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Die Wahrheit · 1910-01-07 · Heft 2 (7.1.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 2 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 2 Summen für die zionistische Organisation ausgebracht und ist i in Wahrheit das Finanzinstrumenl der zionistischen Organisation. Das Referat fand langanhaltenden Beifall. Es entspann sich nunmehr eine Debatte hauptsächlich über die Arbeiten in Palästina. Auch diese Diskussion war ziemlich kritisch und rügte vor allem, daß seitens der zionistischen Organisation nicht genug geschehe. Die Debatte, an welcher Eisenstad l (Jerusalem). Blitz (Dessau), Dr. Daiches (Manchester). Dr. Thon (Krakau) und Kaplansky (Wien), teilnahmen, war getragen von der warmen Liebe für das Palästina-Ideal und verfehlte in ihrer Sachlichkeit den Eindruck nicht. Schluß der Sitzung nach 7 Uhr abends. Mittwo ch Vormittag-Sitzung. Nach Eröffnung der Sitzung durch Präsidenten Dr. Max Nord an wird die Diskussion über das Palästina-Ressort fortgesetzt. Dr. Franz Oppenheimer plaidiert in längeren Ausführungen für die Notwendigkeit der genossenschaftlichen Kolonisation in Palästina und empsiehlt die Annahme folgender Resolution: ,,Der IX. Zionistenkvngreß hält an den Beschlüssen der früheren Kongresse fest, die genossenschaftliche Siedelnngsmethode in den Tätigkeitsbereich der zionistischen Organisation aufznnehmen. Um die Durchführung dieses Beschlusses zu ermöglichen, überläßt der Nationalfond pachtweise der zu errichtenden genossenschaftlichen Kolonie den erforderlichen Boden. Um das Betriebskapital aufzubringen, wird durch eigene Sammlung ein Genossenschaftsfond gebildet, der an den jüdischen Nationalfonds angegliedert wird. Er wird verwaltet von einem Komitee, bestehend ans Vertretern des Direktoriums des Nationalfonds und der Arbeiterschaft." Dr. B o d e n h e i m e r: ,,Wir sind der Ansicht, wenn von den andern Seilen der Sache ein solches Vertrauen entgegengebracht wird, daß man einen Fvtid von 100.000 Frs. für diesen Zweck zusammenbringt, dann ist der Nationalsond berechtigt, die Mittel, die erforderlich sind, um das Land in Betrieb zu setzen, auch zu gewähren. Das Risiko trifft dann nicht den Nationalfond, sondern die, die mit vollem Bewußtsein sich an diesem Unternehmen mit Beiträgeit beteiligen. (Lebhafter Beifall.) Von verschiedenen Organisationen und Privatpersonen werden größere und kleinere Beträge angemeldet und am Schluß der Sitzung ist der Präsident in der Lage zu konstatieren, daß der Genossenschaftsfond Dr. Oppenheimers nach einer Stunde bereits die Höhe von 40.000 Frs. erreicht hat. An der weiterell Debatte beteiligen sich Dr. Niemirover (Jassy), Dr. Heinrich Schein (Galatz). Prof. Weil (Frankfurt). Letzterer vertritt den Standpunkt der Misrachisten. Die Zionisten, sagt er, sind die Schweizergarde des Judentums, aber auch des Gottesglaubens. Darum sollte vom Zentralbnrean die Anweisung an alle Ortsgruppen ergehen, alles zu vermeiden, was das religiöse Gefühl verletzen könnte, z. B. daß die zionistischen Feiern nicht ans den Sabbat verlegt werden. Die Sabbatheiligung sollte überall stallfinden, bis in die weltentlegensten kleinen Orte hinein, hinein aber auch bis in die obersten Bureaus. Ueberall sollte sie oberstes Gesetz werden. Die Juden haben den Glauben an den einigen Gott gelehrt. Das hat selbst Goethe, der gewiß kein Misrachist war, gesagt. Bei Beginn unserer Beratungen hat Ihnen der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde den Weg gezeigt, wie Sie moralische Eroberungen machen können. Auf diese Weise werden wir die Gemeinden erobern, werden wir Jerusalem erobern. (Lebhafter Beifall.) In der Mittagspause erstattet Dr. v. F l o r e n t i n einen Bericht über die Lage der Juden in der Türkei. Mittwoch N a ch m i t t a g - S i tz u n g. In Fortsetzung der Palästina-Debatte spricht Dr. A b r a h a m s o h n - Sarbogard für die in dem „Misrachi"- Verbande vereinigten jüdisch-orthodoxen Zionisten. Fräulein G o l d i n - Jerusalem spricht sehr temperamentvoll für die jüdischen Arbeiter in Palästina, rügt ein mangelndes Entgegenkommen der leitenden jüdischen Kreise den Arbeitern gegenüber und stellt eine Reihe diesbezüglicher Forderungen auf. Cohen- Jaffa verlangt, daß