Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 3 (14.1.1910)
- Date
- 1910-01-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 8 Die Wahrheit L-eite 7. ■ Hofrat Dr. Rap a Port dankte für die ihm zuteil gewordene Auszeichnung. Es fei sich dessen bewußt, daß er nicht die Gabe besitze, sich bei allen beliebt zu machen, und daß seine Anschauungen von denen anderer Vorstandsmitglieder in manchen Beziehungen abweichen. Wenn er aber trotz all seiner Mängel und Fehler zu einer so ehrenden Vertranensstellung berufen worden sei, so müsse er doch auch etwas Gutes an sich haben und dieses werde er. im Sinne seiner bisherigen Wirksamkeit, im Dienste der Gemeinde verwerten. Ins Vertreterkollegium wurden folgende Herren gewählt: Salo Cohn, Dr. Leopold Kohn, Max Frank, Wilhelm Kussner, Professor Dr. Joses Pollak, kaiserl. Rat Leopold Sachs, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, Dr. Maximilian Steiner. Namens der nengewählten Vertreter dankt Dr. Markus Spitzer für die Wahl ins Vertreterkollegium. Zur Ergänzung des Bethausvorstandes wurden neu gewählt die Herren: Karl Freund, Theodor Kohn, Doktor Elias Münz, kaiserl. Rat Albert Saborsky, kaiserl. Rat .Leopold Sachs, und wiedergewählt die demissionierten Herren :Karl Lemberger und Albert Winterberg. Nach Wahl der Kommissionen und Komitees wird die öffentliche Sitzung geschlossen. ' - Gmil Horuer. Wie ein Schlag aus heiterem Himmel wurde allgemein die Kunde ausgenommen, daß der Tod wieder einmal jäh und ^unvermutet eine Lücke in die Reihen des Wiener Kultnsvorstandes gerissen hat. Dienstag, den 11. d. M. abends ist Herr Emil H o r n e r, Prokurist des Hauses S. M. v. Rothschild, eine der vielgesnchtesten Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft, im 56. Lebensjahre infolge eines Herzschlages plötzlich gestorben. Er war nicht ein Mann von schöpferischer Initiation, aber die hervorragende Vertranensstellung, die er im Welthanse und insbesondere bei dem Chef desselben einnahm, hat er mit großem 'Pflichteifer und seltenem Takte ausgefüllt. Emil Horner war ^iner der ältesten Beamten des Hanfes. Er trat als junger 'Mann in die Dienste der Firma und ist bei ihr 36 Jahre hindurch tätig gewesen. Herr Horner leitete die Abteilung, der sämtliche Aktionen für wohltätige Zwecke zugewiesen sind. Diese Stellung bedingt eine gründliche Kenntnis der philanthropischen Einrichtungen im In- und Anslande und, wenn die zur Verfügung gestellten Mittel zweckentsprechend verwendet werden zollen, große Erfahrung und einen scharfen Blick, um wirklich Bedürftige von anderen Bittstellern zu unterscheiden. Horner hat diese Voraussetzungen in vollem Maße erfüllt. Er beschäftigte ffich mit den Institutionen des Auslandes auf philanthropischem Gebiete, studierte sie und suchte in seinem Wirkungskreise nach Möglichkeit Nutzen ans diesen Erfahrungen zu ziehen. Horner hat in seiner Amtsführung streng an der individuellen Methode festgehalten, indem er jeden einzelnen Fall genau prüfte und aus Grund der jeweiligen Sachlage die Entscheidung traf. Wiewohl er sehr viel Elend kennen lernte und übergroße Erfahrungen ans diesem Gebiete leicht abstumpfen, hat Horner nie das Mitgefühl für fremdes Leid verloren. Seine Stellung brachte ihn mit allen Gesellschaftskreisen Wiens in Verbindung, .da er in der Lage war, Wünschen, die an das Haus Rothschild wegen Mitwirkung bei gemeinnützigen Unternehmungen oder um ^Unterstützung notleidender Personen gestellt wurden, zur Erfüllung zu verhelfen. Horner hatte einen wichtigen Anteil au der Gründung des Philanthropischen Vereines, dessen Vorstand er bis zn seinem Tode angehörte. Auch um die Gründung der .Heilanstalt „Allaud" hatte er sich verdient gemacht, war Mitglied des Kuratoriums dieser Anstalt und ebenso in der Verwaltung vieler anderer humanitären Vereine. Seit mehreren Jahren war der Verewigte auch Mitglied des Wiener Kultnsvorstandes, wo er durch seine persönliche Liebenswürdigkeit, durch seine reiche Erfahrung ans philantropifchem Gebiete sowie durch das Prestige des Haltses, das er vertrat, eine hochgeachtete Position eiunahm. Er betätigte sich zumeist nur an Humanitären Agenden der Gemeinde, wiederholt ivnßte er auch sein Hans für Aktionen zu interessieren, wo die Mittel der Knltusgemeinde nicht allsreichteu und hier, sowie in der Chewra Kadischa, dessen Vorstand er gleichfalls augehörte, in der israel. Allianz, sowie in den zahlreichen jüdisch-humanitären Vereinen wird sein Hinscheiden tiefschmerzlich empfunden werden und sein Andenken unvergeßlich