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Die Wahrheit · 1909-12-10 · Heft 48 (10.12.1909) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 48 (10.12.1909)
Date
1909-12-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 48. brachte. Die Kugel aus Spitzers Leibe erhielt der assistierende Tr. Hoffmann, es war eine kostbare Reliquie, die er vor einigen Jahren in Begleitung einer sehr interesiauteu Monographie dem Wiener jüdischen Museum übergab, das dieses ungemein wertvolle Geschenk sehr in Ehren hält. Dem Judentume blieb Dr. Hoffmann, der zu den höchsten offiziellen Kreisen Beziehungen hatte, zet seines Lebens immer treu, und eine hingebungsvolle Gattin, die Schwester des Brünner Kultus-Vizepräsidenten, des Herrn Fabrikanten Leopold Bauer, Frau Dr. Henriette Hoffmann, nahm an allen Liebeswerkeu ihres Gatten, im Vereine mit ihren zwei wackeren Söhnen und deren Familien, regen Anteil. Noch wollen wir der innigen Freundschaft erivähnen, die den Verewigten mir dem mährischschlesischen Landesrabbiner, Ehrw. Herr Dr. B. Placzek, dem langjährigen, geistvollen Mitarbeiter dieses Blatres, verband. Segen dem Andenken dieses Menschenfreundes! LI. A. Prag. Am 2. Dezember feierte Herr Oberlehrer Siegmund Springer, Obmann des israelitischen Lehrervereines Böhmens, seinen 60 Geburtstag, eine Feier, an die die weitesten Kreise inner- und außerhalb Böhmens den innigsten Anteil nahmen, da Herr Oberlehrer Springer sich die größten Verdienste um die Entwicklung des israelitischen Landeslehrervereines erworben und alle Mühe. Zeit und Hingebung in den Dienst dieses Vereines gestellt hat. Wer immer bei Oberlehrer Springer Rat und Hilfe suchte, dem stand er bereitwillig bei. „Edel fei der Mensch, hilfreich und gul!" ist Springers Grundsatz. Möge dem Jubilar der Lohn seines vielseitigen, menschenfreundlichen Wirkens werden und er die volle Blüte und Entwicklung aller Institutionen sehen, an denen er direkten oder indirekten Anteil hat. Sein Familienleben ist das denkbar glücklichste, seine Kinder gur versorgt. In seinem Hause waltet eine feinfühlende Hausfrau, wohlerzogene Kinder umgeben das treusorgende Elternpaar, dem reichster Segen blühen möge. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, seiner Enkel und Enkelkinder Gluck und Blüte zu schauen und Gott ihm den Lohn unentwegter Arbeitsfreude bis an die äußerste Lebensgrenze erhalten, da er einer unserer Besten ist! Diesen Wunsch hegen mit mir alle, die Oberlehrer Springer, seine Herzensgüre und Arbeitskraft kennen. Möge der Lchrerpensionsverein auch anläßlich dieser Feier jene Würdigung und Förderung finden, die leider gerade dem jüdischen Lehrerstande beharrlich versagt ist und endlich bessere Tage kommen! Dr. H. Drohobycz. Der Kaiser gerlihte, mittelst Allerhöchster Entschließung vom 24. Oktober l. I., durch das Obersthofmarschallanil laut Zuschrift vom 30. Oktober l. I., Zl. 2387, den Herrn A. H. Z n p n i k, Redakteur der „Drohvbyczcr Zeitung", zu verständigen, daß die Nr. 14 dieser Zeitung vom 2. April l. I., enthaltend den Leitartikel „Die Friedeuspalme", der Sammlung der k. n. k. Familien-Fideikommiß-Bibliothek einverleibt und demselben der Allerhöchste Dank ausgesprochen werde. Merau Hier verschied plötzlich am 30. November, 10 Uhr vormittags. Herr Dr. Wilhelm H e r s ch, Ehrenmitglied und geschästssührender Vizepräsident des Vereines „Asyl für mittellose, kranke Israeliten in Meran". Der Verblichene, der in früheren Jahreu als Advokat in Reichenberg und Prag tätig war, erfreute sich wegen seiner vorzüglichen Charaktereigenschaften hervorragender Achtung und Wertschätzung. Das Hauptwerk seines Lebens war der Wohltätigkeit gewidmet. Er hat nämlich das herrliche Genesungsheim in Meran in seiner jetzigen Größe und Ausgestaltung ins Leben gerufen. Er hat unermüdlich gearbeitet und in kürzester Zeit durch persönliches Sammeln, wobei er