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Die Wahrheit · 1909-12-24 · Heft 50 (24.12.1909) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 50 (24.12.1909)
Date
1909-12-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 50. Die Wahrheit teil, es kann nicht genug gewürdigt werden. Denn er hat nicht nur den Beweis erbracht, daß die Inferiorität der jüdischen Rasse eine Fabel fei, sondern tritt auch mit aller Wärme dafür ein, daß diese Edelrasse der Inden erhalten werden muß. Mit düstern Farben schildert er die Gefahren, welche die jüdische Rasse bedrohen. Ihre Weiterexistenz sei nur möglich, wenn es gelänge, sie wieder zu einer territorial geschlossenen, großen, einheitlichen homogenen Masse zu lonsolidieren. Sonst müßten die Juden durch Tause und Mischehe allmählich verschwinden. Nun scheint er aber auf das stolze Selbstbewußtsein des nationalen Inden wenig Gewicht zu legen. Man kann es dreist als Verbrechen am jüdischen Volke bezeichnen, wenn man dieses für moderne Inden einzige Konservierungsmittel, das durch den Zionismus ins Leben trat, anstatt kräftig zu fördern, noch mit allen erdenklichen Mitteln bekämpft! Mag die zionistische Idee realisierbar sein oder nicht, mag das Ziel erreicht werden oder nicht — der Selbsterhaltungstrieb sollte es den Führern des jüdischen Volkes zur heiligsten Pflicht machen, den Zionismus, der unserer Vergangenheit eine Ewigkeitsdauer verspricht, als das Lebeusprinzip des Judentums zu hegen und zu pflegen. Aber auch Zollschan hat trotz seiner Verzweiflung am Fortbestände der jüdischen Rasse doch ein kräftiges Mittel geschaffen, um die Auflösung dieser Edelrasse möglichst hintanzuhalten. Und dieses Mittel ist — sein B n ch, das Rassenproblem! Ja, leset es nur, verbreitet es unter Juden und Nichtjuden! Wer Jude ist, wird sich da stolz als Jude fühlen lernen, und wer kein Jude, aber ein gebildeter, anständiger Mensch ist, der wird den Inden als Sproß eines Volkes, das der Menschheit die höchsten Kulturgüter geschenkt, achten und vielleicht auch lieben lernen! Dr. Kahan, Znaim. Das Kndgel der Wiener Knltusgemcinde. Wie alljährlich wurde auch Heuer bei völliger Teilnahmslosigkeit des Publikums das Millionenbndget der Wiener Knltnsgemeinde pro 1910 in einer öffentlichen Sitzung, die unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern am 19. d. M. stattfand, erledigt und der große Judifferentismus. der in den weitesten Kreisen der Gemeinde gegenüber allen Vorgängen in der Seitenstettengasse herrscht, wird am schlagendsten dadurch bewiesen, daß in dieser Sitzung, in welcher über die Verwendung von Millionen Stenerkronen beschlossen wird und das gesamte Gebahren der Kultusgemeinde durch Ziffern und Reden eingehende Erläuterung findet, die Oeffentlichkeit — abgesehen von den Berichterstattern der jüdischen Blätter — durch kaum 2—3 Gemeindemitglieder repräsentiert wurde. Diese Apathie, die ebenso gefährlich ist wie die zahlreichen Austritte und die zunehmende Verödung der Gotteshäuser, wird allerdings ein wenig auch durch den Vorstand selbst verursacht, der das ganze Jahr hindurch bei geschlossenen Türen verhandelt und so das Interesse der Gemeiudemitglieder allmälig erkalten läßt. Bei solcher Vernachlässigung der öffentlichen Meinung ist es kein Wunder, wenn sich dann zur Zeit der Wahlen das Interesse in Eruptionen kundgibt, die der Entwicklung der Gemeinde keineswegs förderlich sind. Im Nachstehenden der Bericht: Nach Eröffnung der Sitzung gelangt nachstehender Einlauf zur Verlesung: % Cinlauf: Spenden: Vom Präsidenten Dr. Alfred S t e r n die ihm znkommende Präseuzgebühr der Pollak R. v. Rudin'schen Familienstiftung K 200.— und ein weiterer Betrag von X 100.—, zusammen X 300.—, die wie folgt aufzuteilen sind: Dem allgem. österr.-israel. Bund X 100.—, für eine nachträgliche Chanukahbeteilung armer Kinder des II. und XX. Bezirkes X 150.—, zur späteren Verfügung X 50.—; von Herrn Ing. Heinrich S o ch o l l e r für die Brigittenauer Schulküche X 5.—; von Herrn Josef U n g r a t für arme russische Juden X 4.