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Die Wahrheit · 1910-01-07 · Heft 2 (7.1.1910) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 2 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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atr. 2. Die Wahrheit Seite 9. Die Interessen der jungen Türkei verlangen es, daß sie eine -jüdische Einwanderung unterstützt. Sie findet darin das, ivas sie am meisten braucht, arbeitsame, intelligente, friedliche und nicht unbemittelte Einwanderer. Und auch die Inden finden in der derjungen Türkei das, was ihnen fehlt, ein gastfreundliches Land, dessen weite unbebaute Strecken ihnen die Möglichkeit der äußersten 'Entwicklung ihrer Fähigkeiteit bietet und dem sie ungeheuer nützlich werden können. Die neue Türkei ist für den Zustrom frischen Blutes sehr dankbar und wird einer jüdischen Einwanderung zweifellos sehr sympathisch gegenüberstehen. Hierauf wurden die zur Palästina-Debatte gestellten Anträge zur Abstimmung gebracht. Herrn Profesfor Dr. Marburg wurde nvcheinmal eine einhellige Vertranensknndgebung zuteil. Der Alttrag Dr. Franz Oppenheimers auf Gründung einer Arbeiter-Siedlnngs-Genosseuschaft in Palästina wird unter stürmischenl Beifall einstimmig angenommen. Eine längere Debatte entspinnt sich über den Antrag des Herrn Julius Simon, worin znm Ausdruck gebracht wird, daß die gegenwärtige geschäftliche Tätigkeit der jüdischen Kolouialbank in London außerhalb der zionistischen Interessensphäre liegt. Die Resolution wird mit geringer Mehrheit abgelehnt. Hingegen gelangt ein zweiter Antrag des Herrn Simon, worin allmählich die äußerste Einschrällkllng des europäischen Geschäftes der Jüdischen Kolonial- Bank und die Ueberfnhrnng des dadurch freiwerdenden Kapitals nach Palästina verlangt wird, trotz des Widerspruches der Bankdirektoren zur Annahme. Ein Angriff, den der Direktor der Jüdischen Kolonial- Bank. Herr C o w e n, vor dem Kongreß gegen den Leiter des Palästina-Ressorts, Herrn Professor Dr. Marburg, gerichtet und über den schon in den vorhergehenden Sitzungen sich die Delegierten wiederholt sehr absprechend geäußert haben, gelangt heute zur abschließenden Verhandlung. Der Kongreß erklärt, daß er das Vertrauensvotum, das Herrn Prof. Dr. Marburg schon mehrfach von diesem Kongresse ansgedrnckt worden ist, für genügend ansieht, um über die vorliegenden Anträge, die eine Mißbilligung des Angriffes enthalten, zur Tagesordnung übergehen zu können. Nach Erledigung einer Reihe weniger wichtiger Anträge schließt der Präsident die Sitzung um 2A/4 Uhr. Donnerstag Nachmittag-Sitzung. In der Sitzung am Donnerstag Nachmittag gelangten hauptsächlich organisatorische Fragen zur Erörterung. Eingehend -beschäftigt man sich mit der Finanzfrage. Ein von der Leitung ausgehender Antrag, der Bewegung die notwendigen größeren Mittel dnrch eine Beteiligung der zionistischen Institution an den Kosten der Organisation zil verschaffen, wurde hauptsächlich deshalb abgelehnt, weil man die Popularität, die der jüdische Natioualfonds allenthalben genießt, zu schädigen fürchtete, wenn man ihn zu Zwecken benützte, die außerhalb seines eigentlichen Wirkungskreises, dem Ankauf von Boden für das jüdische Volk in Palästina, liegen. Um 10 Uhr abends trat man zu der Schlußsitzung zusammen, die ausschließlich der Vornahme der Wahlen in die Leitung gewidmet war. Hierbei ergaben sich infolge des Umstandes, daß die Mehrheit der die Wahlvorschläge ansarbeitenden Kommission eigentümlicherweise nicht auch einer Mehrheit des Kongresses entsprach. Infolgedessen ergaben sich tiefgehende Differenzen zwischen den -Vorschlägen des Permanenzausschnsfes und den Beschlüssen der Mehrheit des Kongresses, die mehrfach zu eiiter Vertagung der Sitzung zwecks Ausarbeitung neuer Vorschläge führten. Schließlich wurde nach 3 Uhr nachts beschlossen, es hinsichtlich der Leitung beim alten zu lassen, da alle anderen Kombinationen auf unüberbrückbare Schwierigkeiten stießen. Nach einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden, worin dieser der Stadt und Bevölkerung Hamburgs, den jüdischen Gemeinden und vor allem der Hambitrger zionistischen Ortsgruppe -den Dank des Kongresses fiii~ die freundliche Aufnahme ausgesprochen chatte, schloß gegen 4 Uhr nachts unter Absingung des jüdischen