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Die Wahrheit · 1909-12-10 · Heft 48 (10.12.1909) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 48 (10.12.1909)
Date
1909-12-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 48. Die Wahrheit Seite 9. gelernt haben, eine jüdische Nase zu erkennen, aber in allen anderen Vierteln sagt der rassische Jade stets, er sei ein Russe. Nun darf man aber nicht etwa glauben, daß die russischen Inden eine Art moderne Maramien sind. Nein, sie haben jeden innerlichen Zusammenhang mit dem Judentum aus ihrem Herzen gerissen. Sie interessieren sich nicht für das Judentum, und nichts erinnert sie an ihre jüdische Abstammung. Die 'Pariser russischen Juden, zumal jene, die von dem jüdischen Viertel weit entfernt wohnen, haben fast garkeine Vorstellung von dem, was mit ihren Brüdern in Rußland vorgeht, vbschon es noch nicht sehr lange her ist, seitdem sie dieselben verlassen haben. Jüdische Zeitungen werden in Paris sehr wenig gelesen, .und die allgemeine sranzösische Presse spricht fast niemals von den Juden. Die beiden französisch-jüdischen Blätter haben auch wicht viele Leser. Obschon diese Blätter schon fast 70 Jahre existieren, haben sie doch zrrsammen nicht mehr als 2000 Abonnenten, und die meisten von ihnen sind Abonnenten aus Wohltätigkeit. -Eine der Ursachen dafür ist, daß die rnfsischeu Juden keine Zeitung erhalten wollen, die ihrem Concierge zeigen könnte, daß sie Juden sind. Diese traurige Lage ist überhaupt dem Umstande znznschreiben, daß die Pariser Juden zu sehr getrennt von einander leben in der großen Stadt. Uerj chiede»c Uachrilijteu. Wien. Freitag, den 10. Dezember abends Predigt im Stadttempel. Wien. Samstag, den 11. Dezember, vormittag Predig: im 'Leopoldstädter Tempel. Wien. Sonntag, denn 12. Dezember l. I., l/24 Uhr nachmittags findet im Tempel des XXI. Bezirkes eine Chanukafeier mit Predigt statt. Wien. (Vortrag ans jüdischer Geschichte. Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 16. Dezember 1909. 1J28 Uhr abends, Präzise, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max Grunw a l d statt. Thema: „Moses Maimonides und der Streit zwischen Glauben und Wissen." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Das Aktionskomitee für den Bau des Kaiser Franz Josef- Jubiläums-Tempels der Bezirke Wieden und Margaretheu und der Franen- Wohltätigkeitsverein für den IV. und V. Bezirk veranstalten am Januar 1910 in den Sofiensälen eine „Große A k a d e m i e" mit anschließendem Tanz. Den Prolog wird Frl. Lia Rose n vom Hofburgrheater sprechen und dann gelangt eine Festhymne durch einen großen gemischten Chor unter Leitung des Herrn Professor Josef S n l z e r zur Aufführung. Ihre Mitwirkung haben weiters Frl. Kaufina n n und .Herr Schwarz von der Hofoper, Herr K o r f vom Hofburgrheater. Fräulein M a r i o n. Herr Fritz P a h l e n und andere hervorragende Knnstkräste zngesagt. Karten sind zu haben: Im Konzertbureau Gut m a u n. 11.. k. k. Hofoper, bei Frau Karoliue H o f m a n u, VI.. Worellstraße 3. I. Stock, bei Frau Alice Fischer, V., Strobachgape 8 (Telefon 833/VHI) und bei Herrn Alfred Meißner, IX., Porzellaugasse 24 (Telefon 21173). Wien. Donnerstag, den 9. Dezember 1909, präzise 1jß Uhr abends findet ein Bortrag des Herrn Rabbiners Dr. Leopold Goldschmied aus Proßnitz im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, 1., Eschenbachgasse 9, statt. Thema: „Aus den Hieroglyphen Aegyptens". Wien. (Vortrags-Zyklns über jüdische Geschichte und Literatur.) Vortrag I.: ,,R. Mosche Chajim Lnzatto's Werke", Herr Nabbiuats-Kaudidat Böla Fischer. Beginn: Samstag, den 11. Dezember, nachmittags 3 Uhr. Wien. (B e t h H a m i d r a s ch „Talmud Thor a". II., Malzgasse 16.) Freitag, den 10. Dezember 1909, abends 1j28 Uhr, findet ein