Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 6 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063520-3063526--06506-3073514- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8. Die Wahrheit Nr. 6 Lästerer? Eine Schmach wäre das, eine nationale Schändung." Da die Inden klug genug sind, jetzt zu schweigen, so ist es im übrigen in den nationalen Blättern Deutschlands bisher noch still geblieben. Aber der Hamburger Senat glaube nur nicht, daß sich der national gesinnte. Teil des deutschen Volkes den Schlag ins Gesicht, den das öffentliche Heine-Denkmal bedeuten würde, ruhig gefallen lassen wird. Schreiber dieses hat einige Fühlung mit der Stimmung der nationalen Kreise und kann versichern, daß nichts unterlassen werden wird, um die Schmach des Heine-Denkmals abzuwenden. Wir sind uns alle voll bewußt, daß tveun das Judentum und die mit ihm verbündeten umstürzlerischen Elemente durch Schuld einer deutschen Regierung hier siegten, der Untergang des Deutschtums sicher, daß es der Anfang vom Ende wäre. „Nichrswürdig ist die Nation, die nicht Ihr alles freudig setzt an ihre Ehre." Als Kuriosum sei bei dieser Gelegenheit erwähnt, daß Adolf Bartels noch lam Vorwort vom 1. Juli 1902 in der dritletl Auflage seiner, für breitere Lesekreise .bestimmten Antologie: „Aus tiesster Seele. Eine Blütenlese der deutschen Lyrik von Klopsiock bis zur Gegenwart" zu „so etwas wie einen eisernen Bestand deutscher Lyrik' zählt: Karl Beck (..Nun erst erfüllt sich wunderbar." „Getrost.") S. 193; Emil Claar („Gebot." „Die Verratene.") S. 306; Julius Jakob David („Mein Lied.") S. 342; Ludwig August Frankl („Asyl.") S. 148; Moritz Hartmann („Seit sie gestorben.") S. 246; Hugo von Hoimannsthal („Ballade des äußeren Lebens.") S. 369; Ludwig Jacobowskl („Frau Sorge.") S. 364; Emil Kuh („Der Lenz geht um.") S. 258; Hieronymus Lorm (^ Sphärengesang." „Weltlauf.") S. 224; Betty Paoli („Gabe.") S. 184; Julius Rodeuberg („Die reinen Frauen.") S. 269; Hugo Salus („Saat." „Huldigung.") S. 163; und — last not least — H e i n r i ch H e i u e („Auf Flügeln des Gesanges." „Warum sind denn die Rosen so blaß?" „Du bist wie eine Blume." ..Leise zieht durch mein Gemüt." „Die schlanke Wasserlilie." „Sterne mit den goldnen Füßchen." „Das Fräulein stand am Meere." „Es ragt ins Meer der Rnnensteiti." „Kitty.") S. 106-109. Anderseits freilich ist dem gewissenhaften Verfasser des „Handbuches zur Geschichte der deutschen Literatur" (2. Auflage, Leipzig, Ed. Avenarins 1909, S. 700) der freilich soeben (horribils äietu) von einem jüdischen Konvertiten „reaktivierte," durch und durch deutschnationale Ferdinand Kürnberger „wahrscheinlich jüdischer Herkunft" aber „katholisch getauft." Freilich ist Kürnberger mit dem entsetzlichen Makel behaftet, in feinen „Literarischen Herzenssachen" (Wien 1877) von dem Urenkel des hohen Rabbi Löw alias Moritz Hartmann zu beketinen: „Wahrlich, in unserem edlen Toten hat die Natur ein Meisterstück von jüdischer Energie und hellenischer Elastizität geschaffen! Ein Meisterstück, das thr sobald nicht wieder gelingen möchte. Selten stand ein schönerer, jonischer Tempel auf einem stärkeren, makkabäischen Unterbau! Möge seine Biographie — und innen und außen bietet er das Material einer solchen — den Hellenen im Juden, den Inden im Hellenen, die ganze Eigentümlichkeit seines Genius, feiner Liebenswürdigkeit und feiner Tüchtigkeit der eingehendsten Charakteristik wert finden, zu welcher hier nur der Ton angeben, nicht das Spiel der ganzen Tonart gefügt werden konnte." Liberale Aenßerungen hervorragender rabbinischer Autoritäten in Polen in früheren Jahrhunderten. Bon Dr. M. H. Friedländer. I. R. S a l o m o Lurj a. In keinem Lande wurde im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert mit mehr Eifer und Liebe, mit mehr Begeisterung und Enthusiasmus das Studium des Talmud und der Religions- Philosophie. betrieben als in Polen. Die talmudischen Hochschulen Polens erfreuten sich einer ungewöhnlichen Prosperität und wurden von wißbegierigen Jüngern sehr stark frequentiert. Diese Akademien standen in so hohem Ansehen, daß, io oft esgalt in