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Die Wahrheit · 1909-12-17 · Heft 49 (17.12.1909) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 49 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 49. Blut machen und ein Erfolg wäre ganz ausgeschlossen. Ich kann nur von der Kanzel herab die Beobachtungen der Gebote mit aller Schärfe betonen. In die Töpfe schauen kann ich nicht. Wir sagen ja auch den Kindern in der Schule : Tut dies und das nicht, denn es ist Sünde und Gott bestraft den Sünder. — Da kommen die Eltern und sagen: Kinder können keine Sünden haben!" „Die Kinder, die Schinken essen, sollen ein Nichtgenügend aus Religion bekommen!" Dr. Fuchs mußte über den heiligen Ernst des Alten lächeln. „Das geht schon gar nicht, Herr Rat. Wir Lehrer haben die Kenntnisse und nicht die H a n d l u n g e n zu beurteilen. Leider hat der jüdische Religiouslehrer nicht dieselbe Macht in Händen, wie der kleinste Katechet. Geben Sie dem Kinde eine schlechte Note, dann drohen die Eltern mit dem Austritt aus dem Judentum! — Aber vielleicht wollen mir Herr Rat auch die übrigen Forderungen der Herren Orthodoxen bekannt geben?" ..Es ist so ziemlich alles. Aber geben Sie sich keine Mühe, Herr Doktor, es ist wirklich schade; da gibt es einen Heller und einen Mondschein und noch einige, die geben um keinen Preis nach. Dr. Süß ist bald für das eine oder andere zu haben, er will Ruhe und Ordnung in der Gemeinde, aber die anderen-" „Wenn aber die Majorität nachgibt, würden Herr Rat auch dafür sein?" „Ich gebe Ihnen mein Wort, mir ekelt schon vor der ganzen Machloike*) Ich bin alt und will Rnhe und Frieden haben, aber wenn ich gereizt werde, kann ich nicht schweigen." „Würden Herr Rat an einer Enquete beider Parteien, die ich ehebaldigst einberusen möchte, teiluehmen?" „Recht gern, wenn ich weiß, daß die Beratung von Erfolg sein wird." „Ich werde meinen ganzen Einstuß geltend machen, damit die Sache bis zu den Feiertagen bereinigt werde. Denn die Dinge sind teils so berechtigt, teils so einfach, daß es sehrtraurig wäre, deshalb Streit vom Zaune zu brechen." „Möge Ihnen Gott zu Ihrem Werke helfen, Herr Doktor. Aber ich sage Ihnen nur das eine, wenn bis Rösch haschono **) keine Aenderung eintritt, dann machen wir uns ein eigenes Minjan." ***) „Das wird der Vorstand nicht gestatten." „Wer kann eine häusliche Andacht verbieten?" „Au einer häuslichen Andacht dürfen nur die ttächsten Verwaudteu teilnehmen." „Dann rufen wir eine § 2-Versammlung ein. Aber das geht doch?" „Und die Tagesordnung?" „Die Tagesordnung ist: gottesdienstlicher Vortrag!" „Auch das wird die Behörde nicht erlauben. Aber lassen wir das, Herr Rat. Ich hoffe zuversichtlich, daß wir uns bald, gratulieren werden." * „Wozu? Ihnen zu einer reichen Braut?" fragte Steinherz lachend. „Nein, nein, zn einem Erfolge," erwiderte Dr. Fuchs. »Warum nicht zn einer Braut? Wenn Sie aber wählen, Herr Doktor, dann nicht hier." „Weshalb denn nicht, Herr Rat?" „Eine Frau und besonders eine Rabbinersfrau muß gescheit sein, sehr gescheit sein und das sind hier leider sehr wenige." „Das soll sich doch nur ans die Mädchen beziehen? Ich habe einige bereits kennen gelernt, ich kann nur das Beste sagen!" „Ja. aber nichts für einen Rabbiner. Keine Frömmigkeit, kein jüdisches Herz. Gott soll Ihnen Ihre Mutter noch langeerhalten, aber ein Rabbiner soll eine Frau haben. Offen gesagt ein lediger Ra w gefällt mir nicht." „Ich kann doch nicht