Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 6 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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•Jfr. 6. Die Wahrheit Seite 9. l'ondern auch burcft Charakterfestigkeit, Wahrheitsliebe, Unerschrockenheit, Uiieigeiurützigkeit und wahrhafte Frömmigkeit vorteilhaft ans. Von frühester Jugend an war er unausgesetzt bestrebt und bemüht, seine vorzüglichen Geistesgaben dem gründlichen Studium des Talmuds und der rabbinifchen Literatur zu widmen. Seine Vorbilder waren die französischen Tosafisten, daher er die sophistische Lehrweise Pollaks und Schachnos entschieden perhvrreszierte. Obwohl er, als ein Verehrer der .Kabbalah, kein besonderer Freund philosophischer Studien war. war ihm doch jeder Aberglaube und Fanatismus tief in der Seele verhaßt. Mit einer Freimütigkeit sondergleichen geißelte er rücksichtslos das Treiben der Frömmler und Heuchler seiner Zeit, wodurch er sich selbstverständlich viele Feinde verschaffte. Uerschiedeue Nachrichten. Wien. (Bortrag aus jüdischerGeschichte, Literatur und K n l t u r.) Donnerstag, den 10. Februar 1910, präzise ljß Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, .1., Eschenbachgasse 9. ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max G r u n w a l d statt. Thema : „Altjüdische Franenlektüre". Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (B e r - H a m i d r a s ch Talmud-Thora, Malzgasse 16.) Am verflossenen „Sabbat-Matan-Thora" hielt in unserer Synagoge der ehrw. Herr Rabbiner Dr. A. S ch m i e d l nachmittags einen Vortrag über „M o s e s und seine Lehre." der den ungemein zahlreich erschienenen Zuhörern einen wahren Sabbat-Hochgenuß bereitete. .„Was tut der heutigen Generation besonders not. um fest im angestammten Glauben zu stehen?" Dies erörterte der hochgelehrte Redner in überzeugender. besonders geistvoller Weise und alles lauschte gespannt auf diese herrliche Rede, dem allbeliebten Redner am Schlüsse dankbar zujubelnd. Das Minchagebet beschloß diese echt jüdische Sabbatuachmittagsftler, die wohl auch als Vorfeier zu des sehr verehrten Seelsorgers Geburtstag in dieser Woche einen besonders glänzenden Verlauf genommen hat. Dem ehrwürdigen Lehrer unserer Gemeinde wünschen wir alle ans vollem Herzen: .„Haschern jarich jomow tischnausow ad meo we-esrim schono!“ Freitag, den 4. Februar 1910, abends 1/2S Uhr findet daselbst ein Bortrag des Herrn Wolf Pappen heim statt. Samstag, den ö. Februar, nachmittags 3 Uhr Vortrag Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner G o l d ft e i n. Thema: „Rabbi Akiba ben Josef". Wien. (I ndische To y n b e e-H a l l e. XX., Othmargaffe 46.) Samstag, den 5. d. M., Konzert. Sonntag, den 6., Rabbiner M. Bach: „Messianische Schwärmerei im Lichte der Moderne". Montag, den 7.,, med. Dr. Grün: „lieber Schulärzte". Dienstag, den 8.. Dr. Hermann K a d i s ch : „Die österreichische Reichsidee", eine historisch-soziale Betrachtung. Mittwoch, den 9., Dr. A. K l e m p e r e r: „Eine Amerikareise" (mit Lichtbildern). Donnerstag, den 10., Rabbinatslaudidat Bela Fischer: „Jehuda Halevy's Al-Chasari". Freitag, den 11., Bibelvortrag. Wien. Im israel. Blindeninstitute auf der Hohen Warte fand anläßlich des 100. Geburtstages des Gründers der Anstalt, weil, des Herrn Dr. Lndw. Ang. Frankl Ritter v. Hochwart Mittwoch, den 2. d. M.. ^/zlL Uhr vormittags eine Feier statt, an der die Familie des Dichters, das Kuratorium der Anstalt, andere humanitäre Institute und Vertreter der Kultusgemeiude teiluahmen. Die Festrede hielt kais. Rat Heller und die musikalischen Darbietungen der Zöglinge standen unter der Leitung des Gesangprvfessors der Anstalt, kais. Rat Oberkantor Singer. Wien. (Humanitärer G e s e l l i g k e i t s v e r e i n „B e n e i Z i o u" z u r B e k l e i d u n g a r m e r S ch u l k i n d e r des II. u n d XX. B z i r k e s.) Samsrag, den 5. Februar, 9 Uhr abends, findet im Festsaale des Hotel Guth, II. Bezirk, Stefaniesiraße 14, das I. Gründungsfest