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Die Wahrheit · 1909-12-17 · Heft 49 (17.12.1909) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 49 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Die Wahrheit dir. 49. k. f. Religionsprofessor Dr. Heinrich Pollak würdigte in der Festrede die Verdienste des Vorstandes der israelitischen Knltusgemeinde um die Erhaltung der Bersorgungsanstalr, ni welcher 300 greise und sieche Menschen verpflegt werden und gedachte der 10 jährigen ersprießlichen Tätigkeit des Ehrendanlenkomitecs. Nach dem Gottesdienste wurden die Pfleglinge reichlich bewirtet und mit Geschenken edler Wohltäter bedacht, wofür denselben herzlichst Dank gesagt wird. Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e, XL.. Othmargasse 46.) In der abgelaufenen Woche gab es m der Wiener Jüdischen Tvyubeehalle recht viel Freude für Groß und Klein. Im Hinblicke ans die Chanukkawoche waren vier Abende speziell der jüdischen Geschichte gewidmet. - Samstag, den 11. d. M. nahm Herr Oberkantor Don Fuchs, assistierr von einem Männerchor das feierliche Entzünden der Chanukka-Lichter vor und daran, schloß sich ein von demselben arrangierter Konzertäbend, welcher das Auditorium, dos die Halle bis aus das letzte Plätzchen füllte, zu stürmischen Beifallskundgebungen hinriß. In Arien, Liedern und Duetten kam die herrliche Slimme und die symparhische Sangesweife des Herrn Don Fuchs zu schönster Geltung. Ein junger Bassist, Herr Arthur Wolf, fand in Soloverlrägeu und im Duett mit Herrn Don Fu.chs (Duett aus der Oper „Die Jüdin") Gelegenheit, schöne Stimmittel und gute Schulung zu zeigen und man lernte diesen Sänger als höchstbegabten Komponisten kennen, der zu Dichtungen von Morris Rosenfeld tief ergreifende und klangschöne Melodien erdachte. Lebhaften Beifall fand der 11jährige Pianist H n v k a. Von mächtiger Wirkung waren die von Herrn Oberkaulvr Don Fuchs mir Mitgliedern des Wiener Synagogensänger- Bereines einstudierten Chöre. Wohlverdienter Tank und herzliche Anerkennung wurde dein Arrangeur des schönen Abends guteil. Der Sonnrag war der armen Schuljugend des 20. Bezirkes gewidmet. Da gab es in der Toynbechalle eine Channkka-Festjanse, mir welcher die Serie der diesjährigen Kinderjansen eröffnet wurde. Diese Feste für die Kleinen gehören zu den schönsten 'Einrichtungen der Institution. Sie bezwecken, den armen Kindern, die ans den allerärmsten Kreisen stammen und sonst den Sonnlag nachmittag auf der Straße zubringen würden, in der Halle angemessene Unterhaltung durch Spiel und Gesang zu bieten, sie zu bewirten und mit Gegenständen zu beschenke», deren sie bedürfen. Bald sind es Kleider und warme Wäsche, bald Bücher und Spielzeug, kurz jeder der kleinen Gäste erhälr sein „Souvenir". 1132 Kinder hatten sich für die Cyanukkajause angemeldet, doch die Ranmverhältnisie gestatten nur die Teilnahme von 300, so daß die übrigen erst an den folgenden Sonntagen der für sie bereiteten Freuden teilhaftig werden. Beteiligt wurden jedoch bereits in der Chanukkawocke 500 Kinder. Und wahrlich! Viel Not gibt es da zu lindern. Die Vorräte an Bekleidungsgegenständen können nicht groß genug vorgesehen werden. Der Obmann-Stellvertreter der Toynbeehalle, Herr Karl Freund, ist es, der diese Veranstaltungen umsichtsvoll leitet inid die Mittel dazu herbeischafft. Ihm stehr ein Damenkomitee, bestehend ans den Damen : Frau Prof. Dr. E h r m a n n und Töchter. Frau Marie Freund, Frau Dr. Kornfeld und Frau Tngendhat zur Seite. Zur Chanukka-Feier hatten sich eingefunden: Der Präsident der israel. Kultusgemeinde. Herr Dr. Alfred Stern, mit dem erstell Sekretär, Herrn kais. Rat Dr. Lieben. Kultusvorsteher Prof. Dr. S. E h r m a n n, Schulmspektor Prof. M. Kanitz, die kaiserlichen Räte Direktor Frendenberg und Jaques F e i t l e r. Kommerzialrat R o s e n z w e i g, Bankier Tugendhat. Bethausobmann Hermann E l t b o g e n und viele andere. Mit einer herzlichen Begrüßungsansprache eröffnete Obmann-Stellvertreter Karl Freund die Feier. Hortleiter R o s e n h e ck schilderte den Kindern in einer trefflichen Rede die Bedeutnug des