Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 43 (5.11.1909)
- Date
- 1909-11-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite 7. Nr. 43. anfangs, als die Mittel des Vereines zn gering waren, um einen eigenen Lehrer zu halten, unentgeltlich den Unterricht. Dadurch erwarb sich Herr Dr. Rose n m a n n den Dank des Vereines, der ihm auch an dieser Stelle ausgesprochen wird. Wien. (Das israelitische K n a b e n - W a i s e n h a u s.) Dieses vom Vereine zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israel. .Knltnsgemeinde in Wien (Präsidenr David R. v. Gutmann) ins Leben gerufene Knaben-Waisenhaus, XII., Ecke Armbrustergasse und Probusgasse (Hohe Warte), hat die Manergleiche erreicht und wird bis Mitte November unter Dach stehen. Das zweistöckige Gebäude mit seinem parkähnlichen Garten macht schon jetzt einen angenehmen Eindruck und wird eine Zierde der Umgebung sein. Die Anstalt ist aus 100 Kinder berechnet. Bei der Knappheir der vorhandenen Mittel soll jedoch vorläufig nur der I. Stock eingerichtet und im Jahre 1910 mir 20 Kindern bezogen werden. Es ist zn hoffen, daß diese so schwach fundierre Institution Förderung und 'Kräftigung durch Menschenfreunde erfahren werde. Gilt es ja. den Äermsten, den Verwaisten, das traurige Geschick mindestens in der frühen Jugend zn mildern, den Weg ins Leben zu ebnen. Wien. „Nomen est omen." Der Name Stella enthält so vieles, was uns mit überaus angenehmen Gefühlen und Empfindlingen ausstarcet. Dieses Wörtchen, zn deutsch „Stern", har eben vor wenigen Tagen wieder die vollste Wahrheit erlangt, wovon uns und mit uns 2000 entzückte Hörer Fräulein Stella K r ü g e r überzeugte, eine Biolinvirtnosin in des Wortes vollster Geltung. Schon das Aenßere der Dame wirkt sehr vorteilhaft. Wir wälmten eine Vertreterin der Epbtfdriaden vor uns: Starkes schwarzes Haar, ein reizendes Köpfchen, hellblaue Augen, die oftmals schmachtend gen Himmel blicken, vielfache, dabei immer echt künstlerische, ästhetische Bewegungen des Körpers und der Hand — kurz, ein lieblicher Anblick! Wenn sich noch zn diesen guten Eigenschaften ein inniger, weicher Ton gesellt, der die Herzen erobert, so ist alles gegeben, was auf sensationellem Erfolge Anspruch erheben kann. Und dieser ist zn konstatieren, voll und ganz. Im Bach'schen Violin-Konzert E-Dur konnte Fräulein Krüger namentlich im Adagio die Empfindungen auf Jm» höchste Ausmaß treffen, wübrend im Rondo capriccioso von Saint-sasns und dann im Mendelssohn'schen Violin-Konzert die Technik wahre Orgien feiern konnte. Als Mitwirkende erschien Fräulein Selma Kurz. In diesem Namen ist alles vereint, was mit Musik in Berbindung steht, er involviert die oberste Stufe der Freude. Fräulein Kurz sang die Arie der Susanne aus „Figaro", dann Lieder von Schumann, Brahms und Taubert sowie viele Zugaben und ließ so recht die unerregte Künstlerin uns vorführen, die je mir der Wirkung zufrieden sein wird, das Auditorium war es jedenfalls. Es war ein schöner, herrlicher Abend, der einen seltenen Ohrenschmaus vom Podium herab, eine Augenweide oben und im Parkett und in den Logen erbrachte. Der Saal glich einem Blumengarten. . . Emil Jelinek. Wien. Sonntag, den 7. November. 