Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 5 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3062972-3063520-3063525--06495-3073502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8 Die Wahrheit Nr. 5. empfindnngsvollen Bortrag den guten Ruf. der ihr von ihren früheren Konzerten in Deutschland vorausging, vollauf bestätigt hat. Wien. Die Hofoperniängcrin Fräulein Selma Kurz hat sich mit dem Laudragsabgeordneten Dr. Pbilipp Ritter von G o m p e r z verlobt. Wie«. Baron Albert v. R o t h s ch i l d hat mit der Uebernahme und Fühnmg der Agenden des verstorbenen Prokuristen Emil Horner, dessen langjährigen Mitarbeiter, Herrn Richard B e t t e l h e i in, betraut. Wien. Samstag, den 22. d. M. fand im Josefstädter Tempel die Konfirmation des Knaben O s k a r, Sohn des Herrn Jakob B l a u st e i n und desien Gattin, geb. S Ä an e, statt. Der Konfirmand wurde als Maftir aufgerufen und trug die Haftorah musterhaft vor. Nachdem Herr- Kantor Josef Grob den üblichen Msodadsraolr in erhebender Weise rezitiert hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. Bauer an den Konfirmanden eine ergreifende Ansprache, die auf die zahlreich erschienenen Festgäste tiefen Eindruck machte. Leu Zwi. Wien-Floridsdorf (Eine Neuerung im Jugend- G o t t e s d i e u st.) In der vom Herrn Rabbiner Dr. Rosen m a n u geleiteten Hebräischen Fortbildungsschule für Mittelschüler wurde mit 3 Gymnasiasten (2 Sextanern und 1 Septimaner) der Versuch unternommen, ihnen die Tonzeichen und das Leienen der Heiligen Schrift in dem Lel'er-Dbora zn erklären und Geläufigkeit hierin beizubringen. Der Versuch gelang vorzüglich und verflossenen Samstag konnte bereits der Sexlauer Julius Morgenstern kenn Jugend- Gottesdienste das korrekte Vor lesen aus der Thora selb st besorgen. Herr Religiviislebrer und Kantor I. E i b e u s ch ü tz hat fich um die Durchführung besondere Verdienste erworben. Prag. In Ergänzung des in voriger Nummer dieses Blattes veröffentlichten Berichtes über die Ferialkurse für Neligionslehrer fei noch nachgetragen, daß Herr Neligionslehrer Dr. Lieben ausgezeichnete Vorträge über Mischna Berachot gehalten hat. Die Wiederholung der Kurse wird allgemein gewünscht, einerseits um den auf dem Lande wirkenden Lehrern Gelegenheit zur Fortbildung und Bereicherung ihres Fachwifiens zu bieten und andererseits um eine gründliche Aussprache über erziehliche Fragen zu ermöglichen. Jüdisches Theater. Hotel Stefanie, Taborstraße. „Die Seder- Nacht" von Lateiner ist ein Stück, das aller Bühnentechnik entbehrt und die Darsteller haben offenbar mir diesem Mangel fühlbar zu kämpfen. Es bietet bloß Herrn Rose n ft e i n Gelegenheit, das kraftvolle, unbeugsame Judentum in der Figur des alten Onkels recht treffend zn verkörpern. Auch Herr Podzamcze ist als Schadchen voll köstlichen Humors. Dieser meisterhafte Komiker zeigt am besten, was das jüdische Publikum wünscht und woran es am meisten Gefallen findet. „Die Sedernacht" war keine glückliche Wahl. — In persönlicher Sache möchten wir wünschen, daß unserem Berichterstatter stets, auch au Sonn- und Feiertagen, entsprechende Sitze angewiesen werden. Die Berichterstattung ist für jedes Theater von Wichtigkeit und wenn die „Polnische Gesellschaft" dies nicht einsieht, dann werden wir daraus die Konsequenzen ziehen. < Sitte Rechte Vorbehalten.) Gin neues Acht. Bon Adolf Heinrich Landau (Wiener-Neustadt). (Fortsetzung.) Als Dr. Fuchs die Straße betrat, begegnete er einer einfach gekleideten Frau, die ein hübsches Mädchen begleitete. Er kannte die Frau nicht, sie aber grüßte ihn und als er stehen blieb und den Gruß erwiderte, trat die Frau auf ihn zu. „Herr Rabbiner, Sie haben den Frieden in der Gemeinde hergestellt, wer Sie kennt, lobt Sie, vielleicht können Sie auch mir einen Gefallen tun?" „Vom Herzen gern, liebe Frau." „Sie wissen, Herr Rabbiner, daß am Simchaß Thora*) ein Ball ist?" „Ja, ja, ich bin eingeladen.