von edlen Freunden unterstützt wurde, die Mittel aufgebracht, um das große fchöue Genesungsheim aufzubauen und mit allen Einrichtungen der modernsten Hygiene auszustatten. Seither hat er die ganzen Geschäfte dieser Anstalt geleitet und unermüdlich für die Aufbringung der Mittel zur Deckung der großen Regie gesorgt. Er selbst hat nicht nur für dieses Wohltätigkeitswerk die größten materiellen Opfer gebracht, sondern war wegen seiner opferwilligen Freigebigkeit gegen Arme und Leidende weit und breit bekannt. Von echtem jüdischem Geiste erfüllt, und in den Traditionen des Judentums aufgezogen, brachte er der Entwicklung des Kultus in Meran das größte Jnteresie entgegen. Sein Familienleben war ein äußerst glückliches, seine Gattin, Frau Rosa Hersch. geb. Petschek, war ihm die liebevollste, hingebendste und verständnisvollste Mitarbeiterin bei seiner edlen Lebensaufgabe. Für den Verein „Asyl für mittellose, kranke Israeliten in Meran" bedeutet sein Hinscheiden einen unersetzlichen Verlust, deu die tiefe allgemeine Trauer bei der am 2. Dezember abgehaltenen Leichenfeier im Genesungsheim, wo der Sarg des Verblichenen aufgebahrt wurde, Ausdruck gab. Eine überaus zahlreiche Traucrgemeinde von Freunden und Bekannten folgte dem Sarge und Herr Rabbiner Dr. Kurrein und der Präsident, Herr Dr. Koref, widmeten den großen Verdiensten des'Verblichenen tiefempfundene Worte der Würdigung, welche alle Anwesenden tief ergriffen. Der Verein „Asyl für mittellose, kranke Israeliten in Meran" erleidet durch das Hinscheiden des Herrn Dr. Wilhelm Hersch einen unersetzlichen Verlust und wird der Name „Dr. Hersch" im Vereine nie vergeffen werden. Petersburg. Für den hiesigen Haupttempel wurde, nach Absolvierung eines glänzenden Probevortrages, Herr S. K w a r t i u aus Wien zum Oberkantor einstimmig gewählt und wird derselbe im Jänner 1910 sein Amt antreten. Literatur. Die Medizin im Talmud von Dr. med. A. Stern, Arzt in Frankfurt a. M. Verlag von Sänger und Friedberg, Frankfurt a. M. 60 Pf. Eine sehr intereffante Studie, die einen Einblick in das medizinische Denken und Wiffen der Talmudlehrer und ihrer Zeit gewährt. Dabei ist namentlich die Selbständigkeit der Talmudlehrer einem Galen gegenüber auf dem Gebiete der pathologischen Anatomie besonders bemerkenswert. Mit Recht betont der Verfasser, daß man ähnliches in der ganzen altem Medizin vergebens suchen würde. Und doch scheint Stern manchmal' falsche Schlüsse gezogen zu haben. So schreibt er (S. 22): „Die Wunden werden durch Schwamm, Wolle, Binsen und Lappen verbunden. Letztere durften nur neu verwendet werden. Wir sehenhier ein aseptisches Prinzip auftanchen." — Davon ist hier (Sabbat 134 b) keine Rede, du es sich nur auf den Sabbat bezieht und nur das Prinzip der Heilung am Sabbat maßgebend ist. Außerdem lautet die Stelle nach Raschi gerade umgekehrt: man darf nur alte verwenden, weil diese keine Heilung verursachen! Ebenso verfehlt ist die Meinung, als habe der Talmud ein Verständnis gehabt für die Aehnlichkeit des Atmungs- und Verbrennungsprozesses. Sanhedrin 77 a heißt es nämlich: Wenn jemand einen Menschen in einen verschloffenen Raum einsperrt und ein Licht darin anzündet, daß der Mensch durch die schlechte Lust zu Grunde geht, dann wird er als Mörder bestraft, weil er die todbringende Ursache, die schlechte Lufft direkt veranlaßt hat, während ohne das Anzünden des Lichtes die schlechte Luft ohne Hiuzutnn des Mörders sich entwickelt. Das sagt dev Talmud ausdrücklich, vou einer Aehnlichkeit des Mmungs- und Verbrennungsprozesses ist hier keine Rede. — Trotzdem bleibt diese kleine Schrift sehr verdienstlich und sehr interessant. Dr. K a h a u, Znaim. Von jüdischer Kunst (Joses Israels), Vortrag von Max Eisler. Köln. Jüdischer Verlag. Ein begeisterter, kunstsinniger Jude hat hier eine entzückende Hymne auf das jüdische Volk und auf seinen großen Sohn Josef Israels gesungen. Ein eigener Zauber ist über dies Büchlein ausgebreitet. Es wird in seiner eleganten Ausstattung mit den vielen Reproduktionen Jsraelscher Bilder jeden Kunstfreund erfreuen und jedem Salontisch zur Zierde gereicht. Dr. K a h a u, Znaim. Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur. Von der Zerstörung des ersten Tempels bis zur Gegenwart. Für Obergymnasien und verwandte Lehranstalten. Ursprünglich bearbeitet von C. Hecht und Dr. M. Kayserling. Achte Auslage mit einem Beihefte: Proben zur jüdischen Literatur. Neu bearbeitet in Verbindung mit Dr. Max Doctor, Landrabbiner in Cassel, von Professor D r. Adolf B i a ch. Ausgabe für Oesterreich-Ungarn. Leipzig. Verlag von Gustav Engel 1909. (Preis gebunden 3 X.) Wir haben es hier mit der sorgfältigen Arbeit eines erfahrenen, tüchtigen SchulniauneS zu tun. Das gut eiugeführte Hecht-Kayserliug'sche Buch, das in mehreren umgearbeiteten Auflagen vorliegt, von denen aber nur die 1865 erschienene approbiert aber vergriffen ist, bildet die Grundlage des Biach-Doctor'schen Schulbuches. Kayserling hat sich im Gebrauche nicht bewährt. Der zwar sachliche, aber überaus trockene Ton, die Ueberfülle von Daten und Zahlen geben dem Werke mehr den Charakter eines brauchbaren Repetitoriums. Ich machte selbst die Erfahrung, daß die Schüler das Buch schwer gebrauchen konnten. Noch weniger bewährte sich das bekannte Ehrmannische Buch, dessen dritte Auflage vergriffen und die vierte nicht approbiert ist. Biach hat ein neues gutes Schulbuch gemacht. Der Ton ist warm, aber ohne Schwulst und Phrase; die Sprache klar, verständlich und gewählt; der Stil einfach, schulgerecht und elegant. Die Geschichte erscheint nicht wie ein chronologisches Skelet, aber auch nicht wie eine tendenziöse, apologetische Predigt. Die Darlegungen überzeugen durch Einfachheit und schlichte Wärme. Trotzdem ist keine Gelegenheit verabsäumt, alte Vorurteile und falsche Voraussetzungen mit wenigen kräftigen Worten znrückzuweisen (Pharisäer, Entstehung des Christentums, Beschuldigungen). Besonders berücksichtigt ist die Geschichte der Juden in Oesterreich, die mit Sorgfalt und angemessener Ausführlichkeit behandelt ist. Mit Recht sind besonders hervorragende Zeitperioden und Persönlichkeiten in den Vordergrund gerückt und eingehender behandelt. Noch immer aber haben wir zuviel chronologisches und sonstiges Dateubeiwerk und zm wenig zusammenfassende, überblickende, kulturgeschichtliche Kapitel. Das- Literaturprobenhefr, das reichhaltige und gnte Auswahl getroffen hat,, werden Lehrer und Schüler freudig begrüßen. Biach's Buch wird seinen Weg machen. Und es verdient, daß es ihn mache. Dr. Feuchtwang. Austritte uns dem Judentum. S u ch a r i p a Friedrich, Beamter, geb. 13. Jänner 1863 in Brünn, VIII., Albertgaffe 8. H ü ß Isidor, k. u. k. Artil.-Zeugsoffizial, geb. 11. Juni 1864 in Eibenschitz, III., Hohlweggasse 30. Stern Isidor, Beamter, geb. 3. April 1864 in Wien, HI.. Hörnesg. 2. Schwarz Bertha, Stickerin, geb. 12. Mai 1881 in Wien, VI., Strohmayrgasse 15. Grünberg Anna, geb. 31. März in Brünn, XVI., Herbststraße 63. Diamant Eduard, Markeur, geb. 30. Oktober 1875 in Kvsolna, Bezirk Pozsony, XIV., Fenzlgasse 20. Kellner Dr. Friedrich, Privat, geb. 30. September 1685 in Saaz Böhmen. IV., Wohllebeugasse 10. S i o d m a k Reisel rekt. Rosalia geb. Bayer. Private, geb. 10. Jänner 1876 in Czernowitz, Bukowina, VIEL, Schlösselgasse 19. Eisler Josef, Privatbeamter, geb. 18. April 1881 in Abony, Kom. Pest,. IX., Kolingasse 17. Weiß Friederika, Schneiderin, geb. 8. Feber 1887 in Wien, IX., Rote Löwengasse 8. L ö w i t h Ella, Private, geb. 20. Mai 1887 in Wien, I., Goldschmiedgasse 9. Z ier er Alfred, Privater, geb. 31. Mai 1872 in Wien, IV., Alleegasse 33. Wahrin ger Rosalia, Artistin, geb. 4. August 1887 in Wien, H., Kleine Mohrengasse 5.

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