statt. Ihre gefl. Mitwirkung haben zugesagt: Herr Michael Stricks (Mitglied der k. k. Hofoper), Herr Eduard Rose n (Mitglied des Johann Strauß-Theaters), Frl. Luise Fischer «Wiener Soubrette), Herr Rose nst e i n (Mitglied der Deutsch-jüd. Gesellschaft), Herr W i e s e n t a l (Humorist) und andere vorzügliche Kunstkräfte. Die Festrede hält Herr Dr. Fritz Löhner (Beda). Nach Schluß der Borträge Tanzkränzchen. Eintrittskarten im Vorverkauf erhältlich: Cafe Marienbrücke: I., Roteuturmstraße 37, Cafe Stephanie, II., Srefaniestraße 2, Hotel Guth. II., Stesaniestraße 14. Cafe Neptun, XX., Mathildenplatz 7, sowie bei sämtlichen Mitgliedern des Vereines „Benei Zion". Wien. Die Generalversammlung des T e m p e l verein e s für den XIII. Bezirk faichaiw-31. Jänner d. I. unter Vorsitz des Präsidenten Direktor Dr. ^KaWTnonK renberger und in Anwesenheit einer großen Zahl von Mitgliedern sowie dem Vertreter des Hietzinger Fraueuwohltätigkeitsvereines, Herrn Samuel M v h r. des Obmannes der Bezirkskommission für den XII. und XV. Bezirk, der im Namen des Knltusvorstandes erschienen war, Herrn Börserat Salomon Beer, und anderer illustrer Persönlichkeiten statt. Der Vorsitzende erstattete den Tätigkeitsbericht, Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Isidor Spielm a n n jun., int Namen der Revisoren, den Kassenbericht; beide wurden zur Kenntnis genommen. In der sehr anregenden und lebhaften Wechselrede, an der sich insbesondere die Herren Obmann Mohr. Börserat Beer. Franz Josef Klei u. Fritz B l u t, Isidor B e rn f e l d und Dr. Ernst .Kam an beteiligten, kam der allgemeine Wunsch zum Ansdruck, im 13. Bezirk, dessen jüdische Bewohnerschaft von Zeit zu Zeit wächst, bald ein .eigenes Gotteshaus entstehen zu lassen, weil der jetzige Betsaal keinesfalls den Bedürfnifien der schon hier ansässigen fünfhundert Familien entspricht, weil im Bezirke keine Funktionen aktueller Art ausgeführt werden können und aus dem Bezirke eine große Steuersumme einfließt, dann weil die Pflege des Kultus für die Erhaltung des Judentums von größtem, ja vielleicht erstem Werre ist. Es wurde unter Begeisterung der Antrag des Dr. Kauinan angenommen, diese Synagoge aus Anlaß des 30. Geburtstages Seiner Majestät als „Kaiser Franz Josef I. Huldiguugss y n a g o g e" zu errichten und die Agitation für diesen Zweck detailliert besprochen. Wien. (F r e i h e r r l i ch von R o t h s ch i l d s ch e K ü n st l e rstiftung.) In der am 1. Februar unter Vorsitz des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern stattgefuudenen Sitzimg des Kuratoriums für die Freiherlich von Rothschild'sche Künstlerstistimg wurde die Auswahl unter den Bewerber,! um 10 Sriftplätze auf Grund der Anträge der Jury beschlossen. Die preisgekrönten Arbeiten der Maler, Bildhauer und Architekten gelangen im Jüdischen Museum, II., Praterstraße 28. kommenden Samstag und Sonntag, von 11—1 Uhr vormittags zur Ausstellung, Wien. (Vortragsabend des Jüdischen Kolonis a t i o n s v e r e i n e s.) Vor einem distinguierten Auditorium hielt am 31. v. M., Herr Dr. F. Grote einen Lichtbildervorlrag über „Der Sinai". Der bekannte Orientalist, der während seines zwanzigjährigen Aufenthaltes in Kairo. Sprien, Palästina, die Siuai-H ilbiniel und den nördlichen und nordöstlichen Teil von Nordafrik.i wiederholt und mit großem Erfolge bereist hat, schilderte in der ihm eigenen geistreichen und voekischen Welse eine seiner Wanderungen durch die Siuai-Halblnsel. von der er eine große Anzahl von Landschaften und Gruppen in Lichtbildern nach eigenen Ausuahmeu vorführte. Der Redner verstand es. durch seinen glänzenden Vortrag. sowie durch die außerordentlich farbenprächtigen Bilder die zahlreiche Zuhörerschaft bis zum Schlüsse seiner Rede zu fesseln und wurde für seine Ausführungen mir sich immer wiederholendem stürmischen Beifall belohnt. Mittwoch, den 9. Februar a. c., präzise 7*/, Uhr wird im Saale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, Herr Josef Beck über „Eine Reise d u r