Chanukkafestes und nun folgten musikalische und deklamatorische Darbietungen der Kleinen, ernsten und heiteren Inhalts. Bewirtung und Beteiligung schloßen sich daran. Der Präsidenr der Kultusgemeinde, Herr Dr. Stern, nahm Anlaß, den Veranstaltern freundliche Worte der Anerkennung zu zollen lind wandte sich hierauf den Kindern zu, für die er liebevolle und herzliche Worte fand. Es war schon abend, als die Kleinen glückstrahlend die Räume verließen. Montag, den 13. d. M., sprach Herr Dozent Dr. I. Zappert in der Toynbee-Halle über „Jüdische Mädchenberufe". Auch dieser Vorrragsabend, an den sich eine rege Diskussion schloß, war durch die Anwesenheit des Herrn Kultus-Präsidenten Dr. Stern ausgezeichnet, welch letzterer Gelegenheit nahm, das Jntereffe der Frauen und Mädchen für den Krankenpflegerinnenberuf zu wecken, indem er auf die verdienstlichen Bestrebungen des Kaiserin Elisabeth-Institutes zur Heranbildung jüdischer Pflegerinnen hinwies. Ihm sowohl, als auch dem Vortragenden des Abends wurden seitens der Hörerschaft lebhafte Ovationen dargebracht. — Das nächstwöchentliche Borrragsprogramm wurde wie folgt festgesetzt: Samstag, den 18. Dezember: „Konzert". Sonntag, den 19., Kustos Dr. B. W a chstein: „Jüdische Familiennamen". Montag, den 20., Dr. M. Reiß: „Rechtswiffenschaftlicher Zyklus". Dienstag, den 21.. Lehrer Josef Weiß: „Literarischer Abend". Mittwoch, den 22., Prof. Dr. Edm. Jerusalem: „Das Zeitalter der Aufklärung" (III). Donnerstag, den 23., Dozent Dr. Roth: „Körperliche Erziehung". Freitag, den 24., „Bibelvortrag". Wien. Sonntag, den 5. d. M. fand im Festsaale der Börse für landwirtschaftliche Produkte, II., Taborstraße 10, die Feier der Beteilung und Bekleidung armer alter Frauen seitens des im Vorjahre anläßlich des Jubiläums Sr. Majestät gegründeten Wiener Jubiläums-Vereines zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Frauen statt. Der äußerst geräumige Saal ,var bis ans das letzte Plätzchen von einem distinguierten Publikum gefüllt; man bemerkte unter den Anwesenden den Vizepräsidenten der Knltusgemeinde, Dr. Gustav K o h n, mit den zwei Vorstehern. Herren Dr. Markus Spitzer und Adolf S ch r a m e k. Bethausvorsteher Wasservogel. Bezirksausschuß und Armenrat Otto, kaiserl.. Rat Krüger, die Vorsteherin des Brigittenauer Franenvereines, Frau Dr. Weiß, die Präsidentin des' .Kinderschutzvereines Frau Zern er und viele Repräsentanten verschiedener Vereine. Die Feier begann mit einem vom trefflichen Chore des Leopoldstädrer Tempels ausgeführten Gesänge, woraust Ausschußmitglied, Herr Dr. Ern st, die Anwesenden herzlichst begrüßte, welche gediegene Rede in einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät als Beschützer alles Guten ansklang, in welchem das massenhaft versammelte Publikum stürmisch einfiel und mit dem Chore die Volkshymne in einer solchen Weise sang, daß viele zu Tränen gerührt waren. Das von Dr. Alexander Singer vorzüglich verfaßte Festgedicht wurde von dem Mitgliede des Deutschen Volks-Theaters, Herrn Theodor Weiß, in solchglänzender, und die Not und das Elend dieser armen Leute in so packender und zum Herzen dringender Weise vorgetragen, daß iviederbolt stürmischer Applaus den Vortragenden unterbrach. Die Festrede hielt Se. Ehrwürden, Herr Prediger Dr. David, welche ans alle Anwesenden den besten Eindruck machte. In Vertretung des Bürgermeisters, Herrn Dr. Lueger, hätre Gemeinderar, Herr Kleebinder, erscheinen sollen, der aber leider erkrankc ist ' und sein Fernbleiben brieflich entschuldigte. Namens der" Knltusgemeiude dankte Vizepräsident Dr. Gustav K o h n den vollzählig erschienenen Damen und Herren des Ausschusses in kernigen Worten und munterte solche auf in dieser so segensreichen Weise fortznsahren. Nachdem noch zum Schluffe das Mitglied der Hofoper, Herr Stricks, einige Lieder in sehr gelungener Weise zum Vortrage brachte, endete diese schöne Feier und fand die Bekleidung und Beteilung von 60 alten Frauen mit warmer Winrerkleidung und Lebensmitteln in reichlicher Weise statt. Wien. Im Mädchenwaisenhause der Charlotte M e r o r e s - Jtzeles-Sristun g wurde Sonntag