Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 47 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 47. Staatsanleihe beruht, nämlich die unversöhnliche Schuld mittels; des Jnhaberpapiers, die Staatsanleihe durch Vermittlung der Börse. Das Haus Rothschild hat hier seine Bedeutung erlangt. Der börsenmäßige. Handel, der eine weitere Eigentümlichkeit des modernen Wirtschaftslebens ist, ist im wesentlichen jüdischen Ursprungs; ebenso der kreditmößige Handel. Der letztere knüpft an zwei Namen an, theoretisch an Pinto, praktisch an John Law; ersterer war Jude, letzterer wahrscheinlich auch. (Lewy.) Für die Warenproduktion im kapitalistischen Sinne sind die Juden hochbedentsam. Einstweileu kommt hier nur die Industrie iu Betracht. Die wichtigste Industrie des 19. Jahrhunderts, die Textilindustrie, war sehr stark mit Juden durchsetzt; und sie erlangen in allen Industrien ihren Einfluß in dem Maße, in dem die Industrie verkommerzialisiert wird. Weiter haben die Juden den Geist des modernen Kapitalismus vor allen entwickelt; sie waren die Pioniere des entstehenden Kapitalismus. Damit tritt der Primat der Intelligenz in das Wirtschaftsleben hinein. Gegenüber dem bis zum 18. Jahrhundert im Wirtschaftsleben geltenden bestimmten Kundenkreis, dem sestgelegten Absatz und festgesetzten Preisallsschlag lvaren es die Juden, die zuerst das Ausstichen der Kunden und das Unterbieten im Preise einführten; sie brachten auch die ersten Surrogate auf den Markt. Der von ihnen eingeführte Grundsatz im Wirtschaftsleben hieß: Der Preisaufschlag ist so niedrig als möglich zu halten aber der Absatz ist möglichst zu vergrößern. Großer Absatz — kleiner Nutzen. Damit sind die Inden die Väter des Freihandels und der freien Konkurrenz geworden. In seinem zweiten Vortrag erörterte Professor Sombart nach dem „Berl. Tagebl." zunächst die objektiven Voraussetzungen, unter denen sich die dominierende Stellung der Juden im kapitalistischen Betriebe entwickelte. Die Juden kamen, was nicht scharf genug hervorgehoben werden kann, als die eigentlichen Erben der Antike, als die einzigen Träger der hochentwickelten Kultur des Altertums in das noch kindlich junge Mittelalter hinein. Hieraus erklärt sich die in vielen Beziehungen führende Rolle, die sie bald an allen europäischen Häsen der damaligen Zeit spielten. Sie wurden Dolmetscher ans Grund ihrer Sprachkenntuisse, Unterhändler in wichtigen Dingen, schließlich Geschäftsträger und Vertrauensleute in jeder Hinsicht. Zu diesen Aemtern befähigte sie vor allem auch das internationale Netz ihrer Verbindungen, die von den überallhin Zerstreuten sorgfältig gepflegt wurden. Denn die jüdische Diaspora hatte ja viel früher emgesetzt, als man gemeinhin anuimmt. Von altersher saßen sie in allen wichtigen Handelszentren, oft durch weitverzweigte Familienbande innerlich eng zusammengeschlossen. Ihre ganz einzigartige Stellung, die unmittelbar zum internationalen Lieferanten- und Kreditwesen hinführen mußte, war damit gegeben. Aber sie bildete auch das Sprungbrett, von dem sie aus zur Industrie hinübergelangteu. Als Händler bemächtigten sie sich vor allem der Textilindustrie, sie wurden die „Verleger" der Baumwolle, der Webarbeiten und des Leders. Eine Tatsache, die sich durch die Jahrtausende nahezu gleich bleibt, ist der Geldreichtum der Inden. Man kann ihn, von den Schätzen Salomonis angefangen, durch das ganze Altertum, durch Arabien, Spanien, Holland bis nach Frankfurt, Hamburg und schließlich in die Gegenwart hinein verfolgen. Genaue Vermögensstatistiken beweisen, daß in dem Frankfurt und Hamburg des achtzehnten Jahrhunderts die Juden weitaits die Reichsten sind. Die heutigen Zahlen sind freilich noch schlagender. So etwa die Tatsache, daß iu Berlin der jüdische Bestandteil der Einwohner, das sind 4-8 Prozent der Gesamtheit, 30 Prozent der Staatseinkommensteuer anfbringt. Woher stammte dieser Geldreichtum? Seit dem Auszug aus dem Aegyptenlande waren die Juden eigentlich immer durch äußere Verhältnisse gezwungen, ihr ganzes Vermögen „in der Tasche" bei sich zu tragen. Daher ihr ständiges Bemühen, bares Geld zu erhalten, daher auch eine Entwickelung, die ihnen bald geradezu ein Monopol im Geldleihgeschäft sicherte. Und das war um so bedeutungsvoller, als das Geldverleihen lange Zeit hindurch die einzig