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Die Wahrheit · 1909-11-26 · Heft 46 (26.11.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 46 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46. Die Wahrheu Sette 7. itzegernvärtige O'rgallisuttöttsstattlr pro einer Umättbeiüng LN! unterziehen. Des ferneren wird über Antrag des Vertreterkolleginms die frei gewordene Lehrstelle für Mltthematik und N a t n rwisse > l s ch a ft e n dem k. Supplenten Dr. Leopold B a n m g a r t e n verliehen. Schluß der Sitzung 1 Uhr mittags. Aus der Plenarsitzung vom LI. November 1909. Einlauf: Ein Dankschreiben des Herrn kais. Rat Wilhelm P'd l l ak für die Gratulation des Knltusvorstandes anläßlich feiner silbernen Hochzeit. Mitteilung der k. k. n. ö. Starihalterei. daß der am 26. September 1909 verstorbene Wilhelm Are i b erg unter anderem folgende Legate ailsgefetzr hat: X 50.000.— dem Kaiser Franz Josefs-Ferienheim zur Gründung und Erhaltung des Seehospizes in Grado. X 1000.— der Versorgungsanstalt der israelitischen Kultnsgemeinde. X 1000.— 4°/0 öft. Krottenrente der Chewra Kadischa in Wien. X 1000 — -4°/0 oft. Kronenrente der isr. Volksküche in Wien, XX. Bezirk. X 500.— dem isr. Blindeninstilute in Wien, ferner substitntionsweise mit einem späteren Fälligkeitstermine X 125.000.— und zwar: X 12.000.— der Bersorgungsanstalt der israel. Knllusgemeinde, X 6000.— dein Vereine zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten in Wien. X 1Ö.000 dem Vereine für das israel. Blindeninstitnt auf der Hohen Warte, X 10.000.— dem allgem. österr. israel. Taubsttlmmeninstitttte, X 12.000.— dem Siechenhanse der israel. Kultnsgemeinde, X 7000.— dem Gleichenberger israel. Spitale, X 10.000.— dem Asyl für mittellose kranke Inden in Meran, X 10.000.— dem Kaiser Franz Josefs Ferienheim in Wien für Tischnvwitz, X 10.000.— dem Vereine Kinderschlltz in Wien, X 8000.— dem Vereine für unentgeltlichen Arbeitsnachweis in Wien. X 12.000 — dem Vereine Kaiserin Elisabeth Lehrmädchennnd Arbeiterinnenheini Wien, X 4000.— 4°/0ii}e österr. Kronenrente dem Vereine „Nächstenliebe", Verein zur Unterstützung verschämter israel. Hausarmer in Prag, X 4000.— 4%ige österr. Kronenrente dem Privat-Franenvereine zur Erziehung armer israel. Waisenmädchen in Prag, X 4000.— 4°/0ige österr. Kronenrente dem Kaiser Franz Josef I. israel. Knabenwaisenhause in Prag, X 3000.— 4°/0iije österr. Kronenrente dem Kreuzer-Vereine zur Unterstützung armer, israel. Waisenmädchen nn Königreiche Böhmen, Prag, X 3000.— 4°/0ige österr. Kronenrente der Chewra Kadischa in Neichenberg. Ferner eine Mitteilung der k. k. n. ö. Statthalterei, daß der am 30. September d. Z. verstorbene Herr Dr. Moriz Adolf testamentarisch Folgendes vermacht hat: X 20.000.— dem neugegründeten Fonde zur Errichtung eines jüd. Knabenwaisenhauses in Wien, X 30.000.— für sechs jüd. Wohltätigkeitsanstalten, von denen eine vom Erblasser bestimmt ist, während die übrigen fünf Anstalten der Erbe des Verewigten im Einvernehmen mit dem Präsidenten der israel. Kitltnsgemeinde Wien zu bestimmen hat. Der Präsident lädt die Kultnsvorstandsmitglieder, der am '23. d. M. statlftndendeu Gleichenfeier des neuen Knabenwaisenhanses in Döbling anznwohnen. Ueber Antrag des Präsidenten wird anläßlich der Erkrankung des ehemaligen Mitgliedes des Vertreterkollegiums Herrn Theodor Ritter von T a n ssig einhellig beschlossen, dem Genannten für seine baldige Wiederherstellung die herzlichsten Wünsche des Kultnsvorstandes zum Ausdrucke zu bringen. Zum Mitgliede des Ehrendamenkomitees für die Versorgungsaustalt wird Frau Betti Kolm berufen. Schluß der Sitzung 1 Uhr mittags. Das Keven nnd Wirken der Inden in Oesterreich in vsrmiirstichvn Zeiten. Ein Beitrag znr Kultur- und Sittengeschichte. Bon Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) Höchst eigentümlich war die Lebensweise der österreichischen Juden in den Monaten Elnl und Tischri. Schon Anfangs Elul, ulso vier Wochen vor den „ehrfurchterregenden Tagen" „Jomim üäürpim" wurde täglich nach. Beeudiguug) des Morgengyttesd lenstes- — Nt "manchen Gemeinden ^auch abenhs nach: Maarib — in die Posaune „Schofar" gestoßen, nui,-in den Herzen der Betenden tiefernste Gedanken