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Die Wahrheit · 1910-01-21 · Heft 4 (21.1.1910) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 4 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4. Die Wahrheit Nr. 4. in den Weg stellen, die die Möglichkeit des Gelingens im vorhinein in Frage stellen. Hier müssen eben die Eltern eingreifeu. Zn diesem Falle ist es ihre Pflicht, den Kindern das zn bieten, was ihnen die Schule nicht zn bieten vermag. Wie traurig es aber um die Erfüllung dieser Elternpflicht bestellt ist, das kann man am besten wahrnehmen, wenn man am Freitag Abend beim Sabbateingang das Gotteshaus betritt. Man sieht da liicht selten vollgepfropfte Häuser, Männer nnd Frauen, Väter und Mütter, aber keine Kinder, die Großen, aber nicht die Kleinen, nicht den jugendlichen Nachwuchs, und man gewinnt geradezu den Eindruck, als hätte man vor sich das stereotype Bild einer k i n d e r l o s e n Gemeinde. In Wirklichkeit aber kann man die Kinder im Elternhause finden, wie sie ihre Schulaufgaben machen, -oder mit Jugeitdspielen die Zeit sich vertreiben und au alles andere denken, nur nicht an den Sabbateingang und an den ihm zu Ehren jetzt im Gotteshause stattstndenden Gottesdienst. jriwn triMKn arn nK bnpn „Versammle zu den gottesdienstlichen Vorträgen die Männer, die Frauen nnd die Kinder/' so lautete der göttliche Auftrag an Moses, als seinerzeit die Israeliten sich noch auf dem Zuge durch die Wüste befanden. Auf die Frage: nab f]t!n wozu auch die Kinder mitgebracht werden sollten? antwortet der Kommentar: an#-::»*? “ou jrv’b ■ns Auf daß die Eltern des himmlischen Lohnes teilhaftig werden, der ihnen für die religiöse Erziehung ihrer Kinder verheißen ist. Wurden es einmal die Eltern mit der Erfüllung dieser Pflicht ernst nehmen, dann wären auch die angeblichen Hindernisse, die Gotteshäuser böten zn wenig Raum zur Mitnahme der Kitider, leicht zn überwinden. Mag es auch in mancher Familie reichlichen Kindersegen geben, so kann dennoch das männliche oder weibliche Oberhaupt abwechselnd am Freitag Abend je ein Kind ins Gotteshaus mitnehmen, auf daß es auch den Gottesdienst am Sabbateingange kennen lerne und Augenzeuge der Andacht sei, von der es so viel Schönes und Interessantes erzählen hört. Und gewiß, dieser Gottesdienst wird auf das Gemüt des jugendlichen Kindes einen besonderen Zauber ausübeu und so oft der Labbattag nahen wird, werden instinktiv die Worte des Psalmisten über seine Lippen kommen: 'rinrrrs -n rra b c-iöks „0, wie freue ich mich, so der Ruf an mich ergeht, komm' lass' uns ins Gotteshaus gehen." Und diese Freude, sie wird sich allmählich zur heiligen Freude gestalten und die besten Vorsätze zeitigen. Die Kinder werden die Eindrücke. die sie im Gotteshanse gewonnen, festhalten nnd sich bestreben, aus denselben dereinst draußen im Kampfe gegen die Wechselfälle des Lebens Nutzen nnd Vorteile zn ziehen. Daniel Skntezky, Religionslehrer. FürstKlsmarckund sein jüdischerArst. Es dürfte wohl in der Oeffentlichkeit wenig bekannt sein, daß Fürst Bismarck durch längere Zeit (1879—1883), so oft er ans seiner in der Nähe Hamburgs gelegenen Besitzung Friedrichsruh weilte, einen jüdischen Arzt konsultierte, demselben wegen seiner vorzüglichen persönlichen Eigenschaften eine besondere Wertschätzung enlgegenbrachte und ihn auch außer seiner beruflichen Tätigkeit als Freund des Hauses betrachtete. Es war dies der Hamburger Arzt Dr. Eduard Coden. Paschinger, der Bismarckforscher, rühmt an demselben neben dem reichen fachmännischen Wissen die Schärfe des D e n k e u s, die gewissenhafte Untersuchung und die unermüdliche Hingabe, Eigenschaften, die bekanntlich zu dett Traditionen des jüdischem Aerztestandes gehören und demselben Eingang an die Höfe der Päpste, Herrscher nnd Staatsmänner schon im Mittelalter verschafften. Die persöitliche. Zuneigung des Fürsten Bismarck für Dr. Cohen ging soweit, daß als Professor Schweninger die ärztliche Behandlung desselben übernahm, er nichtdestoweniger darauf drang, daß