Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 6 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 6 Wien. Frl. Frieda Dukes, Tochter des Herrn Gabor Dukes. Vorstandsmitglied der Chewra Kadischa Wien-Floridsdorf, hat sich mit Herrn Rudolf Grün» Wien, verlobt. Wien. Fräulein MelaBaner. Tochter des Lederfabrikanten Herrn Solomon Bauer, hat sich mit Med. Dr. Sigmund Kreutzfuchs verlobt. Graz. Freitag, den 28. Jänner fand im Rektorate der k. k. Karl- Franzens-Universität die Promoiiou des Herrn stud. jur. et phil. Viktor Reichard. i. a. B. der jüdisch akademischen Berblnduug „Charitas", Sohn des Oberkantors A. Reichard in Kremsier, zum Doktor beider Rechte statt. Znaim. Frl. Elise Neumann, eine Wienerin, die am hiesigen Stadttheater als erste Heldin und Liebhaberin tätig ist. erfreut sich der ungeteilten Gunst des Publikums, das jede Gelegenheit wahrnimnit, um die junge Künstlerin durch reichsten Beifall und Blumenspenden ausznzeichuen. Die Kritik rühmt einstimmig ihr schönes abgerundetes Spiel, die gute Mimik und die warme klare Sprache, vor allem aber ihr hohes Verständnis und die richtige, lebensvolle Auffasiung der Rollen. Besonders in klassischen Partien, die Schwung nnd Begeisterung verlangen und in Bezug auf Sprache und Gestaltungskraft an die Darsteller die höchsten Anforderungen stellen, erzielt Frl. Neumann die schönsten Erfolge, so als Porzia. Franziska v. Hohenheim. Gulnare, Claire rc. Man ist hiet fest davon überzeugt, daß die junge Dame in kurzer Zeit ihren Weg machen wird. Boskowitz. Trotzdem der hiesige israelitische Frauen-Wohltätigkeitsverein nicht aus vielen Mitgliedern besteht, ist das Streben desselben dahin gerichtet, alljährlich arme Schulkinder mit Kleidern und Schlitzen zu beschenken. Bei der kürzlich stattgehabten Verteilung wurden abermals 40 Kinder ohne Unterschied der Konfession mit Kleidern und Schuhen bedacht nnd vor der Verteilung Ansprachen von der Präsidentin Frau Dr. Weiß und Herrn Lehrer Maier gehalten. Vukovar. Wenn ich über den im Patriarchenaller erfolgten Tode der Witwe Frau Fanny Bau m ausführlicher berichte, so geschieht es aus dem triftigen Grunde, weil derartige Personen nicht nur zu den Seltenheiten einer Gemeinde gehören, sondern auch unter den Glaubensgenossen sehr vieler Gemeinden heute selten anzutreffeu sind. Ein leuchtendes i Beispiel der alten Frömmigkeit, Selbstlosigkeit und Wohltätigkeit ist mit der 90jährigen Matrone ins Grab gesunken. Sie war die älteste Tochter des bekannten Bonyhader Bosch Beth din Rabbi Samuel Weil ^*7, die hier eine weitverzweigte Familie gründete, deren Mitglieder sich durch besondere Opferwilligkeit auszeichueten und sich um unsere Kultusgemeinde die größten Verdienste erwarben. Die edle Heimgegangene erstreckte ihre Wohltätigkeit nicht nur auf unsere Gemeinde, sie unterstützte auch Dürftige fremder Gemeinden. Ihrem Herzen standen die Armen Jerusalems besonders nahe, denen sie jährlich bedeutende Summen zukommen ließ. Am 25. d. M. am Chamischo ossor verschied sie nach kurzem Leiden. Die am 26. nachmittags 3 Uhr erfolgte Beerdigung gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Trauer und der Wertschätzung für die treffliche Greisin. Nachdem Oberkantor A. Schwarz, assistiert vonr Kantor Springer die üblichen Trauerpsalmen exekutiert hatte, widmete Oberrabbiner Dr. I. Diamant der Dahingeschiedenen einen ergreifenden Nachruf, in welchem er besonders betonte, daß es ihm an diesem Sarge schwer falle, ihr im Sinne des Religionsgesetzes einen würdigen Nachruf zu halten, da das größte Lob kaum hinreichen kann, um diese Heimgegangene würdig zu schildern. Als Zeichen der Trauer waren beim Passieren des Leichenzuges sämtliche Geschäfte geschloffen. Für Kranzablösung wurden 446 Kronen gespendet. Das Andenken der selten frommen und wohltätigen Frau wird nicht nur in unserer Kultusgemeinde, sondern in weiten Kreisen fortleben. A. Sch. (Alle Rechte Vorbehalten.) Gin neues Licht. Bon Adolf Heinrich Landau (Wiener-Neustadt). (Fortsetzung.) Am Simchai-Thoraabend erstrahlte der große Saal des Hotels zum „goldenen Horn" in einem Meer von Licht, das hunderte elektrischer Glühlämpchen ausstrahlten. Herrliche Blattpstanzen boten dem Auge