-" „Sehen Sie, wir sind nicht geladen worden. Meine Tochter möchte auch einmal so ein Fest mitmachen. Sie darf sich neben den anderen Mädchen zeigen. Sie ist brav und anständig und verdient schönes Geld. Kein Mensch kann ihr etwas Schlechtes nachsagen, warum werden die armen Leute nicht zugelassen? Es ist doch ein Fest für die ganze Gemeinde?" Dr. Fuchs sah das hübsche Mädchen an, das beim Lobe der Mutter errötete. „Wer schickt denn die Einladungen ans, liebes Fräulein?" fragte er. „Die Frau Doktor Süß ist die Präsidentin des Damenkomitees." „Die Frau Doktor ist eine herzensgute Dame. Sie werden noch heute eine Einladung erhalten, oder ich werde selbst dem Balle sernbleiben. Ich bin auch das Kind armer Eltern und es tut mir wehe, wenn der A rme g e g e n ü b e r d e m R e ich e n o h n e G r im fr zur ü ck g e s e tz t wird." Er reichte den beiden die Hand. „Gott soll Ihnen alles vergelten," sagte die Frau und dann wandte sie sich zur Tochter: .; „Ist es ein Wunder, wenn alle Mädchen von ihm schwärmen? Hat mau schon so einen lieben Menschen gesehen? — Einige Minutetl später stattete der Rabbiner Frau Doktor Süß einen Besuch ab. „Gnädige Frau, ich möchte mir die Frage erlauben, ob das Ballsest ein intimes oder ein offizielles ist?" „Warum fragen Ehrwürden?" „Es fühlen sich einige beleidigt, weil sie nicht geladen wurden." „Meines Wissens sind bloß einige kleine Leute nicht geladen worden, die sicher weder Lust, noch Muße, noch Geld für Bälle haben." „Ist das Ballfest für alle Gemeindemitglieder veranstaltet,, so wäre ich sehr dafür, daß auch alte geladen werden. Wer nicht kommen kann, oder will, wird es ja unterlassen, aber bev Arme soll n i ch t beleidigt werde „Aufrichtig gesagt, es sind da einige junge Leute, die uns mit ihrer Arroganz nur Schande machen würden. Der Ball hat sich immer in den vornehmsten Bahnen bewegt." „Diesen Jungen kann man schon einen zarten Wink geben, den sie wohl verstehen werden. Aber die Unschuldigen sollen nicht für die Schuldigen leiden." j „Diese Kluft ist ein altes Uebel in unserer Gemeinde. Da werden Ehrwürden vergebens einzngreifen suchen. Es gibt Damen, die nicht mit ihren Schneiderinnen und Modistinnen beisammen sein wollen, auch der Chef will nicht mit seiner Komptoiristin tanzen und mit seinem Kommis ans einem Ball sein." „So, so. Wir Juden kennen keine Rangsunterschiede.. Wir sind alle Kinder eines Vaters, e i n Gott hat uns alle erschaffen. Ich bitte Sie, gnädige Frau, wollen Sie mir meine Bitte gewähren? Es würde mir sonst sehr leid tun, dem Feste sernbleiben zu müssen." „Wie? Das täten Sie wirklich? Ehrwürden könnten. Ihre Herde verlassen? „B i n i ch d e r H i r-t e d i e s e r Gemeinde, dann will ich alle Schäfchen um mich versammelt sehen. I ch kenne keine Menschen e r st e r und zweiter G ü t e>. solange die Menschen ehrlich und redlich sind." Die Dame ging nachdenklich im Salon auf und ab. „Ich werde das Komitee einberufen," sagte sie nach einer Weile. „Frau Doktor, es sind bloß fünf Tage übrig, alsohöchste Zeit.-" Wieder dachte die Dame einige Minuten nach. „Meinetwegen, ich will's Inn. Es fällt mir schwer, Ehrwürden eine Bitte abznschlagen." „Ich kann Ihnen nur danken, gnädige Frau, aber es gibt einen Gott, der Ihnen Ihre Güte reichlich lohnen wird." „Aber das eine null ich Ihnen sagen, Ehrwürden. Wir haben schon einmal einen redlich verpatzten Abend gehabt. Kommt es diesmal wieder zu Szenen, oder Skandalen, dann war es das letztemal.-" „Ich nehme alle Verantwortung auf mich." sagte Dr. Fuchs und küßte der Dame zum Abschied die Hand. — Zu Hause fand er ein liebes Schreiben seiner Braut, in dem sie ihn bat, nach den Feiertagen eine kleine Urlaubsreise nach Wien zu machen, wo sie auch den Hochzeitstag bestimmen könnten, denn alles sei schon fertig; es fehle nichts mehr als nnr — das Definilivum. (Fortsetzung folgt.) Die geehrten Leser unseres Blattes, welche sich um Erteilung von Auskünften an die Redaktion wenden, werden ersucht, entweder Oesterr. Postmarken oder Antwortkarten beizusngen. *) Fest der Thorafreude.