Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 7 (11.2.1910)
- Date
- 1910-02-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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aßrßeif 8,'cdakiioil lind Adiuiiiisnaiioii:! Wien, II/, Novaragasse 27 Telephon: Redaktion 5107/VII1. Administration 4938,11. K. f. öüerr. Postsparkaffa- Scheck-Koiuo Rr. 1000.918. Inserate: Die viermal geivaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Abonnements- und Znsertionsbcrräge sind in Wien zahlbar »nd klagbar. Mbhängige Aettschrrft für Mische Interessen. Wer"ssprris: / Ganzjährig.K 14.—!j Halbjährig.K 7.— Für Slnltuäbeainte: "'»anzjährig.K 10. — Erscheint jeden Kr eitag. üloiio: „Das Liefet (volles ist \V«.ln-l»ei11'1!i 7vi’il* 'Ausland: ■' Ganzjährig.8 Mark!' Ü Rubel oder IN FrcS. >l-.- Ar. 7. Wien, 11. Fedrnar 1910. Inhalt: Mohnruf gegen die Abfallbewegung. — Aus der Woche. — Moderne Wohltätigkeit. — Liberale Aeußernugeu. — Das volkstümliche Bortragswesen im Judentum. — Berschiedene Nachrichten. — Literatur. — Zur Mensa academica. — Austritte aus dem Judentum. — Feuilleton: Ein neues Licht. Mahnruf gegen die Adfalldeniegnng Man hat sie „Geusen" einst genannt Die für den Glauben stritten; Dort au dein Rhein, am Meeresstrand: Sie taten sich's nicht verbitten. Sie trugen den Titel „Bettler" stolz Und beugten den Tyrannen; Sie frngeu nicht nach Tonnen Golds, Die Freiheit sie sich gewannen. Sie haben in manchem blutigen Strauß Die Spanier geschlagen; Es triumphierte des Bettlers Flaus Ueber den spanischen Kragen. Auch sie hat man glimpflich nicht benannt Die Proletarier Massen. Doch diese drohten mit schwieliger Hand, Und blieben sonst gelassen. Sie nahmen den Handschuh knhnlich ans, Ihr Führer lvnrde Lassale. Sie stritten vereinigt und stritten zu Haus — Bleich wurde die Welt, die feudale. So lvnrde ans dem Schimpf gemach Ein Ehrenname ein blanker, Gewaschen mit Blut und Mut die Schmach — Und tönend dann erklang er. Das Wörtchen Jude in sich barg Einst einen Donnerton — Und Palästina ward der Sarg Manch einer römischen Legion. Das kleine Volk war's Volk der Schrift, Das Volk der Propheten' und Seher; Doch auch das Schwert und nicht den Stift Führten die Makkabäer. Man sang andächtig den Friedenspsalm Zn rauschenden Harfenakkorden — Doch auch dem Stahl entstieg der Qualm Bei ritterlichem Morden. Beim Titel „Jude" sollte sich Der Jude höher recken — Der Tor jedoch glaubt sicherlich: Man könn' ihn damit beflecken. Wie gut, daß in die Zukunft nicht Sich senkt ein forschender Senkel Und daß Urvater nicht kennt den Wicht, Der dereinst sein spätester Enkel! Jehuda, Jakobs vierter Sohn, Du hast's nicht können ahnen: Dein edler Name würde zum Hohn Benützt von Jndogermanen. Von Jndogermanen benützt znm Hohn, Halbwilden Bärenhäutern,! Als Jakob hörte der Schritte Ton i Von Engeln auf Himmelsleitern. i Du Sohn nrältester Kultur!! Wann wird dein Sinn gesunden? j Dein Judentum, o Unnatur! j Nicht mehr als Schmach empfunden? > 8. Vineta. j Ans der Woche.! Die letzten Reichsratswahlen haben den strikten Beweis; erbracht, daß die Organisationen der freiheitlichen und liberalen i Bürgerschaft nur in jenen Wiener Bezirken ihre Kandidaten j durchzubringen vermochten, die über eine kompakte Majorität; jüdischer Wähler verfügen und daß ein einheitliches Vorgehen der j letzteren zum sicheren Siege führen muß. Ans dieser offenbaren Tatj fache haben nun die beiden freiheitlichen Vereine des II. Wiener; Bezirkes, der „D o n a u k l n b" und der „freiheitlichasoziale Verein L e o p o l d st a d t", die vollkommen; richtige Konsequenz gezogen und für die im März dieses Jahres! stattflndenden Gemeinderatswahlen ans dem ersten Wahlkörper, j der nur nahezu LOProzent jüdischer Wühler aufweiü. eine gemeinsame i Liste mit vier jüdischen Kandidaten ausgestellt. Es sind dies die i Herren Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Josef W i n t e r n i tz, j Börferat Heinrich Eichberg, Hof- und Gerichtsadvokat Doktor z Schwarz-Hilter und Bezirksrat Ernst Neu st a d r l. In j Anbetracht des Umstandes, daß die jüdischen Minoritäten in den j übrigen Bezirken seitens der antiliberalen, respektive christlichsozialen Majoritäten keinerlei Berücksichtigung zu erwarten haben, wird jedermann die Aufstellung einer rein jüdischen Liste nur begreiflich ftnden. Aber trotzdem ließen sich einige jüdische Bürger des H. Bezirkes dazu verleiten, unter dem Vorwände, daß man die kleine Minorität christlicher Liberaler nicht ganz leer ansgehen lassen dürfe, eine Liste zn propagieren, die nebst zwei