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Die Wahrheit · 1910-01-07 · Heft 2 (7.1.1910) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 2 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1. Die Wahrheit. Seite 11. hervorgehoben werden, daß sämtliche Hörer bei allen Borträgen — es fänden täglich 5 statt — anwesend waren und sich durch zahlreiche Anfragen über den vorgetragenen Gegenstand mit lebhaftem Interesse beteiligten. Jeder der Vortragenden verstand .es sofort mit seinem Andirorium in einigen Kontakt zu kommen, wodurch sich die Kurse überaus anregend .gestalteten, selbst für diejenigen, denen der vorgetragene Gegenstand .nichts Neues brachte. Die Ferialkurse wurden durch einen Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. A. K i s ch, k. k. Professors, Obmann des „Verbandes", eröffnet. Das Thema lautete: Der erste Satz der Genesis, übersetzt und erklärt an der Hand alter und neuer Kommentare und Uebersetzungen. Der Vortragende versuchte in seiner gewohnten geistreichen Art in 2 Stunden den ersten Satz — nicht Verse — der Genesis neue Gesichtspunkte abzugewinnen und den Beweis zu erbringen, daß die Schöpfungsgeschichte, wie sie in der Genesis enthalten ist, durch die Resultate der neuesten Forschung nicht nur nicht nmgestoßen. sondern geradezu bestätigt wird. Herr Rabbiner Doktor Klotz. Prag, behandelte in Fortsetzung seiner früheren Kurse die jüdischen Tranerbränche, also ein Gebiet, das für seine Zuhörer von eminenter Wichtigkeit und großen Nutzen ist. Herr Dr. Klotz entledigte sich in dreistündigem Bortrage seiner Aufgabe mit vorzüglichem Geschicke. Ein nicht minder aktuelles Thema, das jüdische Kalenderwesen, behandelte Herr Rabbiner Professor Dr. Deutsch. Prag, gleichfalls an seine früheren Kurse anknüpfend. Diesen schwierigen Gegenstand wußte der genannte Herr in Z Stunden in so vraktischer Weise zu erörtern, daß er seine Hörer mit den Grundlagen des jüdischen Kalenders soweit vertrant machte, daß sie auch ohne vorherige Kenntnisse selbständig kalendarische Berechnungen anzustellen im Stande sind. Ein einstündiger Vortrag des Herrn Rabbiner Friedrich K n ö p f e l m a ch e r, Mittelschnlreligionslehrer in Prag, Einleitung in die Psalmen, fand vielen Anklanq. trotzdem er das Thema nicht erschöpfen konnte. — Dem brennenden Interesse jüdischer Lehrer entsprach ein vierstündiger Kurs über Methodik des hebräischen Unterrichtes an Volks- und Bürgerschulen seitens des Herrn Rabbiners Dr. Feder, Randnitz. Nach einem historischen Abriß über die bisherige Unterrichtsmethode — die des chloßen Uebersetzens — legte er seine Gedanken über ein methodischdidaktisches Vorgehen in diesem Unterrichtszweige dar und zeigte, wie er seine hier vorgetragenen Grundsätze in seinem vor kurzem erschienenen Lehrbnche durchgeführt hat. Seine Darlegungen fanden begeisterten Beifall und es ist zu hoffen, daß nunmehr in dieser Disziplin eine neue segensreiche Aera anbrechen iverde. Herr Dr. S. H. L i e b e n. Gymnasialreligionslehrer. Prag, trug in 2 Stunden die ersten 3 Abschnitte der Mischna Berachot vor und entledigte sich seiner Ausgabe so vortrefflich, daß ihm zum Schluffe wohlverdienter Dank in der Form lebhaftesten Beifalls zuteil wurde. .Die Schlußrede, die in einen Dank an die Vortragenden und an die Zuhörer ausklang, hielt in Vertretung des infolge Abreise abwesenden Obmannes der Senior der israelitischen Mittelschnlreligionslehrer und -Ehrenpräsident des Verbandes, Herr Professor S. K n ö p s e l m a ch e r, Rabbiner in Prag. Herr Rabbiner I. G o l d st e l u - N i m b u r g dankte zum Schluffe namens der Hörer für die ihnen gebotenen Belehrungen. Bester Dank gebührt der Repräsentanz der Prager israelitischen Kultusgemeinde für die Ueberlassung eines Lokales der Religionsschnle und für die dem Verbände gewährte Snvvention. Nicht minderer Dank dem Zentralverein zur Pffege jüdischer Angelegenheiten, der israelitischen .Kultusgemeinde Kgl. Weinberge, Karolinental, Elbekosteletz, Nimbnrg, sowie allen jenen Gemeinden und Korporationen, die dem Verbände durch Zuwendung von materiellen Mitteln die Veranstaltung der Ferialkurse ermöglichen. Möge