Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 48 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Wahrheit. : Rr. 4$; Seite ... . - ....„ .Mlle Mchte Vorbehalte« ) - Gin neues Licht. . Bon Adplf Heinrich Land an- (Wielter-Nenftadt). - / v.. ... . Fortsetzung.) - ' . : . TIII. Als' Dr. Fuchs nach einigen Tagen in Besnchstoilette Dastand/- um seine Anfwanung bei Rat Steinherz zu machen, da sagte er zn seiner Mutter, die ihm ein weißes Sacktuch reichte: „Mntlinko, ich habe ein Gefühl, als ob ich in den Löwenkäfig ginge." „Sei kein Kind. Alle haben Dich so lieb ausgenommen, warum gerade der eine nicht?" „Er ist mir feind." „Das bildest Dn Dir ein. Sicherlich ist er kein schlechter Mensch, aber die Leute lieben nun einmal keinen Sonderling und das scheint er zn sein. Widersprich ihm nur nicht und suche Dich, soweit möglich, seinen Gedanken anzupassen, dann mußt Du auch mit ihm auskommen." Er küßte seiner Mutter die Hand und diese rief ihm noch nach: „Vergiß mir nicht, im Zimmer das Käppchen anfznsetzen!" Langsam ging er die Straße entlang und dachte über die Worte seiner Mutter nach; da stand er vor der Wohnung des Rates. Mit Herzklopfen trat er ein — aber wie überrascht war -er, als ihm eine liebettswürdige Dame entgegenkam, die kaum die Vierzig erreicht haben konnte. Ein f[einer Knabe und ein schlankes Mädchen schmiegten sich an die Mama. „Das ist gar nicht schön von Ihnen, Herr Doktor, daß Sie zn uns erst jetzt kommen," sagte Frau Steiuherz. „Gnädige Frau müssen entschuldigen, ich dachte die Herrschaften wären noch aus dem Lande — —" „Keine Ausrede bitte — w i r erlauben uns keinen Luxus, wir waren auch im Sommer hier." „Pardon, das wußte ich wirklich nicht." „Aber ich weiß es ja, wir kommen erst nach de und I." „Ich kann Ihnen versichern, gnädige Frau, daß ich ganz und gar keine Rangordnung enthalte. Ich habe noch sehr wenige Besuche gemacht, weil es mir jetzt, beim Schnlbeginn und vor den hohen Feiertagen, wirklich an Zeit gebricht." »Nun, ich will's glauben. Aber mein Mann ist schon ganz beleidigt." „Das tut mir aufrichtig leid. Ist denn der Herr Gemahl nicht zu Hanse?" „Er dürfte jedenfalls bald kommen." Und nun wurde über alles Mögliche gesprochen. Die Dame schien - über die Khille sehr gut informiert zu fehl und Dr. Fuchs bat sie, ihm bei seinem Friedenswerk behilflich zn sein und ihren Gemahl umzustimmen. „Wenn ich helfen kann, bin ich gerne dabei, aber meinen 'Mann umzustimmen — das ist schon ein kleines Kunststück." Dr. Fuchs sah die hübsche Dame an. Er hätte sich als Frau des alten Steinherz eine Matrone mit einer Perücke vorgestellt, aber keineswegs eine so stattliche, moderne Dame. Er dachte, ob sich da die Charaktere verstünden, ob sich Herz zn .Herzen finden könne? Er wartete vergebens auf den Herrn Rat. Fast schien es ihm, als ob er absichtlich answeichen wolle. Er war schon länger geblieben, als es die Konvention verlangte, nun empfahl er sich und bat die Danie, feine Empfehlung übermitteln zu wollen. .'Kaum aber betrater die Straße, da traf er den Alten. „Sie waren bei mir, Herr Doktor?" „Jawohl, Herr Rat. Ich muß es aufrichtig bedauern, Sie nicht angetroffen zu haben." „Das ist ja nicht Ihre Schuld. Wenn Sie gestatten, begleite ich Sie ein Stück." „O bitte, bitte. Es wird mir nur sehr angenehm sein. Ich habe übrigens ein großes Anliegen, das ich aber nicht auf -der Gaffe Vorbringen möchte." „Ich weiß, ich weiß. Sie wollen söholom* *) machen?