Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 1 (1.1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1. Die Wahrheit;eite 7. worden sei, /hätte auch damals gesagt werden können.. Und dann wäre die Wirkung unvergleichlich größer gewesen. Nachdem der Legitimationsausschuß seinen Bericht über die Giltigkeit der vorgenommenen Kongreßwahlen gegeben hat, schließt der Präsident die Sitzung. . .Abends fand in der Ernst Merck-Halle des Zoologischen Gartens ein glänzend verlansenes Schauturnen der jüdischen Turuerschaft des Verbandes der national-jüdischen Turnvereine statt. Vereine aus Deutschland, Oesterreich, Ungarn usw. hatten ihre Turner entsandt, die in mnstergiltigen Darbietungen den mehr als 1500 Gästen ein herrliches Bild ihrer turnerischen Kraft und Gewandheit gaben. Besonderen Beifall fanden die wunderschönen Reigenübnilgen einer ad hoc gebildeten Damenriege Habnrger Damen. Dr. Ernst T it ch begrüßte die zahlreichen Gäste und betonte in eindringlichen Worten den nationalen und kulturellen Wert des Turnens in jüdischen Turnvereinen. Ihm antwortete Dr. N o r d a u. der eigentliche Vater dieser Turnbewegnug. Man merkte seinen Ausführungen -die Ergriffenheit, die Freude darüber an. hier seinen Traum des „Muskeljudeutums" verwirklicht zu sehen. Ein Kommers beschloß die glänzende Veranstaltung. * * * Der zweite Verhaudlnngstag wurde ganz von der Debatte über ben Bericht des Aktionskomitees ausgefüllt, der von seiten -einiger oppositioneller Redner einer scharfen Kritik unterzogen wurde. Auch Präsident Wolsfsohn ergriff das Wort zu einer wirkungsvollen Rede. Schließlich wurde dem Aktionskomitee mit .großer Majorität das volle Absolutorinm erteilt. (Schluß des Berichtes in nächster Nummer.) Die Inden in Marokko. Wiederholt ist von den Bemühungen die Rede gewesen, -die der Präsident der Alliance Jsraslite Universelle und die Vertreter der Alliance in Fez aufgewendet haben, tun den .Israeliten in Marokko Rechtssicherheit zn gewähren und sie -gegen die Bedrückungen durch einzelne Große des Reiches zu schützen. Als neuerlich namentlich ein Kümmerer des Sultans sich Mehrfacher Ausschreitungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung -schuldig machte, überreichte Elmaleh. Direktor der Allianceschnlen in Fez, dem französischen Vertreter dort ein Promemoria, das -der französischen Regierung zngestellr wurde. In der französischen Depntiertenkammer wurde die Angelegenheit am 23. November erörtert, und der Minister des Auswärtigen, Herr Pichon, nahm Zu ihr Stellung. Am Tage zuvor, am 22. November 1909, ging an deil -Großwesir des Sultans Mnlay Hafid nachstehendes Schreiben: „Euere Exzelleliz haben die Güte gehabt, uns die Ver- -sicherung zu geben, daß Sie den treuen Untertanen Seiner Scherifischen Majestät ohne Unterschied der Abstammung und des Bekenntnisses gleichen Schutz angedeihen lassen wollen. Wir freuen uns von Herzen für dieses Zeichen nachdrücklicher Fürsorge, bie sie auch unseren Glaubensgenossen zugewendet haben. Durchdrungen von Dankbarkeit für ihren neuen Herrscher Sultan Mnlay Abdul Hafid, der sie seinen übrigen Untertanen -gleichfchätzen will, voller Dankbarkeit auch gegenüber den Ministern Seiner Scherifischen Majestät, und besonders gegenüber Euerer -Exzellenz, dessen wohlwollende Haltung zu ihren Gunsten sie anznerkennen wissen, wollen die Israeliten Marokkos sich dessen würdig zeigen und durch ihre Anhänglichkeit. und durch ihre Tätigkeit zum Gedeihen des Landes beitragen. Welchen Schmerz haben daher die Israeliten von Fez empfunden, als sie vor einiger Zeit der Gegenstand neuer Bedrückung und schlechter Behandlung von Seiten des Kämmerers Seiner Majestät waren. Dieser über unsere Glaubensgenossen ohne Zweifel . falsch berichtete Beamte hat sie in ihren ' religiösen Gefühlen verletzt, indem er sie zwang, während der größten jüdischen Feiertage .zu arbeiten. Er drängte ihnen gewaltsam Frohndienst auf. für den sie keinen Lohn erhielten. Er ließ ihnen körperliche Züchtigung auferlegen, die zu verschiedenen Zeiten durch Edikte marokkanischer Herrscher untersagt worden war. Gestatten Sie uns, Exzellenz, die wir feit fast 50 Jahren an . der moralischen und intellektuellen Hebung unserer marokkanischen Glaubensgenossen arbeiten, Ihre wohlwollende Protektion zugunsten der israelitischen Bevölkerung zu erbitten, zu appellieren an Ihr. Menschlichkeits- und Gerechtigkeitsempfinden. um die Wiederkehr solcher beklagenswerter Vorkommnisse zu verhüten. Unsere Glaubensgenossen bedürfen Ihres Schutzes; Ihre Intervention wird Ihnen das Gefühl der Sicherheit geben, und Sie werden sich die Dankbarkeit nicht nur der marokkanischen Glaubensgenossen erworben haben, die Ihren Namen rühmen werden, sondern auch die Dankbarkeit aller Israeliten der Welt, deren Dolmetscher wir sind. Genehmigen Sie, Exzellenz, die Versicherung unserer Ehrerbietung Der Präsident der Alliance Jiraölite Universelle N. Leven." Ueber die Wirkungen, die die Verhandlungen der französischen Depntiertenkammer und das Schreiben des Präsidenten Leven gehabt haben, berichtet Herr Elmaleh am 7. Dezember: Niemals ist eine Intervention zu einem geeigneteren Zeitpunkt gekommen. Während der Horizont der Marokkopolitik umwölkt war, haben Sie förmlich divinatorisch den rechten Augenblick herausgefnnden, um zugunsten unserer Glaubensgenossen in Fez zu intervenieren. Der Sultan hat mit der größten Aufmerksamkeit die Reden gelesen, die betreffs Marokkos während der letzten Tage in der Depntiertenkammer gehalten wurden. Sobald die Zeitungen in Tanger eintrasen, brachten ihm Eilboten die Uebersetznngen. Sie erinnern sich des Berichis über die Lage des Mellah. den ich Herrn Gaillard erstattet hatte, und der dem Ministerium des Auswärtigen übermittelt worden ist. Sie haben gesehen, daß Herr Pichon in der Kammer von der Lage der Juden in Fez gesprochen hat. Seine Ausführungen waren durch den Bericht angeregt, von dem er einen Aliszng wiedergab. Andererseits hat Herr Pichon über diesen Gegenstand Vorstellungen an den Mokhri gerichtet, der sie dem Sultan übermittelte. Der Großwesir hat gestern infolge dieser Interventionen die Großrabbineu und Notablen unserer Gemeinde berufen und ihnen tm Namen seines Herrn folgendes gesagt: „Es ist zu unserer Kenntnis gelangt, daß der Direktor Ihrer Schule zu verschiedenen Malen unsertwegen an die Alliance Jsraölite geschrieben hat. Ich bin durch unseren Herrn beauftragt. Ihnen zu sagen, daß niemals mehr in Zukunft Sie irgendwelche Ungerechtigkeit von Seiten des Maghzen zn erleiden haben werden, daß man Ihnen keinen Frohndienst mehr auferlegen wird, daß Ihre Feiertage und Samstage in Zukunft respektiert werden sollen. Ich bringe Ihnen die Zusage des Wohlwollens von Seiten des Sultans, der Sie liebt, wie seine treuesten Untertanen. Die Türen zum Hanse des Dar el Maghzen werden Ihnen von heute an weit geöffnet sein, und Sie werden immer Ihre Klagen und Beschwerden vor uns bringen können; wir werden sie mit Billigkeit anfnehmen." Ungefähr in diesen Ausdrücken sprach der Großwesir zu den Repräsentanten des Mellah. Unmittelbar nachdem die Notabeln gegangen waren, habe ich dem Großwesir meine Aufwartung gemacht und habe ihm Ihren Brief übergeben. Dieser hat einen bemerkenswerten Eindruck auf ihn gemacht. Der Großwesir ist von Ihrem Vorgehen angenehm berührt, was er durch den liebenswürdigen Empfang bewies, den er mir bereitete. Nachdem er mir gegenüber die einige Augenblicke vorher den Notablen des Mellah gegebenen Bersprechnngen erneuert hatte, erhob er sich, um dem Sultan Kenntnis von Ihrem Brief zn geben. Den Brief hatte ich vorher in gutes Arabisch übersetzen lassen. Elmaleh." Josef der Meile, Moses der dritte, Friedrich der vierte. Aus meiner Studienzeit. Bon Dr. D. Leimdörfer, Rabbiner und Prediger zn Hamburg. (Fortsetzung.) Moses der dritte. Wie man früher die drei Gemeinden Altona. Hamburg, Wandsbeck nach den Anfangsbuchstaben mit A H W bezeichnet