Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 50 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. BO. Die Wahrheit Seile 5 Reserve, denen allerdings K 7000, vermutliche Mehreinnahmen an Schlachtgebühren, gegenüberstehen. Kapitel 11. Mikwah hat einen Minderbedarf von L BOOO gegen das Vorjahr, Kapitel 12 K 1700, dagegen erfordert Kapitel 8 Subventionen an Bethausvereine um K 2500 mehr als im Jahre 1909. Abschnitt E. „U n t e r r i ch t s a n g e l e g en h ei ten" weist ein Gesamtmehrerfordernis von K 6500 auf und zwar bei Kapitel 13 K 2500 infolge normalmäßiger Avancements und vermindeter Veranschlagung der von der Komnutne für den Religionsunterricht zu refundierenden Summe, denen einzelne im nächsten Jahre wegfallende Posten als Ersparnis gegenüberstehen, bei Kapitel 14, 15 eine Verminderung von L 500, bei Kapitel 16 eine Erhöhung von K 1400 aus verschiedenen kleinen Posten bestehend, bei Kapitel 17 eine Erhöhung von K 3100 infolge Erhöhung der Bezüge, besonders aber durch Vermehrung der Reserve wegen der geplanten Erweiterung der Bibliothek. Meine im Vorjahre ausgesprochene Erwartung, daß wir uns hener mit der dringend nötigen Regulierung der Gehalte unseres Lehrkörpers beschäftigen werden, ist leider bisher nicht erfüllt worden, allein die Angelegenheit ist zu meiner Genngtnng doch soweit vorgeschritten, daß in allernächster Zeit, wohl zu Beginn des nächsten Jahres, das diesen wichtigen Gegenstand betreffende vollständig ansgearbeitete Elaborat des Bureau der Unterrichts-Kommission zur Diskussion vorgelegt werden wird. Es ist also zweifellos, daß in sehr absehbarer Zeit diese lauge genug aufgeschobene Verpflichtung unserer Gemeinde, die Lehrer, die Erzieher der zukünftigen Generation, so zu stellen, daß sie keine materiellen Sorgen haben, erfüllt werden wird. A b s ch n i t t 0. „F r i e d h o f su n d Beerdigungs- Angelegenheit«: n" zeigt eine Erhöhung des veranschlagten Ueberschnsses um K 600. Die Einnahmen sind entsprechend dem diesjährigen Ergebnisse teils höher, teils niederer angenommen, die Vermehrnng der Ausgaben ist hauptsächlich durch den neuen Vertrag mit Herrn Balestrin bedingt. Leider rückt in jedem Jahre der Augenblick näher, wo der uns zur Verfügung stehende Platz vollständig nusgenützt sein wird und die Erweiterung des gegenwärtigen, oder die Erwerbung eines neuen Friedhofes wird immer mehr zur brennenden Frage. Ich werde noch Gelegenheit haben, auf diesen wichtigen Gegenstand zurückznkommen. Abschnitt D. „I s r a e l. Spital" ergibt, trotzdem die ordentlichen Ausgaben sich neuerdings um ca. K 5000 erhöhten, eine Verminderung des vermutlichen Zuschusses um ca. K 16.000, weil durch eine neue Stiftung der Spitalerhaltungsfond um X 5000 gestärkt und bei Verpstegsgebühren eine Mehreinnahme von L 15.000 angenommen wurde. In der ursprünglichen Fassung des Budgetentwnrfes, welchen ich der Spitalskommission vorlegte, hatte die Post 38 von K 11.300, Medikamente für ambulante Kranke, gefehlt, deren Streichung ich beantragte, die aber von der Kommission und vom Vertreter-Kollegium wieder eingesetzt wurde. Nicht unerwähnt möge bleiben, daß ich beabsichtigte, mit Hilfe des Spitalaushilfsfondes eine Abmachung mit der Chewra zu treffen, damit trotzdem den armen Kranken wenigstens teilweise diese Wohltat auch in Zukunft nicht entzogen werde, denn meine Absicht war ja nur die Gemeinde selbst zu entlasten. Auch ich hatte mich nur schweren Herzens zu dieser Streichung entschlossen, und dies aus dem dreifachen Grunde getan, weil diese Medikamentenverabfolgnng erstens in keinem Krankenhaus üblich ist, weil ferner in unserem Ambulatorium, bei welchem selbstverständlich die Konfession der Kranken garkeinen Unterschied machen darf, man diesen Unterschied bei Verabfolgung von Medikamenten eigentlich auch nicht gut eintreten lassen kann, endlich weil die Lasten, die das Spital der Wiener Judenschaft auferlegt, ohnehin schon derart hohe sind, daß wir uns fragen müssen, ob wir überhaupt berechtigt sind, bei dem heutigen Stand der Dinge und damit der Opfer, welche wir der Wiener Judenschaft aus diesem Titel auserlegen, hinauszugehen. Da für mich einerseits angesichts der Finanzlage unserer Gemeinde, andererseits infolge der in diesem Jahre durch die bedeutende Erhöhung