Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 46 (26.11.1909)
- Date
- 1909-11-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit doch mit seiner poetischen Tätigkeit, zeitlebens die politische aufs innigste verschwistert gewesen. Mit vollem Recht hat der Herausgeber daher nicht nur die Aufsätze und Reden gesammelt, welche sich auf literarische Persönlichkeiten und Gegenstände beziehen, sondern auch von den politischen Schriften und Reden all das ausgenommen, was als geschichtlich bedeutsam oder gegenwärtig interessant bezeichnet werden darf. Ein umfängliches Briefmaterial wurde reichlich, vielfach in längeren Absätzen wörtlich, für die biographische Einleitung verwertet, die als grundlegende Darstellung von Auerspergs Leben und Wirken gebührende Würdigung finden wird. Einleitungen und Anmerkungen zu den einzelnen Werken tragen authentische Nachrichten möglicbst vollständig zusammen und versuchen, den Standort von Grüns Schöpfungen, in der allgemeinen literarischen Entwicklung festzustellen. So vermag der genießende Leser in diesen sechs Teilen zum erstenmal das ganze Lebensmerk des Grafen Auersperg zu überblicken; aber auch die literarische und geschichtliche Forschung wird, solange der bandschriftliche Nachlaß Auerspergs unzugänglich bleibt, künftig von dieser Ausgabe ausgeyen müssen. Die Ausstattung der „Goldenen Klassiker- Bibliothek" ist bereits aufs beste bekannt. Der gediegene Einband, das holzfreie Papier und der große, klare Druck lasten nichts zu wünschen übrig. Streng durchgeführre Vers- und Zeilenzählung, reichliche Register erhöhen die Benutzbarkeit nicht unbeträchtlich. Als vortrefflich ausgesührte Bilderbeilageu zieren cm Porträt und eine Handschristprobe Grüns die Bände. Erwäge man. daß die Ausgaben trotz aller dieser Vorzüge für den geringen Preis von K 7 20 zu haben ist. so wird man mit seiner Anerkennung für die neueste Leistung des deutschen Verlagshauses Bong & Co. nicht zurückhalten und die Ausgabe den weitesten Kreiselt zur Anschaffung empsehlerr. «Alle Rechte Vorbehalten.) Ein neues licht. Von Adolf Heinrich Landau (Wiener-Neustadl). (Fortsetzung.) Die ganz kleinen Leute aber, die sich ihr Geld bitter und sauer verdienten, die mußten in der drückenden Augustsonne aus der Scholle bleiben und schlecht und recht für ihre Familieit sorgen. Das waren zumeist ehrliche, ruhige Leute, die ihrem Glauben neu ergeben waren und daher zu den sogenannten Orthodoxen gerechnet wurden. Sie waren ganz stolz und glücklich. wenn der junge Rabbiner mit ihnen sprach und sie erzählten ihm auch haarklein alles, was sie bedrückte, lvas sie als Unrecht empfanden und was sie wünschten. Dr. Fuchs bekam langsam Einblick in die ganze, große Streitsache und er hatte die Empfindung, daß der ganze Streit nur künstlich durch einen Dritten heransbeschwor-en und genährt wurde und daß diese braven Leute gerne in eine friedliche Lösung eiuwilligen würden. So kam der September heran und Dr. Fuchs konnte mit seinen Antrittsbesuchen und mit der Friedensaklion beginnen. Die christlichen Honoratioren nahmen den jungen Seelsorger sehr liebenswürdig auf, entschuldigten sich aber gleich, daß sie „momentan" keinen Gegenbesuch versprechen könnten, da sie mit Amtsgeschästen so „überhäuft" seien! Ganz entzückt war der neue Rabbiner vom Besuche bei Dr. Süß. Dieses traute Heim mußte jeden für sich gewinnen, der das Glück hatte, es zu betreten. Frau Dr. Süß, eine geistvolle, gebildete Dame, wie man sie in kleinen Judengemeinden nur selten findet, war auch auf dem Gebiete der neuen Literatur so sehr bewandert, daß sich Dr. Fuchs eingeftehen mußte, noch nie mit einer Dame so angenehm geplaudert zu haben. „Mein Lieblingsdichter ist Viktor Hugo," sagte die Dame. „Diese schwungvolle Sprache, diese herrlichen Bilder! Ich glaube in der Schilderung der menschlichen Leidenschaften kommt ihm keiner gleich." „Gnädige Frau genießen Hugo im Original und haben dabei das