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Die Wahrheit · 1910-01-07 · Heft 2 (7.1.1910) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 2 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ar. 2. Die Wahryen LciN' iJ Karl K r a u s sel. And. Wir erfreuten uns leider nicht lange Zeit seiner Mitwirkung in der Leitung unseres Vereines, aber auch in dieser kurzen Spanne Zeit hat es Karl Kraus verstanden, sich die Liebe und Achtung aller zu erwerben, die Gelegenheit hatten, sein jedermann so sympathisches Wirken beobachten zu können. Er war mit ganzem Herzen bei unserer Sache und hat seine Pflicht stets in treuer Weise erfüllt. Unter den Spendern unseres Vereines stand er in den letzten Jahren stets an hervorragender Stelle und noch wenige Tage vor seinem Tode, als er zum letztenmal einer Plenarsitzung beiwohnte, benutzte er den Anlast des Jahrzeittages seines verstorbenen Vaters zu einer hochherzigen Spende für unseren Tempel und zur Tragung der Kosten für die Pnblizieruug der ausgezeichneten Festpredigten unseres verehrten Seelsorgers, deren Lektüre gewist allen Mitgliedern einen wahren Gennst bereitet hat. Und auch bei seinem Tode bewährte er in beispielgebender Hochherzigkeit seine Freude am Wohltnu, iiidem er ein reichliches Vermächtnis den Wohltätigkeits-Instituten unserer Stadt hinterliest, an welchem auch nufer Verein partizipieren wird. Ehre dem Andenken dieses braven Mannes! Der Vorstand hat sich vollzählig beim Leichenbegängnisse beteiligt und wir haben in pietätvoller Weise im Tempel das Jahrzeitlicht durch 30 Tage breuueu lassen. Wir betrauern weiters das Hinscheiden eines der ältesten Mitglieder unseres Vereines, Herrn Julius Steiner, der besonders zur Zeit des Tempelbanes lebhaften Anteil an dem Geschicke des Vereities genommen und bis zu seiner letzten Lebensdauer ein treuer Besucher des Tempels gewesen ist. Das gleiche können wir auch dem verewigten Herrn Joses Rosenthal nachsagen und mit Trauer verzeichnen wir das Ableben des Mitgliedes, Herrn Philipp Nasch itz, der unzweiselhast der Senior der Mitgliedschaft gewesen, da sein Name schon in den ersten Anfängen des Vereines in der Mitgliederliste enthalten war. Teilnahmsvoll gedenken wir auch des Ablebens des Herrn Adolf S t e r n b e r g und Herrn Eduard Wiener, die beide durch viele Jahre treue Mitglieder und Anhänger unseres Vereines gewesen, sowie des Herrn Ludwig K a tz, dem es leider nicht lange vergönnt war, unserem Vereine auzugehören. Sie haben sich, hochverehrte Versammlung, um dem Gefühle Ihrer Trauer ob der schweren Verluste, die wir erlitten, Ausdruck zu geben, bereits von Ihren Sitzen erhoben und ich bin Ihrer Zustimmung sicher, wenn ich veranlasse, daß von dieser Kundgebung in dem Protokolle der heutigen Generalversammlung Vormerkung geschehe. Die lausenden Angelegenheiten des Vereines wurden in acht Plenarsitzungen und in einer Anzahl von Sektions- und Komitee-Sitzungen beraten. Einen breiten Raum in unseren Verhandlungen nahm nebst den Vorbereitungen zu unserem 25 jährigen Tempeljttbilünm auch noch die Frage der Einrichtung einer zweckmäßigen Ventilation und gewisse bauliche Adaptierungen im Tempel ein. Was die erstere Frage betrifft, so können wir Ihnen nunmehr die bestimmte Versicherung geben, daß im Laufe des Frühjahres und Sommers 1910 eine allen billigen Anforderungen entsprechende Ventilationsanlage im Tempel errichtet werden wird und daß wir weiters gewisse bauliche Veränderungen in unserem Tempel planen, die gewiß Ihren Beifall finden werden, da sie bestimmt sind, unserem Tempel mehr Licht und Luft znznführen, als dies bisher der Fall war. Allerdings werden diese Rekonstruktionen nicht unbedeutende Mittel in Anspruch nehmen. Das abgelansene Vereinsjahr hat, wie Sie später aus dem Berichte unseres verehrten Herrn Kassaverwalters ersehen werden, für uns eilt in jeder Beziehung erfreuliches sinanzielles Resultat geliefert und verdanken wir dies in erster Linie dem günstigen Ergebnis der Betsitzvermietnng und der Spenden an den Feiertagen. Wir konstatieren dies auch in diesem Berichte mit großer Befriedigung, weil eigentlich diese zwei Posten die Grundpfeiler unseres Budgets sind. Ein weiterer Umstand, der unsere heurige Gebahrung günstig beeinflußte, waren leider traurige Ereignisse, die von hochherzigen Freunden unseres Gotteshauses zum Anlaß genommen wurden, Stiftungsspenden in unserem Tempel