Dr. Cohen noch weiter in seinem Hause verkehre, wo er ein häufiger nnd gerne gesehener Gast war. Als Dr. Eduard Cohen am 4. Dezember 1884 in Hamburg starb (Poschinger, Fürst Bismarck und seine Hamburger Freunde) richtete der vielbeschäftigte Kanzler ein eigenhändiges, von Berlin datiertes Schreiben an die Kinder. Dasselbe lautet: „Ihre unerwartete Trauerbotschaft vom gestrigen Tage habe ich mit tiefem Schmerze erhalten. Meine Frau nnd ich werden in Ihrem Herrn Vater, nicht nur den an uns und unseren Enkelkindern bewährten ärztlichen Ratgeber und Helfer, sondern den liebenswürdigen nnd geistreichen Freund unseres Hauses vermissen. Ich bitte Sie und die Ihrigen unserer herzlichsten Teilnahme versichert zn sein, mit der wir Ihren Verlust als einen uns eigenen Mitempfinden. Meine Frau hat mich besonders beauftragt, dieses noch in ihrem Namen ansznsprechen. v. Bismarck. Wahrlich, wenn der jüdische Aerztestand überhaupt einer Bestätigung seiner vorzüglichen Qualitäten bedürfte, der von den Urdenlschen vergötterte eiserne Kanzler hat sie so in unzweideutiger Weise geliefert. Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Aus der Wiener Knltnsgemeinde. (Oeffenttiche Plenarsitzung vom 16. Jänner.) Präsident Dr. Alfred Stern eröffnet die Sitzung mit nachfolgender Ansprache: Nachruf für Emil Horner. ..Bevor wir in die Tagesordnung eingehen, geziemt es sich, eines lieben und treuen Kollegen zn gedenken, den ■ wir vor wenigen Tagen zu Grabe geleitet haben, des allzufrüh dahingeschiedenen Herrn Emil H o r n e r. Seit dem Jahre 1899 gehörte der Verewigte dem Vorstande der Knltnsgemeinde an, aber schon viel früher war er wohl bekannt und hochgeschätzt in unserer Gemeinde als ein Mann, dem die Uebung wohltätiger Werke über alles ging. So einfach Wohltaten zn üben für jene ist, die das Glück haben, dies ans eigenen Mitteln tun zn können, so schwierig itub verantwortungsvoll ist diese nicht immer dankenswerte Aufgabe mit anvertrautem Gute, nnd nur einem Manne mit dem feinen Taktgefühle, dem großen Wohlwollen. der persönlichen Liebenswürdigkeit nnd nicht zuletzt dem ausgezeichneten Herzen eines Emil Horner konnte es gelingen, dieser schwierigen Aufgabe in solcher Weise gerecht zu werden, wie es der Verewigte war. ..Freude am Wohltnn", dieses herrliche Wort, welches vor Jahresfrist ans Allerhöchstem Munde als die Anerkennung einer besonderen Eigenschaft der Inden erklang, fand in dem Verewigten ihre lebendige Verkörperung, der die „Freude am Wohltnn" betätigte, gegenüber dem Einzelnen, in Vereinen und Korporationen, nicht bloß für Inden, in reichstem Maße auch für Andersgläubige. So konnte es nicht verfehlen, daß die Wahl des nunmehr Dahingeschiedenen in den Kltltnsvorstand von nns allen herzlichst begrüßt wurde und auch in diesem Kreise bewährten sich seine ausgezeichneten Eigenschaften. Wenn er auch hauptsächlich den zahlreichen Wohltätigkeitsagenden der Knltnsgeineinde sein Augenmerk znwandte, so brachte er doch auch den anderen Zweigen der Gemeindeverwaltung reges und verständnisvolles Interesse entgegen. Noch will ich seine Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehre hervorheben, die mit dazu beitragen wird, das Andenken des Verewigten in unserem Kreise und bei allen, die ihn kannten, in herzlicher Erinnerung zn halten." Die Versammlung, welche sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben hat, beschloß die Einverleibung dieser Tranerknndgebnng in das Protokoll. Einlauf. Im Einlaufe befinden sich: Legate des sel. Herrn Theodor R. v. Taußig n. zw.: für das ifrael. Blinden-Jnstitnt auf der Hohen Warte K 20.000.—, für die israel.-theolog. Lehr-Anstalt, für den Fond zur Erbauung eines eigenen Hauses, K 20.000.—, für die israel. Armen- Anstalt IC 10.000 — , für die „Chewra Kadischa" K 10.000.—, zusammen K 60.000—; ferner für denselben eine Kadisch- Widmung im Betrage von L 2000.—; Legat des sel. Herrn Maximilian Jelinek, für verschiedene Wohltätigkeits-Jnsti-

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