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Die Wahrheit · 1909-12-17 · Heft 49 (17.12.1909) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 49 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 49. Die Wahrheit Seite 9. 'I. Frommer u. v. a. Nachdem Oberkautor Gi blich manu das von ihm selbst in Musik gesetzte Na Towu weihevoll und erhebend vorgetragen hatte, hielt der Bereiusrabbiner, Herr I. L. A b e l e s, die Festpredigt. deren Thema die sinnige Midraschstelle zu dem Schriftsätze von dem kleinen Mantel war, den die fromme Mutter Hanna ihrem Sohne Samuel in seiner Jugend gemacht hat. Der Mantel war die Gottesfurcht, die Begeisterung für Gott und dessen Lehre. In diesem Mantel ist Samuel groß geworden, er legte ihn während seines ganzen Lebenslaufes nicht ab, nahm ihn auch mit ins Grab und zog mir ihm ans dem Grabe hinein in das ewige Leben. Nach dem Anzünden des Channkahlichtes wandte sich der Vereinsrabbiner an die versammelten -52 Schüler der Bibelschule, indem er sie unter Hinweis ans die Bedeutung des Chanukahfestes für die Gotteslehre und deren heilige Satzungen zu begeistern suchte. Mit den das Chanukahfest verherrlichenden Borträgen .zweier Schüler der beiden Abteilungen schloß sodann dieses schöne Fest. Der Bethausverein har mit der Gründung dieser Bibelschnle einem in diesem Bezirksteile vielfach empfundenen Bedürfnisse Rechnung getragen und dies umso mehr, als die Kinder armer Eltern unentgeltlich unterrichtet und mit beu Lehrmitteln versehen werden. Zum Schlüße fei noch hervorgehoben, daß der Obmann der Schulsektion, Herr Samuel Adler, aus eigenen Mitteln die ganz modern ausgestattete Schnleinrichtung beigestellt hat. Wien. (H i e tz i n g e r israelitischer Frauenv e r e i n.) Am 9. Dezember 1909 fand im „Parkhotel Schönbrnnn" die Chanukafeier des Bereines statt, anläßlich welcher 86 Kinder bekleidet wurden. Es sind dies die verlassenen Kinder, welche seitens einer Kinderschntzbehörde gemeinsam mit der Kultusgemeiude zumeist bei fremden jüdischen Familien in Pflege gebracht sind. Der Verein übt seit zwei Jahren die Jnspektiou über diese Kinder aus und beteilt sie aus cigeneu Mitteln je nach Bedarf in streng individneller Weise. Es erhielten die .Kinder nach Maß gearbeitete Kleider, Wintermäntel, Schuhe und drei Stück der nötigen Leibwäsche, Spielsachen, Unterhaltungsbücher und eine gute Jause. Die Pflegeparteien bekamen ze zwei Laib Brot und ein Päckchen Tee. Eine Frau erhielt für die außerordentliche Fürsorge, die sie ihrem Pflegekinds angedeihen läßt, eine Prämie von einem Dukaten. Zur Feier hatten sich als Gäste des Bereinsvorstandes, an dessen Spitze die Damen Laura K r e n b e r g e r, Hermine B e r n f e l d und Gisela Z i r n e r stehen, eingesnnden: Herr kais. Rar Dr. Lieben, Frau Regine Land eis, Frau Dr. Rappapvrt („Zuflucht"), Frau Dr. Helene Schen-Riesz, Frau Hofoperusäugeriu Fraucillo K a u f m a n u, Herr Hofopernsäuger Josef S ch w a r z. Herr Anton P i ck, Amtsleiter Rudolf Kraus und Frau. Nach der Begrüßung durch die Präsidentin wurden die Channkalichter durch den Kantor des Hietzinger Bethanses angezündet. Sodann hielt Herr Direktor Dr. S. K r e u b e r g e r an die Kinder eine das Channka-Fest erklärende, formvollendete Ansprache. Nach dem Gesänge der Volkshymne erhielten die Kinder ihre Geschenke durch die Borstandsdamen. Wien. (Eine E r i n n e r n n g s f e i e r der „H o l l e s ch a n e r".) Der gesellschaftlich bekannte humanitäre Verein der „Hvlleschauer" in Wien, der heute bereits 170 Mitglieder zählt, veranstaltete am 7. d. M., am ersten Chauukaabende einen geselligen Bereinsabend im Prachtsaale des .Hotels Guth, II., Stephaniestraße, der sehr zahlreich besucht wurde. In der Begrüßungsrede erinnerte der verdienstvolle Vereinspräsideut, Herr Albert L ö w, an die traurigen Judenexzesse in Holleschau, die sich am Chanuka vor 10 Jahren in der Heimatgemeinde abgespielt haben. Hierauf ergriff der als Festredner erschienene Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. I. Frelmann ans Holleschau das Wort und schilderte in einer unvergleichlichen Art den Werdegang der historisch berühmten Gemeinde Holleschan. 