Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 2 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 2 Die; Wahrheit; für unsere, hescheideuen Verhstuste sich bei . diesem Anlässe, in wirklich glänzender Weise dokumentiert Hai. Wir hatten die .. bei öiesem?Feste als Vertreter der löblichen -Kultusgeuleiilde. Herrn Vizepräsidenten, k. k. Landesschrrlrat Dr. Gustav Ko hn, Herrn kaiserlichen Rat Leopold S a chs, und den I...Sekretär, Herrnkaiserl. Rat Dr. Lieben,? persönlich begrüßen zu können; der .Präsident, Herr Dr. Alfred S t er u, der. an diesem Tage? fernvon Wien weilte, ehrte uns durch ein Überairs herzliches- Glückwunschschreiben und ließ es sich nicht nehrneu, nach seiner Wiederkehr durch seinen persönlichen Besuch bei einem Freitag-Abendgottesdienste uns seine schätzbaren Sympathien zu bezeitgeu. Wir wissen diese Auszeichnungen nach ihrem wahren Werte zu schätzen und halten rms verpflichtet, an dieser Stelle nicht nur unserem Gefühle herzlichsten Dankes Ansdruck zu geben, sondern auch der Versicherung, daß wir die Trene, die wir unserer großen Muttergemeinde bisher stets bewahrt traben, auch in aller Zukunft bewahren wollen und gestärkt durch ihr Vertrauen, und gestützt auf die ruhmvolle Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen, nach wie vor uns dem Dienste unserer heiligen Sache widmen wollen." Herr Max Frank gibt seiner Freude Ausdruck, als Vertreter der Kultusgemeinde an der Generalversammlung teilnehmen zu können und konstatiert nach dem eben gehörten Berichte mit großer Befriedigung das ausgezeichnete Wirken und die musterhafte finanzielle Gebahrung des Vereines, dem auch Herr Salo Cohn, der bisher stets an der Generalversammlung teiluahm und Heuer nur durch Krankheit daran verhindert war. unverhohlene Anerkennung zuteil werden ließ. Die rühmenswerte Opferwilligkeit, die hier zutage tritt, möchte er auch in allen anderen Bezirken und Vereinen wünschen. „Ich hatte", fährt dann der Redner fort, „nicht oft Gelegenheit, Ihrem Gottesdienste beiznwohnen, aber so oft ich an demselben teilnahm, mußte ich gestehen, daß er ein überaus herrlicher und würdiger sei. Vielleichl werden die Formen desselben nicht allgemein gebilligt, aber meine Billigung findet er vollkommen, weil er so recht geeignet ist, das religiöse Empfinden eines modernen Inden zu befriedigen. Mögen jedoch in der Gemeinde diesbezüglich die Anschauungen auseinander gehen, so streben wir doch alle einem Ziele zu, wenn auch' auf verschiedenen Wegen. Dieses Ziel ist das Heil und die Kräftigung des Judentums, und das werden wir alle unentwegt verfolgen." Schließlich dankt Redner für die ihm zum Ausdruck gebrachten Sympathien und wünscht dem Vereine auch weiterhin volles Gedeihen. Kaiserl. Rat Friedrich Pollak: „Bevor ich den eigentlichen Kassabericht über das abgelaufene Jahr erstatte, möchte ich noch einige Streiflichter auf die Vergangenheit werfen und in kurzen Zügen die Entwicklung unseres Vereines und das finanzielle.Gebühren desselben in den abgelaufeuen 25 Jahren beleuchten. 25 Jahre steht unser Tempel, aber wenige Vorsteher und Mitglieder, die an der Schaffung und Errichtung desselben teilgenommen haben, sind noch am Leben. Manche von ihnen sind wohl Zeugen der Entwicklung unseres Tempels gewesen, aber die meisten haben keine Idee davon, mit welchen enormen Schwierigkeiten wir bei der Erbauung und Errichtung desselben zu kämpfen hatten. Die schreckliche Lokalität unseres früheren Gotteshauses, die an die ärgsten Mißstände in der kleinsten Provinzstadt gemahnte, sowie die wiederholt zutage tretende Gehässigkeit des Hausbesitzers, drängten geradezu zur Errichtung eines neuen würdigen Tempels, und so wurde auf besonderes Betreiben des unvergeßlichen Architekten Fleischer, dem Nachfolger meines seligen Vaters in der Leitung des Vereines, im Jahre 1880 ein sogenanntes Tempel-Baukomitee gegründet. Mit leeren Händen im vollsten Sinne des Wortes, sind wir an das Wagnis herangetreten, aber alle setzten ihre ganze Kraft ein, besonders Fleischer, und der damalige Rabbiner Dr. U n g e r waren unermüdlich im Sammeln und so gelang es uns endlich, nachdem auch die Kultusgemeinde uns 12.000 fl. zur Verfügung gestellt hatte, die Mittel zum Baue zu beschaffen. Wir hatten zu Zeiten große Sorgen, fast sämtliche Vorstandskollegen und viele Mitglieder waren unsere Gläubiger, aber alle haben auf Heller und Pfennig ihr Geld zurückbekommen. Ich erachtet es' als Akt. der. Pietät, - heute in . öffentlicher Generalversamnünng die Namen jener Männerzu nennen, -die damals mit soviel Eifer und Kraft,, und oft mit, Hintansetzung ihres persönlichen Stolzes, für die'heilige Sache im Tempel- Baukomi.tee wirkten^ Es sinddies die Herren: Aron B a n m- - garten, . S. Eisenberger, > W. Fessler, Jgn. Großmann. Carl Grün, Herrn. Lieb erman n, Wilh. Nagel, Friedrich P.v l l a k (Schmalzhofgasse), Friedrich Po l l a k (Myrthengasse), L.. - T e l t s ch er, . Michael W i n k l e r, Max Fleischer und Rabbiner Dr.'XXltger. %? ,?> Von sämtlichen sind heute noch drei Mitglieder des Vorstandes : . Unser Vizepräsident Friedrich Poll a k, unser Schriftführer Hermann L i e b e r m a n n mtb meine Wenigkeit. Von den weiteren Komiteemitgliedern weilen die Herren Jgn. G r o ß m a n n und Carl G r ü n noch unter den Lebenden, alle übrigen haben bereits das Zeitliche gesegnet. Bis zu dem Momente, da das Projekt des Tempelbaues feste Formen anzunehmen begann, war Fleischer Präsident, als man aber zum Bane schritt, der nach seinen Plänen und unter seiner Leitung ausgeführt wurde, übernahm Herr Hermann Liebermann in dieser doppelt schweren Zeit das Präsidium, das er daun nach Vollendung des Baues wieder Fleischer übergab. Ich habe diese kurzen Mitteilungen für nötig erachtet, um namentlich den jüngeren Herren ein Bild der Vorgänge und Schwierigkeiten zur Zeit des Tempelbaues zu geben. Daß das Werk gelungen ist, ist Gott zu danken, aber Gott hilft nur denen, die sich selbst zu helfen wissen." Redner gibt dann einen kurzen Abriß der finanziellen Bewegungen auf den einzelnen Gebieten der Vereinsverwaltung und konstatiert unter anderem die interessante Tatsache, daß während alle Einnahms- und Ausgangsposten sich bedeutend vermehrt haben, das Konto „Mitgliederbeiträge" seit 25 Jahren fast ganz gleich geblieben ist. „Wenn hier die Werbetrommel geschlagen wird, hat das nicht viel Wert, da ja die Herren, die in die Generalversammlung kommen, ohnehin ihr Möglichstes tun, aber draußen gibt es noch viele, die mit dazu beitragen könnten, um den Knltits ans der hohen Stufe, die er jetzt einnimmt, zu erhalten. So lange es geht, werden wir, ohne Subvention der Kultusgemeinde, durchzukommen suchen, wenn es aber nicht mehr weiter gehen sollte, dann empfehle ich unseren Verein dem besten Wohlwollen des als Vertreter des Knltusvorstandes hier anwesenden Finanzreferenten. Eines hat mich im Berichte besonders gefreut, daß der Herr Präsident in der ihm eigenen klaren Weise mit so großer Wärme den Jugendgottesdienst behandelt hat. Hiemit ist einer meiner ältesten Wünsche erfüllt worden und es freut mich, daß die Kultusgemeinde zur Realisierung desselben so bereitwillig beigetragen hat. Es ist von großem Werte, wenn die Jugend mit den Lehren des Jndentnms vertrant gemacht wird, das kann in erfolgreicher Weise durch einen erhebenden Jugendgottesdienst geschehen, und besonders unser ausgezeichneter Predigerweiß seine vorzüglichen Reden in so faßlicher Weise 511 gestalten, daß die Jugend ihn versteht. Es sollte auch in den anderen Bezirken dahin gewirkt werden, daß nicht Religionslehrer, sondern die Rabbiner die Exhorte halten, da letztere besser auf die Jugend einwirken können." Schließlich wendet sich der Redner dem Kassaberichte zu, der heuer ein etwas günstigeres Ergebnis als im Vorjahre hat. Leider wurde dieses Plus durch Spenden bei traurigen Anlässen herbeigeführt. Er würde wünschen, daß, auch bei freudigen Gelegenheiten reichliche Spenden dem Tempel znfließen würden. Geteilte Freuden sind doppelte Freuden. (Lebhafter Beifall.) Präsident Dr. Engel dankt dem Kassaverwalter sür seine improvisierten, den Jahresbericht so tresflich ergänzenden Ausführungen. * Kultnsvorsteher Max Frank will zunächst ein Versäumnis nachholen und beglückwünscht den Verein und seine Jnbilare zu dem stattgehabten 25-jährigen Jubiläum. Betreffs des Jugendgottesdienstes bemerkt er, daß die Kultusgemeinde dort, wo es möglich ist, die Rabbiner zur. Exhorte für den Jugendgottesdienst heranzieht, aber auch ein tüchtiger Religionslehrer wird seine Wirkung nicht verfehlen, und abgesehen davon, daß