lukrative Art des Erwerbes bildete. Auf der anderen Seite fehlte den so Reichgewordeueu gezwungenermaßen jede Gelegenheit zum Ausgeben. Sie konnten bis in die Neuzeit hienein eigentlich niemals standesgemäß leben; das Abfließen des Geldes in Grundbesitz und Industrie war ihnen durch ihre staatliche Minorität ebenfalls unterbunden: Es ist klar, daß diese letzte Ursache sie auf die einzige Quelle, Macht zu erwerben, geradezu hinstieß. Die subjektive Veranlagung der Juden zum Kapitalismus, ihr eigentliches kapitalistisches Talent ist weniger leicht zll fassen. Im „kapitalistischen Wirtschaftssubjekt" wirken 2 Seelen, die ungleich der faustischen nie von einander streben : der Unternehmer und der Mann des Handels. Der erste ist der Erfinder ökonomischer Ideen, der wirtschaftliche Pionier, der zweite der „spekulative Kalkulator" — spekulativ, weil er ans der Marktlage jederzeit auf den gegebenen Fall zu schließen vermag, Kalkulator, weil er mit Sicherheit den Geldeswert eines Geschäftes sofort berechnet. Aber der Kapitalist muß freilich auch Verhandlet' fein, ans den Menschen heransholen können, was im Augenblick möglich ist; er muß deshalb suggestiv wirken können und es muß ihm im Blut liegen, was etwa in dem alten uord. Heldenepos des zehnten Jahrhunderts zit lesen ist: Es wird Schneewetter kommen, sagten die Finnen, denn sie hatten Schneeschuhe zu verkaufen. Wie verhält sich der jüdische Volkscharakter zu jenen kapitalistischen Anfordernngen? Bei aller Schwierigkeit, das Wesen eines Volkes wissenschaftlich zu umgreuzen. läßt sich hier im allgemeinen folgendes sagen: Der tiefste Grundzng des Judentums ist eilt starker Teleologismus: die Welt lvird als eine Summe von Zwecken ausgefaßt, und mau hat es in der Hand, sich dieser Zweckordnnng anznpassen ltub so sein Leben wohl einznrichten. Jüdische Religion, Poesie und Philosophie gipfeln in dieser Anschauung. Spinozas tiefste Ueberzengnng lautet: aller Tugend Fundament ist der Nutzen. Der Jude ist weniger verträumt als der Germane und Slawe, rationeller mib oft nüchterner, auch leichter geneigt, die eigene Person hinter die Sache zu stellen, sich selbst ausznschalteu. Die Wichtigkeit dieser letzten Eigenschaft für geschäftliche Erfolge liegt ans der Hand. An positiven Werten sind zu nennen: starke Energie und Vitalität, eine Rastlosigkeit, die allerdings oft zur Unrast führt. Im allgemeinen wird beim Juden das Manuelle vom Geistigen überragt; unbedingt sind bei ihm im Durchschiritt mehr Urteilskraft und geistige Beweglichkeit als bei andern Nationen vorhanden. Alle diese Eigenschaften, die die Juden zu so tüchtigen Rechtsanwälten, Journalisten, Schauspielern und Aerzten befähigen, machen sie auch zu Männern des Wirtschaftslebens. Professor Sombart fand für seine anregenden, im eleganten Planderstil vorgetragenen Ausführungen den lebhaftesten Beifall seiner Zuhörer. Theodor §»ittev von Tausstg Freitag, den 26. November, 1 Uhr mittags. fand vom Gebäude der Bodenkreditanstalt das Leichenbegängnis des verstorbenen Gouverneurs Theodor Ritter von Tanssig statt und wie es nur wirklich hervorragenden und bedeutenden Männern zuteil wird, so war das an großen Namen reiche Geleite, das den Dahingeschiedenen auf seinem letzten Lebensgange begleitete. Unter den Tranergästen befanden sich:‘ Ministerpräsident Freiherr v. B i e n e r t h, die Miilister v. B i l i n s k i, W r b a, Graf Stürgkh und Dr. W e i s k i r ch n e r, Ministerpräsident a. D. Freiherr v. Beck, Statthalter Graf K i e l m a n s - egg, in Vertretung des gemeinsamen Finanzministers Sektionschef v. H o r o w i tz, die Minister a. D. Freiherr v. Chlnmecky, v. D e r s ch a t t a, Freiherr v. Glanz und Kofel, der Präsident des gemeinsamen Obersten Rechnungshofes Freiherr v. P l e u e r, Generaldirektor Freiherr v. C h e r t e k, die Geheimen Räte v. Jansekovich, Dr. v. Rosza, Bankgonverneur Dr. Popovics, Sektionschef Sieghart. Dr.Liharzik, v. Kniaziolucki, Meyer,"Exner, Finanzlandesdirektor Dr. Spitzmüller, die Sektionschefs Brosche, Förster, Fries, Haberer, Pöschl, Raymond, Röll, Rudel, Scheuchenstnehl, Schonka, Schuster v. Bonott, Weeber, Zehetuer, Polizeipräsident Brzesowsky, Baron Albert Rothschild mit den Prokuristen Blum, Horner, Kantor, Bergrat Max Ritter v. Gntmaun, die beiden Präsidenten der Kultnsgemeinde Dokto