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Die Wahrheit · 1909-12-24 · Heft 50 (24.12.1909) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 50 (24.12.1909)
Date
1909-12-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 50. Die Wahrheit. Seite 11. -entschuldigt manches. Einen Jünger mit dünner Fistelstimme,! der seine Sagia (Pensum) lärmend und pipsend Vortrag, schrie; er an: „Bist du denn von Pipez?" Um zu verblüffen, fragt! -er mitten im Schiurvortrage: „Warum wird man von Brannt-! wein und' nicf)t von Wasser schikor (berauscht)?" Für seine! älteste Tochter sieht er eine passende Partie, es ist Klein-Purim.? er schreibt an den Preßburger Rabbiner: „Verzeih, daß ich! dich um einen „Feins-Bncher" (d. i. einen tüchtigen Rabbinats-! .Kandidaten) mir zu empfehlen bitte, aber es ist heute „Jom ■ Kepurim", ein Tag, nicht ..der Versöhnung" sondern „wie! Purim." Den ihm Empfohlenen, einen Verwandten des Landes-! rabbiners R. Mordchai Binet, sah ich und erlebte auch die j Hochzeit, an der sich die ganze Gemeinde samt dem bösen! Parnoß mit reichen Gaben beteiligte. Zwei Tage vor dieser; .Hochzeit erschien aus der Nachbarstadt Rajecz, der Rajzer! Maggid junior, David Hoffmann, später in Ungarisch-Brod, i ein Witzling mit modernem Gebühren. Diesen forderten die | Töchter des Grünbaumst'chen Hanfes, mit einer Hochzeitsstickerei! in den Händen, auf, sich zu setzen. Doch der Sessel, faden-! scheinig und rissig, fiel ihm ins Auge und er sprach: „Warum | tun die Mädchen sticken, warum nicht die Sessel sticken?" Vor; der Trannng und dem Bedecken im Hause des Rabbi Josef fand das sogenannte Mizwatänzchen statt, da ruft der zerstreute -Gelehrte sein Weib, als ob es sich um eine moderne Damenwahl handelte: „Frädl, chapp dir Najczer Row!" (d. h. fange -dir den Rabbi ans Rajecz zum Pstichtreigen und engagiere ihn!) Die naive unbeholfene Form der Rede des Vaters scheint einer seiner gelehrten Söhne geerbt zu haben, der mir nach meiner Erwählung zum Rabbiner der preußischen Gemeinde Nordhansen einmal gratulierte mit den Worten des Propheten: „Sclimua schomati watirgat bitni", die ich meiner Frau wörtlich überfetzen mußte. („Deines Reiches Nachricht habe ich vernommen und es zittert oder grimmt mein Leib.") Nabbi Josef war mir ein väterlicher Freund, ich hatte eine grenzenlose Verehrung und Liebe für ihn; nur einmal! befolgte ich seinen Rat nicht, beim Abschied von ihm, am Tage, da ich ein vorzügliches Zeugnis mit einem Präminm der! -Gemeinde, bestehend ans einem Cornelius Nepos mit Gold-! schnitt und einer Fünf Gnlden-Note, erhalten hatte. Er sah mein mangelhaftes Schnhzeng und riet mir, für die fünf! Gulden ein Paar Stiefel zu kaufen, um meine Füße nicht zu i schädigen. „Ken tigof bowen raglecho" („Daß du deinen! Fuß nicht stoßest am Steine"), zitierte er ans dem Psalm 91.! Ich befolgte nur den Vordersatz: Ich kaufte neue Stiesel. Aber! ich hatte die Eitelkeit, sie ganz ne u meinen Eltern daheim j als mein Eigenes oder eigenen Verdienst zu zeigen, so fragte! ich nicht darnach, ob meine Füße aus meinem zweistündigen! -Gange über Felsgestein und Dornen über den Berg Hriöov blutig wund wurden; ich nahm meine Sachen: meine Prämien in der Hand, meine neuen Stiefel band ich an einen Stecken, den ich stolz soldatisch schulterte und zog barfuß über den Jordan- Waagstnß, abwaschend, was Steine und Dornen gerötet hatten, heim zu meinen Eltern nach Hlinik, vor denen ich zuerst in die verdienten Stiefel schlüpfte, als ich mit dem Segen Josefs H. zu Moses III. Lehre mich begab. Oft noch habe ich die schöne Gestalt des „Schelleiner Row" mit dem langen weißen Haupthaar, dem wallenden Bart um das meist gerötete Gesicht, mit den tiefschwarzen Angen besucht und mit Freuden' vernommen, daß ein Leimdörfer sein materielles Los verbessert hat. Der Sparkasse-Direktor L., ein weitläufiger Verwandter, Sohn der reichen Grunbesitzerin Riwkele Rowne, von der die Sage ging, sie hätte große Töpfe voll 'Dukaten in ihrem Grundstück vergraben, wurde Vorsteher der Silleiner Gemeinde und eine dreifache Gehaltserhöhung wurde R. Josef durch ihn zuteil. Zuletzt sah ich ihn in einer besser eingerichteten Wohnung in der Nähe des neuen schönen Tempels ltitb des Klostergartens, wo ich einst oft Blumen znm Sabbath für ihn gepflückt hatte. Er trug