der in den Schlußreden geäußerte Wunsch in Erfüllung gehen, im Sommer 1910: „Ein Ferialkurs IV". Battelau. Sonntag, den 26. Dezember 1909 wurde ein hochgeachtetes Mitglied unserer Gemeinde, Herr David Reiniger, der an Herzschlag plötzlich starb, zu Grabe getragen. Er war langjähriger Vorsteher und Mitglied der politischen Gemeindevertretung. Die Wertschätzung, welche er genoß, zeigte sich bei der imposanten Leichenfeier. Die gesamte Feuerwehr, fast alle Veteranen, die politische Gemeindevertretung und der Güterdirektor als Vertreter der gräflichen Herrschaft, sowie fast alle Beamten gaben ihm das Geleite bis zum Friedhof. Herr Rabbiner Nürnberger aus Triesch hielt die Trauerrede und Herr Kantor Moriz S a l z m a n n versah die Tranergebete. Im Namen der Verwandten nahm Herr Alfred Antscherl aus Prag rührenden Abschied von dem Toten. Seine Söhne sind alle in hervorragenden Stellungen und eine Tochter ist an einenFabrikanten in Patzan verheiratet und die jüngste Tochter an den Weingroßhändler Hermann T e l ts ch e r in Znaim. Kolin Am 26. v. M. feierte, wie schon kurz berichtet wurde, Herr Moritz K u l k a, Oberkantor i. P. unserer altehrwürdigen Gemeinde mit .seiner Gattin Frau Marie Knlka geb. K n ö p f e l m a ch e r, in vollster körperlicher und geistiger Frische, umgeben von Kindern und Enkeln das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Es sei zunächst ein Irrtum in unserem letzten Berichte richtiggestellt, nämlich daß nicht der Vater des Jubilars, sondern dessen einziger Sohn Siegfried dem Kantorenstande angehört. Der Vater war in jungen Jahren in vornehmen Häusern Erzieher und musikalisch gebildet. Anläßlich der goldenen Hochzeit dokumentierte es sich wieder, welcher Beliebtheit und Wertschätzung Oberkantor Knlka nicht bloß in seiner Gemeinde Kolin. sondern auch außerhalb derselben sich erfreut. Wie üblich wurde der Jubilar am Samstag beim Mussafgottesdienste in dem von Andächtigen gut besuchten Tempel, der heiligen Stätte seiner vieljährigen gottesdienstlichen Tätigkeit, zur Thora gerufen. Kantor R e i ch n e r rezitierte bei dieser Gelegenheit zuerst einen selbstverfaßten Nise1i.sd6ra.o1i und hierauf noch einen zweiten für die Gemeinde, deffen Verfaffer der .Jubilar war, mit ebenso vortrefflichem Verständnis, wie mit sonorem Organ. Nach beendigtem Gottesdienste ging es in der Wohnung des Jubelpaares recht lebhaft zu. Die Wohnung selbst glich einem Blumenhain, in welchem prächtige Jubilänmsangebinde von Freunden und Bekannten anfgestapelt waren. Unter den vielen Gratulanten, die sich dort einsanden, sind in erster Linie zu nennen der Präsident und der Vizepräsident der Gemeinde, die Herren Max S. Steiner und Ornstein; dieselben beglückwünschten das Jubelpaar namens des Gesamtvorstandes in herzlichen Worten und überreichten zugleich ein ansehnliches Ehrengeschenk. In gleich herzlichen Worten dankte tiefgerührt Oberkantor Knlka. Ungemein groß ist die Zahl der aus Nah und Fern eiugelanfenen telegrafischen und schriftlichen Sympathiekundgebungen. Es seien u. A. genannt Rabbiner Dr. Kisch, k. k. Professor (Prag), Rabbiner Dr. Sielen (Nachod), Dr. Podwinetz (Charlottenburg Berlin), Rabbiner Dr. Grünh.ut (Knttenberg) und Landau (Dzed'.ez), Oberkantor Jakob Bauer (Wien), Oberkamyr D a v i s o n (Teplitz in Böhmen), Oberlehrer Freund und Zehrer Simon, beide Teplitz in Böhmen, Amtsleiter Braun und Hauptkassier I. P e t e r s e l k a (Kultusgemeinde Wien) und viele Kollegen ans Böhmen und Mähren. Auch von vielen seiner ehemaligen Schüler (Herr Knlka war auch als Jugendbildner der Gemeinde Kolin sehr geschätzt) und christlichen Gemeindemitgliedern kamen ihm zahlreiche Glückwünsche zu Peinliches Befremden rief es hervor, daß Herr Rabbiner Dr. G u g g e n h e i m e r und Herr Oberkantor L a m b e r g. der Nachfolger Knlkas im Amte, sich gegenüber der Feier des bei Juden und Christen gleich hochgeachteten greisen Oberkantors strengste Reserve auferlegten. Jglau. Bei der am 2. Jänner vollzogenen Konstituiruug der neugewühlcen Kultnsgemeinde-Bercrerung wurde der bisherige Knltusvorstaud für die Wahlperiode 1910—1912 mit Stimmeueinhelligkeit wiedergewählt, und