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Die Wahrheit · 1910-01-07 · Heft 2 (7.1.1910) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 2 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4. Die Wahrheit Nr. 2 Prophet, daß man mir blutbefleckten Händen sich Gott nicht nähern darf, um selbst seine Sabbate und Feste zu feiern? Wahrlich, die protestantischen Theologen haben eine ganz besondere, man möchte beinahe sagen ..heidnische" Art. unsere heilige Schrift zu lesen. Aber die..Heiden" dürften dieses Kompliment znrückweisen. Denn gerade die Heiden sollen das richtige Lesen sehr gut verstanden haben. Und was liest nicht dieser Bonner Professor aus der Bibel heraus! Bei der Entthronung der Athalie (2. Kön. 11) bedient sich Jojada der Wachen, die am Sabbat ..antreten" oder „abtreten", gleich steht es für Meinhold fest, daß dieser Vorgang sich am Sabbat abspielte, um daraus zu schließen, daß der Sabbat für Jojada und seine Leute kein heiliger Ruhetag war (S. 10)! Wer hindert uns aber zu behaupten, daß die Athalie an einem Sonntag entthront und getötet wurde? Kein Wort der Erzählung würde dem widersprechen. Wenn aber hier wenigstens das Wort Sabbat vorkommt, welches nnsern Professor zu seiner Schlußfolgerung verleitet, so ist sein Leichtsinn in folgender Stelle geradezu rätselhaft. — ..Noch ein Sacharja gibt aus eine Anfrage, ob man diesen oder jenen Tag Jahve zu Ehren mit Festen feiern müsse, die Antwort, daß es überhaupt keine Jahvelage gebe. Wie konnte er so reden, wenn der Sabbat schon allgemein als ,,der Tag Jahves" anerkannt war?! (S. 21.) Tatsächlich ist hier von Sabbat und Festen gar nicht die Rede, sondern von F a st 1 a g e n, die wegen der Zerstörung des Tempels eingesetzt waren und jetzt, da der Tempel wieder erbaut war. wegfallen sollten. Hat Meiuhold geträumt? Und darf man seine Träume dem Volke als Wissenschaft vorsetzen? Es ist wirklich Zeit, daß man dieser Sorte von ..Gelehrten" die Gelehrtenmaske vom Gesichte abreißt! Und mit welch selbstbewußter Unversroreuheit spriugeu sie mit unseru Propheten um! Wenn Jeremia (Kap. 17) die unbedingte Heiligung des Sabbats verlangt, so sind diese Worte ihm nur in den Mund gelegt (S. 13) und wenn Ezechiel (20) behauptet, Gott habe schon in der Wüste dem Volke Israel den Sabbat gegeben, damit sie wissen, daß Gott sie heilige, so hat der Prophet bewußt gelogen und seine Zeitgenossen m i t A b s i ch t betrogen (S. 20)! Alles das, weil der grundgelehrte und wahrheitsliebende Meinhold herausgefunden hat, daß der Sabbat eine Bollmondfeier war und daß Sacharia vom Sabbat nichts wußte! Damit die Gelehrsamkeit und Wahrheitsliebe Meinholds noch mehr hervorlenchte, begibt er sich auch auf talmudisches Gebiet, um sich aber womöglich noch mehr zu blamieren. Obwohl nämlich die Rabbiner au dem Grundsätze sesthielten, daß der Nichrjude zur Sabbatruhe nicht verpflichtet sei, so verbieten doch die Schammaiten. den Schein zu erwecken, als verrichte der Nichtjnde die Arbeit am Sabbat im Aufträge eines Juden. Daher dürfe man einem Nichtjuden nur dann etwas verkaufen, wenn er noch vor Anbruch des Sabbats mit dem gekauften Gegenstände an Ort und Stelle sein kann. Ebenso soll man gesäuertes Brot einem Nichtjuden nur dann verkaufen, wenn man weiß, daß er er es schon vor dem Pessachfeste verzehren wird (Sabbat 18 b). Meinhold deduziert daraus die unverschämte Lüge. ..daß der Jude während des Sabbattages jegliche Berührung mit dem Heiden, jede Verunreinigung durch den Verkehr mit ihm vermeiden muß (26.)