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Die Wahrheit · 1910-01-21 · Heft 4 (21.1.1910) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 4 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4. Die Wahrheit tutionen, X 30.500; von Herrn kaiserl. Rat Leopold Sachs, znm Andenken au seine sel. Eltern Jakob und Anna Sachs und seine verstorbene Schwester Sofie Prager, für das Alters- Versorgnngs- und Siechenhaus, X 2000.—; von Frau Emilie Schnabl, anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten, Herrn Jakob Schnabl, sür Hilfsbedürftige, X 200.—; von Herrn Dr. Jakob Engel, für das Alters-Versorgnngshaus X 150.—, für den Studentenverein X 50.—, zusammen X 200.—; Anoy m u s, für drei bedürftige jüdische Familien, X 100. —; von Herrn A. M e s s i n g e r, für die Armenkassa X 4.—; von Herrn M. Haas. Welka, sür die Brigittenaner Schulküche X 2.—; von Herrn Moriz Edlen von Kuffner, anläßlich des Jahrzeitstages seiner sel. Mutter, für Arme des XVI. und XVII. Bezirkes, X 160.—; von Frau Marie S l e r n, anläßlich des Sterbegedächtnistages ihres sel. Mannes. Herrn Siegmund Stern, für die „Cliewra Xadischa" I, K 20.—. Weiters: Kondolenzschreiben des Herrn kaiserlichen Rat Johann L i ch t e u st a d t, anläßlich des Hinscheidens des Herrir Emil Horner; Dankschreiben des Herrn Dr. Arthur G o l d m a n n, für die Gratulation des Knltnsvorstandes, anläßlich seiner Ernennung znm Haits-, Hofimö Staats-Archivar; Dankschreiben des Herrn kaiserl. Rat Johann L i ch t e n st a d t, für die Glückwünsche des Kullnsvorstandes anläßlich seines 70. Geburtstages; Dankschreiben des Herrn kaiserl. Rat Leopold S a ch s, für die Kondolenz des Knltnsvorstandes, atilüßlich des Hinscheidens seiner Schivester, Frarl Regine Pollak Edle v. Parnan; Zuschriften der Herren kaiserl. Rat Sachs und Dr. Elias M ü n z, mit welchen dieselben die Berufung als Bethansvorsteher für die Gemeindebelhüuser. Stadt und Leopoldstadt anznnehmen erklären. Ferner befinden sich im Einlaufe: Eine Mitteilung des k. k. Bezirksgerichtes Innere Stadl, betreffend das Testament der am 20. Dezember 1909 verstorbenen Frau Rosalie Goldschmidt, wonach ein derzeit tioch mit einem Frnchtgennsse belasteter Betrag öou K 100.000 zur Errichtung einer „Karl und Rosalia Goldschmidt Wohltätigkeitsstiftnng" bestimmt wurde. Die Erträgnisse des Stiftnngskapitales sind nach Erlöschen des Fruchtgenusses in Beträgen von X 20.— bis X 100.— an Arme jüdischer Konfession zu verteilen. Eine Abschrift des Testamentes des am 22. Dezember 1909 verstorbenen Herrn Bela Haas. Der Verstorbene verfügt unter anderem die Errichtung einer „Jonas, Nanette und Bela Haas Wiener Stiftung" zu Händen der Wiener Kultnsgemeinde mit dem Kapitalsbetrage von X 206.000-—. Dieses Sliftnugskapital soll nachstehenden Zwecken dienen: X 170.000'— zur Erhaltung eines israelitischen Kiuderspitales, X 20.000'— für das israelitische Blindeninstitut auf der hohen Warte, je X 5000'— für den Rekonvaleszentensond des Spitales der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde und für die israelitische Kiuderbewahranstalt Wien, II., Schiffamtsgasfe, X 6000-— für die Grufterhaltnng. Der Testamensvollstrecker ist, nachdem der testamentarisch nominierte Testamentsvollstrecker Theodor Ritter von Tanssig gestorben ist, im Sinne der testamentarischen Bestimmungen vom Abhandlnngsgerichte gemäß dem einznholenden Vorschläge der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde zn ernennen. Die Finanzlage der Gemeinde. Nach Verlesung des Einlaufes ergreift der Präsident das Wort zu folgender Erklärung: „Die Debatte, welche vor kurzem anläßlich der Budgetberatnug hier geführt wurde, hat Anlaß gegeben, daß in jüdischen und sodann auch in nichtjüdischen Blättern die Finanzlage der Gemeinde eine ganz eigentümliche, abfällige und unrichtige Darstellung gefunden hat. Schon die Ueberschrift dieser Artikel „Die Wiener Kultnsgemeinde vor dem Bankerott" stellt sich gegenüber den vorliegenden Tatsachen als eine ganz unsinnige dar. Tie Artikel selbst sprechen von der riesigen Schuldenlast, die die Kultnsgemeinde zu tragen hat und damit im Zusammenhänge von der Mißwirtschaft, die in der Verwaltung der Gemeinde herrscht. Demgegenüber halte ich es für meine Pflicht, in öffentlicher Vorstandssitzung in großen Zügen ein getreues Bild der Finanzlage der Gemeinde und ihres Schuldenstaudes zu geben. Seile 5. Im Jahre 1890 beschloß der Vorstand zur Sanierung der zu jenem Zeitpunkte nichts weniger als günstigen Finanzen der Gemeinde ein Darlehen in der Höhe von X 900.000.