einen wohltuenden Ruhepunkt in dem mächtigen Gewoge duftender, weißer Toiletten und glänzenden Schmuckes. Ueberal sah man Dr. Fuchs, der im Frack recht vorteilhaft aussah. Da suchte er Bekanntschaften zu vermitteln, dort wieder unterhielt er einige Mädchen, die wegen ihres minderreichen Schmuckes weniger beachtet wurden, während des Tanzes trat er in die Nebenräume und rief die jungen Leute zusammen: „Vorwärts, meine Herren, es ist nicht ritterlich, eine Dame sitzen zu lassen. Die I n^g e n d muß sich anstanzen!" Dann begab er sich wieder zn den Müttern und lobte den schönen Tanz der Töchter. Die Damen wußten viel Gutes und Schönes von ihren Töchtern zu erzählen und Dr. Fuchs wußte stets etwas Liebes dazu zn sagen. Im Rauchzimmer sah man zahlreiche ältere Herren, die sosehr über die selbständige Bank und das selbständige Kommando raisonnierten, daß einige ob dieser schweren Sorge ganz hörbar zu schlummern anfingen. Im Spielzimmer dagegen harten sich einige Tarockpartien znsammengefnuden, die sich ziemlich laut gegenseitig Komplimente zuwarfen; während beim Bnfiet ganze Mengen Gefrorenes konsumiert wnrden. In der Panse gesellte sich der junge Rabbiner zu den Komiteedamen. „Sehen Sie nur, meine Damen, wie die armen Mädchen vor Glück strahlen, muß uns das nicht freuen?" „Aber sie nehmen ja den anderen die Tänzer weg", meinte Frau Ingenieur Silbe. „Wenn sie sonst nichts tun, das können wir ihnen schon verzeihen." meinte Frair Doktor Ehrlich. „Zum Glück haben wir genug Tänzer", warf Frau Doktor Süß ein. „Aber das eine schmerzt mich," sagte wieder Dr. Fuchs, „daß sich die besseren Fräulein so abseits halten". Da sah ihn Frau Heller vorwurfsvoll an: „Ich denke unsere Töchter bringen Opfer genug, wenn sie mit diesen Mädeln beisammen sind!" Dr. Fuchs hatte ein scharfes Wort der Erwiderung ans der Zunge, aber er verbeugte sich bloß schweigend und ging weiter. Beim Büffet stieß er mit Dr. Süß zusammen. „O Pardon, Herr Doktor!" „Bitte, bitte, das ist vielleicht der einzige A n st 0 ß, d e n E h r w ü r d e n bis jetzt erregt h a b e n!" sagte Dr. <Düß lachend. „Das ist ja sehr erfreulich zn hören-" „Ja, ja, ich kann es Ehrwnrden verraten, daß ich vordem Neujahr Ihre definitive Anstellung beantragen werde. Im Frühjahr sind Neuwahlen, da müssen wir mit Horaz sagen: Carpediem!" „Ich wäre sehr glücklich, wenn ich bald heiraten könnte. Meine Mutter fühlt sich nicht wohl, die Wirtschaft strengt sie doch ein wenig an. Au der Seite einer jungen Kraft würde meine Mutter wieder aufleben." „Ich hoffe, daß Ehrwürden mit dem neuen Jahre Ihre junge Gattin werden heimführen können. Wohl werden sich'Ehrwürden einige Feindschaften znziehen, aber wo eine ganze Gemeinde für Sie e i n st e h t, k ö n n e n I h n e n ein paar Feinde nicht an den Leib." Da rannte Fräulein Heller ganz echauffiert vorbei. „Ach da steht ja Seine Ehr w n r d e n! Nicht einmal haben Sie mit mir getanzt!" „Aber, gnädiges Fräulein, das schickt sich doch nicht für einen Rabbiner!" beschwichtigte Dr. Süß das schöne Mädchen. „Aber wenigstens jetzt, bei der Quadrille-" „Es ist bereits Mitternacht," sagte Dr. Fuchs. „Meine Mutter fühlt sich unwohl und ich möchte sie nicht länger allein lassen." „Bin ich Ihnen gar nichts, Herr Doktor?" (Fortsetzung folgt. Austritte uns dem Judentum. Singer Richard, Ingenieur, geb. 3. Februar 1883 in Oppattau (Mähren), VII.. Schottenfeldgaffe 87. Schiiner Moritz, Monteur, geb. 23. Februar 1885 in Wien, XIX.,. Panzergaffe 23. P a f ch k e s Jakob, Hörer der Rechte, geb. 4. August 1887 in Wien, I., Rudolfsplotz 12.—-. Rudinger Stefan, Beamte^"Hrtz>-27. März 1888 in Wien, I., Eßlinggaffe 12. F i n k e l st e i n Klara. Sängerin, geb. 12. Oktober 1885 in Uman (Rußland), VUL, Lerchenfelderstraße 122. Hirfchler Wolf, Monteur, geb. 10. Septeniber 1883 in Boldogafzony, XVHl., Mitterberggaffe 32. I 0 ckl Entst, Gymnasiast, geb. 17. Dezember 1889 in Preßbnrg, Ungarn, H., Novaragaffe 26. Hirfchmann Felix, Agent, geb. 21. Juli 1884 in Wien, H., Leopoldsgaffe 22. Sessel Karl. geb. 1. Oktober 1870 in Tyrnau, Ungarn, V., Wienerstraße 22. Neuruhr er Irene, geb. Wiuterstern, Beamtensgattin, geb. 13. Juli 1888 in Holicsi Ungarn, VI., Fillardgradergaffe 11.