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Die Wahrheit · 1910-01-28 · Heft 5 (28.1.1910) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 5 (28.1.1910)
Date
1910-01-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion nnd Administration: Wien, II/'j Nvvaraqasse 27 Telephon: Redaktion 5107/VIII. Anabhäirgige Aertschnft für Mische Bezugspreis: jl Ganzjährig.K 14.—!! Halbjährig.K 7.— Administration 4938/U, ji _ K. k. österr. Postjp'arkassa- Scheck-Konro Nr. 1000.918. Interessen. i; |j Für 5fn(tu*beamte: — : Ganzjährig.K 10. — Inserate:!; Die viermal gesvaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller., Erscheint jeden Areitag. Für Ausland: Abonnementsnnd Jnsertions- Ganzjährig.8 Mark betrage nnd in Wien zahtvar nnd klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" 6 Rnbel oder 16 FrcS. Ur. 5. Wie«. 28. Jänner 1910. Inhalt: Religionsunterricht. — Die Bibel, ausgewählt. — Der Einfluß des Judentums auf Shakespeare. — Josef der zweite, Moses der dritte, Friedrich der vierte. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Ein neues Licht. — Aus dem österr.-ungar. Kantoreuvereine. — Die Stellung der Kantoren Deutschlands zum neuen Organisations-Entwurf. Religionsunterricht. Wenn Zwei zum Tajan (Richter) gehen, Muß man Beide anhören. Altes jüdisches Sprichwort. Die allen Griechen pflegten zu sagen: Die Frau ist die Beste, vvn der man am wenigsten spricht. Wenn wir diesen Satz mutatis mutandis ans unseren Religionsunterricht anwenden. so ist dieser gerade der beste nicht; denn es wird sehr viel von ihm gesprochen. Und nicht immer von Berufenen. Jeder Vater, dem die Nase des Lehrers und natürlich auch das „nicht genügend" des Sohnes nicht zu Gesichte stehen, jede Mittler, die sich darüber kränkt, daß ihr Lieblingssprößling das böse Hebräisch lernen muß, sie alle glauben, ihr Urteil über die Pädagogik im allgemeinen und den Unterricht in der Religion insbesondere, abgeben zu können. Es wird über Ueberbürdnng, alte Zöpfe, verrottete Methoden, Lehrpläne, Lehrbücher tl. s. w. viel gesprochen, diskutiert und disputiert. Man redet darüber an grünen Amtstischen, in Klubs,- in Wirts- und Kaffeehäusern. Die Kaffeehäuser, das sind die Brutstätten des Tratsches, au denen schon manches Urteil über Lehrer gefällt wurde, das, glücklicherweise, nicht ansgesührt worden ist; denn sonst wäre der von den Göttern gehaßte Pädagogns nicht mehr unter den Lebenden. Es soll nicht geleugnet werden, daß die Schule vielfach Schuld trägt au der vollständigen Erfolglosigkeit, au dem Bankerot des Religionsunterrichtes. Es gibt unfähige Lehrer, falsche Melhodeti, unrichtige Lehrpläne, unzulängliche Bücher. Aber ist der tüchtige Lehrer — und es gibt zum Glücke auch solche — nicht im Stande, alle diese Fehler und Mangelhaftigkeiten des Unterrichtes ansznmerzen? Und doch, Mangel an jedem Erfolge im Religionsunterrichte. Da müssen die Wurzeln des Uebels tiefer liegen. Jeder Einsichtige wird sich dies sagen müssen. Die schlechten effectus müssen üble causae voraussetzeu. Und diesen Ursachen wollen wir nachspüren. Es ist nicht schwer, sie zn findet!, nur darf man sich die sehenden Augen nicht verschließen, keine Blinde-Kuh-Politik treibeu. Endlich ist es an der Zeit, die nackte Wahrheit zu sagen. Nur diese nicht scheuen, tnchts vertuschen und verkleistern. Keine Schönfärberei, denn sie ist von Uebel, „Audiatur et altera pars." Hören wir die andere Partei, die vielverlästerten Lehrer. Was sagen diese über die Ursachen der mangelhaften Resultate des Religionsunterrichtes? Lassen wir sie sich verteidigen, denn sie sind die Angeklagten. Die Lehrer klagen über die vollständige Gleichgiltigkeit des Hanfes für den Religionsunterricht. Ja,! viele Eltern zeigen eine, fast könnte man sagen, feindselige Gegnerschaft gegenüber diesem Unterrichte. Wie wird in vielen Familien über die Religton und deren Lehrer geredet? In einer jeder Pädagogik Hohn sprechenden Weise. Dies tun un—kluge Eltern vor den Obren der Kinder. Der ganze Antii semitismns kann unserem Judentum nicht soviel schaden, wie; diese offen gegen die Religion zur Sckan getragene Feindseligkeit! in manchen jüdischen Familien. Kümmern sich die Eltern auch j um die K enntni s s e ihrer Kinder in der Religion? Ist es j ihnen nicht meist darum zu tun, daß die Söhncheu gute Noten | erhalten? Und wenn diesen eine schlechte Zensur erteilt wird, j dann erhebt sich das Geschrei über den Religionslehrer, der den! jüdischen Kindern ihre ohnehin schwierige Lage noch erschwert. I Gemach, das Uebel läßt sich vermeiden, wenn die „Herren Eltern" sich sagen, Verständnis, aber auch Gefühl für unsere Religion läßt sich nur erlangen, wenn man sie kenn t. Wir wollen nicht zitieren. Aber, an wievielen Stellen der Bibel wird darauf hingewiesen, daß es notwendig sei, die Gottesfurcht! zn lernen, d. h. mit anderen Worten, die Religion sei Sache I der Erziehung, des leuchtenden Vorbildes, des praktischen! Unterrichtes. Und dieser läßt sich leicht durchführen. Ein j Beispiel. In allen größeren Städten, denn nur diese haben wir j im Auge, werden Jugend-Gottesdienste veranstaltet. Vortreffliche I Einrichtungen, wenn sie mit Verständnis gehandhabt werden. | Dazu ist aber die tätige Beihilfe der Eltern notwendig. Wenn! die Väter oder die Mütter, von Zeit zu Zeit, an Sabbalhen I ihre Kinder in die Synagogen begleiteten, sie anleiteten, wie es! einst unsere in Gott ruhenden Eltern getan, sie würden zum I Heile der Jugend und zur Unterstützung des Lehrers ein gutes Werk ausführen. Aber da sehen wir einen geradezu erschrecklichen Jndifferentismus. Ein Lehrer erzählte mir. die meisten Eltern erführen von dem Jugend-Gottesdienste erst dann, wenn das j süße Knüblein wegen ungeziemenden Betragens im Gotteshaufe j eine Rüge erhält. Das ungeziemende Betragen der Jugend in! der Synagoge. Das ist ein Kapitel, welches man als ein! tragisches bezeichnetl muß, wenn man sieht, wie in unserer § modertien Zeit jüdische Kinder ans sogenannten „besseren j Häusern" sich während des Gottesdienstes benehmen. Man j könnte daran zweifeln, daß wir einer Kultur-Nation augehören.! Und wenn man dies „einsichtigen" Eltern vorhült. dann sprechen diese mit einem zur Verzweiflung bringenden Lächeln von kindlicher Unvernunft. So entschuldigt man den Mangel jeder i Erziehung. Viel wäre über dieses Kapitel zu sagen, wenn man nicht fürchtete, Schäden aufzudecken, die unserem Volke, unserer Glaubensgenosseuschaft nicht zur Ehre gereichen. Aber, wie sagt

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