— anfznnehmen. Dieses Darlehen wurde von der Bodenkreditanstalt gegen 50/oige unkündbare Zins- und Amortisationsrateu zur Rückzahlung binnen 50 Jahren gewährt, mib war hauptsächlich zur Tilgung nachstehender Schulden bestimmt: Die schwebenden Schulden beliefen sich am 31. Dezembember 1889 ans.X 377.382.— es zirkulierten tioch uneingelöste Obligationen vom Bane des Leopoldstüdter Tempels im Gesamtbeträge von.„ 211.470.— ferner waren zn bezahlen: an die Kommune Wien vertragsgemäß sür die israel. Ableitung des Zentralst iedhoies ein Teilbetrag von . . „ 169.000.— an restlichen Baukosten des im Jahre 1888 errichteten Altersveriorgnngshanses .... „ 80.000.— an Hypothekarschnlden.„ 87.360.— endlich mußte sür Deckung der nnberichtigr gebliebenen Passiven des Jahres 1889 per „ 6.060.— und des pro 1890 Gebarnngsdesiziles voll . . „ 79.892.— vorgesorgl werden. Im Jahre 1891 schon betrug der Gebarnngsi'iberschnß rund ca. X 80.000 und die Finanzen der Gemeinde waren ans dem Wege der Gesundung, als durch die Folgen des Gesetzes vom 21. März 1890 der kaum geordnete Haushalt aufs neue erschüttert wurde. Die Einverleibung der Vororte-Knltnsgemeinden Fünshans, Ottakring und Währing belastete die Krlllnsgemeinde in erheblichem Maße. Schon im ersten Jahre nach der Einverleibung, das ist im Jahre 1892, erforderten diese drei ehemaligen Gemeinden einen Zuschuß von über X 30.000. der sich in den folgenden zwei Jahren auf nahezu X 90.000 erhöhte lind mit dazu beitrug. den Ueberschuß in ein Defizit zu verwandeln. Aber auch andere Umstünde verursachten die neuerliche Verschlechterung der Finanzlage. So znm Beispiel die Tatsache, daß aus Grund dieses Gesetzes Bezirke, deren jüdische Bewohner bis dahin ihre religiösen Bedürfnisse ans ihren privaten Mitteln befriedigt hatten, nunmehr für die Erhaltung, bezw. Errichtung ihrer Bethänser Beitrüge von der Kultnsgemeinde svrderteil. endlich und hauptsächlich der Umstand, daß die Genehmigung des nenen Statutes und damit die so dringende Erhöhung der Steuern und Gebühren von Jahr zu Jahr sich verzögerte. So brachte das neue Gesetz der Gemeinde vor allem Nachteile, während ihr die Vorteile desselben durch mehrere Jahre zunächst versagt blieben. Das Knltussteuermaximnm betrug damals X 1000, das nur von fünf Personen bezahlt wurde. Dementsprechend stuften sich die weiteren Stenerleistnngeu ab, sodaß die Gesamtsumme der Knltussteuerleistllngeu eine ganz verhältnismäßig kleine war. Erst im Jahre 1896 wurde das Statut genehmigt und von diesem Zeitpunkte ab trat eine Erhöhung der Steuereingänge und damit eine Verbesserung der Finanzlage der Gemeinde ein. Wenn trotzdem in der Folge sich in manchen Jahren ein Gebarungsdefizit ergab, so ist dies nicht nur in den in jedem Belange außerordentlich gestiegenen Ansprüchen an die Gemeinde znrückzuführen, sondern auch ans die vom Vorstande geübte Finanzpolitik. Während z. B. in anderen öffentlichen Körperschaften große Anlehen anfgenommen und nicht bloß zu außerordentlichen Ausgaben, sondern mitunter auch für die lausende Gebarung verwendet werden, ist bei der Kultnsgemeinde das umgekehrte der Fall. Hier werden die lausenden Einnahmen auch zur Deckling außerordentlicher Erfordernisse, von manchesmal bedeutender Höhe verwendet. So wurden beispielsweise, um Mtr einige Ziffern hervorzuhebeu, seit dem Jahre 1896 für das Spital nahezu X 300.000 verausgabt, für die Erweiterung des Versorgungshauses und die Errichtung der Siechenabteilung ca. X 150.000, in welchem Betrage die zu diesem Zwecke geleisteten bedeutenden Spenden nicht mitinbegriffen sind; verschiedenen Bethansvereineu wurden nebst den normalen Zuwendungen Bausubventionen von ca. X 160.000 gewährt, während sich gleichzeitig die zu diesem Zwecke gegebenen unverzinslichen Darlehen ans ca. X 133.000 erhöhten. Ferner wurden für den Ankauf des dem Gemeindehause benachbarten ■ lllll HWniiTlin(||--

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