früh erwachte in ihm der Drang nach modernem Wissen. Er lernte allerdings im geheimen, Deutsch, Französisch und Italienisch und vertiefte sich zunächst in die Werke der alten Religionsphilosophen. Voll den Orthodoxen seines Heimacstädchens unablässig verfolgt, ging er nach Deutschland, dem ersten Zielpunkt jedes wißbegierigen Gherrojünglings. Von hier ivandte er sich nach Frankreich, nach Italien, überall Wissen und Brot suchend. Seme erste literarische Arbeit war die hebräische Uebersetzung von Schillers „Philosophischen Briefen" (1851). Drei Jahre später gab er ein „Buch der Sitten" heraus, das viel Anklang fand. Im Jahre 1856 übersetzte er Gutzkows „lind Akosta" ins Hebräische, zu dem er eine höchst lesenswerte, belehrende Einleitung schrieb. Aufsehen erregte in den hebräisch lesenden Kreisen seine Uebersetzung der 4 i;.' 4"