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Die Wahrheit · 1910-01-07 · Heft 2 (7.1.1910) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 2 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 2 Hieran schloß sich ein nach Form und Inhalt in gleicher Weise vollendetes Referat des als Muster des Vortrages bekannten Obmann-Stellvertreters Pros. Dr. Adolf Weiß über „Standesehre". Ausgehend von einer Aufzählung zahlreicher im rabbinischem Schrifttum zerstreuter Sentenzen, die eine förmliche Standespragmatik ergeben, behandelten in fesselnder Weise sein Thema von ethischem, jüdisch-theologischem und politischem Standpunkt. Der Eindruck, den dieses, die Arbeit des Vormittags krönende .Referat, bei allen Anwesenden hervorgerusen hatte, war ein überaus tiefer und über Antrag des Rabb. Dr. Sicher-Nacbod wurde der Dank des Verbandstages an den Referenten protokollarisch vermerkt. Vor Eintritt in den folgenden Programm Punkt, die vorzunehmende Wahl des Obmannes und Schriftführers, erklärt der Vorsitzende seinen festen Entschluß, mit Rücksicht auf Ueberbürdung mit Amtspflichten, eine Wiederwahl unter keinen Umständen annehmen zu können und spricht aus Anlaß seines Scheidens ans der Stellung des Obmannes, der Generalversammlung für das ihm geschenkte Vertrauen, den Kollegen im Ausschüsse für ihre wertvolle Mitarbeit, seinen herzlichsten Dank aus. Obmann-Stellvertreter Prof. Dr. Weiß nimmt nun das Wort und hebt hervor, daß der Verband dem Obmanne in Wahrheit zu großem Danke verpflichtet sei; denn gerade er, der seit vielen Jahren die Arbeiten des Verbandes leitete, konnte für sich selber nicht den geringsten Erfolg ansprecheu. Solche Selbstlosigkeit verdiene die höchste Anerkennung. Darum wäre es nicht recht, ihm die Bürde der Obmannstelle auch weiterhin aufzndrängeit; vielmehr stellt er den Antrag, die Verdietlste des Vorsitzenden in der solennsten Weise durch die Ernennung zum E h r e n m i t g l i e d e des Verbandes anznerkennen. Dieser Antrag wird von der ganzen Versammlung einstimmig per acclamationem angenommen. Hieraus verweist Redner auf die überaus verdienstvolle Tätigkeit des Pros. Dr. Heinrich P o l l a k, der zu den Gründern des Verbandes zählt und demselben von jeher seine besten Kräfte gewidmet habe und den er für die Obmannstelle in Vorschlag bringe. Die hierauf vorgenommene Wahl bewies die Einmütigkeit und schöne Harmonie aller Anwesenden. Es erscheinen einstimmig gewählt: Pros. Dr. H. P o l l a k als Obmann, Dr. M. Rosenfeld als Schriftführer. Es erfolgte hierauf die Wiederwahl aller übrigen Ansschnßmitglieder per Akklamation. Der nengewählte Obmann entwickelte nach einigen Dankesworten in schwungvoller Rede sein Programm und gibt der Hoffnung Ausdruck, das in ihm gesetzte Vertrauen des Verbandes gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Er gehe mit Freuden, ja mit Begeisterung an seine Arbeit, die in dem Bestreben gipfeln soll, den Anschluß aller Kollegen au den Reichsverband durchzuführen. Ans der Reihe der nun folgenden Interpellationen und Anträge verdient eine Anfrage besonders hervorgehoben zu werden, die eine von allen Wiener Exhortatoren an Mittelschulen gemachte Eingabe an den Kultusvorstand zum Gegenstand hat und welche Eingabe, wie der Interpellant konstatiert, bisher weder eine Erledigung