Nationalliedes, der „Hatikwah“ (Hoffnung) die ereignisreiche Sitzung und der Kongreß. Nach den gefaßten Beschlüssen bleiben die bisherigen Leiter, die Herren D. W o l f s s o h n- Köln, Prof. Dr. Marburg- Berlin und I. H. Kann-Haag an der Spitze und der Sitz der Leitung verbleibt in Köln. Uerbandslag der ifv. Keligionslelju-v an den ältere. Mittelschulen. Dienstag, den 28. Dezember 1909 fand im Sitznngssaale der Wiener Knltnsgemeinde, unter dem Vorsitze des Obmannes Inspektor Rabb. Dr. F e n ch r w a it g. der siebente Berbandstag statt. Der Verband konnte neben den zahlreich erichienenen Mitgliedern viele seiner Freunde als Ehrengäste begrüßen. Als solche wohnten der Versammlung bei: Herr Oberrabb. Dr. G ü d e m a n n, Inspektor Rabb. Dr. D a v i d, Landesrabb.- Stellvertreter Dr. Funk- Bvskowitz, Rabb. K r a m e r, Chefredakteur Dr. I. S. B l o ch. Chefredakteur Dr. M. L ö w y, Moritz A n t s ch e r l. Amrsleiter Julius B r a n n, Rabb. Prof. Dr. B r e t l h o l z - Triest. Rabb. Dr. A. F r a n k t - G r ü n- Kremsier, Rabb. Dr. I. K a h a u - Znaim, Rabb. Dr. L a z a r n s- Göding. Rabb. Dr. P r o ß n i tz - Eger, Prof. Dr. R e d i s ch- Brünn, Rabb. Dr. Sicher- Nachod n. a. Ihr Fernbleiben hatten teils telegraphisch teils brieflich entschuldigt: Herr Vizepräsident Landesschulrat Dr. Gustav Kob n. Landesschulrat Rabb. F r i e d m a n n - Linz, Rabb. A l i m a u n - Salzburg, Rabb. Prof. Dr. B i a ch - Brüx. Prof. Dr. G r ü u f e i d - Brünn, Rabb. Dr. Schächter-St. Pölten und einige beruflich verhinderte Mitglieder des Wiener Kollegiums. Nach herzlicher Begrüßung der Gäste und Mitglieder leitete der Obmann die Arbeirell des Verbandstages mit einem von der Versammlung stehend angehörten und lebhaft akklamierten Hoch auf den Kaiser ein. In seinem Berichte über die abgelanfene Fnnktivnsperiode hebt der Vorsitzende hervor, daß, wenn auch in dieser Zeit zu weikansholenden Kundgebungen kein greifbarer Anlaß war, der Ausschuß doch mit Genugtuung auf diese Epoche der stillen Arbeit znrückbUcken kann, als auf eine Zeit, in der die Aufgaben nuö Ziele des Verbandes niemals ans den Angen verloren wurden. Wohl werden auch einzelne Schritte zugunsten des einen oder anderen Kollegen unternommen, doch sei das Bestehen des Verbandes an sich von so wohltätigem Einsinsse, daß sehr viele Standesgenosfen seine Früchte mitgenießen, ohne sich recht darüber klar zu sein, was und wieviel sie den Vorarbeiten und dem Bestände des Reichsverbandes verdanken. Den Präsidien der Landesverbände für Böhmen und Galizien wurden Vorschläge zur Anbahnung einer gewissen Gemeinsamkeit erstattet, die wohl im Prinzip freudig begrüßt wurden, in der Ausführung aber manches zit wünschen übrig ließen. Ein Anlaß zu regerem Gedankenanstansch und ge» meinsamer Tätigkeit war das Bestreben, unseren Standesgenosfen den Anspruch auf Eisenbahnlegitimationen zu erwirken. Wenn auch die zahlneicheu Schritte nach dieser Richtung bisher erfolglos geblieben sind, so steht doch zu hoffen, daß diese Angelegenheit bald einem gedeihlichen Resultate zngeführr wird. Auch ist der Ausschuß an solche Kollegen, die nicht Mitglieder des Verbandes sind, mit einer höfischen und dringenden Einladung zum Anschlüsse herangetreten. Auch diese Aktion, zu der ein größerer interner Arbeitsapparat anfgebolen wurde, wie z. B. der Neudruck der Statuten, hatte nicht in vollem Umfange den gewünschten Erfolg. Nach Aitfzählnng weiterer Punkte aus der Wirksamkeit des Ausschnsfes, so z. B. der Anssendung eines Zirkulars au alle Kollegen des Inhalts, ans die Behandlung, die Inden und Judentum in den verschiedenen Lehrbüchern und in den Werken der Schnlbüchereien erfahren, acht zu haben, kommt er zu dem Ergebnis, daß, wenn der Ausschuß auch fast gar keine Förderung von außen verzeichnen kann, sein Streben znm Wohle der Gesamtheit zu wirken, jederzeit das eifrigste gewesen ist. Der Bericht des Vorsitzenden löste eine große Fülle von Anregungen und Empfindungen ans, die in der darauffolgenden Diskussion, an der sich namentlich die Herren Rabb. Dr. David. Dr. I. S. Bloch und Dr. M. Lö w y beteiligten, zur Sprache kamen. Nach dem vom Revisor Rabb. Dr. Bauer erstatteten Kassabericht wird dem Ausschüsse unter Dank das Abfolntorium erteilt.

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