Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 1 (1.1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ais Wahrheit Redaktion liitb Slbmiiiiftratiou: Wien, II/j dcvvaragasse 27 Telephon: Redaktion 5107/VIII. Druckerei 15302. K. k. öslerr. Nostsparkassa- Scheck-Koiuo Nr. 1000.918. JiiJcrate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller., Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. «abhängige Hetzschrift für jüöischi Interessen. Gezngsprers: Ganzjährig.K 14.— Halbjährig.K 7.— ^iiu Kiiltnsbecnnte: ilianzjährig.K 10.— Krschein 1 jeden Ireilag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 7viit* Ausland: Ganzjährig.8 Mark 6 Rubel oder 16 FrcS. Ar. 1. Wien. 1. Jänner IttlO. Inhalt: Solidarität. — lieber den mangelnden Unsterblictikeitsglauben nn Mosaismus. — Der IX. Zionistenkviigreß in Hamburg. — Die Inden in Marokko. — Josef der zweite, Moses der dritte, Friedrich der vierte. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Ein neues Licht. — Jüdischtraditionelle Kantor-Rezitation. — Ein Kantorenverband in Frankreich. — Austritte aus dem Judenrnme. An unsere §eser l j Bei dem Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das j Judentum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse,! die nicht nur mutvoll und unerschrocken den Kampf! nach außen füßet, sondern auch im eigenen Lager ftrenge Wache hält. Von dieser Ueberzengnng durchdrungen, hat „Die Wahrheit" auch im abgelausenen Jahre an ihrem Programme, das! Interesse für die erhabenen Ziele des Judentums! in allen Bevölkerungsschichten;n wecken, sestgehalten, und ihr Bestreben wird auch fernerhin daraus gerichtet sein, jüdisches Leben in allen seinen Erscheinungen;u pflegen, die innere Organisation mit allen Kräften;u fördern, die Vorfälle im Gemeinde- und Vereinsleben mit maßvoller und objektiver Kritik;u beurteilen und dabei gleichzeitig den Kampf nach Außen mit Würde und Entschiedenheit;u führen. Diese publizistische Tätigkeit bitten wir durch Abonnierung unseres Blattes zu fördern- Abonnements-Bedingungen: Ganzjährig Kr. 14.— Katöjährig Kr. 7.—, Miertekjährig Kr. 3.50. K. k. Postsparkass en-Konto 100.918. Die geehrten Herren Abonnenten werden ersucht, bei Einsendung des Abonnementsbetrages den zugesandten Erlagschein zu benützen. Neu eintretende Abonnenten erhallen die hochinteressante Novelle „Ein neues Licht" von A. H Landau um den Betrag von einer Krone portofrei in Buchform zngesendel. Die Weöaktion. Solidarität. Bon * * * Sie gehören zu einander: L n e g e r und Adler, S ch u h m e i e r und Bielohlawek. Spalten einander die Schädel und liegen sich in den Armen. Idol gegen Idol, Götze gegen Götze, Barrierstöcke gegen Barrierstöcke, Söldner gegen Söldner. Gewalt. rohe brutale, ihr Gott, ihr Recht, ihre Moral, ihre Ethik. Was sie wollen? Herrschen, herrschen um jeden Preis, und jedes Mittel, das zum Ziele führt, in ihnen gut genug. Würde Viktor Adler nicht über 88 Mann verfügen, nie hätte er seine Hand zur Strangnliernng der Minoritäten geboten. Die Straße wäre mobil, ganz Hernals ans den Beinen und in Ottakring würde die Marseillaise erklingen. Es handelt sich aber nur um kleine Gruppen, um Schwache, und für die hat die völkerbesreiende Sozialdemokratie nicht zu sorgen. O Leopoldstadl, o israelitische Union, wo ist der Operateur, der Euch den grauen Star sticht, wo der Spezialist, der Euch das Licht der Wirklichkeit znrückgeben könnte! Da würdet Ihr die Augen ansmachen und sehen — daß Ihr Schmocks ieid, daß Ihr nur Schamossim bei Ofner wäret, der seinerseits Sonntags- Jude des „großen" Hock ist — des exiernen Schammes von Viktor Adler — — Und für diesen Mann habt Ihr Euch eingesetzt, seinethalben einen im Dienste des Judentums ergrauten Mann dnrchsallen lassen! „Schämt Euch"! würde ich Euch znrnsen, wenn ich Euch dessen fähig hielte. Nein, Ihr seid jenseits von Scham, Ihr seid, mit Verlaub, zweibeinige, mir Volksschule und Gymnasium bepackte — nicht Esel — Kameele! An der Sozialdemokratie wolltet Ihr eine Stütze gewinnen gegen die wilde, blutgierige, bestückte und ordenbesäte, blöde soziale Bestie; gegen dieses langlebige, nur von Blut sich nährende historische Tier, das Euere Väter in den Synagogen verbrannt, ans den Friedhöfen abgeschlachtet und Euch den Geist, den Willen und die Persönlichkeit raubt. Die völkerverschlingeude, materialistisch egoistische, philisterhafte Fetischistenparrei, mit dem Oberbonzen Viktor Adler an der Spitze, soll Sinn für Freiheil der historischen Individualitäten haben? Ist Schuhmeier humaner als Bielohlawek? Ist Seitz edelmütiger als Rinößl? Gesteht, Ihr habt gesündigt, Ihr habt gefrevett — nicht gegen Fremde — gegen eure eigensten Interessen, gegen euer eigenes Volk. Und wenn Ihr Euch ans den Kopf stellt, bleiben wir Juden und — allein .... Allein wandeln wir tausende Jahre unsere Wege und allein stehen wir jetzt. Die Minoritäten sind mit Hilfe der Sozialdemokraten mundtot gemacht worden; der klatschende Pattai ist Diktator der öffentlichen Tribüne. Unsere paar jüdischen Abgeordneten dürfen den Mund nicht öffnen, das Hinausgeworsenwerden schwebt über ihrem Haupte wie ein flammendes Schwert. Es tut uns weh, es zu sagen: sie sind für das Parlament gestorben — sie dürfen nicht gegen das Unrecht donnern, sie müssen, sollen sie nicht an die frische Luft gesetzt werden, vom großen Schweiger Moltke das Schweigen lernen, das für Schwache — Tod heißt.