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Die Wahrheit · 1910-01-07 · Heft 2 (7.1.1910) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 2 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ahrcheit Redaktion iiub Administration: Wien, H/j Nvvaragasse 27 Telephon: Redaktion 5107/VIII. Adniinistrarion 4938/U, K. k. österr. Postsparkajsa- Scheck-Konro Nr. 1009.918. Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 2ä Heller., AbonnenientSnild JnsertionSberräge sind in Wien zahlvar und klagbar. «abhängige Heitschnfi für jüöische Inierejsen. Erscheint jeden Areitag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!‘ Nerngspreis: Äanzjährig.K 14 — Halbjährig.K 7 — Für KlilrusbtlNttte: Ganzjährig.K 10.-; Jiic Ausland: i Ganzjährig.8 Mark 6 Rubel oder 16 FrcS. Wie». 7. Immer u»io. Inhalt: Der Sabbath. — Koustitmerung des Kultusvorstandes. — Generalversammlung des Mariahilfer Tempelvereines. — Der IX. Zionistenkongreß in Hamburg. — Berbandstag der isr. Religionslehrer an den österr. Mittelschulen. — Verschiedene Nachrichten. — Austritte aus dem Judeuturn. Die geehrten Kerren Aöonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Zänner 1910 begonnene 1. Huartat ersucht, damit die regetmähige Expedition des Mtattes keine Zlntervrechung erleide. Der Kalltrat! im Lichte der protestantischen Theologie. j Von Dr. I. Kahan, Znaim.! Für den glänbigen Juden und Christen ist der Sabbat! der Tag, den Gott selbst dem Volke Israel als heiligen Ruhej tag am Sinai geoffenbart hat. Nur behauptet das Christentum, j der Gottessohn habe die Anordnung seines Vaters aufgehoben j und an Stelle des Sabbats den Sonntag eingesetzt. Mit dem-! selben Rechte hat dann der Islam den Sabbat und den Sonntag i ausgehoben und an deren Stelle den Freitag als Ruhetag eingesetzt.! Für die moderne protestantische Theologie steht aber die Sache ganz anders. Für sie gibt es keine Offenbarung und keine Anordnung Gottes, alles ist Meuschenwerk. Die zehn Gebote, die ganze Bibel — alles nur Meuschenwerk, ja, was j für ein arisches Gemüt noch viel drückender ist, das Werk der Juden, der verhaßten, verachteten, minderwertigen Juden! — Ist es nun nicht zum Verzweifeln? Weil die alten Juden eine siebentägige Woche hatten, müssen die edlen Arier ihre Tage auch nach Wochen zählen! Weil die inferioren Langnasen jeden siebenten Tag feierten, müssen die Herrenvölker es ihnen uachmachen! Und wenn es auch einen Tag später geschieht und wenn auch der Sonntag vielfach durch Sausen und Raufen gefeiert wird — die Schmach brennt doch inimer auf der edlen Seele, daß man dies doch nur den schäbigen Inden zu verdanken hat. Und so unternahm es denn der ordentliche Professor an der Universität Bonn. H a n s M e i n h o l d, in seinem Büchlein „Sabbat und Sonntag" (Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig) nachzuweisen, daß der heilige Sonntag mit dem Sabbat, dem Tag der lästigsten Einschränkung und Fesselung des Lebens nichts, rein gar nichts zu schaffen hat. Sie sind von einander gänzlich irnabhängig. Das Christentum hat in diesem Punkte wenigstens nichts zu danken! Wir würden ihm seine Freude gönnen, wenn der Herr Professor in seiner Beweisführung nicht gar zu scharfsinnig und j manchmal sogar etwas zu leichtsinnig wäre. Zwei Dinge, die zum Widerspruch heraussordern. Man höre und staune! Weil der Sabbat von den Propheten öfters mit dem Nenmondstag n n d andere n Feiertagen zusammen genannt wird, so bedeutet „Sabbat" im alten Israel nicht „Ruhetag", sondern — Vollmond! Denn chadasch. heißt „neu sein" und sein Gegenstück schabat heißt „fertig sein". Die alten Israeliten haben keinen wöchentlichen Ruhetag gehabt, sondern sie feierten neben dem Neumond auch den Vollmond! — Znm Unglück aber heißt sebadab niemals „fertig sein", sondern „die Tätigkeit einstellei'.", „anfhören", „ruhen", ebenso im Arabischen. Der scharfsinnige Professor merkt nicht, wie lächerlich nach seiner Auffassung die Stelle in Gen. 8, 22, die er selber anführt, lauten würde: „Fortan sollen, solange die Erde besteht. Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht — fertig werden!" — Aber Meinhold begründet auch seine scharfsinnige Behauptung. — „War der Sabbar der je siebente Ruhetag, so hat die Zusammenstellung mit dem Neumond keinen Sinn. Der Neumond konnte denn doch gelegentlich auch selbst Sabbat sein, wenn nämlich der Ruhetag der siebentägigen Woche gerade auf den Neumond fiel. Das aber scheint doch durch die Parallelisierung der zwei Tage vollkommen ausgeschlossen. (S. 11.)" Ist es nicht köstlich? Der Herr Professor wird doch wohl wissen, daß die christlichen Feste Ostern und Pfingsten nicht nur „gelegentlich", sondern ausschließlich ans den Sonntag fallen. Darf man also nicht sagen: Sonntag und Ostern, Sonntag und Pfingsten, hat das wirklich „keinen Sinn"? Ja, Meinhold weiß es sogar, daß die Propheten Hosea und Jesaja Israels Neumond- und Sabbatfeste geradezu als heidnische Feiern verabscheuen (ib.). — Weiß er es wirklich? Wir wollen sehen. Hosea hadert mir Israel, weil es die Lehre seines Gottes vergessen (4, 6), weil es ihm untreu geworden wie ein treuloses Weib, und droht ihm, daß Gott es strafen werde: Ich werde all' seine Freuden zerstören, seine Feiertage, Neumonde und Sabbate und all' seine Feste. (2, 13.) Ebenso ruft Jesaja dem entarteten Volke zu: Fahret nicht fort, vergebliche Opfer darzubriilgen, das Räncherwerk ist mir ein Greuel. Neumond und Sabbat, die Festversammlnng — ich vertrage nicht Unrecht und Festversammlittlg! Eure Neilmonde und Feste hasset meine Seele, sind mir zur Last, ich kann sie nicht ertragen. Und wenn Ihr Eure Hände ansbreitel, so verschließe ich meine Ailgen vor Euch. Auch wenn Ihr viel betet, höre ich nicht: Eure Hände sind ja voll Blut! Wo steht hier, daß die Neumonde und Sabbate heidnisch sind? Ist das Gebet, das hier ja auch verj worfen wird, ebenfalls heidnisch? Sagt nicht vielmehr der

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