Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 50 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Leite 12. Die Wahrbeit. Nr. 50. sich nehmen, welche anderenfalls und in erhöhtem Maße die Kultusgemeinde selbst treffen würden. Dem Mangel an dieser Einsicht müsse es denn nuch zugeschrieben werden, daß-mit den Subventionen an die Tempelvereine so sehr gespart werde, und daß es sich ereignen könne, daß statt eines angesprochenen Beitrages von ca. K 6500 zu dringenden Adaptierungsarbeiten und zur Erfüllung feuerpolizeilicher Aufträge, nach jahrelangem Drängen ein Betrag von K 600 bewilligt werde, wie dies Heuer unserem Vereine geschah. Auch in sonstigen Beziehungen zeuge das Verhalten des Vorstandes der Kultusgemeinde gegenüber den Vereinsleilnngen nicht immer von der wünschenswerten Objektivität und der doch wohlverdienten Anerkennung ihrer Tätigkeit. Dies voransgesendet, freue es Redner umsomehr, sagen zu können, daß sich unser Verein in jeder Beziehung — auch in finanzieller — trotz der Uugnnst der Verhältnisse, gedeihlich forientwickle. In der an diese Ausführungen anknüpfenden Debatte legte der Vertreter des Kultusvorstandes, Herr Schrame k, dar, daß dieser gewiß jederzeit bestrebt sei, allen berechtigten Wünschen Rechnung zu tragen, und insbesondere die Tätigkeit der Tempelvereine, gewiß nicht unterschätze, vielmehr sehr hoch veranschlage, aber durch das unüberwindliche Hindernis des zu befürchtenden Defizites gezwungen sei, mit dem greifbaren Ausdrucke seiner Anschauungen zurückzuhalten. Er schließt seine Ausführungen mit den Worten Josefs an seine Brüder: „Und nun, meine Brüder, streitet euch nicht auf dem Wege" — auf dem Wege, der uns alle zu dem gleichen Ziele, der Größe und dem Gedeihen unserer Gemeinde, führen soll. An der Debatte beteiligten sich weiters die Herren Engel, Dr. Landau, Dr. Schreiber, Hist, Weiß u. a. m-, welche die Ausführungen des Obmannes erörterten und dem Vertreter der Kultusgemeinde nahelegten, bei dem Kultusvorstande der Dolmetsch der geäußerten Wünsche und Beschwerden zu sein. Ueber Antrag des Herrn Engel wurde sohin dem Vorstande einhellig das Vertrauen ausgesprochen und das Absolutorium erteilt, weiters wurde über Antrag des Herrn Obmannes und des Herrn S. D u b dem Obmanne des Schulkomitees, Herrn Joses K o h n, für seine Verdienste um die Bibelschule der Dank und die vollste Anerkennung seitens der Versammlung einstimmig ausgesprochen. Die unter dem Vorsitze des Obmannstellvertreters, Herrn Dr. Ernst R o s e n t a l, vorgenommenen Wahlen ergaben die einstimmige Wiederwahl der aus dem Vorstande scheidenden Herren Jakob K o h n, Heinrich N e u h a u s und Heinrich Weiner, sowie mit überwiegender Stimmenzahl die Neuwahl des Herrn Rudolf A h l, welche sämtlich die Annahme des Mandates unter Worten des herzlichen Dankes für das ihnen bewiesene Vertrauen erklärten. Verschiedene Nachrichten. Wie«. Donnerstag, den 30. d. M., 7 Uhr abends, findet im Zeremonieusaale, VL, Schmalzhofgafse, die 36. ordentliche General-Versammlung des israelitischen Tempelvcreines für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau, statt. Wien. (Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 30. Dezember 1909, präzise 1li8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max G r u n w a l d statt. Thema: „Ferdinand Lassalle." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wie«. (B e t - H a m i d r a s ch Talmud-Thora, Malzgaffe 16.) Vortragszyklus über jüdische Geschichte u n d. L i t e r a t n r. Samstag, den 25. Dezember 1909, nachmittags 3/<3 Uhr, Vortrag HL: „Der gegenwärtige soziale Realismus und die ethischen Begriffe Luzattos. Herr Rabbinatskandidat Bela Fischer. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XX., Orhmargasse 46.) Der Konzertabend, welcher Samstag, den 18. d. M., stattfand, erfreute sich der Mitwirkung des Pianisten Roderich Baß. Man kennt die Qualität dieses ausgezeichneten Künstlers und es ist nur natürlich, daß dessen Darbietungen herzliche Anerkennung fanden. Der Tenorist Herr Finkelstein brachte Arien und Lieder mit klangvoller, wohlgeschulter Stimme zum Vortrage und erntete reichen Beifall. Lebhafte Heiterkeit erregten die Vorlesungen und Rezitationen humoristischer Dichtungen durch Fräulein Klärchen Fröhlich. Zu dem Konzerte vom 11. d. M. sei noch nachgetragen, daß der Text des vom Männerchore gesungenen von Arthur Wolf vertonten „Bundeslied" aus der Feder des Herrn Dr. Leo L emport stammt. — Das nächstwöchentliche Vortragsprogramm wurde wiefolgt festgesetzt: Freitag, den 24. d. M., Rabbinatskandidat Bela Fischern „Bibelvortrag". Samstag, den 25.: Konzert, Arrangement Gesangslehrerin Frl. Goldberger. Sonntag, den 26., Sekretär Guido Fu ch s-' gelb: „Die Gewinnung des Eisens"-(Lichtbilder). Montag, den 27., Dr. Heinrich Grün: Thema Vorbehalten. Dienstag, den 28., Lehn I. Krug: „Ans der jüdischen Geschichte". Mittwoch, den 29., Univ.Prof. Dr. L. König stein: „Reiseeindrücke aus Paris". Donnerstag, den 30., Dr. Arnold Ascher: „Lessing, der Weltbürger". Wie«. Die Jubiläumsfeier des „V e r e i n e s z u r U nt e r st ü tz u n g jüdischer Klein gewerbetreibend er" in Wien (H., Obere Donaustraße 81), fand am 12. d. M. unter massenhafter: Beteiligung, statt. Znm Festgottesdienste am Nachmittage hatten sich im großen Leopoldstädrer Tempel in Vertretungder israel. Kultnsgemeinde Herr Dr. Markus Spitzer, Abordnungen zahlreicher Vereine und eine große Schar von Festgästen und Freunden des Vereines eingefunden, welche das herrliche Gotteshaus in allen seinen Räumen füllte. Herr Oberkantor Bela- G.uttmann mit dem vollständigen Tempelchore unter der bewährten Leitung des Herrn H e i m a n n, zelebrierte den Festgottesdienst in meisterhafter Weise und Herr Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e d l hielt eineformvollendete, allen Zuhörern zu Herzen gehende Predigt. Den Gottesdienst beschloß die Volkshymne, die" von dem Tempelchore vorgetragem wurde. Die Fest-Akademie am Abende im Prachtsaale des Hotel „Bairischer' Hof" leitete der Festobmann, Herr Wilhelm K r ii h, mit einer kurzen, zm Herzen gehenden Ansprache und Begrüßung der erschienenen Honoratioren und Festgäste ein. welche in ein dreimaliges Hoch auf unseren geliebten Monarchen ausklang, worauf die Militärkapelle mit der Volkshymne einsetzte. Die Festrede hielt, mit stürmischem Beifall empfangen, der Protektor des Vereines, unser bewährter Vorkämpfer, Herr R.-Abg. Dr. Benno' Strauch er. Seine glänzenden Ausführungen gipfelten darin, daß er" nachwies, wie hoch die Arbeit im Judentume geschätzt wird und wie ungerecht der Vorwurf sei, daß die Juden vor manueller Arbeit zurückschrecken. Bedeutet doch das Wort „Awoide" nicht nur den höchsten Dienst zur Ehre Gottes, sondern auch der Hände Arbeit. Das künstlerische Programm wurde .unter der ausgezeichneten Leitung des Herrn Ing. Josef G o t t l i e b von den Damen Frl. Schick,. Fr. Camilla Herz er von der „Neuen Wiener Bühne" und der achtjährigen Grete Finkler, den Herren Theodor Weiß vom „Deutschen Volkstheater". Oberkantor S. Kwartin, Klavirvirtuose Ernst Vogel und Benno W ü n s ch, ehem. Mitglied des „Theater in der Josefstadt"' absolviert und war jede Vortragsnummer eine Glanzleistung. Insbesondere ernteten Herr Theodor Weiß für die meisterhafte Interpretation Rosenfeld'scher Gedichte, Herr Oberkantor Kwartin für die mit unvergleichlich herrlicher Stimme vorgetragenen Lieder und Gesänge, Frl. Schick und ihrer prächtig vorgetragenen Arie aus „Tannhäuser", sowie die kleine Finkler, den stürmischesten Beifall. Den Beschluß der Fest-Akademie bildete ein bis in die frühen Morgenstunden währendes Tanzkränzchen», dessen Arrangement Herr Jaques L ö w in bewährter Weise leitete. Besonderes Verdienst hatten sich um die äußerst gelungene Jubiläumsfeier erworben die Damen Frau Malvine B a r s ch a k, Paula G o l d f a r b, Helene G o l d st e i n, Cäeile Klausner. Lina K r u h,. Mathilde Wechsler und Frl. Gisela Weiner; die Herren A. Ba rsch ak, A. B l u m, I. F r i e d m a n n, F. G o l d f a r b, Rudolf G o l d st e i n, Ing. Josef G o t t l i e b, S. K l a u s n e r (Vereinsobmann), _ F. K r u h (Festobmann). Rudolf S ch ü ck (Komiteobmann) und Dr. Josef Z i p s e r. Klavier und Harmonium hatte in liebenswürdiger Weise die Firma Saphir. II., Praterstraße und das Blumenarrangement für die Kaiserbüste die Firma Seering, H., Taborstraße, in uneigennützigster Weise beigestellt. Wie«. (Verein „Hum a u i tä re Fr e un d e" in Mariahilf.) Am 2. Dezember d. I. fand im Saale znm „grünen Baum" die vom Verein „Humanitäre Freunde" veranstaltete Kinderbeklei du n 9. statt. Es wurden 40 arme Schulkinder mit vollständiger Winterbekleidung beschenkt. In Vertretung des am Erscheinen verhinderten Obmannes. Herrn Fabrikanten Po lla ch, begrüßte der Obmannstellvertreter Herr Busch die zahlreich erschienenen Festgäste und erwähnte insbesondere, daß heuer zum erstenmale das Bekleidnngsfest in Abwesenheit der Kinder stattfinde, weil dies viel humaner sei und die Armen nicht beschämt werden. Der Firma P 0 l l a ch wurde für die unentgeltliche Beistellung von Hüten, der Firma König für die Spende von Pelzwaren der wärmste Dank votiert;: auch die Firma H. und Fritz M e n d l verdiene für die kostenfreie Zusendung von Brot und Süßigkeiten die vollste Anerkennung. Hierauf hielt der Kinderarzt Herr Dr. Karl G r ü 11 f e l d die Festrede; er hob hervor, daß die Hygiene der Kleidung ein wichtiger Faktor im Wohlbefinden des Kindes sei, daß viele Krankheiten im Kindesalter durch Schutz vor Kälte und Frost verhütet werden können. Daß noch viele hunderte Kinder in der Residenzstadt hungern und frieren, fei eine ernste Mahnung mit allen Kräften darnach zu streben, die Not und das Elend armer Kinder zu. lindern. Die schwungvollen Worte des Redners, sowie' die des Obmannstellvertreters machten auf die Zuhörer tiefen Eindruck. Dem ernsten Teile des Abends folgten heitere Vorträge, unter denen die deklamatorischen der kleinen Schwestern Wurzel sehr lebhaften Beifall fanden. Ein Tanzkränzchen beschloß den festlichen Abend, der ungemein animiert verlief. Wien. Am 14. Dezember veranstaltete der theologische Verein der Hörer an der isr. theolog. Lehranstalt in Wien eine Chanukkah-Feier^ welche einen glänzenden Verlauf nahm. Der große Festsaal des „Hotel Central" war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Es waren unter anderen erschienen: Rektor Prof. Dr. A. Schwarz, Prof. Dr. Samuel Krauß,. Lektor -V. Apt 0 witzer, Prof. Dr. Ludwig Singer, die Rabbiner