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Die Wahrheit · 1910-01-28 · Heft 5 (28.1.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 5 (28.1.1910)
Date
1910-01-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 Die Wahrheit Seite 7. -frommen zum Kandidaten erwählt worden. Sein „fortschrittlicher" Gegner, das Magnatenmitglied Meyer Krauß, aber 'hatte mehr Stimmen uiib als dieser gewählt wurde, schrieben zur -Ermunterung des von allen nun geliebten Geistlichen die „Fortschrittler" ans ihre Agitationssahne: „Eljen Ullmann Irigyes, ^Krausz est követ," d. h. .. Es lebe F r i e d r ich U l l m a u n, .Krauß ist der Abgeordnete." Vor dem Kongreß sand eine große orthodoxe Rabbinerversammlung im Kaiserbade in Altofen statt, bei der ich an der Seile meines Lehrers zugegen war. Dieser stellte mich dem dortigen Rabbi. Marcus Hirsch, dem nachmaligen Kollegen im Hamburger Synagogenverbande vor. mit dem ich ost hier über diese erste Begegnung mich zu unterhalten Gelegenheit hatte. Meinem Wunsche, die Eisenstädter Jeschiba des Dr. Hildesheimer aufzusuchen, stellte sich Ullmann mit aller Kraft entgegen mud empfahl mir. mich für Preßburg bei ihm und in der Pester „Schahs Chewra," die unter Leitung von R. Sußmann Sofer stand, während als Sekretär dortselbst der Hebraist Simon Bachrach, der die besten deutschen Dramen, auch „Nathan der Weise," ins Hebräische übertrug — der Vater von Professor Wilhelm Bacher — gewirkt, vorzubereiten. Mein „Friedrich der vierte" begleitete mich mit seinen Segnungen und Ratschlägen, vor allem aber mit seinem V o r b i l d e st r e n g religiös-sittlichen Charakters auf meinen weiteren Studiengängen nach der Hochschule des „Ksaw sofer" in Preßburg, dann nach Wien, wo ich das große Bet-ha-Midrasch meines allerbedeutendsten Lehrers, Oberrabbiner Adolf I e l l i n e k, und seiner genialen Mitarbeiter auf dem Felde der wissenschaftlichen Talmud- und Midraschforschung, I. H. Weiß und 'Lektor Meyer Fried mann zu besuchen das Glück hatte. Ihm aber, der im hohen Alter starb, verdanke ich die Grundlage der rigoros systematischen Fortarbeit an meinem Geiste und grüße ihn in der Ewigkeit mit dem üblichen Gruße des Segens: „Scholom alecha Rabbi Mori R. Scholom." ..Friede und Seligkeit dir mein Lehrer, mein Erzieher, Friedrich — der vierte!" Verschiedene Nachrichten. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat dem Universitätsprofessor. Hofrat Dr. H. Müller, das Ritterkreuz des Leopold-Ordens verliehen. Wien.' (Israe litisch e K u l t u s g e in e i n d e.) Oeffentliche -Plenarsitzung des.Borstandes der israel. Knltnsgemeinde Wien Mittwoch, den 2. Feber 1910. 10 Uhr vormittags, I., Seitenstettengasie 4, II. Stock. Gegenstand: 1. Hundertjährige Gedenkfeier für den sel. Sekretär und Archivar der israel. Knltnsgemeinde, Dr. Ludwig August Frankl R. v. H o ch w a r t; 2. Evenrualia. Wien. (Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und K n l t u r.) Donnerstag, den 3. Februar 1910, präzise l/a8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, X., Eschenbachgasse 9, ein Bortrag des Herrn Rabbiners Dr. Hermann B o g e l st e i u aus Königsberg statt. Thema: „Die Juden in Rom im Zeitalter Dantes." Eintritt frei, ohne Karten. Wien. („O e st e r r e i ch i s ch - I s r a e l i t i s ch e U n i o n".) Montag, den 31. d. M., präzise 1j„S Uhr abends, findet im Festsaale des Niederöfterreichischen Gewerbevereines. I.. Eschenbachgasse 11. der zweite diesjährige Vortragsabend der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" statt, in welchem Herrr Rabbiner Dr. Ignaz Ziegler aus Karlsbad über ,„D i e erste B ü ch e r z e n s u r in der jüdischen Geschichte und ihre Folgen" sprechen wird. Sowohl das eigenartige Thema als auch der ausgezeichnete Redner werden gewiß allseitig Interesse erwecken. Wien. (Bet-Hamid rasch Talmitd-Thora, Malzgas s e 16.) Freitag. 