Vergnügen, ein wunderschönes Französisch zu lesen." „Seine Sprache ist einzigin seinen Gedichten, in seinen Dramen und in seinen Romanen." „Wem geben Frau Doktor von den Jüngeren den Vorzug?" „Ich habe früher auch für Ibsen geschwärmt. Aber nun, wo so viele junge Pilze ans dem Boden schießen, gehört wohl Ibsen schon zn den Alten." „Ich denke. Ibsen bleibt ewig jung. Aber auch die Jüngsten sind nickt zu verachten. Sie haben allerdings eine ganz eigenartige Geschmacksrichtung geschaffen. Haben gnädige Frau Schön Herr gelesen?" „Ich kenne mehreres von ihm. „Erde" habe ich im hiesigen Theater gesehen." Nr. 46. „Das Drama erhielt ben Schillerpreis. Ich konnte Kainz, darin bewundern." „Wirklich? Ich sah ihn zuletzt als Mark Anton." „Oh, das ist ja eine seiner Glanzrollen." „Aber er vermag unseren großen Meister Sonneuthal nicht zn erreichen!" „Er ist immerhin ein bedeutender Künstler in seinem Fache." ..Doch wir Juden haben mit Sonnenthal unseren Stolz verloren." „Das haben wir in der Tat; doch auch die Kurz ist unser. Auf allen Gebieten der Literatur und Kunst stellen wir unseren Manu. Der Erfinder des Automobils war der Jude Markus, die Wellentheorie des Inden Hertz hat zur epochalen Erfindung der drahtlosen Telegraphie und Telephonie geführt, die Inden Schwarz und L i l i e n t h a l haben das Problem des lenkbaren Luftschiffes entdeckt; allerdings haben es ihnen andere weggeschnappt.-" „Wir Juden sind also nicht ganz minderwertig?" „Nein, gnädige Frau, ganz und gar nicht." „Ich bin ja mit ganzem Herzen Jüdin — aber mit gewissen strengeil Einrichtungen stehe ich ans dem Kriegsfuß. Vielleicht bekehren mich Ehrwürden?" „Das würde mich unendlich glücklich machen. Ich werde Ihnen, gnädige Frau, ein schönes Buch von Ruth Lazarus, ,Das jüdische Weib/ leihen und mich dann ehrlich bemühen, Frau Doktor zu bekehren." „Das wird mich wirklich recht freuen, denn ich bin stolz d äraus, zum alten Stamme der Edelsten zu gehöre n." Frau Doktor Süß spielte dann einige Lieder von Mendelssohn, Rnbinstein, Grieg, eine rührende Nocturne von Chopin, und Dr. Fuchs, der selbst sehr musikalisch war, hörte dem gefühlvollen Klavierspiel mit Entzücken zu. Auch das kleine Töchterchen spielte einige Sonaten sehr schön. Dr. Fuchs lobte die Kleine und rühmte auch ihren Elan, mit dem sie das schöne Gedicht bei seiner Installation vorgetragen. „Mama sagte, ich hätte lauter sprechen sollen." „Aber es war auch so wunderschön. Wer hat denn das Gedicht verfaßt?" „Der Herr Sekretär." „Ah, der Herr Sekretär — —" „Ja, Ehrwürden," sagte Frau Dr. Süß. „Er ist auch literarisch tätig und ein großer Musiker." „Ich habe schon wiederholt Gelegenheit gehabt, den genialen Mann zn bewundern." „Er hat für unsere Gemeinde sehr viel getan, aber leider sehr viel Undank geerntet." „Das i st das Los aller jüdischen K u l t u sbeamten, gnädige Frau," sagte Dr. Fuchs und fragte dann ablenken d: „Wie heißt denn das Mäderl?" „Grete," sagte die Dame und Dr. Fuchs errötete leicht, als er diesen Namen hörte. Da kam gerade Dr. Süß nach Hause. Er hatte eine aufregende Schwurgerichtsverhandlung gehabt. Ein Mann hatte seine Gattin bei einem Trenbruch ertappt und erschössen. Doktor Süß war ganz echauffiert. „Ich Hab' ihn frei gekriegt!" rief er. „Ich gratuliere, Herr Doktor!" „Danke, danke. Unsere Geschworenen haben noch ein Einsehen. Uebrigens verdient so eine Frau nichts Besseres als eine Kugel in den Kops." „Würdest Du auch schießen?" fragte Frau Doktor heiter. „Meine Hand darauf!" Das sagte er in so komischem Ernst, daß alle lachen mußten. 7“ Wotiz. Haben Sie Schmerzen? Rheumatische, gichtische. Kopfweh. Zahnschmerzen? Haben Sie sich durch Luftzug, Erkältung was zugezogen? Versuchen Sie doch den schmerzstillenden, heilenden, stärkenden Fellers- Fluid m. d. M. „Elsafluid." Der ist wirklich gut! Das ist nicht bloß Reklame! Probedutzend 5 Kronen franko. Erzeuger nur Apotheker Feiler in Stubica, Elsaplatz Nr. 153 (Kroatien.)