einen feinen langen Rock, Lylinder und nach Art der Bischöfe, einen hohen silberbeknauften Stab. Ich erinnerte an den bunten Schlafrock, in dem er mich früher täglich an seinem kalten Herde empfangen. Er lächelte und meinte, ja, der bunte Schlafrock hatte seine Geschichte; den hat mir meine Rebbezin aus ihrem alten Regenschirme augefertigt; war sie keine bedeutende Künstlerin? „Leolles ehajil mi jimzu." (Wo findest du eine eine solche Frau heutzutage?) Das war mein — „Jose f, der zweit e". (Forts, folgt.) GencralverlommlunA des Srigittermner Tempelvereines. Mittwoch, den 15. d. M.. fand in dem Saale der Restauration Hermann Kohn, XX. Heinzelmanngaffe 1, die Generalversammlung des Brigittenaner israel. Tempelvereiues statt. Dieselbe bewies — von dem Vereinsobmanne. Herrn Hermann E l t b o g e n geleitet — neuerdings durch die große Beteiligung der Vereinsmitglieder, daß im XX. Bezirke das Zusammengehörigkeitsgefühl und das jüdische Empfinden in ganz besonderem Maße rege sei. Nach Begrüßung der Ehrengäste — es erschienen: Herr Kultusvorsteher Adolf S ch r a m e k in Vertretung des Knllnsvorstandes, Präsidentin Frau Dr. Weiß und Vize-Präsidentin Frau Dr. K o l i n mit mehreren Vorstandsdameu des Bezirks- Fraiten-Vereines u. s. w. — gedachte der Vorsitzende in wehmutsvollen Worten jener im abgelaufenen Vereinsjahre dahingegangenen Toten, welche sich um die Mnltergemeinde oder den j Verein besondere Verdienste erworben chatten, insbesondere des! Vize-Präsidenten der Knltusgemeinde, Herrn Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t, des Knltusvorstehers und Obmannes des; Tempelvereines im X. Bezirke, Herrn Karl S e l i g m a n n,! des Vorstandsmtb Ehrenmitgliedes Herrn Jakob G o l d n e r, j sowie der verstorbenen Vereinsmitglieder, Herrn Abraham Lustig; und Leopold Meisel. Die Versammlung beschloß die Tranerz knndgebung, welche sie als Zeichen der Ehrung für die Dahingeschiedenen stehend angehört hatte, in das Vereinsprolokoll aufzunehmen. Der Vorsitzende gelaugt iu seiner Rede nunmehr zu dem Jahresberichte, dessen Verlesung über gestellten Antrag unterbleibt. Der Redner führt aus, daß über die Ereignisse des abgelaufenen Vereinsjahres wenig zu sagen sei, ähnlich wie über Vorfälle in einer friedfertigen, einen geregelten Hausstand führenden Familie nichts zu berichten sei. So sei denn auch von unserem Vereine und dessen Veranstaltungen nur Günstiges zu sagen. Insbesondere gelte dies von der Vereinsbibelschnle, welche derzeit von ca. 250 Schülern in 8 Abteilungen besucht werde und deren Unterrichtserfolge als fehr befriedigende bezeichnet werden müssen. Er glaube eine Ehrenpflicht zu erfüllen, wenn er denjenigen Persönlichkeiten, denen neben der Tätigkeit der Lehrkräfte in erster Linie das Aufblühen der Schule als Verdienst anzurechnen sei, den Herren Joses Kohn und Jakob K o hn, sowie wenn auch zuletzt genannt, so doch nicht in letzter Reihe, dem allseits verehrten Vize-Präsidenten der Knltusgemeinde, Herrn Dr. Gustav Kohn. den innigen Dank des Vorstandes für ihr reges Interesse und ihre wohlwollenden Bemühungen hier abstalte. Der Redner weist sohin auf die vielfache Opfer seitens des Vereines und der Vorstandsmitglieder erheischende Organisation des Gottesdienstes in den Bethans-Flialen während der hohen Feiertage hin und spricht der internen Sektion für die bei diesem Anlasse entfaltete Tätigkeit die volle Anerkennung des Vorstandes aus. Er verweist hiebei auf die großen Unterschiede in der Behandlung dieses Gebietes der kulturellen Belütignng in Wien und in anderen Großstädten, z. B. Berlin hin; während die Knltusrepräsentanz nuferer Gemeinde — einer der größten, ja vielleicht die größte des Kontinents — die Lasten dieser Aktion hauptsächlich den affiliierten Tempelvereinen anfbürde, diesen aber — erzwnngenermaßen — nur ganz ungenügende Subventionen einränme (Heuer im Gesamtbeträge von ca. 60.000 bis 70.000 Kronen), habe die Berliner Repräsentanz im Jahre 1907 14 temporäre Betveranstaltnngen mit rund 14.000 Plätzen und einem Anfwande von mehr als 100.000 Mark geschaffen. Die Vorftehung unserer Knltusgemeinde vergesse immer wieder, daß die Tempelvereiue freiwillige Mitarbeiter an den Zielen der Gemeindeverwaltung sind und freiwillig Lasten aus

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