Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 46 (26.11.1909)
- Date
- 1909-11-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Die Wahrheit Nr. 46. Seite 8 weil sie dieselbe für einen heidnischen Brauch, Darke emori, I hielten. Die hochfrommen „Chassidim" — nicht zu verwechseln mit der chassidäischen Sekte — haben während der Selichottage täglich morgens, besonders am Rüsttage des Nenjahrssestes und des Versohnuugstages ein Tauchbad genommen. An den erwähnten Rüsttagen haben auch die „Mindersrommen" von diesem Usus Gebrauch gemacht. Die streng Religiösen haben während der Büßetage „.Aderet jeme tesckuba" täglich gefastet. Einige ließen sich sogar am Erew Jomkippnr mit einem Kalbsriemen geißeln. „Malkotschlagen."*) Am Versöhnungstage selber verweilten sie den ganzen Tag, und zwar von 5 Nhr morgens bis nach 6 Uhr abends im Golteshause und schütteten ihre Herzen in inbrünstigen Gebeten vor dem himmlischen Vater aus. Rach Beendigung des Neila- und Maaribgebetes verfügten sich die Fastenden, ehe sie nach Hanse gingen, um einen Imbiß zu nehmen, in den Synagogenhof, um, wenn der Horizont nicht umwölkt war, den Segen über den Neumond „Kiddnsch ha lebana" zu sprechen. Schließlich müssen umnoch erwähnen, daß in allen jüdischen Gemeinden Oesterreichs Usns war, daß jeder Glaubensgenosse am Rüstlage des Versöhnungstages eine Wachskerze als „Seeleulicht" für seine dahingeschiedenen Eltern und Verwandten in die Synagoge brachte, die daselbst vor dem „Kol Nidre"- Gottesdienste angezündet wurde und bis zum Schlnßgebete, „Neila," des andern Tages brannte. Der Ueberrest dieser „Seelenlichter" wurde am „Hoschana Rabbah" zur Beleuchtung der Synagoge beim Morgengottesdienste verwendet. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wie«. (Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 2. Dezember 1909, präzise 1/28 Uhr abends, sinder im Festsaale des Jugeuieur- und Architekteuvereines. Wien, I., Eschenbachgafie 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max G r n nw a l d starr. Thema: „Zum 150. Geburtstage Friedrich Schillers." Eintritt frei ohne Karten. Wie«. (Jüdische Toynbeehalle. XL., O t h m a rg a fi e 46.) Der Samstag, den 20. d. M., von der Gesangsmeisterin Frau Else Freund-Funk mit ihren Schülerinnen veranstaltete Konzertabend brachte sowohl der Arrangeurin als auch den Mitwirkenden lebhafte und dankbare Anerkennung. Die Damen: Fron M a t a u s ch e k, Frl. F i s ch b e i n und Fr. Fried m a n n legten im Vortrage von Opernarien und Liedern prächtige Stimmittel und reiches Können an den Tag. Verdienstvoll akkompagnierte Frl. Frankl die Gesangsvorträge, während in Klavierpieceu von Chopin, Leschetitzky und Schubert Fräulein Czeruiawska ihre Virtuosität zeigte. — Das nächstwöchentliche Programm wurde wie folgt festgesetzt: Freitag, den 26., Rabb.-Kand. Bela Fischer: „Bibelvortrag". Samstag, den 27., O r ch e st e r k o n z e r t, Arrangement von Frau W o d n i a » s k y. Sonntag, den 28., Dozent Tr. I. Zappert: „Üeber Krankenpstege". Montag, den 29., Dr. M. R e i tz: „Rechtswissenschaftlicher Zyklus (I)". Dienstag, den 30., Oberl. M. G r ü nspan: „Naturwissenschaftlicher Zyklus". I. Die Tierwelt (mit Lichtbildern). Mittwoch, den 1. Dezember .1909, Pros. Dr.'Edm. Jerusalem: „Das Zeitalter der Aufklärung." (Zyklus.) Donnerstag, den 2., Dr. Fischl: „Literarischer Abend. I. I. David." Freitag, den 3., Dr. G. F