Vortrag des Herrn Professor A n t s ch e r l statt. Thema : „Ein ruhmreiches Blatt aus unserer Geschichte". Wien. (JüdischeToynbee-Halle XX.. O t h m a rg affe 46.) Unter dem Titel „Jüdische Literarur und Musik" veranstaltete am 25. November l. I. Herr Kantor Josef Grob einen interessanten Vorrragsabend, über den an anderer Stelle berichtet wird. Sonntag, den 4. Dezernber d. I. fand in der Toynbee-Halle ein Konzert statt. Fräulein Brettholz, eine Schülerin Robert Fischhofs, zeigte im Vortrage einiger Klavierviecen reiches Können und viel Talent. Die bekannte Konzertsängerin, Fran Raya Rarber-Waldberg, entzückte das Auditorium durch die meisterhafte Wiedergabe von Arien und Liedern. Stürmisch akklamiert wurde Herr Benno W ü n s ch. dessen chumorvoller Vortrag der Hawel'schen Salyre „Die kranke Schwalbe" und der Schönherr'schen, Dichtung „Das Henkermahl" höchste Heiterkeit erregte. Ebenso fanden die Vorträge von Chansons durch Herrn Wünsch lebhaften Beifall. — Das nächstwöchentliche Vortragsprogramm wurde wie wie folgt festgesetzt: Freitg, den 10. d. M.: Lehrer B. Benedikt: Bibelvortrag. Sastag, den 11. d. M.: Konzert. Arrangement Herr Oberkantor Don Fuchs. Sonntag, den 12. d. M. findet um 1jiS nachm, die erste der diesjährigen vvm Obmann-Stellvertreter Herrn Karl Freund arrangierten Kinderjauseu als Chanuka-Festjause statt. Au derselben nehmen die Zöglinge des Brigittenauer Kuabenhortes und weitere 200 arme Schulkinder dieses Bezirkes teil. Insgesamt werden in der Chanukawoche mehr -als 500 arme Kinder mit warmer Wäsche, Kleidungsstücken, Spielzeug und dergl. beschenkt. Die Mitglieder und Gönner der Toynbee-Halle werden zu dieser Festjanse höflichst eingeladen. Montag, den 13. d. M., llß Uhr: Dozent Dr. Z a p p e r t: Jüdische Mädchenberufe. Dienstag, den 14. d. M.: Oberlehrer M. G r ü u s Pan: Das Erlafthal in Wort und Bild. (Lichtbilder). Miztwoch. den 15. d. M.: Prof. Dr. Edmund Jerusalem: Das Zeitalter der Aufklärung. (II.) Donnerstag, den 16. d. M.: Schulrat Prof. Baß (Thema Vorbehalten). Freitag, den 17. d. M.: Lehramtskandidat M. Pick: Bibelvortrag. Wien. Daß die jüdische Jargonliteratur geeignet ist. zahlreichen Menschen genußreiche stunden und geistige Erfrischung zu bereiten, bewies wieder einmal der literarische Abend vom 25. v. M., den Kantor, Herr Josef Grob vom Neudegger-Tempel in der Josefstadt, einem das letzte Plätzchen des großen Saales in der Toynbeehalle in der Olhmargasse füllenden Auditorium bot. Selbst solche, die angeblich de» Jargon nicht verstehen, lauschten mit der gespanntesten Aufmerksamkeit den Darbietungen des Vortragenden, die bei der gesamten Zuhörerschaft die heiterste Stimmung aus lösten. Der Leiter der Halle, Herr F r e n n d, konnte mit Recht in seinem Dankesworre an Herrn Kantor Grob betonen, daß er nur selten solche freudig erregte Gesichter bei einem Borlragsabende in der Toynbee gesehen habe. Im ersten Teile sang Herr Kantor Grob jüdische Volkslieder, und nach der Teepanse rezitierte er eine Skizze: „Channkah-Geld" von Schalom Aleckem in trefflichster Weise. Herr Kanror Grob ist aber bekanntlich auch selbst als Jargon-Literat tätig. So manche hübsche Skizze und sarkastische Monologe, die alle im Drucke erschienen find, haben ihn zum Verfasser. In seiner Konzeption nähert sich Herr Grob seinem großen Vorbilde Schalom Alechem, nur ist Grob aktueller und zeichnet westeuropäische Knlturbilder jüdischen Genres. Wir hoffen, noch Gelegenheit zu haben, ihn auch als Vorleser seiner eigenen literarischen Produkte zu hören. X. Ch. Wien Wie wir bereits berichteten, feiert der „Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien, II.. Obere Donaustraße 81" am 12. Dezember d. I. das Jubiläum seines 25-jährigen Bestandes und findet aus diesem Anlasse an diesem Tage um 4 Uhr