nachmittags eine überaus solenne und würdevolle Chanukafeier abgehalten. Die Zeremonie begann mir dem Anzünden der Lichter durch ein Mädchen, hierauf saugen die Zöglinge das Weihelied ,.Moauss zur“ und das Gedicht „Menorali“, von Theodor Herzl, wurde ebenfalls von ' einem Mädchen trefflich wiedergegeben. Tiefen Eindruck machte die Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Fenchtw a n g. Er lenkte zunächst das Interesse der Kinder auf das schöne Fest, daß ja in den Kinderherzen so lebhaften Widerhall findet und apostrophierte im weiteren Verlaufe seiner Aussührnngeu auch die Erwachsenen, die durch die den Kindern gebotene Freude selbst dieses so angenehme Gefühl empfinden. Ein vom Musiklehrer des Institutes I. Herz vertontes Lied „O ihr lieben Lichtelein" bekundete die tüchtige musikalische Schulung der Zöglinge, ebenso wie die Rezitation der Dichtung „Die Lampe" von M. Har t> m a n n erkennen ließ, daß die Mädchen eifrigen Schulbesuch pflegen. Nachdem Vortrage eines Liedes wurden die Zöglinge in den großen Sitzungssaal geleitet, woselbst ihrer die für sie bestimmten Geschenke warteten, die mit freudestrahlenden Gesichtern und mit Dankbarkeit im Herzen gegenüber ihren Gönnern entgegenommen wurden. Nach einer Jause führten die Zöglinge zwei Märchenspiele auf: „Nothkäppchen" und „Katzenschnle" und konnten hier sich ganz der Lustigkeit hingeben, die ihnen denn auch gerne gegönnt wird. Um das Gelingen des Abends machten sich in erster Linie die ihres Ehrenamtes umsichtig waltende Frau Adele von M i s e s, sowie durch ihre Tüchtigkeit sich besonders anszeichnende Direktrize Fräulein Lehman n verdient. Beide Damen wurden durch die für den edlen Zweck gerne wirkenden Schutzdamen liebevoll unterstützt. Unter den Anwesenden, die mit aufrichtiger Freude dem schönen Verlaufe des Festes folgten, bemerkte man: den Präsidenten Dr. Alfred Stern mit den Vorstandsmitgliedern kais. Räten Wilhelm P o l l a k und Jonas , W e i 1, Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, Kommerzialrat Engel von Jan o s y, vom Kuratorium der so segensreich wirkenden Anstalt die Herren Hofrat Dr. Rappaport und Dr. Felix K a tz a u mit Schwester Frau Adele Werthei mber, ferner die Herren Professor Dr. Guido Adle r, die Vorsteher der Armenanstalt Josef Jelinek und Wilhelm Pappenheim, Rabbiner Dr. Taglicht, den Anstaltsarzt Dr. H a a s e, Direktor Fischer von der Kinderbewahranstalt, viele Damen u. A. nt. E. I. Wien. Der Allgemeine Kranken-Unterstützungs-Verein „Menschenliebe", Wien, H.Bezirk, veranstaltete Samstag, den 11. d. M. im „Hotel Post" einen Vortragsabend mit nachfolgendem Tanz-Kränzchen, der sich zahlreichen Besuches erfreute. Die Veranstaltung nahm, dank der Bemühungen der artistischen Leiter, Herren Dr. Jgaz Körner und Max B e l l a k, einen sehr amüsanten Verlauf unb dürfte dem Vereine auch ein Reinerträgnis abwerfen. Der Verein ,,Menschenliebe" entfaltet feit einer Reihe von Jahren eine äußerst segensreiche Tätigkeit und erfuhr in letzter Zeit durch Angliederung eitles Witweunnd Waisenfottdes eine Erweiterung seiner ersprießlichen Wirksamkeit. Besondere Verdienste um die Leitung und Entwicklung des Vereines haben sich der Obmann, Herr Dr. Julius Steinschneider und der Schriftführer, Herr Josef Back, erworben. Wie«. (B e t h a u s v e r e i n „Am Volker t") lieber Vorschlag der Schulsektion veranstaltete der Bethausvorstand am 8. Dezember anläßlich der Gründung und Einweihung der Sprach- und Bibelschule (Talmud-Tora) im Vereinstempel einen Channkah-Festgottesdienst. Nebst dem Gesamtvorstande mit dem Obmanne. Herrn Adolf schrämet an der Spitze und den Mitgliedern der Schulsektion unter Führung des Obmannes. Herrn Samuel Adler, waren erschienen: Die Herren Rabbiner Dr. David und Dr. Bauer, die Vertreter der Sprach- und Bibelschule des XX. Bezirkes, Herr Josef K o h.n, als Obmann und Herr Heinrich Weiner als Beirat. Herr W. Pappen hei m als Vertreter der Bibelschule in der Schiffschule, die Herren Bernhard Hofbauer, Moritz R o f e n b l a t t, Isidor W ü n s ch, Josef Popper,

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