—. Dankschreiben des Asyls für mittellose, kranke Israeliten in Meran für die Kondolenz des Kultnsvorstandes anläßlich des Hinscheidens seines Vizepräsidenten und Ehrenmitgliedes. Dr. H e r s ch. Das Wohltätigkeitsamt legt nachstehende zwei Berichte vor: So wie seit einer Reihe von Jahren, haben auch diesmal die Schwestern Z i r u e r geb. Z w i e b a ck für 112 K i u d e r, die von Bekleidungsvereinen ans Mangel an Geldmittel abgewiesen werden mußten, Kleider, Wäsche und Backwerk gespendet; Frau Ella Z i r n e r-Z wieback, Gemahlin des Kommerzialrates Alexander Zirner. spendete für fedes Kind ein nach Maß gearbeitetes W i u t e r f I e t b, sowie Obst, Backwerk und Würste; Frau Gisella Zirner, Gemahlin des k. k. Hof-Jnweliers Max Zirner, spendete für jedes Kind je 3 Stücke Winterwäsche; sämtliche Kinder erhielten über Verwendung des Amtsleiters Kraus, Schuhe. Der Hietzinger israel. Franenverein, an dessen Spitze Frau Laura Krenberger steht, hat es sich znr Aufgabe gemacht, die ihm vom Wohltätigkeitsamte der israel. Kultusgemeinde gemeldeten verlassenen Kinder zu inspizieren und aus seinen Mitteln nach Möglichkeit zu unterstützen. Seit Mai 1908 besorgen nun zirka 30 Damen diese wichtige Agende in nicht genug anerkennenswerter Weise, indem sie diejenigen verlassenen Kinder, die in den Bezirken III —XU in fremder Pstege oder bei der vom Gatten verlassenen Mutter nntergebracht sind, nach einer vom Bereinsvorstande gegebenen Instruktion wiederholt besuchen und all das, was für das betreffende Kind zur Anschaffung notwendig ist, entweder ans eigenen Mitteln oder nach Bericht durch den Vereinsvorstand besorgen. In nur wenigen Fällen wendet sich der Bereinsvorstand um eine Beitragsleistung an den Knltusvorstand. Zn Chanukah 1908 hat der Vereinsvorstand beinahe seine sämtlichen Schützlinge bekleidet und auch bei der heurigen Chanukahfeier am 9. Dezember 1909 hat der Bereinsvorstand für 86 Kinder, dnrchlvegs Pfleglinge der Kultiisgemeinde und Schützlinge des Vereines, die Bekleidung besorgt. Es erhielten 45 von diesen Kindern die vollständige Bekleidung, bestehend aus einem Kleide oder Anzug, Wintermantel, Schuhe und je 3 Stück der notwendigen Leibwäsche. 51 Kinder, die im vorigen Jahre von dem Vereine oder von einem anderen Bekleidnngsvereine beteilt wurden, erhielten die für sie notwendigsten Bekleidungsstücke, aber allenfalls Schuhe und Wäsche. Sämtliche Kinder erhielten Spielzeug und Bücher, sowie eine Jause mit Bäckerei. Den Pflegeparteien gab der Vorstand je 2 Laib Brot und 1 Paket Tee. Der Hietzinger Franenverein hat für die Fürsorge der verlassenen.Kinder, respektive für Bekleidung derselben ans seinen Vereinsmitteln X 1700.— ausgegeden, weiters für diesen Zweck von privaten Wahltätern einen namhaften Betrag erwirkt, ebenso Naturalien besorgt. Eine sehr schöne Einführung hat der Hietzinger Franenverein damit getroffen, daß er Pflegeparteien, welche ihre Schützlinge außerordentlich fürsorglich pflegen, eine Prämie zuweist und erhielt sowohl im Vorjahre, wie auch in diesem Jahre je eine Pflegepartei je e i n e n D u k a t e n als Geschenk. Der Vorstand spricht allen Spendern den Dank und seine Anerkennung aus. Hierauf wird zur Tagesordnung übergegangen. Budget pro 1910. Finanzreferent Max Frauk: Sehr geehrte Herreu! Ich beehre mich Jhueu hiemit deu Vvrauschlag der fiuauzielleu Gebahruug unserer Gemeiude für das Jahr 1910 vorzulegen, wonach sich die Ausgaben mit K 2,983.215-67, die Einnahmen mit K 2,873.038-85 beziffern, so daß sich rechnnngsgemäß ein unbedeckter Fehlbetrag von L 110.176-82 ergibt. Nebst dem werden wir im . nächsten Jahre außerordentliche Ausgaben von K 180.000 zu leisten haben und zwar K 100.000 Kaiser Jubilänmsspende für das der Vollendung nahe Knabenwaisenhans und K 80.000 als voraussichtlichen Bedarf im Jahre 1910 für die im Bau befindliche Mikwah. Diese K 180.000, welche im Voranschläge auf Seite 131 verzeichnet sind, sowie die bisher für den Mlkwahban verauslagten Summen werden wir nach Fertigstellung des rititellen Bades im Wege eines aufzunehmenden Anlehens zu bedecken haben, da sie aus der ordentlichen Gebahrung der Gemeinde selbstverständlich nicht getilgt werden können. Solange dies aber nicht der Fall ist, vermehrt der genannte Betrag das voraussichtliche Defizit des nächsten Jahres und wir haben demnach vorläufig mit einem unbedeckten Gesamtmehrerfordernis von K 290.176 82 zu rechnen. Einer alten Gepflogenheit folgend, werde ich zunächst die wesentlichen Veränderungen, die sich in den einzelnen Abschnitten gegen das Vorjahr ergeben, erörtern und erst zum Schlüsse meine Ansichten über das sich uns bietende Gesamtbild und über die Znkuuftsaussichten zu eitttvickeln mir erlauben. Abschnitt A. „Beth ä u s e r-, Kultusu n d rituelle^ Angelegenheiten" benötigt im Voranschlag um ca. K 24.000 weniger als im Vorjahre und zwar Kapitel 1 L 8000 wegen Pensionierung eines Funktionärs, Kapitel 3 K 2000, weil der für die Renovierung im Vorjahre eingesetzte gleichhohe Betrag Heuer natürlich entfällt, Kapitel 5 K 2700 ans gleichen Gründen, Kapitel 7 K 1000 Plus wegen Vermehrung der Minjanim, Kapitel 10 K 3000 Erhöhung der

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