! Von derselben Wahrheitsliebe und Gelehrsamkeit zeugt seine Behauptung, daß am Sabbattage die ehelichen Freuden verboten seien (31), man sieht, daß ihm der Schulchan-Aruch Orach Chajim § 280 nicht bekannt ist. Oder daß man am Sabbat kein Bad nehmen darf! Eine Bestimmung der Mischna (Beza I, 3) für die Feste bezieht unser gelehrter Professor auf den Sabbat und schreibt den blühenden Blödsinn nieder: „Es gilt die Arbeit des Schlachte ns am Sabbat hier dann gewissermaßen nur als Fortsetzung einer ideell schon am Freitag begonnenen Tätigkeit" (S. 34)! Wie gelehrt sich doch so ein Unsinn ausdrückeu läßt! Und ein solches Machwerk wird unter der Devise „Wissenschaft und Bildung" dem ahnungslosen Volke geboten! Und solcher Unsinn, der doch die unverhohlene Absicht hat. den Sabbat und das Judentum lächerlich zu machen, wird von einer Wiener jüdischen „Wochenschrift" den Juden empfohlen. Koustitnikruttg des Knllnsvorstandes. In der Donnerstag den 6. d. M. stattgehabten öffentlichen Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes fand die Wahl des Präsidiums, des Vertreterkolleginins sowie der ständigen und Spezialkommissionen statt. Das Wahlergebnis war folgendes: Präsident: Dr. Alfred Stern. I. Vizepräsident: Landesschulrat Dr. Gustav Kohn. H. Vizepräsident: Hofrat Dr. B. Rappaport. Vertreterkollegium: Salo Cohn, Dr. Leopold Kohn, Max Frank, Wilhelm Kuffner, Professor Dr. Josef Pollak, Kaiserl. Rat Leopold Sachs, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, Dr. Maximilian Steiner. Neugewählt erscheinen im Präsidium Hofrat Doktor Rappaport und im Vertreterkollegium die Herren Professor Dr. Pollak, Kaiserl. Rat Sachs und Dr. Markus Spitzer. Generalversammlnug des Mariahilfer Tempelvereines. Das abgelaufeue Vereiusjahr war durch das 25-jährige Tempeljubiläum, das vor einigen Monaten am ersten Neujahrstage mit dem Amtsjubiläum des Oberkantors besonders festlich begangen wurde, höher gestimmt als seine Vorgänger, und diese weihevolle Note klang auch in der am 30. Dezember stattgehabten Generalversammlung nach, wo dem gleichfalls Heuer jubilierenden, äußerst verdienstvollen Kassaverwalter des Vereines, Herrn kaiserl. Rat Friedrich Pollak, eine überaus herzliche und wohlverdiente Ovation bereitet wurde. Der Geist des unvergeßlichen Fleischer schwebte wieder im Saale und das schöne patriarchalische Verhältnis, das er zwischen Vorstand und Mitgliedern zu schaffen verstand, und dem auch zum großen Teile die Erfolge des Vereines zu danken sind, kam neuerdings zu erfreulichem Ausdrucke. Im Nachstehenden der Bericht: Präsident Dr. Jakob Engel konstatiert die Beschlußfähigkeit der Generalversammlung und begrüßt mit herzlichen Worten zunächst den erschienenen Delegierten der Knltusgemeinde, Herrn Vertreter Max F r a n k, weiters Herrn Rabbiner Dr. T a g l i ch t, Oberkantor S. D ü n m a n n, die Präsidentin des Frauenvereines für den VI. und VII. Bezirk, Frau Frieda Strauß und die Vorstaudsdamen Frau Dr. Josefine Engel, Frau Hermine Schüller und Frau Dr. Rosa T a g l i ch t, die Vertreter des Vereines „Nachlatk Jescliurun", Dr. Carl Löwy und Dr. Ludwig Lauda u, ferner die Vertreter der Presse, Dr. I. S. Bloch („Wochenschrift"), Dr. M. L ö w y („Wahrheit"). Nach Verlesung und Verifizierung des Protvkolles der letzten Generalversammlung, erstattet der Präsident folgenden Jahresbericht: „Sehr geehrte Versammlung! Das abgelaufene Vereinsjahr war für uns von besonderer Bedeutung; hatten wir doch das Glück, in demselben die 25. Wiederkehr des Tages festlich begehen zu können, an dem unser Tempel seiner heiligen Bestimmung übergeben wurde, und können wir deshalb dieses Jahr gewiß mit allem Rechte als ein Jubeljahr bezeichnen. Wir werden im Verlaufe unseres Berichtes noch Gelegenheit haben, auf diese weihevolle Erinnerungsseier zurückznkommen und schreiten nunmehr zu der gewohnten Chronik des Vereines, indem wir Sie vorerst über die Mitgliederbewegnng informieren. Der Milgliederstand, der im Vorjahre 271 Mitglieder betrug, hat sich im Lause dieses Jahres leider durch den Tod von 7 Mitgliedern und durch den Austritt von 9 Mitgliedern auf 255 reduziert, wogegen wir nur den Zuwachs von 5 neuen Mitgliedern konstatieren können, so daß wir mit einem Mitgliederstand von 261, also 10 weniger als im Vorjahre, in das Vereinsjahr 1910 treten. In der langen Reihe unserer Toten gedenken wir in erster Linie unseres verewigten Kollegen, Herrn k. k. Kommerzialrat

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