'Auf Ziffern und Statistischen gegründet, gipfelte der Vortrag in der Ueberzeugnng, daß den Inden Mährens ihre Rechte umsomehr gebühren, als daß sie uralte Bewohner des Landes seien, und jedes, selbst das geringfügigste Menschenrecht sich mir schweren Opfern erkanft haben. Die Emanzipation der Neuzeit brachte jedoch den Gemeinden an und für sich kaum einen Vorteil. Die Tendenz nach der Großstadt greift um sich und die zuilehmende jüdische Bildungslvsigkeit stört das innere religiöse Leben. — Hierauf folgten die Konzertproduklioue» des Frl. Grete Löwit; das Frl. Steffi Beer entzückte durch den sympathischen Vortrag mehrerer schön gewählter Lieder und Herr S. Lippa ergötzte durch seine humoristischen Vorträge. Ein Tanzkränzchen vollendete den wohltuenden Eindruck dieses .Festes, welches als lebendiges Zeugnis einer ausrichtig empfundenen Zusammengehörigkeit der in Wien ansäßigen Holleschauer mit ihrer Heimatgemeinde empfunden wurde. Wien. Herr Dr. Leopold S t e i n, Honorar-Komilotsvberphysikiis des Preßbnrger Loinitais. Nitter des Franz Josess- Ordens. ehemaliger Kliltnsvorstand, Präsident mehrerer Preßbnrger Wohltätigkeitsvereine, ist am 13. d. M. in Preßbnrg im 73. Lebensjahre gestorben. Dr. Stein, Vater des bekannten Wiener Zahnarztes Dr. Koloman Stein, stndierte an der Wiener medizinischen Faknllüt und war lange Zeit Sekretär L. A. r a n k l s. In Preßbnrg gehörte er zn den angesehensten Aerzren und Bürgern und wirkte uamelltlich aus dem Gebiete der Wohltätigkeit. Das israelitische Mädchenwaisenhans, die Volksküche, die Kleinkinderbewahranstalt, das Altersversorgnngshans wurden durch ihn teils ins Leben gerufen, teils zur Blüte gebracht und unvergessen bleibt seine humane Tätigkeit als Armenarzt nnd 'Physikns sür die Hygiene des Preßbnrger Komitats. Dr. Stein .ivar auch Stad-trepräseiltant owi Preßbnrg. Prag Am 10. d. M. feierte die Meiseliynagoge das 25 jährige Jubiläum ihres Predigers. Rabbiner und k. k. Professor Dr. A. Kisch, durch einen vom Gesanuvorstande wie zahlreichen Andächtigen besuchten Gottesdienst. Dr. Kisch wirkte als Erzieher im Hause Baron Hör. G ü n s b u r g in Paris, 1874 als Rabbiner in Brüx, daun Zürich und Jungbunzlau und kam 1884 an die Prager Meiielsynagoge, wo er also seit 25 Jahren als Prediger wirkt. Er ist auch Feldprediger nnd k. k. Religionsvrofeffor (VIII. Rangsklafse) am StefailSgymnasium in Prag, wie seit 1899 Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes; anläßlich der Dankesandienz Dr. Kisch' sprach der Kaiser unvergeßliche Wiiitte der Liebe nnd Güre, die uns die tröstende Gerechtigkeit unseres Herrschers zeigen. Möge es Doktor Kisch gegönnt sein, noch viele Jahre im Kreise seiner Familie wie seiner ihn schätzenden Verehrer sich großer Erfolge zu erfreuen und die Regierung endlich auch für die israelitischen Religionslehrer zeitgemäße Bezüge schaffen, die so dringend sind. Neusatz. Für die hiesige Kultusgemeiude, wurde Herr I. L a m - berg aus Kolm, nach einem mit großem Beifalle absovierren Probevortrage als Oberkautor gewählt. Karlstadt. (Leichenbegängnis.) Sonntag, den 12. d. M.. wurde der Vizepräsident der hiesigen Killcnsgemeinde, Herr Max Heinr i ch. der über 50 Jahre sowohl dem Ausschnsfe der Kulrusgemeinde, als auch dem der Chewra Kadischa angehörte, unter überaus zahlreicher Teilnahme der hiesigen Bevölkerung zu Grabe