28. Jänner 1910,'abends ^8 Uhr, findet daselbst ein Bortrag des Herrn Prof. Moritz A n t s ch e r l statt. Thema : „Ein Gang durch die Versöhnlmgstag-Litnrgie." Samstag, den 29. Jänner 1910, nachmittags 3 Uhr, Vortrag Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. A. Schmied l. Thema: „Moses und seine Lehre." Wien. lJ ü d i s ch e T o y u b e e - H a l l e, XX., Othmarg affe 46.) Samstag, den 22. d. M. sand in der Toynbee-Halle ein von dem bekannten Musiklehrer Prof. Stock veranstalteter Konzertabend statt, der einen überaus schönen Verlaus nahm. Ein Mozart'sches Quartett (I. Bioline: Frl. Stock, II. Violine: Herr Lion, Viola: Pros. Stock, Cello: Prof. A über) in meisterhafter Ausführung leitete den Abend ein, au welchem noch Frl. Salz als Pianistin mit reichem Können, Frl. Heller, eine begabte Solo-Natursängerin und insbesondere der Virtuose-Cellist, Professor A n b er für Solovorträge lebhaft akklamiert wurden. Das nächste Wochenvrogramm ist wie folgt festgesetzt: Freitag den 28.: Bibelvortrag, Rabb.-Kand. Bsla Fischer; Samstag, den 29.: Konzert, Arrang. Frau Freund-Funk; Sonntag, den 30.: Ibsen als Erzieher (Zyklus IV), Dr. Münz; Montag, den 31.: Rechrswissenschaftlicher Zyklus, Dr. M. Reiß; Dienstag, den 1. Feber: Elternabend, Oberlehrer Grünspan; Mittwoch, den 2.: Lkchtbildervortrag; Donnerstag, den 3.: Ueber Kartell- und Trnstwesen, Exp.-Akad. Oskar Fischer. Wien. K r a u k e n - U n r e r st ü tzun g s v e r e i n „M e n s ch e nlieb e".) Montag, den 31. d. M.. 8 Uhr abends, findet im Sitzungssaals des Tempelgebäudes, IX., Müllnergasse 21. die IX. ordentliche Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des ‘ Borsitzenden und der Revisoren (Erreilung des Absolutvriums); 2. Bestimmung der Monatsbeiträge und der Beitrittsgebühr; 3. Wahlen in die Bereiusleitung und zweier Revisoren; 4. Anträge und Interpellationen. Wien. Der Jüdische Kolo niiarionsverein in Wien Veranstalter zwei Borrragsabende über Palästina. Am Montag, den 31. d. M., präzise 772 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekrenvereines, I.. Eschenbachgasse 9. der Bortrag des Herrn Dr. F. G r o c e: „Der Sinai" (mit Lichtbildern nach eigenen Aufnahmen), statt. Den zweiten Borcrag hält am Mittwoch, den 9. Februar, präzise 71/2 Uhr abends, ebenfalls im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereiues, I., Eschenbachgasse 9, Herr Joi'ef Beck über: „Eine Reise durch Syrien und Palästina" lLichtbildervoltrag, eigene Aufnahmen). Zn beiden Vorträgen sind Herren und Damen als Gäste willkommen. Wien. (Requiem für Emil H 0 r n e r.) Am 23. d. M. veranstaltete der „B e r e i n zur Verbreitung der H a n dwerke unter den inländischen I s r a e l i t e n", IX., Grüne Torgasse 26, für seinen dahingeschiedenen Präses Emil Horner, dem langjährigen Prokuristen des Rothschild'schen Hanfes, eine würdige Trauerfeier, an der außer allen Bereinszöglingen, der Gesamtvorstand und Tranergäste teilnahmen. Professor A n t s ch e r l schilderte in beredten Worten das segensreiche Wirken des Verewigten durch 25 Jahre im Vorstande des Vereines, der tiefen Trauer würdig Ausdruck gebend. Die Tranergebete verrichtete Herr Kantor P e k a r n i k warm und ausdrucksvoll. Wie». (Verein der jüdischen Handels- und P r i v a t a n g e st e l l t e n „A c h w a".) Sonntag, den 23. Jänner fand die konstituierende