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Die Wahrheit · 1910-01-21 · Heft 4 (21.1.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 4 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4 Die Wahrheit Seite 7. dort, wo das Aufgebot am unwirksamsten bleibt. Von den Funktionen bei Ehetrennungen werden die Bezirksrabbiner vollständig nnd systematisch ferne gehalten, trotzdem gerade hier für den Seelsorger zuweilen Gelegenheit gegeben wäre, wohltätig zn wirken; die Funktionen bei Leichenbegängnissen werden auch setzt noch, vereinzelte Fälle ansgenommen, von Funktionären versehen, denen der Verstorbene vollständig unbekannt war. Auch unsere Bemühungen, einen Verband der Tempelvereine zur Wahrung der gemeiltsamen Interessen ins Leben zu rufen, haben bisher von Seile des Vorstandes unserer Gemeinde keinerlei Förderung erfahren, trotzdem diese Organisation unserer Gemeinde nur nützlich wäre. Vorwiegend den hier angedeuteten Umständen ist es zuzuschreiben, dag die Einnahmen ans Trannugstaxen um K 1802 gegen das Vorjahr nnd K 2712 gegen das zweitletzte Bereinsjahr zuriickgegangen sind. Hand in Hand mit der Verminderung der Trauungen, hat sich der Ertrag der Sammelbüchsen verringert. Dagegen sind die Einnahmen ans Sitzmieten nnd Thoraspenden nahezu unverändert geblieben. Nur die peinlichste Sparsamkeit im Haushalte unseres Vereines, die Vertagung jeder, weint auch noch so begründeten Gehaltsanfbessernng und das Ausbleiben unerwarteter Ausgaben machte es uns noch möglich, ohne Defizit abznschließen. Mit wärmstem Danke verzeichnen wir hiemit die im abgelauseueu Jahre unserem Gvtteshause zugewendeten Widmungen: Die sel. Frau Johanna K o h n legierte K 1000.—; Herr Salo Fuchs spendete eine Thorarolle samt Mäntelchen, Brnde und Zeiger, eine Megilla und einen Schofsar. Herr Karl Grnnhnt spendete gelegentlich der Trannng seiner Tochter eine Thorakrone; Frau Ernestine Rattler, stiftete zur Erinnerung an ihren verstorbenen Gatten K 500.— für ein halbes Fenster; der Vereill „F r a u e u h o r t" eine Tischdecke und Herr Jos. Qu i t t n e r einen Waschtisch. Die Zahl der Vereinsmitglieder hat sich um 10 vermindert, davon habeit wir 4 durch den Austritt nnd 6 Mitglieder durch den Tod verloren. Wir betrauern das Ableben der Herren: Jagnes Ehrenzweig, Josef E i s e n b e r g e r, Dr. Karl Hecht, Ignatz L ö w y, Baurat Oskar M a r m o r e k, Dr. Sigm. Singer und Donat Z i ff er er. Ganz besonders schwer trifft uns der Tod des Herrn! Donat Zisferer. In ihm verlieren wir den ausgezeichneten! Baumeister unseres herrlichen Gotteshallies, einen warmen Anhänger unseres Vereines, unsere Gemeinde einen begeisterten, durch Wissen und Tatkraft hervorragenden Glaubensgenossen, unsere Vaterstadt einen ihrer besten, warmherzigsten, menschenfreundlichsten Bürger. Wir werden sein Andenken in Ehren halten." Im Anschlüsse daran widmet der Vorsitzende den vor wenigen Tagen verstorbenen Herrn Emil Horner einen würdigenden Nachruf und erbittet sich die Ermächtigung, diese! Tranerknndgebung den Protokollen der Generalversammlung einzuverleiben. „Die Anzahl der Konfirmationen hat sich nur ganz unwesentlich verändert. Bei den Mädchen sind es vorwiegend Familien der mittleren und unteren Schichten, die ihre Töchter! zur Konfirmation führen, während die Töchter reicher Eltern dieser erhebenden, eindrucksvollen Feier zumeist ferne bleiben, ein betrübendes Zeichen mangelhafter religiöser Erziehung. Die Knaben, namentlich die Mittelschüler, feierit fast ausnahmslos ihre Barmizwah. Wir danken dies dem wohltätigen Einflüsse der gut besuchten Sabbathnachmiltags-Gottesdienste für Mittelschüler, ganz besonders dem erziehlichen Wirken der Herren Pros. Doktor Pollak nnd Pros. De. Adolf Weiß. Wir können nur mit dem sehnlichsten Wunsche schließen, daß das Heranwachsende Geschlecht das von den Eltern überkommene heilige Erbe tapfer nnd treu behüte, daß es die Lücken fülle, die die Zeit in unsere Reihen reißt. Möge es uns aber endlich auch vergönnt sein, unsere Bestrebnttgen von Erfolg gekrönt zn sehen, zum Gedeihen unseres Vereines, znm Wohle unserer Gemeinde und zur Ehre des Judentums." (Lebhafter 'Beifall.) Nach debatteloser Genehmigung des durch den Vereinskassier Herrn Julius