r e u dm a n n: „Bibelvortrag." — Die Vorträge beginnen an Wochentagen um lii8 Uhr abends, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. Eintritt für jeden Erwachsenen frei. Wien. (B e t h a m i d r a s ch Talmud-Thora.) Freitag, den 26. November 1909, abends 1j28 Uhr, findet daselbst ein Vortrag des Herrn Religionslehrers Josef P i ck statt. Thema: „Geschichtsbilder aus der Thora." Wie«. Sonntag, den 5. Dezember 1909, 3 Uhr nachmittags, findet im Etablifiement Ronacher zu Gunsten des Vereines zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer, eine Wohltätigkeitsvorstellung statt. Karren sind zu haben: Beim Vereinskassier Herrn Isidor Goldblatt (Cafe Fetzer), II., Prarerstraße 8 und ab 1. Dezember an der Tageskassa des Etablissement Ronacher. Wie«. (C h a n u k a H-A k a d e m i e.) Die Soz.-Territorialisten veranstalten M i r t w o ch, den 8. Dezember a. c. (Feiertag) im Unterhalmngssaale des C a f 6 City, IX., Porzellangasse, eine Chanukah- Akademie mit anschließendem Tanz. Für reichhaltiges, hervorragend künstlerisches Programm ist bestens gesorgt. Karten a K 1.—, *j Dieser Brauch, dessen schon Tur. O. Ch. 607 erwähnt, bestand darin, daß der Eure eine aus Kalbsfell verfertigte und mit Eselssehnen genähte Geißel nahm und den anderen damit in der Vorhalle der Synagoge, „Pollische," schlug. Der Schläger sagte während dieser Funktion dreimal das weku nackum jeckapper owaun, und der Gegeißelte legte indessen das Sündengeständnis osekaruti kogadeti rc., ab. Familienkarten (4 Personen) ä K 3.— sind erhältlich: Cafe City, IX., Porzellangasse; Cafe Äarienbrücke, I., Franz 'Josefs-Kai; Salo Ellner, I., Wipplingerstraße (Berkehrsbank); N. Zindwer, II... Malzgasse 14; W. Bertoldi, YIH., Pfeilgasse 34. Wie«. (I. Vortragsabend des Vereines der Sa,bb a t h s r e u n d e.) Es war ein wirklicher Festabend, der zu Ehren unseres traditionellen Sabbaths am vergangenen Dienstag, den 23. d. M. im Hotel Continental vom Vereine der Sabbathfrennde unter Vorsitz seines Obmannes. Herrn F e l s e n b n r g, abgehalten wurde. Herr Oberabbiner Dr. G ü d e m a n n hielt einen geistvollen Vortrag über die hohe Bedeutung der Sabbathfeier und fesielte die illnstre Znhörerschar, die den großen Festsaal bis ans den letzten Platz füllte, bis zum Schlüsse seiner Rede. Rauschender Beifall zeigte, welchen Eindruck die Worte des hochgelehrten Vortragenden auf die Zuhörer machten. Durch Abdruck dieses Vortrages, soll dieser den weitesten jüdischen Kreisen zugänglich gemacht werden. Der Präsident der Wiener Knltnsgemeinde, Dr. Alfred Stern, viele Vorstandsmitglieder, fast sämtliche Wiener Rabbiner. Gelehrte und viele Honorationen waren anwesend. Es war gleichzeitig ein Berbrüdernngsfesl aller Kreise unserer großen Gemeinde, das sich oft noch wiederholen möge. Wien. (Verein für unentgeltlichen A r b e i t s n a chw e i s). Samstag, den 27. November a. c. um 7 Uhr abends findet im Sitzungssaale der Israelitischen Knltusgeiileiilde, I., Seitenstättengasse 4, die X. ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Wie«. (Makkabäer-Feier der zionistischen Korporationen Wiens.) Die Vorbereitungen für die Makkabäer-Feier, welche eine der glänzendsten Veranstaltungen im gesellschaftlichen Leben der Wiener Judenschaft zu werden verspricht, sind bereits vollendet. In allen Kreisen gibt sich das lebhafteste Interesse für den Abend kund. Mit Rücksicht darauf, daß das Reinerlrägnis der Feier dem Jüdischen Rativnalfonds und dem jüdischen Stndentenheim in Wien gewidmet ist, ist zu erwarten, daß kein Jude, der Herz und Sinn für sein Volk und die Zukunft der jüdischen Jugend har, au diesem Abend fehlen wird. Wie bereits mirgeteilt wurde, hält Herr Reichsratsabgeordneter, Dozent Dr. Arthur Mahler die Festrede, für die Akademie haben Fräulein Helene Oberländer (Wiener Volksoper), Herr Georg Reimers (Hofburg-Theater) und Herr Josef Schwarz (Hosoper) ihre Mitwirkung zngesagl. Außerdem wird' em jüdischer Männerchor einige Chöre zn Gehör bringen. Die Zentrale des Kartenverkaufes befindet sich im Zionistischen Bureau, IX.. Türkenstraße 9, Teleph. 14199; außerdem sind Karten erhältlich im Cafe Gartenbau. I.. Parkring; Cafä Louvre. I., Wipplingerstraße; Cafs Marienbrücke, I., Rotentnrmstraße; Cafä Mariahilf. VI, Mariahilferstraße; - Cafe Jägerhof, IX., Porzellangasse sowie nach Maßgabe des Vorrates an der Abendkassa der Sofiensäle. Die verehrten Komits-Damen und Gg-, welche Karten znm Verkauf übernommen haben, werden höflichst ersucht, dieselben bis längstens 27. November im Zionistischen Bureau zu verrechnen. Wien. Sonntag, den 28. d. M., 10 Uhr vormittags, sindet die festliche Einweihung der vom jüdischen Vereine ..Einheit" nerierbailten rituellen S p e i s e h a l l e, II., Malzgasse 12, statt. Die mehrjährige Wirksamkeit dieser Küche hat ihren Segen für weite Schichten der Bevölkerung erwiesen. Jetzt wurde sie mit allen Erfordernissen der Hygiene, Oekonomie mit) Bequemlichkeit ausgestattet. — Den Wünschen der jüdischen Hochschüler nach Errichtung einer eigenen Nsusa als Ersatz der durch die nationalen Gegensätze gefährdeten Mensa academica wurde Rechnung getragen; so soll dieses Werk weiter gedeihen, auf daß es Kunde gebe vom edlen Sinne Wiener jüdischer Bürger. Wien. Fräulein Recha E h r e n f e! d, Tochter des Herrn Dr. N. E h r e n f e l d, Oberrabbiners in Prag, verlobte sich mit Herrn Alexander D a n z r g e r, Gesellschafter der Firma D a n z i g e r und W o s n e r in Wien. Wie«. Sonntag, den 28. d. M.. sindet im Tempel III., Untere Viaduktgasse 13 die Trauung des Fräulein Flora Springer mit Herrn. Gyula Prinz statt. Wie«. Dienstag, den 23. d. M., ist Frau Pantine Elias, die Gattin des im Vorjahre Heimgegangenen türkischen Großhändlers und Philanthropen, Herrn Abraham M. Elias, nach langem schweren Leiden gestorben. Die Verblichene, eine Dame von seltener Herzensgüte, genoß allgemein hohe Verehrung und an ihrem Sarge trauern nicht nur die Mitglieder der Familie und die zahlreichen Freundes- und Bekanntenkreise, sondern eine große Schaar Armer und Dürftiger, die in ihr eine großmütige Beschützerin und Helferin verlieren. Ihr Andenken sei gesegnet! Ober-Hollabrunn. An Stelle des verstorbenen Herrn Max Wallisch wurde Herr Wilhelm Breier, Holzhändler in Ober-Hollabrunn, zum Kultusvorsteher unserer Gemeinde gewählt. Bisenz. (E i u w e i h u n g s f e i e v.) Am 22. November hatte unsere Gemeinde ihren Ehrentag — es fand nämlich die Einweihung der Zeremonienhalle statt. Zu diesem Behufe versammelte sich um 2 Uhr nachmittags in unserem Tempel ein zahlreiches, distingnirtes Publikum, um dem Mincha-Gebete beizuwohuen. Nach Beendigung des Gottesdienstes begab man sich in gemeinsamen Zuge zur prächtigen, neuerbauten Leichenhalle, woselbst die eigentliche Einweihnngsfeier mit einem Trauerchorale