ch S y r i e n u n d P al ä st i u a" einen Lichtbildervortrag (eigene Aufnahmen) halten. Damen und Herren sind als Gäste willkommen. Wien. (Verband d e r i s r. R e l i g i o II s l e h r e r an den ö st e r r. Mittelschule n.) Sonnrag. den 23. v. M. fand sich eine Deputation des Ausschusses des Verbandes, bestehend ans dem Obmann Prof. Dr. H. P o l l a k. Prof. Dr. A. Weiß und dem Schriftführer Dr. M. R o s e n f e l d in der Wohnung des jüllgsten Ehrenmitgliedes des Verbandes, des Herrn Inspektors Rabbiner Dr. Feuchtwan g. ein. um ihin das künstlerisch ansgeführte E h r e u d i v l o r» zu überreichen. Der Obmann wies in einer schönen Ansprache darauf hin. daß diese Ehrung die höchste Auszeichnung sei, die ein Verein verleihen könne und gab dem Wunsche Ansdruck, daß der Gefeierte, wie er es voll und ganz verdiene, an dieser Ehrung jene Freude empfinde, die der Verband ihm zu bereiten beabsichtigte. Nach Verlesung des Diploms dankte Rabbiner Dr. Feuchtw a n g in herzlichen Worten für die Ernennung zum Ehrenmirgliede und beconre, daß ihn wahrhaft kollegiale Gefühle mit den Religionslehrern an Mittelschulen verbünden und daß ihn die gemeinschaftliche Arbeit mir diesen stets besonders freue. Wien. «Jüdisches Theater. Regie M. Siegler, Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12.) Ab Freitag, 4. Februar 1910. „Der wilde M e n s ch" von I. Gordin. Sonntag, den 26. Februar, volkstümliche Nachmittagsvorstellungen zu halben Preisen. „Bar K o ch b a" von A. Goldfaden. Wochenrepertoir: Montag, den 7.. „Die Seder-Nacht" von I. Lateiner. Dienstag, den 8., „K r e u tz e r - S o n a t e" von I. Gordiu. Mittwoch, den 9.. „Der jüdische Ha m l e r" von Zalatarowsky. Donnerstag, den 10., „D i e j ü d i s ch e N e i ch o m e" von I. Gordin. Wie». Freitag, den 28. Jänner ist Gemeinderat Ferdinand Klebinder im 63. Lebensjahre gestorben. Klebinder, der in seiner langjährigen öffentlichen Wirksamkeit sich stets gegen versuchte Schmälerung der politischen Rechte seiner jüdischen Glaubensgenossen mit aller Energie entsetzte. ist ans dem journalistischen Berufe hervorgegangen und hat sich lange Jahre hindurch pubtlzisrisch in iiitenfiofret* Weise mit kommunalen Fragen beschäftigt. Gleichzeitig betätigte er sich im vvlirischen Vereinsleben des zweiten Gemeindebezirkes. Altbürgermeisier Freiherr v. Felder wurde auf den jnligen Schriftsteller aufmerksam, und micer seiner Aegide arbeitete sich Klebinder in verschiedene Materien der Kommunalpolitik derart ein. daß sein Wiffen und seine Sachkenntnis ihn befähigten, namentlich in Approvisionierungsfragen schon damals, als er keine offizielle Stellung im Rathause iune harre, ein ernstes Wort mitzni'vrechen. Im Donauklub, dem Stamm- Verein Eduard Süß', gewann Klebinder bald eine maßgebende Position, er war bei Wahlen in die verschiedenen Körverschaften der Leiter der fortschrittlichen Agitation. Besonderes Interesse widmete Klebinder den Schntfragen. mir denen er sich in seiner Eigenschaft als Obmann des Ortsschulrates des zweiten Bezirkes praktisch beschäftigte. Die jüdischen Lehrer, die während der antisemitischen Aera systematisch vrüteriert wurden, fanden an ihm wiederholt einen warmen Vertreter und Beschützer. Nachdem er lange Jahre hindurch in der Bezirksvercretnng Leopoldstadt gewirkt hatte, wurde er im Jahre 1902 vom ersten Wahlkörper dieses Bezirkes in den Gemeinderat eursender, wo er namentlich in Finanz-, Schul- und Approvisionieruilgsfrageil häufig das Wort ergriff. Von den Söhnen des Verblichenen haben sich zwei dem journalistischen Berufe gewidmet. Klebinder litt an einer Herzkrankheit, die schwere astmahtische Anfälle im Gefolge hatte. Freitag morgens trat infolge eines solchen Anfalles der Tod ein. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 30. Jänner unter ungemein zahlreicher Teilnahme statt. An seiner Bahre sprach unter anderen auch Bürgermeister Dr. Lueger, der rückhaltlos die großen Verdienste des Heimgegangenen anerkannte. rnmm u; # '.V V ■4>* f