K o p st e i n erstatteten Gebarungs-Ausweises wird znm nächsten Punkte der Tagesordnung, „Wahlen", übergegangen. Der turnusmäßige Austritt trifft im heurigen Jahre die Vorstandsmitglieder Dr. M. S ch nepp, Ignaz Simon und kais. Rat Jgu. W i l h e l m. Herr Wilhelm Pappen heim erklärt, daß die drei Vorsteher in direktem Gegensätze zn dem bekannten Spruche: „Mene tekel upharsin" stehen. Sie wurden gewogen nnd für vollwertig befunden. Es wäre daher Ehrensache der Mitglieder, die Herren Dr. M. S ch ll e p p, Jg. S i m o n nnd kais. Rat Jg. Wilhelm mit aufrichtigem Danke für ihre bisherige Tätigkeit und mit der Bitte, daß sie auch fernerhin ihre reiche Erfahrung dem Vereine widmen mögen, einstimmig wiederzuwählen. (Lebhafter Beifall.) Dr. M. S ch n e p p dankt dem Vorredner im eigenen Namen sowie im Namen seiner beiden Vorstandskollegen für die große Nachsicht, mit welcher er ihre Tugenden gerühmt und ihre Wiederwahl empfohlen har. Wenn wir. fährt dann Redner fort, uns wieder um ein Mandat bewerben, so geschieht dies nicht ans Ehrgeiz, sondern in der Erkenntnis, daß der Zweck des Vereines noch nicht voll und ganz erfüllt ist. Dieser Zweck ist, dafür Sorge zn treffen, daß das gesamte Judentum des IX. Bezirkes, von dem leider nur ein kleiner Bruchteil dem Vereine angehört, hier die vollste Befriedigung seiner religiösen Bedürfnisse finde. Um dieses zn erreichen, müssen wir unsere Institutionen ansgestalten, und vor allem ist es notwendig, daß die Aufbietungen der Trauungen von Bezirksansässigen im Vereinstempel vorgenommen und bei Todesfällen im Bezirke die Funktionen den Bezirksfunktionären überwiesen werden. Zwei Faktoren, derentwegen wir alle Lasten tragen und die das größte Interesse haben sollten, uns zit fördern, zeigen sich höchst gleichgültig. Diese beiden Faktoren sind das jüdische Publikum und der Knltusvorftand. Von den 18.000 jüdischen-Bewohnern des IX. Bezirkes sind bloß ca. 300 Mitglieder des Vereines, der ja doch den Interessen der gesainten Bevölkerung dient, nnd die Kitltnsgemeinde, die aus dieiem Bezirke, mir Ausnahme der inneren Stadt, die höchsten Stenern zieht, gibt unserem Tempel eine Subvention von 2400 X. Wie können wir unter solchen Verhältnissen unsere Institutionen ansgestalten? Es ist ein Jammer, zu sehen, daß wir unsere» Funktionären kaum das Nötigste bieten können, nnd jeder hätte seine Freude daran, wenn wir ihre berechtigten Ansprüche befriedigen konnten. Aber woher sollen wir es denn nehmen? Es wäre daher von der Knllusgemeinde nicht nur human, sondern auch sehr klug, wenn sie uns dadurch unterstützte, daß unseren Funktionären aus Aufgeboten, Trauungen nnd Leichensnnktionen reichlichere Einkünfte znfließen, die ihnen die Möglichkeit bieten, ein anständiges Dasein zu fristen. Ich will keine Vorwürfe machen, sondern an die maßgebenden Faktoren nur einen eitidringlichen Appell richten und ihnen nahelegen, daß durch ein Entgegenkommen in dieser Richtung die Knltnsgemeinde nicht geschädigt, sondern das allgemeine Wohl nur gefördert würde. Sv stelle ich mir den Ausbau unserer Institutionen und die Entwicklung unseres Vereines vor. und wenn die Generalversammlung uns wieder ein Mandat erteilt, wollen wir die Bevölkerung in dem angedenteten Sinne anfklären nnd auch uns bei der Knltnsgemeinde einsetzen, um unseren Angestellten bessere Einkünfte zu verschaffen. (Allgemeiner Beifall) I. S. S t r a ß b e r g, Obmann des Tempelvereines im X. Bezirke, dankt für die ihm und seinem Vereine zngekommene Einladung, die ihm Gelegenheit biete, ein Bild des schönen nnd einträchtigen Wirkens in diesem Vereine zu gewinnen.'Auffallend sei, datz bei einem Budget von 65.000 Kronen die Knltnsgemeinde blos 2400 Kronen beistenre. Das muffen wunderbare Inden in diefem Bezirke sein, die solche Lasten freiwillig tragen. Zum Schluffe bittet der Redner um einen guten Rat. wie an gewöhnlichen Sabbaten der Besuch des Gotteshauses gehoben werden könnte. Herr Glück rügt einige Uebelstände, die er bei Leichenfnnklioneu durch Bezirksmnktionäre beobachtet hat und insbesondere, daß bei einem Leichenbegängnisse II. Klasse der zweite Funktionär beigestellt wurde. Weiters bespricht er einen Vorfall

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