getragen. Nachdem der Sarg in den Leichenwagen gehoben wurde, sprach Abgeordneter Gustav Modrus ch a n, im Namen der Stadtgemeinde und seiner Partei. Die Tranerpsalmen trug Oberkantor David Meise! mit dem Tempelchore vor, worauf Rabbiner Dr. B. Schick dem Verstorbenen einen Nachruf widmete. Meran. Nachträglich sei berichtet, daß bei der Leichenfeier des verstorbenen Herrn Dr. W. H e r s ch. geschäfcssührenden Vizepräsident des Bereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran", die kantoralen Funktionen Herr Oberkautor Leopold Löwy aus Meran in riefergreiseuder Weise versah. Durch ein Versehen ivurde dies im vorigen Berichte vergessen. Berlin. Vorbereitnngskurse für Chordirigenten und K a n t o r e n sollen Anfang Jänner 1910 für die Dauer eines halben Jahres vom Vorstand der jüdischen Gemeinde eingerichtet werden. Zur Teilnahme an dem Unterrichte werden in erster Reihe alle diejenigen zugelaffen, welche an den hohen Festtagen in der Berliner jüdischen Gemeinde das Amt eines Chordirigenten oder Kantors zu erlangen wünschen; jedoch ist anch anderen Interessenten, dem Raum entsprechend, der Zutritt gestattet. Die Borbereitttngsknrse sind nnentgelrlich und finden je einmal wöchentlich, abends, im Chvrzimmer. Oranienburgerftraße 30, statt. Anmeldungen sind bis zum 1. Dezember d. I. an die Kommission für die festgottesdienstlichen und musikalischen Angelegenheiteu, Oranienburgerstraße 29 fff, einzureichen. Da der Zufluß von Teilnehmern jedenfalls ein großer sein wird, dürste wohl der Vorstand bei Zeiten statt eines Zimmers einen Saal ins Auge fassen. Jüdisches Theater. (Hotel Stephanie, Taborftraße 12.) „Der Lumpensammler", Volksstück mit Gesang von Prof. M o r i ß, Musik von M e i i e l, führt uns die Charakterfigur eines jüdischen Armen vor, dessen Beruf das Sammeln von Lumpen ist. Er ist ein Säufer, da er aber im berauschten Zustande einen Mord nicht verhindern konnte, schwört er, nie wieder zu trinken. Diesen Mord begeht ein anderer Lumpensammler. der sich dadurch bereichert. Nach 20 Jahren sehen wir nun den Mörder mit feiner Tochter als reichen Bankier: den alten Luiiipensaminler aber als Ziehvacer der Tochter desjenigen, den der Bankier ermordet. De» Gegensatz dieser beiden Charaktere, den verschmitzten Schurken als Bankier, den gutmütigeil durch und durch ehrlichen Lninpensammler, zeigt uns Prof. M o r i ß in einigen geluiigeneu Szenen. Den Lumpensammler gibt Direktor Siegler mit Meisterschaft, seine natürliche Wiedergabe des Säusers sowohl, als auch die Charakterisierung des Ehrenmannes im Bettelkleide sind zweifellos künstlerische Leistungen. Nur eines möchten wir nicht unerwähnt lassen: Der Witz wirkt einmal gebraucht, schlagend und treffend, wiederholt aber wird er banal und wirkungslos. Dies gilt auch für die anderen. De» Bankier wurde von Herrn Aschkenasy sehr treffend gezeichnet iuiö tue arme Waise, der sich der Lumpeniammler als „Großvater" des Städtchens angenommen, fand an Fräulein W e i ur r a u b eine verständnisvolle Darstellerin. Dieses junge Mädchen ist ohne Frage eine künstlerische Natur, der eine große Zukunft bevorstehr. Sie weint und lacht, wie wenn sie wirkliches Leben darftellen würde und so ist ihr ganzes Spiel eine Glanzleistung. Einige hübsche Liedchen wurden von Herrn Siegler und Frl. Weintranb sehr schön vorgetragen. Alle übrigen Darsteller haben sich redlich und ehrlich um den Erfolg des Stückes bemüht und so sei ihnen allen Dank für den genußreichen Abend. A. H. L. «Alle Rechte Vorbehalten.) Gin neues Kicht. Von Adolf Heinrich Landau (Wiener-Neustadt>. (Fortsetzung.) „In die privaten yänslicheu Angelegenheiten darf und kann ich mich leider nicht einmengen. Das würde sehr böses

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