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Die Wahrheit · 1910-02-04 · Heft 6 (4.2.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 6 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Die Wahrheit Seite 7. 'Neubau Herr Ignaz Kl ein, das Präsidium des Exekutivkomitees für den Tempelbau der Bezirke Wieden und Magarethen. und zwar die Herren Friedrich Wiener, Gustav Marburg und Josef S o n n e n s ch ein; ferner in Vertretung des Franeuwohltätigkeitsvereines für den IV. und V. Bezirk und des Damen- Aktionskomitees für den Tempelbau die Dame»: Karoline H o f m a n n, Alice Fischer, Sophie Herling er, Julie Lichten stein, Paula Schlesinger, Antoinette Sonnenschein u. a. m. Nach Begrünung der Anwesenden durch den Obmann Herrn Adolf Hofmann, erstattet der Schriftführer Herr Franz Frankl den Jahresbericht über das abgelanfene Vereinsjahr. Der Bericht gedenkt zunächst in warmen Worten der schweren Verluste, welche der Verein durch das Hinscheideu einer Anzahl Vereiusmitglieder und Förderer erlitten hat: Des verewigten Vizepräsidenten der israelitischen Knltnsgemeinde Herrn Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t, des Vorstandsmitgliedes der israelitischen Knitusgemeinde Herrn Emil Horner, des gewesenen langjährigen früheren Obmannes und Ehrenmitgliedes des Vereines Herrn Adolf Oster setz er, der Vereiusmitglieder Moritz H i r s ch beiger und Adolf M ü n z e r. sowie des gewesenen Obmannes der Bezirkskommissiou für den IV., V. und X Bezirk Herrn Karl S e l i g m a n n, der zu den bewährtesten und besten Freunden des Vereines zählte. Nach zehnjährigen Bemühungen ist es gelungen, endlich mit dem unaufschiebbar gewordenen Baue des neuen Vereinstempels zu beginnen. Derzeit ist der Bait im großen und ganzen sertiggestelll und wenn es gelingen wird, den zur inneren Einrichtung noch fehlenden Restbetrag von zirka K 20.000-— anfzubringen, so kann das Gotteshaus zum diesjährigen Passahfeste seiner heiligen Bestimmung übergeben werden, klm dieses Ziel zu erreichen, müsse uochmals an die Mtlttifizenz jener wohlhabendeit Kreise, namentlich des IV. und V. Bezirkes, welche sich der bisherigen Aktion ^nr den Tempelverein fernhielten, appelliert werden. Zur Zeit werden noch Probevorträge von Bewerbern um die erste Kautoreustelle im neuen Tempel abgehalteit; gleichzeitig wird für die Heranbildung eines tüchtigen Knabenchores unter der Leitung eines bewährten Chordirigenten gesorgt. Mit besonderer Genugtuung verzeichnet der Bericht die Errichtung von Maskirstiftnngen der Familie Blaßkopf im Betrage von L 4000 und der Frau Julie Hichtenstein im Betrage K 500. Der Obmann Herr Adolf H o f m a n n führt ans, daß es nur der werktätigen Mitwirkung der Kultusgemeinde, der tatkräftigen Unterstützung des Exekutivkomitees und namentlich auch der nicht genug anzuerkennenden, hervorragenden Tätigkeit des Damen-Aktionskomitees zu verdanken ist, wenn der Tempelbau schon soweit gediehen ist. Er müsse jedoch noch weiter an die Mithilfe dieser Faktoren appellieren und namentlich betrachte er es als Psticht des Vorstandes der Knltnsgemeinde den Vereinsvorstand bei seinen Bemühungen um Fertigstellung und Erhaltung des Gotteshauses aufs tatkräftigste zu fördern. Der Obmann bespricht sodann die Frage der beabsichtigten Gründung eines Verbandes der T e m p e l v e r e i n e, dessen Entstehen zu seinem Bedauern vom Präsidium der Kultusgemeinde keine Unterstützung findet, mit der Motivierung, daß durch die Schaffung dieses Verbandes „ein Staat im Staate gebildet werden würde". Er glaubt, daß gerade dieser Verband berufen wäre, die gemeinsamen Interessen der Tempelvereine .zit wahren, die Konkurrenz der einzelnen Tempelvereine bei Trauungen zn beseitigen und dabei doch in steter Fühlung mit der Knltnsgemeinde bleiben würde. Herr Kultnsvorsteher kaiserl. Rat K a u d e r s führt aus, daß er die Bildung eines Verbandes der Tempelvereine mit regstem Interesse verfolge und alles in seiner Macht Stehende tun wolle, um die Gründung desselben zn fördern. Er wolle auch ein getreuer Dolmetsch der übrigen vorgebrachten Wünsche beim Knltnsvorstande sein. In gleichem Sinne