zwar: zum Vorsteher Herr kaiserlicher Rar Adolf Lieblich. Baukdirektvr; zum Vorsteher-Stellvertreter Herr Simon F e l d m a n n, Fabrikant; zu Beiräten die Herren Jonas H e i m. Privat. Adalbert Pokoruy, Zahnarzt, 'Wilhelm Oestreicher. Großkanfmann, Ignaz K o h n, Großkansmann. Weilers wurden einstimmig wiedergewählr die Herren Max W u r m s o h n und Heinrich W e i ß e n st e i n zu Tempel-Vorstehern und die Herren Ignaz Ko hn und Jakob Tanßig zn Tempelvorsteher-Stellvertretern. Ferner wurden in den Kultnsansichuß gewählt die Herren Karl B o n d i, Josef G r ü n f e l d. kaiserlicher Rat Gustav H e l l m a n n, Dr. Eduard Kraus, Moritz Schwarzkovf, Jakob S o m m e r, Dr. Edmund Thorsch, Oberlandesgerichtsrar Dr. Albert T i e b e r, Richard W e i ß e n st e i n. m. Berlin. Mittwoch, den 29. Dezember, abends, hat im Saale des Vereines Berliner Kanflente und Industrieller, Jägerstraße 22, die Konstituierung der „Freien jüdischen Bereinigung" ftartgefnnden. Die Einladung zu der Versammlung war von einem vorbereitenden Komitee ansgegangen, in dessen Namen Herr Hugo H e i l m a n n die Erschienenen begrüßte. Herr Rabbiner Dr. W e i s s e erstattete den Bericht, der in kurzen eindringlichen Worten die Ziele der „Freien jüdischen Vereinigung" darlegte und ihre Notwendigkeit. Nicht darum handle es sich, eine neue Partei zu schaffen und die vorhandenen Gegensätze zu vermehren, sondern im Gegenteil darum, ansgleichend zu wirken und der vermittelnden Ansicht der großen Mehrheit der Gemeindemitglieder Anerkennung und Geltung zu verschaffen. Herr L e w i n s k i, Mitglied des Repräsentanren-Kollegiums, begründete die Unentbehrlichkeit der Freien jüdischen Bereinigung mit dem Hinweis darauf, daß jede erhaltende, konservierende Richtung von den extremen Liberalen als unbeachtlich behandelt und von derselben Seite die reformierende, d. i. abbröckelnde Tätigkeit förmlich als eine Tagespflicht angesehen werde. Herr Geheimrat Professor B a g i n s k i erklärte, daß er nach seiner ganzen wissenschaftlichen Betätigung ein Gegner der Entwicklung gar nicht fein könne, auch nicht ein Gegner des Liberalismus. Doch eine Entwicklung ohne geschichtliche Treue und ohne geschichtlichen Sinn sei unheilvoll und eine reformierende Tätigkeit ohne die Grundlage genauer Kenntnis und pietätvoller Gesinnung sei verderblich. Herr Rabbiner Dr. Werne r-München svrach mit zündenden Worten von der Not der Gewissen und von den drohenden Gefahren; wie der regierende Liberalismus eine Auflösung des Judentums in Aussicht stelle, einerseits in die extremen Orthodoxen, andererseits in eine Sekte, die bald vom Judeutume nichts als den Namen noch haben würde. Es gehe nicht an, der Entwicklung Einhalt zn gebieten und zu sagen, daß man zu irgend einem beliebigen Zeitpunkte gewissermaßen einen Einschnitt mache, diesseits dessen eine weitere Entwicklung nicht gestattet sei. Die genaue Uebereinstimmnng aller Mitglieder der Freien jüdischen Bereinigung über Maß und Tempo etwaiger Aendernngen sei durchaus nicht nötig. Hier könne volle Freiheit herrschen. Wenn nur allseitig der feste Wille vorhanden sei, die historische Ueberlieferung nicht gewaltsam zu unterbrechen. Nachdem sich in ähnlichem Sinne noch Professor Lew in geäußert, wurde auf Antrag des Schriftstellers M. A. Klausner nachstehender Beschluß gefaßt: „Die Versammlung konstituiert sich als Ortsgruppe der Freien jüdischen Bereinigung; sie spricht ihren Willen dahin ans, daß die in dem bekannten Aufruf der 64 Rabbinen geltend gemachten Anschauungen in der Berliner jüdischen Gemeinde maßgebend sein werden". AnstrMe ans dem Judentum. Adler Friedrich, Gymnasiast, geb. 13. Juni 1895 in Wien, XII., Törflerstraße 12. B o d e n st e i » Laura, Komptoiristin. geb. 15. Oktober 1890 in Wien, II., Obere Donanstraße 53. Reich-Fischer Johanna. Privat-Lehrerin, geb. 23. Juli 1884 in Wien, IV., Margarethenstraße 47. Tyroler Laura, Hofmnsikersgattin, geb. 15. Oktober 1868 in Wien, IX., Hebragaffe 7. Z e r k o w i tz Friederike Marianne, geb. König, Private, geb. 23. November 1883 in Brünn, I., Hohenstaufengaffe 12.

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