nachmittags ein Festgottesdienst im Leopoldstädter großen Tempel und abends um 8 Uhr im Saale des Hotel „Bayerischer Hos" eine Festakademie statt, bei welcher Herr Reichsratsabgeordneter Dr. Benno S t r a u ch e r die Festrede halten wird. Wie zu erwarten war. findet diese Jubiläumsfeier in jüdischen Kreisen großen Anklang und sind nur noch wenige Entrsskarten zur Festakademie zur Verfügung, welche an der Abendkassa erhältlich sind. Der Zutritt zum Festgottesdienste ist selbstverständlich frei und ohne Entröskarce. Wien. tJüdisches Theater, Hotel Stefanie, T aborstraße 12.) Endlich hat sich ein tüchtiges Ensemble unter Leitung des Herrn M. Siegler gefunden, das ehrlich bestrebt ist, die besten jüdischen Stücke vorzuführen. Nach trefflichen Vorträgen der Herren Podzamce, Rosen stein, Spiwakoo und des Komikerpaares Moritz und Pepi Weinberg, sahen wir Goldfadens herrliches Singspiel „S u l a m i t h". Die Titelheldin fand in Frau Salcia Weinberg eine bewährte Interpretin, während ihr Herr Direktor Siegler (Absalom) in jeder Beziehung tadellos zur Seite stand. Gelungen komische Figuren führten uns die Herren Bt. Weinberg und Podzamce vor: die Herren E s k e n a s y. R o s e n st e i n und Frau Pepi Weinberg trugen ihr Bestes zur Abrundung des Ganzen bei. Heme, Freitag und die folgenden Tage gelangt „Der L u m p e nsammle r" von Professor Moris B o st o n zur Aufführung. Die komische Charakterrolle des Lumpensammlers liegt in den künstlerischen Händen des Herrn Direktors Siegler. Wir werden hierüber in nächster Nummer ausführlich berichten. A. H. L. Wien (Humanitärer Geselligkeitsverein „B n e i Z i o »".) Sonntag, den 12. d. M.. findet im Souterrainlokal des „Cafs City, IX., Porzellangasse 1, eine Chanukafeier mit anschließendem Tanzkränzchen statt. Die Volksgenossen werden anfgefordert, dazu zahlreich zu erscheinen. Karten sind zu haben im Cafe Stefanie, II.. Stefaniestraße 2, Cafs City. IX., Porzellangasse 1. und im Zionistischen Zentralverein, IX., Türkenstraße 0. Wien. Der Vorstand deS „Theresien-Krenzer-Bereines zur U n t e r st ü tz u n g armer i s r a e l. S ch u l k i n d e r" hat für Mittwoch, den 8. d. M.. 5 Uhr nachmittags die Freunde und Gönner des Vereines in das Vereinshaus, II., Unr. Augartenstraße 35, zu der daselbst stattgefundenen Verteilung von Winterkleidern au die Zöglinge des Vereines, sowie zur Besichtigung der Mädchen-Arbeitsschule und der Arbeirsränme des Kuabenhortes eingeladen. Die zahlreich erschienenen Gäste verließen höchst befriedigt die Anstalt. Wien. Mit Dr. Adolf H o f f m a n n. der am 20. November d. I. in seinem 88. Lebeusjahre hier verschied, verließ uus eines der ältesten Mitglieder unserer Gemeinde, der als einer der gesuchtesten Frauenärzte sich besonderer Beliebtheit und Wertschätzung in den seiusten Wiener Familien erfreute. Seine Beziehungen benützte er, um Studenten, namentlich Rigorosanten der Medizin, zur Vollendung ihrer Studien behilflich zu sein. Die letzten Jahrzehnte seines Lebens widmete er kranken Kindern, die ein Seehospiz aufsuchen mußten und Brustleidende>l. die zu RoLnau in Mähren Linderung ihrer Leiden suchten. Als langjähriger Präsident des jüdischen Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender auf dem Lande, hat sich Dr. Hoffmaun ganz besondere Verdienste um das Aufblühen dieses Vereines erworben. Die größte Freude bereiteten ihm neu aquirierte Mitglieder, und kein Leidender wandte sich vergebens an den greisen, leutseligen Vereiuspräsidenteu. Als junger Arzt war Dr. Hoffmaun am alten Wiener Jsraeliteuspital in der Roßau tätig und war zugegen, als man im Jahre 1848 das erste Opfer der Freiheitsbewegung, den jüdischen Techniker Heinrich Spitzer, zu Tode getroffen, in das genannte Spital

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