zu errichten. Wir verzeichnen eine Maskirstiftung im Betrage von K 2000 von unserem verehrten Kollegen, Herrn Kommerzialrat Max Eisenberger, für seine um das Wohltätigkeitswesen unserer Bezirke so hochverdiente Mutter, Frau Cäcilie Eisenberger s. A. Eine Maskirstistnng im Betrage von X 2000 von unserem langjährigen Mitgliede, Herrn Moritz Mittler, für seine verblichene Gemahlin Frau Lina M i l t l e r, deren Hinscheiden wir als eine der treuesten Tempelbesncherinnen teilnahmsvoll gedenken. Eine Iahrzeitstislnng im Betrage von K 400 von unserem liebwerten Kollegen Herrn kais. Mat T o s f l e r, für seine leider allzufrüh verblichene, ausgezeichnete Gemahlin, Frau Therese T o s f l e r, der wir auch in diesem Berichte eine wohlverdiente, ehrende Erinnerung widmen, und einer Jahrzeitstiftung im Betrage von K 400 von Frau Marie L ö w, für den verstorbenen Herrn Simon L ö w. Außer diesen Sustnngsspenden kam dem Vereine eine anonyme Spende von K 400 von hochachtbarer Seile zu, deren wir hier mit besonderem Danke erwähnen. Wir verzeichnen weiters im Verlause des heurigen Jahres die Spende eines prachtvollen Festvorhanges von unserem lieben Kollegen, Herrn Leopold Waller und dessen Gattin Regina, sowie einer neuen, prunkvollen Schnlchandecke von Herrn Ernst P v l l a k, dem freigebigen Sohne unseres verehrten Herrn Vizepräsidenten, zum ehrenden Andenken an weiland Franziska P o l l a k. welche Schenknngsstncke zum ersten Male gelegentlich unseres Tempeljnbilänms zur Benützung gelangten. Ferner kamen uns an Spenden zu: ein prachtvoller Bronze-Rahmen zur Ausnahme der Sidra-Bezeichnnngen für das ganze Jahr, gespendet von Herrn Viktor H e i m, und eine Altardecke von Frau Sofie H e i m. Zn üblicher Weise drücken wir unseren hochverehrten Gönnern und Freunden, deren opferwillige Gaben in diesem Jahre uns so reichlich znflossen, in diesem Berichte unseren wärmsten, verbindlichsten Dank ans. Wir nehmen gerne Veranlassung, Ihnen davon Mitteilung zu machen, daß wir über Anregung des löblichen Vorstandes der Kultusgemeinde an den Samstag-Nachmittagen einen Jugendgottesdienst für Mittelschüler eingesührt haben, der von der Heranwachsenden Jugend des 6., 7. und 8. Bezirkes sehr fleißig frequentiert wird. Wir haben mit großer Freude dieser Anregung der Kultusgemeinde Folge geleistet, weil wir von der Ueberzengnng durchdrungen sind, daß die Erziehung der Jugend — unserer Zukunft — zum Jndentnme, deren geistige Erbauung und Befestigung im Glauben, eine der segensreichsten und wohltätigsten Ausgaben unseres Vereines ist. So wie bisher, werden wir auch in Zukunft die würdigste Ausgestaltung des Jugendgottesdienstes uns zur Pflicht machen, weil wir davon durchdrungen sind, daß wir damit ein wirklich gutes Werk stiften. Wie schon früher erwähnt, nahmen die Vorbereitungen für die Gedenkfeier des 25jährigen Tempelbestandes und des 25jährigen Amtsjubilänms unseres Herrn Oberkantors Simon D ü n m a n n unsere Zeit in hervorragendem Maße in Anspruch. Wir hielten es für angezeigt, dieser bedeutnngsvollen Gedenkfeier den denkbar würdigsten Rahmen zu verleihen und haben uns deshalb entschlossen, sie am ersten Tage Roschhaschonoh zu begehen, zumal gerade an diesem Tage, vor 25 Jahren, unser herrliches Tempelgebäude seiner Gott geweihten Bestimmung übergeben wurde. Die meisten von Ihnen, sehr geehrte Herren, haben ja der Feier beigewohnt und waren Zeugen dieser wahrhaft vornehmen Veraustaltnng. die nach jeder Richtung das hohe Ansehen wiederspiegelte, deren sich unser Verein — gottlob — in den weitesten Kreisen unserer großen Gemeinde zu erfreuen hat. Unser verehrter trefflicher Oberkantor, der das Glück hatte, diese Erinnernngsseier mit seinem 25 jährigen Amtsjnbilänm mitfeiern zu können, wurde bei dieser Gelegenheit so geehrt, wie er es in Wirklichkeit verdient. Wir wünschen, daß er so wie bisher, noch ungezählte Jahre im Vollbesitze seiner großen künstlerischen Kräfte seines heiligen Amtes zu walten in der Lage sei! Wir benützen gerne die Gelegenheit, um auch in diesem Berichte unseren zahlreichen Freunden, die uns in io herzlicher Weise ihre Sympathien anläßlich unseres Jubiläums zu Teil werden ließen, unseren innigst gefühlten Tank znm Ausdruck zu bringen. Ganz besonderer Dank gilt dem verehrlichen Vorstande der Kultusgemeinde, dessen Wohlwollen und dessen Anerkennung

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