noch eine Beantwortung gefunden hat. Obmann-Stellvertreter Prof. Dr. Weiß konstatiert mit Bedauern das Gegenständliche hieran. Ferner gelangt folgender Antrag des Rabb. Dr. Rosen manu: „Der Verbandstag ermächtigt den Ausschuß, die Sammlung und Herausgabe sämtlicher den israel. Religionsunterricht an den Mittelschulen sowie die Rechtsstellung der israel. Religionslehrer an denselben betreffenden Erlässe zu bewirken," zur einstimmigen Annahme. Nach Kenntnisnahme einer Zuschrift des Pros. Dr. B i a ch, der auf sein eben erschienenes Lehrbuch der jüdischen Geschichte aufmerksam macht, wird die Vormittagssitzung geschlossen. In Fortsetzung der Tagesordnung erteilt der Obmann Prof. Dr. H. Pollak am Abend Herrn Rabb. Dr. L. Lazarus das Wort zu seinem Vortrage über das Buch Hiob aus der Oberstufe der Mittelschule. Gleichwie das Referat des Prof. Dr. Weiß dem Vormittage, so gab dieser'großangelegte mit leehaftem Beifall ansgenommene Vortrag der Abendsitzung das Gepräge. Der geehrte Vortragende entledigte sich seiner Aufgabe, zu zeigen, welchen Platz das Buch Hiob im Lehrplane der obersten Klasse der Mittelschule einnehmen sollte, in meisterhafter Weise. Auch ans der Diskussion, die sichan diesen Vortrag schloß und an der sich Oberrab. Dr. Güdemann, Landesrabb.-Stellvertreter Dr. Funk, Rabb. Dr^ F e u ch t w a n g, Dr. P r o ß n i tz. Dr. R o s e n f e l d. Rabb. Dr. R o s e n m a n n und Prof. Dr. Weiß beteiligten, klang, der tiefe Eindruck heraus, den diese dankenswerte Arbeit hinterlassen hatte. So hatte der durch keinerlei Mißton gestörte Verbandstag in diesem Vortrage seinen würdigen Abschluß gefunden. Nach ernster Arbeit vereinigte ein gemütlicher Abend die Festteilnehmer in Khnners Lokalitäten. Verschiedene Unchrichlen. Wien. (Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 13. Jänner 1910, präzise ,/a8 Ufjr abends, findet int Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines,- 1., Eschenbachgasse 9, ein Bortrag des Herrn Rabbiners Dr. Armin A b e l e s statt. Thema: „Das volkstümliche Vortragswesen im Judentum". Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (B e t - H a m i d r a s ch T a l m n d - T h o r a, M a l zgaffe 16.) Freitag 7. Jänner 1910, abends l/a8 Uhr, findet daselbst ein- Vortrag statt. — Samstag, den 8. Jänner 1910, nachmittags 3/48 Uhr, Vortragszyklus über jüdische Geschichte und Literatur: Vortrag V: „Der Bann in der Zeit der Amoräer und unter den Gaonen." Herr Rabbiuatskandidat Bela Fischer. Wien. (Die „O e st e r r e i ch i s ch - I s r a e l i t i s ch e U n i o tt") eröffnet ihren diesjährigen Vortrags-Zyklns Samstag, den 8. d. M. präzise lj28 Uhr abends int großen Saale des „Hotel Guth", Stefaniestraße 14. mit einem Vortrage des Vereinsmitgliedes Herrn S. B r o d über „Drei Mittel zur E i n s ch r ä n k u u g d e r A b f a l l beweg u n g". An den Vortrag schließt sich eine Diskussion. Wien. (Indische T o y n b e e - H a l l e), XL., Othmargaffe 46).- Vortrags-Programm : Samstag, 8., Konzert, Quartett Z e r n e r, Sonntag, 9., Thema Vorbehalten, Univ. Professor Dr. Leon Kellner, Montag. 