früher heiraten, bis ich nicht eine fixe Anstellung habe." „Da haben Sie allerdings recht." Sie waren bei der Wohnung des Rabbiners angelangt und Dr. Fuchs wollte sich empfehlen, da meinte Steinherz: „Sie fragen mich gar nicht, wie mir Ihre Predigte ge-- fallen?" „Ich pflegte nie eine Kritik herarlsznfordern, wenn ich. Ihnen aber mißfalle, Herr Rat, dann bitte, wollen Sie es mir nur sagen." „Sie sind noch jung und sprechen nicht schlecht. Sie haben auch etwas Originalität, aber Toire, Gemore, Mischne*) — das hört man wenig." „Nun, das wird ja kaum der eine oder andere verstehen, und ich kann ja unmöglich ans Kosten einiger Leute das ganze Publikum langweilen." Steinherz sah ihn groß an, er aber zog tief den Hut und verschwand lächelnd im Hanse. „Nun, Lntschi, was war dort?" fragte ihn die Mutter. „Die Frau ist eine gute Seele und auch den Rar werde ich bald gewonnen haben. Er hat mich bis hieher begleitet." „Siehst Du, siehst Du! Ueberall suchst Du Dir nur Hindernisse in den Weg zu legen und immer zitterst Du und verlierst den Mut. Merke es Dir: Niemand kann uns ü b e l w o l l e n, w e u n w i r i h m ' k e i n e V e r a u l a s s u n g, dazu, geben 1111b nur ein schlechter Mensch kann uns ohne Grund feind sein." — — Die folgenden Tage hatte Dr. Fuchs noch mehrere Besuchezn absolvieren; besonders bei jenen Herren, die erwachsene Töchter hatten, hielt er sich länger ans. Einige Fräulein kannte er schon, sie wurden ihm gelegentlich vorgestellt. Ein blondes, hübsches Mädchen, die Tochter des Kullusrates Heller, gefiel ihm sehr gut. Die Heller hatte eine höhere Töchterschule besucht und war auch ziemlich belesen. Mit ihr unterhielt sich Dr. Fuchs am liebsten, aber er mußte auch die anderen Mädchen manchmal begleiten und manchmal besuchen, um nicht den Anschein zu erwecken, daß er irgend eilt Fräulein vorziehe. Er fügte sich bald in das Unvermeidliche und schrieb auch jede Woche seiner Braut über alles, was vorging, dann erhielt er stets ein liebes Antwortschreiben, in dem Grete ihrer Freude über die steten Erfolge des jungen Rabbiners Ausdruck gab. (Fortsetzung folgt.) Austritte aus dem Indeutum. Ls o ck Gskar, Fabriksdirektor, geb. 24. August 1877 in Prag, VII.,. Siebensterngaffe 35. Schuh Richard, geb. 18. März 1879 in Wien, VII., Schottenfeldg. 55- Münzer Viktor Alexander, Beamter der Lreditanstalt, geb. 30. Oktober 1876 in Wien, VIII., Alserstraße 41. Münzer Jda geb. Hauerdorfer, Beamtensgattin, geb. 8. Juli 1878 irr Wien, VIII., Alserstraße 41. R a b e l Bertha geb. Fittinger, Advokatensgattin, geb. 22. April 1850 in Lipnik, Bz. Biala, Galizien, IX., Schwarzspanierstraße 9. Wolf Edith Philippine. Bürgerschülerin, geb. 18. November 1895 in Wien, IX., Berggaffe 7. Strauß Paul Sidney, Buchhalter, geb. 30. Mai 1862 in Frankfurt a/M., VIII., Lerchenfelderstraße 66. Birnbaum Josef, Beamter, geb. 24. Jänner 1880 in Wien, H.r Ob. IZonaustraße 5. *) Streit. **) Neujahr. ***) Gottesdienstliche Zusammenkunft von mindestens zehn Leuten. | *) Bibel, Talmud, Tradition. wenn Sie verschnupft, heiser, verschleimt sind und schwer athmen, Feller's Fluid m. d. M. „Elsastnid". Wir überzeugten uns selbst bei Brustschmerzen,^ Halsweh rc. von seiner heilenden, hustenstillenden, erfrischenden Wirkung. Probedutzend 5 Kronen, zwei Dutzend . 8 Kronen 60 H. franko. Erzeuger nur Apotheker E. V. Feiler in Stubica, Elsaplatz Nr. 153 (Kroatien.)

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