Versammlnng des Vereines statt. Nach einem kurzen Referate über den Zioeck der Organisation von Kollegen G r ü nwald, entwickelte sich eine rege Debatte, in deren Verlauf sich zeigte, daß nahezu alle Anwesnnden den Nutzen des zu gründenden Vereines zu würdigen wußten. Die sodann vorgenommenen Wahlen ergaben fast einstimmig folgendes Resultat: Obmann: Samuel S t r a u ß; Obmann- Stellvertreter : Bernhard G r ü n h u r; I. Schriftführer: Walter L ö w y; II. Schriftführer: Carl G r ü n w a l d; Kassier: Rudolf Sicher; Bibliothekar: Gustav K 0 h n. Ersatzmänner: Carl Blum e, Heinrich Frankel, Max W e i ß m a n u. Der Obmann des Vereines forderte zu fleißiger Werbearbeit auf und bat alle Mitglieder, für die Veranstaltungen des Vereines stets eifrige Agitation zu entfalten. 20 neue Mitglieder traten während der Versammlung dem Vereine bei. Wien. Sehr interessant sprach Herr Rabbiner Dr. K a m i n k a im Beth-Hamidrasch, II., Malzgasse, am verflossenen Sabbath-Nachmittag, den 22. d. M. über die Nmoräer R. Jochanan und R. Simon d. Lakisch und beleuchtete das Wirken dieser großen jüdischen Gelehrte». Lautlos folgten die Anwesenden dem Redner bis zum Schluffe seines geistvollen Vortrages und spendeten ihm reichen Beifall. Dem Obmanne des Tempels und des Beth-Hamidrasch. dem verdienstvollen Herrn Simon B u chw a l d, der unermüdlich für die Hebung des Beth-Hamidrasch und insbesondere für die Heranziehung und Gewinnung unserer erwachsenen Jugend für unser altehrwürdiges Judentum unermüdlich tätig ist, sind wir hierbei zu besonderem Danke verpflichtet. Wien. Am 29. d. M. findet in den Lokalitäten des Cafe Dohany, II. Augarlenstraße, das Gründnilgsfest des humanitären Handwerkervereines „I a d C h a r u z i nt" statt. Der Verein besteht erst kurze Zeit und hat den Zweck, nnbemittelreit Handwerkern und dereil Familien in Krankheits¬ und Todesfällen zur Seite zu stehen. Wien. Schon lange hatte die Wiener Judenschaft keine solche Volkswanderung zu einem Vortrage gesehen, wie es anläßlich der vom Vereine „S ch 0 m r e S ch a b b 0 ß" veranstalteten, von Herrn Jak. R 0 s e n h e i in aus Frankfurt a. M. am Montag und Dienstag im großen Saale des „Horel Zentral" abgehalrenen Referate der Fall war. Sie bildeten einfach ein literarisches Ereignis. Damen und Herren lauschten mit gespanntem Interesse und ungeteilter Aufmerksamkeit den philosophisch durchdachten, streng logischen Ausführnngen des geschätzten Gastes, die am ersten Abend gegen die m 0 n 1 n 1 s ch e W e l t a n s ch a u u n g Häckels sich wendend, in eine Avorheose des jüdischen Glaubens ausklangen. Mit ebenso großem Erfolge svrach Herr Rosenheim am folgenden Tage über das in Palästina seitens der „Freien Vereinigung der orthod. Juden Deutschlands" geplante sozial-hnmaniräre Werk, dem sich wohl viele Wiener Inden anschließen dürften. An beide Vorträge schloß sich eine lebhafte Diskussion an. wobei sich besonders Herr Kommerzialrat F r ä n k e l aus München als brillanter Sprecher zeigte. Wien. Der Mittwoch, den 26. d. M., im Kleinen Musikvereinssaale veranstaltete Liederabend der Frau Gita L e tt a r t Sago bot der Künstlerin Gelegenheit, auch vor dem Wiener Publikum mit ihrer reiche» Begabung und ihrem wunderbaren Mezzosopran zu glänzen. Das zahlreiche Auditorium bedachte die ansgezeichneten Darbietungen von Schubert, Schumann, Brahms. Hugo Wolf rc. mit stürmischem Beifall, und allgemein war das Urteil, daß Frau Leuart nicht nur durch ihre Stimmittel, sondern auch durch ihre felceueu musikalischen Qualitäten und den vornehmen.

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