der Aerztegehalte und der. weiteren Steigerung der Lebensmittelpreise neuerlichen Vermehrung der Ausgabe für das Spital, die zwingende Notwendigkeit vorlag, Ersparungen, soweit überhaupt möglich, durchznsühren, so wollte ich natürlich nur dort ansetzen, wo ich durch solche nicht direkt kranke Juden von unserer Türe weisen müßte. Bei der ambulatorischen Behandlung, wo das konfessionelle Moment, welches für die Unterhaltung nuferes Krankenhauses eines der wichtigsten Hauptmotive darstellt, in keiner Weise in die Wagschale fällt, handelt es sich nun tatsächlich, und das muß ich als gewissenhafter Finanzreferent offen aussprecheu, um eine ganz bedeutende Ausgabe, die gewiß eine sehr schöne und menschenfreundliche, aber, nachdem doch in den zahlreichen Ambulatorien der staatlichen Spitäler jeder Jude selbstverständlich Aufnahme und Behandlung findet, sicher keine solche Institution ist, welche eine mit Defizit arbeitende Kultnsgemeinde sich überflüssigerweise gestatten darf. Ich habe vorläufig noch nicht beantragt, diese Post Ambulatorium gänzlich zu streichen, ich habe nur den leisen Versuch gemacht, ein gar zu viel abzustellen. Ich mache aber heute schon darauf aufmerksam, und auch dazu bin ich als Finanzreferent verpflichtet, daß wenn wir in dieser Weise sorifahren, sich gar leicht die Möglichkeit ergeben kann, daß ich oder ein zukünftiger Finanzreserent sich in die Zwangslage versetzt sehen wird, eine Reduktion des Bettenstande-s überhaupt als unvermeidlich Ihnen anzukündigen, denn leider nur gar zu selten erführt unser Spnalfond solch hochherzige Förderung, wie dies durch die anläßlich des Ablebens des Herrn Abr. M. Elias errichtetete Stiftung, die Abraham M. und Pauline Elias-Stiftung geschehen ist und welche ich mit Freude und mit herzlichem Dank hier quittiere. Abschnitt E. „V ersorg u n g s- und Siechenhaus" zeigt ebenfalls, trotzdem die ordentlichen Ansgaben unverändert geblieben und die außerordentlichen sogar um K 1000 höher eingestellt worden sind, eine Verminderung des von uns zu leistenden Zitschusses von K 7600, weil die Verpflegsgebühreu, Seite 82, Post 63—64, um den Betrag von JE 7000 höher angenommen worden sind und die hener erfolgte Vermehrung des Verwaltungfondes ein Mehrertrügnis von K 1200 ausweist. Dieser Abschnitt gibt mir wie alljährlich die gewünschte Gelegeilheit, unseres rührigen Damenkomilees, an dessen Spitze Frau Jda Diamant, zu gedenken und allen Mitgliedern desselben für ihr so selbstloses und überdies erfolgreiches Wirken unseren herzlichsten Dank abzllstatten. Wenn wir mit berechtigtem Stolz auf unser Krankenhaus Hinweisen dürfen, so ist es lins sicher gestattet, uns auch mit unserem Versorgnngs- und Siechenhaus in nicht geringerem Maße zu frenen, denn diese herrliche Institution setzt uns in die Lage. 300 Personen teils den Lebensabend, der sonst ein recht trauriger für sie wäre, zii einem angenehmen zu machen, teils ihrem Siechtum jene herzliche Pflege angedeihen zu lassen, deren sie bei ihrem jammervollen Zustand in so hohem Maße bedürfen. Wie ich schon im Vorjahre erwähnte, ist es möglich geworden, durch die für Neuaufstellnng von 40 Betten bestimmte hochherzige Zuwendung eine bedeutende Vergrößerung des Hauses vorzunehmen. Wir sind bei dieser Gelegenheit noch darüber hiiiausgegangeu und haben wertere 15 Betten ails eigenen Mitteln hinzugefügt, weil wir angesichts des schrecklichen Elendes der Ansnchenden und der überaus großen Zahl jener, die wegen Platzmangel znrückgewiesen werden müssen, es nicht anders tun konnten, obgleich unsere mißlichen finanziellen Verhältnisse nene Lasten in keiner Weise vertragen. Das warme und herzliche Empfinden für unsere leidenden Mitbürger war eben stärker als die kühle Vernunft, aber als Finanz-Referent habe ich doch die Verpflichtung, meine warnende Stimme zu erheben und es auszusprechen, daß wenn nicht etwa doch von privater Seite eine Stärkung unseres Erhaltungsfondes erfolg:, wir in absehbarer Zeit nicht daran denken dürfen, weitere Lasten ans diesem Titel der Gemeinde aufznbürden. Wir sind an der alleräußersten Grenze unseres Könnens angelangt und diese Grenze zu überschreiten, sowie es beim Spital geschehen ist, wäre gegen das Interesse des gesicherten Bestandes unseres Gemeindewesens gehandelt.