bleiben. Ueber die letzten Lebensstunden des Heimgegangenen wird Folgendes berichtet: Vor zwei Tagen erkrankte Herr Horner. Die Aerzte konstatierten eine Verschiebung der Luftröhre und erwogen die Frage, ob eine Operation vorgenommen werden solle. Heute fühlte sich Horner viel wohler, ging im Laufe des Tages noch spazieren, abends spielte er mit einem Kollegen, der ihn besucht hatte, eine Partie Schach und verzehrte hierauf in munterer Laune und bei bestem Appetit sein Abendbrot. Nach der Mahlzeit ersuchte er seine Gattin, ihm ans dem Nebenzimmer die ihm von den Aerzten vorgeschriebenen Pastillen zn bringen. Frau Horner entfernte sich zu diesem Zwecke ans dem Speisezimmer, und als sie einen Augenblick später wieder in dasselbe einlrat, fand sie ihren Mann znrückgelehnt regungslos im Lehnstuhl sitzen. Ein Herzschlag hatte plötzlich seinem Leben ein Ende gemacht. Der rasch herbeigerufene Hausarzt konnte nur mehr den Tob Horners konstatieren. Er hinterläßt eine Witwe, zwei Söhne und eine Tochter in jugendlichem Alter. Der älteste, 18jährige Sohn ist Beamter der Creditanstaltsfiliale in Prag. _ Generalversammlung des „vsterr. Seelssspi;". Im Sitznngssaale der israel. Kultusgemeinde Wien fand Montag, den 3. Jänner d. I., die II. ordentliche Generalversammlung des Vereines „österr. Seehospiz" statr. Nebst zahlreichen Gönnern nnd Mitgliedern des Vereines harren sich zu derselben eingefnnden: In Bertretnng der Wiener israel. Knlrnsgeiueinde Vorsteher Max Frank mit dem ersten Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben, der Delegierte der Wiener Polizeidirektion, Oberkommissär Pichler, Gemeinderabbiner Dr. M. Rose n m a n h, Religionsschulinspekrvr Professor Kani tz, die Präsidentin des Ausspeisungsvereines für den XU.—XV. Bez., Frau Regine L a n d e i s, der Leiter des Wohltätigkeitsamtes der israel. Kultusgemeinde, Rudolf Kraus, Klaviervirtuose Roderich Baß u. v. a. Die Vorsitzende, I. Bizepräsidentiu Frau Sofie Grünfeld, begrüßt die Erschienenen, konstatiert die Beschlußfähigkeit der Versammlung nnd läßt die an den Verein gelaugte Mirreilnng Sr. Excellenz des Herrn Minister des Innern zur Kenntnis der Versammlung bringen, wonach ans Grund Allerhöchster Ermächtigung Seiner k. n. k. apostolischen Majestät die Bewilligung erteilt wurde, daß das aus Anlaß des 60jährigen Regiernngsjubiläums zur Errichtung gelangende Seehospiz die Bezeichnung „österr. Kaiser Franz Josef Jnbiläums-Zeehospiz" führen dürfe. Hierauf widmet die Vorsitzende den im abgelaufenen Jahre dahingeschiedenen Kuratoriumsmitglledern Herrn Wilhelm Freyberg und Herrn Redakteur Friedrich H e r r u f e l d tiefempfundene Worte des Gedenkens, welche von der Versammlung stehend angehört wurden. Herr Wilhelm Freyberg hat dieser Jnstirurion sein regstes Interesse gewidmet und sein sehnlichster Wunsch war es, die Errichtung eines eigenen Heimes für das Seehospiz zu erleben. Dieser Herzenswunsch ging ihm nicht in Erfüllung. Kurz vor seinem Hinscheiden hat er jedoch in seiner letzten Willensäußerung verfügt, daß für das zn errichtende Seehospiz ans dem Nachlasse ein Betrag von X 50.000 flüssig gemacht werde. Redakteur Friedrich Herrnfeld war für die Justimtion von edler Begeisterung erfüllt und har keine Mühe gescheut, der guten Sache zn nützen. Aus dem Svendenverzeichnisse, das in den nächsten Tagen mit dem Tätigkeitsberichte an die Mitglieder versendet wird, brachte die Vorsitzende die großherzige Schenkung des Herrn Albert Freiherrn von Rothschild zur Kenntnis der Versammlung, die in einem Betrage von X 30.000 dem Vereine zugesprochen wurde. Mit lebhaftem Interesse nahm die Versammlung die Mitteilung entgegen, daß die Delegierten der Staatsbehörden im Kuratorium und zwar die Herren Hofrat Dr. Sigismund Pilar als Vertreter des Ministeriums für Kultus nnd Unterricht, Starthaltereirat Dr. August Netolitzky für die niederösterr. Sratlhalterei und Oberkommissär Viktor Pichler für die k. k. Polizeidirektion an den Sitzungen und Beratungen des Kuratoriums eifrigen Anreil genommen und nach besten Kräften die Institution gefördert haben, daß des ferneren der Herr Regierungskommisiür für Grado Graf D a u d i u i, der Präses der Kurkommission daselbst. Statthalrereisekretür von Gasser nnd Badedirektor Pflanzer die Kolonie, welche seitens des Vereines in Grado erhalten wird, in wohlwollendster Weise förderten. So wurden im abgelaufenen Jahre von den letztgenannten Herren am Badestrande in Grado zwei eigene Zelte und die unentgeltliche Badebenützuug den Schützlingen zur