die Mitglieder der Leitung in Palästina wohnerr. müssen. Äronowitsch rügt die Art der Verwendung des- Jüdischen Nationalfonds in Palästina. Dieser sei in erster Linie für die Arbeiter bestimmt, indessen trage die Verwaltung diesem Umstande nicht Rechnung. Dr. B o d e n h e i m e r-Köln, der Vorsitzende des Jüdischen Nationalfonds, verteidigt diesen gegen die erhobenen Vorwürfe. Er widerlegt eine Reihe der gemachten Vorwürfe und betont die Arbeiterfrenndlichkett der Leitung. Dr. K oh a n-B e r n st e i n-Jaffa verlangt gleichfalls eine Zentralinstanz in Palästina. Er kritisiert die Art der Verwaltung der zionistischen Institutionen in Palästina und rügt den angeblichen Jnteressenmangel der Leitung gegenüber den plästinensischen Forderungen. Der Präsident des Aktionskomitees,. David Wolffsohn, wendet sich gegen diese Vorwürfe, die durchaus unberechtigt seien. Er habe sich bereits die größte Mühe gegeben, um die verlangte Zentralinstauz in Palästina zu. schaffen,, alle Bemühungen seien aber am Widerstande. in Palästina selbst gescheitert. Der nächste Redner Julius Simon- Mannheim gab in längeren Ausführungen eine eingehende Kritik der Leitung der zionistischen Banken. Die Palästinabank arbeite sehr gut und mit ihren Fortschritten könne man sehr zufrieden sein. Auch die Bank in Konstantinopel entwickle sich offenbar ausgezeichnete Dies sei leider bei dem Multerinstitut. der Jüdischen Kolonialbank in London, nicht der Fall. Der Umstand, daß man bei dieser Bank von Anfang an der Meinung gewesen sei. man müsse ihre Mittel flüssig halten, um sie für eventuell eintretende politische Ereignisse in Reserve zu haben, habe eine geschäftsmäßige Entwicklung der Bank verhindert. Auch die Absicht, die Kapitalien der Bank mündelsicher atiznlegen, sei natürlich mit einer gesunden geschäftsmäßigen Entwicklung unvereinbar. Daun sei aber die ganze Bank nicht nötig. Um diesen Zweck zu erreichen, genüge ja der Ankauf van Staatspapieren. Jur übrigen müsse man mit diesem Prinzip brechen, wie man überhaupt mit den politischen Begriffen der früheren Zeit im Zionismus gebrochen habe. Die Bank müsse der zionistischen Arbeit in Palästina dienstbar gemacht werden. Darum stellt er den Antrag, die europäischen Geschäfte der Jüdischen Kolonialbank zu liquidieren und die frei werdenden Mittel nach Palästina zu überführen. Gegen diese Kritik und Vorschläge wendet sich der Präsident der Kolonialbank, der einige Vorwürfe des Vorredners ztirückweist und darlegt, daß in Palästina jetzt für größere Mittel gar keine Verwendung sei. Im weiteren Verlauf der Debatte kommen noch Pasmanik, Trietsch und andere zum Wort, die sich wiederum in einer Kritik der Palästinaarbeit der" Organisation ergehen. Zn Beginn der Sitzung hatte Präsident Wolffsohn ans Anlaß eines von der Leitung der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation in Berlin gegen gewisse Vorwürfe erhobenen Protestes an Hand von Dokumenten deren antizionistisches Vorgehen nachgewiesen und für seine Behauptung, der Verleumdung durch diese Organisation dokumentarische Beweise erbracht. Donnerstag V o r m i t t a g - S i tz u n g. In der Donnerstagvormittags-Sitzung erstattete zunächst Herr Moise Cohen sein Referat über: „Die jüdische Einwanderung in die Türkei". Er ging ans von der Toleranz, dir die Türken den Juden gegenüber immer gezeigt haben und die von vornherein eine der größten Garantieen für die jüdische Einwanderung in die Türkei darstellt. Es gibt keinen Antisemitismus in der Türkei und er ist dort unmöglich. Die Fülle von Nationalitäten, die im ottomanischen Reiche vereinigt sind, schließt insbesondere unter dem neuen Regime auch die Möglichkeit einer Unterdrückung der nationalen Minorität durch die Majorität aus. Darin liegt auch eine Gewähr dafür, daß den einwandernden Juden die Entwicklung seiner nationalen Eigenart möglich sein wird und daß auch gar kein Grund dafür vorhanden ist, sich seiner Nationalität zu entäußern. Selbstverständliche Voraussetzung ist natürlich, daß der einwandernde Jude voll und ganz ottomanischer Bürger wird und den Psiichten gegen seine neue Heimat im weitesten Maße nachkommt. Und diese Gewähr ist gerade für eine jüdische Einwanderung gegeben. «©HV7-.

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