irgend einer Gemeinde den vakant gewordenen Rabbinerposteu neu zu besetzen, der auf denselben reflektierende Kandidat keiner anderen Empfehlung bedurfte, als Nachweis, daß er ein Schüler derselben war. In einem Vortrage, den einmal der fel. Jellinek über „Polnische Inden" gehalten, heißt es unter anderem: „Diepolnischen Juden waren die Pfleger alles dessen, was den Geist aufklärt, ja auf manchem Gebiete übertrafen sie beinahe, wie z. B. in der Philosophie, die spanischen Inden. Ich will nun einen Rnndgang versuchen und beginne mit der Neligionsphilosophie. Diese ist ein erfrischendes und reinigendes Element, sie ist ein Wächter und öffnet die Hallen der Religion. Da sind es wieder die polnischen Inden, welche dieselben studieren und vortragen. Das Werk Jkkorim von Albo, auf welches E. Renan hingewiesen, als auf ein Muster von Freisinnigkeit, wurde zuerst von Jakob Koppelmann, einem Schüler von R. Mordechai Jase 1554 kommentiert. Der Kommentar führt den Namen „Ohel Jakob". Zwanzig Jahre später kommt ein Kommentar von Gedaljah Lipschütz unter dem Namen „Ez schossul", der noch heute sehr geschätzt ist, zumal wir keinen anderen als diesen haben. Das Werk „Mori uebuchim“ wurde von R. Moses Jsserls kommentiert. Dieser steigt viel höher als Karo, ist ein Manu der Wissenschaft und hat auch ein astronomischen Werk hinterlassen. Sein Lehrer R. Mordechai Jafe schrieb auch zum „More nebuchim“ einen Kommentar. Weitere Kommentare hiezn besitzen wir von Josef b. Jizchak Halewi, Svlom. Maimou und Mendel Lewin, letzterer hat besonders den ersten Teil sehr populär gemacht. Den Cusari kommentierte Israel Samuscht, das Werk Chow-halewowaus derselbe Gelehrte und R. Monoach Hendel re. rc. Wir gelangen zu einem neuen Gebiete, zu dem der Hagadah. Diese ist das kostbarste Erbe, das bis auf uns gekommen ist. Sich selbst überlassen, ist sie schädlich, denn sie Hut einerseits unsere Gegner herausgefordert, andererseits die Juden in manchen eigentümlichen Ansichten bestärkt. Die ärgsten Feinde der Hagadah waren die Kartier. Während alle anderen Gebiete der jüdischen Wissenschaft bearbeitet wurden, wurde das der Hagadah vernachlässigt. Nur wenn die Inden angegriffen wurden, dann hat unser Geist sich mit ihr beschäftigt. Mit vollem Rechte können wir sagen, daß das Gebiet der Hagada von polnischen Inden erschlossen wurde. Den Midrasch kommentierte Chanoch Hendel und Adolf Einhorn. Der M. Tanchuma wurde ebenfalls kommentiert von- Hendel, der überhaupt Bedeutendes in dieser Beziehung geleistet hat. Ueberhanpt wurde die ganze Midrasch-Literatur von polnischen Juden kommentiert. Die spanischen Juden haben überall Aristoteles gesehen, die Polen bemühten sich, den Geist und System der Hagadah zu finden. Chajes in Zolkiew, Krochmal Rappaport Schozkos ii. o. fixierten die Hagadah, welche ihre Domäne ist und worin sie am meisten gewirkt haben. Verlassen wir die Hagadah und treten wir in das Gebiet der Grammatik ein. Diese ist eine sehr wichtige Wissenschaft, sie lehrt den Menschen richtig denken. Wieder waren es Polen, die in grammatikalischen und lexikographischen Arbeiten Bedeutendes geleistet haben. Ich erwähne nur Fürst ans Posen, Lewinsohn Benser u. v. a. In der biblischen und talmudischen Kritik finden wir die polnischen Inden obenan. Wer kennt nicht die Leistungen des Meharschal Meharscha R. Eliah Wilna u. a.?" (Hamechaker IV. Jahrgang, S. 84.) Ja in Polen erfreuten sich die talmudischen Hochschulen im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert der schönsten Blüte^ Die hervorragendsten Lehrer dieser Schulen waren Salomo Lurja, Moses Jsserls und Salomon Schochna. Letzterer war ein Schüler .des seiner pilpulistischen Methode wegen berühmten Jakob Pollak und hatte es sich gleichsam zur Lebensaufgabe" gemacht, diese damals sehr beliebte haarspaltende Lehrweise auch in Polen einzuführen. Die von ihm in Lublin kreierte Fachschule wurde von zahlreichen Schülern, die aus allen Gegenden der Windrose herbeiströmten, besucht. Er starb im Jahre 1558. Salomon Lurja ans Posen (geb. 1510, gest. 1573) zeichnete sich nicht nur durch Scharfsinn und immenses Wissen