10., Die hebräische Sprache, Lehrer H. L ö w - V o g e I, Dienstag, 11., Pariser Sehenswürdigkeiten mit Lichtbildern, Lehrer Isidor F a l t i t s ch e k, Mittwoch,' 12., lieber das Kartell- und Trustwesen, Export-Akademiker Oskar Fischer. Donnerstag, 13., Ibsen als Erzieher, Zyklus II, Bibliothekar Dr. Bernhard Münz. Freitag, 14., Bibelvortrag. Wien. Der humanitäre Geselligkeits-Verein „Benei Zion" Wien, zur Bekleidung armer Schulkinder des Ü. und XX. Bezirkes, veranstaltet Samstag, den 8. Jänner im Saal „zum goldenen Widder". II., Taborstraßc 36, einen Unterhaltungs-Abend unter gefälliger Mitwirkung der Herren Kantor Josef Grob, (Gesang), Dr. Fritz Löhner, (Beda) (Vorlesung eigener Dichtungen), Josef Nikolaus F i s ch o f f v. S ch e ch n i tz, (Violine), des Fräulein Martha Lauser, (Klavier), der Geschwister Willy von Moulinionge und anderer beliebter Kunstkräfte nebst Aufführung des Lustspieles „Ich habe kein Zeit" von L a b i ch e. (Regie : Herr Wilhelm Figdor.) Nach Schluß der Vorstellung Tangkränzchen. Damen-Schöuheitskonkurrenz (3 wertvolle Preise). Juxbazar. Beginn 8- Uhr abends. Regiebeitrag: für Mitglieder 30 Heller, für Nichtmitglieder im Vorverkauf 60 Heller, an der Kassa 80 Heller. .Eintrittskarten sind im Vorverkauf zu haben: I. Bezirk: „Cafe zur Börse", Wipplingerstraße 35, II. Bezirk: „Cafe Stefanie". Stefaniestraße 2, S ch n i p p e r, Friseur, Große Pfarrgasse 3, Tabak-Trafik, Ob. Donaustraße 45a., Restaurant „Gold. Widder". Taborstraße 36, Wolfensohn, Graveur, Kleine Sperlgasse 3, IX. Bezirk: „Cafe Brammer", Liechtensteinstraße 1, „Cafe Jägerhos", Porzellangasse 22, XX. Bezirk: „Cafe Neptun", Mathildenplatz 7. Wien. (Verein derjüdischenHandelsundPrivat- Ang estel lten „A ch w a h".) Montag, den 10. d. M. findet die konstituierende Versammlung dieses vollkommen unpolitischen Vereines statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Gründungskomitees. 2. Referat des Kollegen W einberger über den Zweck des Vereines. 3. Wahlen in die Vereinsleitung. 4. Referat des Kollegen Grünwald: Organisation und Agitation. 5. Eventuelles., Ort: Souterrainlokal des Cafe Dohan, H. Untere Augartenstraße 26. Zeit: */«9 Uhr abends. Gäste willkommen. St. Pölten. (Jüdischer L i t e r a t u r v e r e i n.) Am Samstag den 1. Jänner hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bach aus Wien unter stürmischem Beifalle einen Vortrag über: „Mesfianische Schwärmerei zu Beginn der Neuzeit". Prag. (Der V e r b a tt b d e r i s r a e l i t i s ch e n Religionslehrer a tt den Mittelschulen in Böhmen) veranstaltete in den henrigen Winterferien wie int Vorjahre Ferialkurse, für die israelitischen Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen. Zunächst muß konstatiert werden, daß die Teilnahme seitens der Zuhörer trotz der ungünstigen Jahreszeit und der mit dem mehrtägigen Aufenthalt in der Großstadt verbundenen Kosten unerwartet lebhaft.war. Dieser Umstand ist einerseits ein günstiges Zeichen für das Streben der jüdischen Lehrerschaft Böhmens, daß sie die ihr gebotene Gelegenheit zur Erweiterung und Vertiefung ihrer Kenntttisse und znm Empfang neuer, wichtiger Anregungen gerne benützt, andererseits aber auch für den „Verband" selbst, daß er seine Aufgabe richtig ersaßt und durch eine Stabilisierung der Ferialkurse eine segensreiche Institution geschaffen hat, die hoffentlich immer weitere Kreise von Freuden und Interessenten gewinnen wird. Als besonders lobenswert muß

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