äußert sich Herr Kultusvorsteher kais. Rat Wilhelm Pollak. Herr Rabbiner Reich beschwert sich darüber, daß die Funktionen bei Leichenbegängnissen mit wenigen Artsnahmen anstatt von dem zuständigen Seelsorger von Funktionären versehen werden, denen der Verstorbene im Leben gänzlich fremd blieb. Nach Erteilung des Absolutorinms an die Kassaverwaltung und die Bereiusleitung wurden die Neuwahlen vorgenommen und die ausscheidendeu Vorstandsmitglieder, die Herren : Ignaz Fischer, Jakob H e r l i n g e r, Arnold Selka, Dr. Bernhard Singer und Ignaz Tanßi.k einstimmig wieder gewählt. Mit einer Dankeskundgebnng an den Delegierten des Kultnsvorstandes, Herrn kais. Rat K a u d e r s, wurde die Generalversammlung geschlossen. Vor Beginn der Generalversammlung fand eine vom Vereinsvorstande zu Ehren des Obmannes Herrn Adolf H o sm a n n und des Schriftführers Herrn Franz Frankl veranstaltete intime Feier Natt. Die Genannten wurden in den festlich geschmückten Sitzungssaal des neuen Tempelgebändes geleitet und dortselbst wurden nach einer schwungvollen Ansprache des Herrn Rabbiners R e i ch sowie nach Begrüßungsreden der Öbmannstellverlreter Herren Ignaz Taußik und Josef Sonn elisch ein die in Oel gemalten Bildnisse der Herren Hvfmann und Frankl enthüllt. In bewegten Worten dankten die Letzteren für die ihnen bereitete große Ehrung. Das Hamkinger Heine-Denkmat. In dem soeben erschienenen Januarhefte des „Deutschen Schrifttum" begegnen wir unter der sattsam bekannten Ueberschrift: „Das Hamburger Heine-Denkmal" folgenden „Betrachtungen und Bemerkungen" von Adolf Barrels: „Unter dem 29. September, so lesen wir im .Hamburger Fremdenblatt' vom 20. Oktober, hatte Herr Dr. Alfred Kerr, Berlin, im Namen des Berliner und Hamburger Komitees für Errichtung eines Heine-Denkmals in Hamburg, ein eingehendes telegraphisches Ersuchen an den Senat gerichtet, für ein Heine- Denkmal einen Platz zu bewilligen. Darauf ist unter dem 18. Oktober gleichzeitig an Herrn Dr. Alfred Kerr, als Vorsitzenden des Berliner Komitees und Herrn Leon Goldschmidt, als ersten Vorsitzenden des Ausschusses für das Hamburger Heine-Denkmals, hier, folgendes Schreiben ergangen: Der Sekretär des Senats. Hamburg, den 18. Oktober 1909. Auf die im Namen des Berliner Hanplausschusses für die Errichtung eines Heinrich Heine-Denkmals an den Senat gerichtete Eingabe vom 29. September d. I. beehre ich mich auftragsgemäß zu erwidern, daß der Senat für dieses Denkmal einen Platz bewilligen wird, wenn von den vereinigten Berliner und Hamburger Komitees ein hervorragendes und geeignetes Kunstwerk angebolen wird und seine Aufstellung gesichert erscheint. Weitere Anträge würden von den vereinigten Komitees an den Senat zu richten sein. gez. Ludwig, Sekretär des Beremes. Herrn Dr. Alfred Kerr. Hochwohlgeboreu. Berlin-Grunewald, Gneißstraße 9. Das „Hamburger Fremdenblatt" begrüßt den Beschluß des Senats mir aufrichtiger Freude: „Es zeigt, daß sich eine Mehrheit gefunden hat, die bereit ist. dem größten Lyriker der deutschen Nation ein Denkmal an der Stätte zu setzen, wo er seine jungen Leiden, die ihn zn so manchem herrlichen Liede begeisterten, ertragen mußte." So steht wirklich da, auch in hervorgehobenem Druck: „Das Judentum benutzt seinen Sieg, nun auch gleich noch Goethe zn Gunsten seines Lieblings abznsetzen." Was wir national gesinnten Deutschen bei diesem Schauspiel — der Hamburger Senat und Herr Kerr recte Kempner. gemeinsam Literaturgeschichte machend! — empfinden, soll heute noch nicht mit ganzer Deutlichkeit ausgesprochen werden. Augenscheinlich gedenkt man die Schande, die ein öffentliches Heine- Denkmal in Deutschland wäre, ästhetisch durch ein Kunstwerk zu bemänteln, aber wir werden uns niemals abhalten lassen, den Dingen ans den Grund zn gehen und sie beim rechten Namen zn nennen. Einstweilen haben die „Hamburger Nachrichten." ein Blatt, das noch nicht dem Herrn Ballin gehört, unterm 27. Oktober gegen das Heine-Denkmal protestiert: „Zu Hamburgs herrlichem Standbild Bismarcks sollte ein' — Heine- Denkmal kommen? Zu dem Helden der Nation ihr ärgster

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