wachzurufen. und sie glerchsam znr Buße anzuregeu. In der letzten Woche vor dem Neujahrsfeste, wenigstens vier Tage vor demselben, mußte der Synagogendlener, oder „Wächter" — in. den Ghettos hatten sie auch jüdische Nachtwächter — vor Tagesanbruch sämtliche Gemeindemuglieder wecken.' damit, sie den Andachtsübnngen„Selichot" anwohUen konnten. Am Rüsttage des Roschhaschana wurde schon um 2 Uhr nachts zu „Selichot" gerufen, damit den frommen Juden Zeit genug blieb, nach den „Selichot" — diesmal .. Sechorberit" genannt — nnd zwar vor Tagesanbruch einen Imbiß zu nehmen, da sie an diesem Tage gefastet hatten. Am Vorabende des Neujahrsfestes rief einer dem anderen nach Beendigung des Abendgottesdienstes zu: „Leschono tauwu. tikosew." Mögest du m das Buch des glücklichen Lebens eingeschrieben werden. Diesen Wnnich hat man sich auch im Haufe, in der Familie an diesem Abende gegenseitig zngernfen. Die Barches hatten während dieser hohen Feste eine runde Form. Die Mauze wurde an diesem Feste in Honig, oder gestoßenen Zucker eiilgetnnkt. mit dem Wunsche, daß wir ein schono mesuka. süßes, angenehmes Jahr haben mögen. Ebenso kamen am Nenjahrsabend Möhren (Mohrrüben) Rnbje auf den Tisch, damit nufere Tugenden sich mehren mögen, schejirbe sechusjausenu. — Sowohl am Roschhaschono-Morgen als auch am Jomkippur-Abend und -Morgen, erschienen die verheirateten Männer imZ „Kittel" und ..Kittelhanberl" in der Synagoge, damit sie an die Vergänglichkeit des irdischen Daseins erinnert und angeregt werden a n d a ch ls 0 vll ihre Gebete zu verrichten. Auch die Frauen erschienen an diesen drei Tagen in weißen Kleidern in der Synagoge. Am ersten Tage des Roschhaschono wurden nachmittags vor dem Minchagottesdienste die Psalmen, „Tehillim," in der Synagoge andachtsvoll rezitiert, damit die Leute diesen hohen Tag nicht durch profane Gespräche nnd Unterhaltungen entweihen. Nach Beendigung des Minchagebetes, wenn nämlich der erste Tag Roschhaschono nicht auf einen Sabbat siel, gingen sowohl Männer als Frauen zum Flnsse oder zum Bache, um daselbst das bekannte Gebet Mi el komaucho zu verrichten. Mau nannte diese Zeremonie „Taschlich" (ins Wasser werfen), weil dieses Gebet den Vers: „Du sollst unsere Sünden in die Tiefe des Wassers schlendern," enthält. R. Jesaias Hnrwitz. ein Urahn des als talmndifche Koryphäe bekannten Wiener Oberrabbiners Rabbi Eliazar Horwitz s. A. äußerte sich in seinem „Xizzur iSchelah“ sehr mißliebig gegen diesen Brauch, der vielen Unwissenden und Nichljndeu Veranlassung gegeben, zu behaupten, der Zweck desselben sei, den Sündern Absolution zu erteilen.*) Am Abende vor dem Rüsttage des Versöhnnngstages Wales üblich, daß jede männliche Person einen weißen Hahn nnd jede weibliche Persoll eine weiße Henne dreimal um den Kopf drehte nnd dabei die Worte sprach: „Dieses Tier sei ein Versöhnungsopfer für mich." Die Hühner werden dann geschlachtet nnd der Geldwert, den sie repräsentierten, armen Leuten gespendet. Diesen Akt nannte man „Xapporaus Umschlägen," weil Xappora versöhnen heißt. Gegen diese Zeremonie, die allerwärts streng beobachtet wurde, haben sich die hervorragendsten rabbinischen Autoritäten, wie R. Moses b. Nachman, R. Salomo b. Aderet und R. Josef Karo entschieden geäußert. *) Nicht unterlassen können wir es zu bemerken, daß am Sabbat vor den Sebchottagen unter dem Borsitze des Rabbiners eme Vorstandssitzung stattgesunden, bei welcher Gelegenheit außer dem Chasen «Kantor), der bloß die Mufsasgebete während der Jomim nauroim vorgerragen batte, auch einigen befähigten nnd würdigen Gemeindemitgliederu die Funktionen der verschiedenen „Tesillot" (Gebete) übertragen wurden. Ueberglücklich fühlte sich ein solcher Jude, dem die hohe Ehre zuteil wurde, während dieser hohen Feierrage als Vorbeter. „Baal Tefillah," in der Synagoge öffentlich fungieren zu dürfen. Die Konkurrenz um die Tefillot war jedoch damals in den meisten Gemeinden oft zu groß, well es sehr viele gab, — mehr als man bedurfte — die sich für befähigt und berufen fühlten, derartige Funktionen tadellos verrichten zu können; es gab daher , die Tefillasverteilnng nicht selten zu Streitigkeiten und Reibungen Veranlassung.

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