“ „Ich wäre glücklich, wenn ich den Frieden vor den hohen Feiertagen zustande brächte." „Solange unsere Forderungen nicht bewilligt wer den, gibt es keinen Frieden."' „Und darf ich fragen, welche Förderungen?" „Warum denn nicht? Es muß vor allem eine Miknm gebaut werden." „Darauf werde ich sofort dringen." „Schön. Dann wollen wir-den Talliß aufgerollt tragen. Wir wollen alle Responsen laut milsagen. Aber was haben Sie davon? Ich kann Ihnen nur sagen. Ihre Mühe ist umsonst." „Ich möchte doch bitten, mir vielleicht alles anznvertrauen. Es muß sich doch eilt Kompromiß findeil lassen." „Aus ein Kompromiß gehen wir nicht ein. Wir lvollen die Wiedereinführung des Barne macllikin**) und iiIler Piutim, ***)• wir wollen eine strenge Aussicht in der Fleischbank." „Daraus werde ich mit aller Energie dringen, Herr Rat, in religiösen Dingen v erne h e ich keinen Spaß. Das habe ich wirklich nicht gewußt." „Ja, Herr Doktor, Sie wissen noch nicht alles." Sie kamen gerade an der Advokaturskanzlei des Dr. Süß vorbei. Da zeigte Steinherz hin. „Sehen Sie, Herr Doktor, da könnten Sie auch eingreifen. Daß Dr. Süß am Samstag arbeite!, ist seine Sache, daß er aber Knltussachen am Samstag erledigt, das ist eine große awle!" *) „Dr. Süß ist ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle. Ich werde ihn bitten, dies zn nirterlassen, und er wird es gewiß tlln." „Vielleicht tut er es; aber die Betfitze wird er nicht billiger machen, das können Sie mir schon glauben. Ist das aber recht und billig, daß Leute, die das ganze Jahr in Schul gehen, soviel zahlen sollen, wie Leute, die nur ein- oder zweimal hinkommen? Und sagen Sie mir, warum läßt man die alten Balbatim**) nicht mit Hakophes gehen, es ist doch für sie mehr Ehre, wie für Leute, die Trefes essen und meehalel schabbos***) sind.-" „Aber. Herr Rat, so arg ist es ja nicht!" „Glauben Sie wirklich? Es gibt hier nur sehr wenige koschere Häuser. Jetzt ist plötzlich Schinkenessen in der Mode. Die Kinder essen und die Großen kosten nur, ob es gut ist." (Fortsetzung folflt.) Ans dem Kreise unserer Abonnenten erhalten wir folgenden Aufruf: Kn die Kerehrer Konnenlhaks! Ihr. die Ihr so oft den Worten des Meisters mit Entzücken gelauscht habt» die Ihr durch den Zauber seiner Persönlichkeit und die Grütze feiner Kunst hingerissen und begeistert wurdet, bringet jetzt eine Gabe dar, da man daran denkt» dem grotzen Künstler ein Monnment zu stellen! Als erste Spende werden von zwei jugendlichen Verehrern Sonnenthals unter der Chiffre E. und F. W. K 8.— gewidmet. Die Administration dieses Blattes ist bereit, weitere Beiträge entgegenzunehmen und dieselben auszuweisen. N»tiz. Wir wollen nicht Kopf-, Kreuz-. Zahnschmerzen, Gliederreißen, Seitenstechen, rheumatische Rücken- und Muskelschmerzen haben. Wir benützen Feller's-Flnid in. d. M. „Elsafluid". Probedutzeud stzstet bloß 5 E. franko. Magenstärkend. Verdauung befördernd, appetitanregend^ krampflindernd, stnhlerregend wirken Feller's abführende Rhabarberpillen m. d. M. „Elsapillen". 6 Schachteln franko 4 L. Zn beziehen durch. E. B. Feller in Stnbica, Elsaplatz Nr. 153 (Kroatien). *) Frieden. **) Em Stück über das Lichtzünden am Freitag Abend. ***) Poetische Stücke an Festragen. *) Unrecht. **) Bürger. ***) Den Sabbath entweihen.