1jA llhr nachmittags, findet im Seitenstettentempel die Trauung des Fräulein Mina ch w a g e r, Schwester des Administrators der „Oesterr. Wochenschrift" Herrn Max Schwager, mit Herrn Osias Leerer statt. Wie». Am 30. Oktober feierte Herr Klaviecfabrikant Josef Saphir das Barmizwahfest seines Sohnes Otto im Tempel der türkischen Gemeinde. Der Konfirmand las korrekt nach sephardischem Ritus mit sephardischer Aussprache den Abschnitt aus der Thora vor. Im Hause haben sich nach dem Gottesdienste Rabbiner Papo, Religionslehrer C h a ch a m Elias, Oberkantor Bauer und Kantor L ö w i t sowie Tempelvorsteher Sal. Hassan und viele andere Gäste eingefunden. Der Konfirmand hielt eine hübsche Ansprache. Wien. Am 1. Tag Sukos wurde im engsten Familienkreise der 70. Geburtstag des Herrn Blau. Funktiouär im Bethause „XIarps L’nefesch" gefeiert. Der Jubilar war viele Jahre in größeren Gemeinden Ungarns als Kultusbeamter tätig. Im obgenannteu Bethause wurden von Seite des Vorstandes und Rabbiners dem ehrwürdigen Jubilar vielfache Ehrenbezeugungen entgegeugebracht, worauf sich die Familienfeier im Hause seines Sohnes, des bekannten Casstiers im II. Bezirke, Rote Sterngasse, anschloß. Wien. Herr Mnsikprofessor Samuel Storch hat durch den Tod seines hier zu Besuch weilenden, hochbetagten Vaters, des pensionierten Lehrers, Herrn Lazar Storch, einen tiefschmerzlichen Verlust erlitten. Die Leiche des im 82. Lebensjahre Dahingeschiedenen wurde in die Heimat, nach Boskoivitz. in Mähren, übersührk. Jglau Am 31. Oktober wurde in Jglau Herr Nathan Blau, Vater des Münchengrützer Oberkantors, Herrn Gustav Blau und Bruder des Rabbiners, Herrn Moritz Blau und des Religiouslehrers der Wiener israel. Kultusgemeinde, Herrn Wilhelm Blau, im Alter von 65 Jahren zii Grabe getragen. Herr N a r h a n Blau war ein durchaus ehrenhafter, gerader, rechtlicher und edler Charakter, mit allen Vorzügen des Geistes und des Herzens, als Gatte und Vater, als Jude und Mensch in gleicher Weise ausgezeichnet, eine kernhafte Natur, deren wahres Wesen wegen seiner bescheidenen Zurückhaltung erst bei näherer Bekanntschaft sich dem Beobachter ganz erschloß und ihn zu rückhaltsloser Achtung und Verehrung begeisterte. Nathan Blau war der Edelsten einer," aus seinem goldenen Herzen strömte wahre Menschlichkeit und Mildtätigkeit. Im gesellschaftlichen Verkehre war er von einer herzgewinnenden Liebenswürdigkeit. Ein Zauber lag in seinem Wesen, etwas Gewinnendes und Anziehendes. Eine wohltuende Heiterkeit hat ihn nie verlassen, ein freundlicher Blick und freundliche Worte — sie haben ihm nie gefehlt; seine Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, seine Güte uud -Herzlichkeit, sein ungezwungenes Wesen und seine Freimütigkeit, seine entschiedene Abneigung gegen jede konventionelle Heuchelei und Unaufrichtigkeit waren von fesselnder Wirkung auf alle, die mit ihm in Berührung kamen. Mit allen Gebieten der Wissenschaft nnd der Kunst (hier insbesondere der Musik) wußte sich der Verstorbene vertraut zu machen. Eine Kapazität auf dem Gebiete der jüdischen, hebräischen und talmudischen Wissenschaft, wie man nur wenige seinesgleichen findet. Er verfügte über ein solch tiefgehendes, immenses hebräyches Wiffen, daß selbst die größten Gelehrten, mir denen der Verewigte zu verkehren pflegte, ihrer Verwunderung und Begeisterung Ausdruck verleihen mußten. Der imposante Trauerzug gab Zeugnis von der Beliebtheit und Wertschätzung, der sich der Verblichene bei allen Schichten der Bevölkerung, ohne Unterschied der Konfessiion und des Standes, erfreute. Ehre seinem Andenken! Prag. Die bekannte jüdische Schriftstellerin Frau Babette Fried geb. Freund, feierte hier am 26. Oktober ihren 60. Geburtstag. Sie hat sich durch ihre Erzählungen aus dem jüdischen Leben, von denen einige auch in diesem Blatte veröffentlicht wurden, rasch die Gunst des jüdischen Lesepnblikums erworben. Sie wurde in Azkin als Tochter des dortigen Rabbiners geboren nnd lebte, seit ihrer Verheiratung mir einem Gemischtwarenhändler, in Tabor. Ihrer Ehe sind zehn Kinder entsprossen, von denen aber zwei jung starben. Um eiuen Nebenerwerb zn schaffen, griff Frau Fried, die mittlererweile nach Prag übersiedelt war, im 47. Lebensjahre zur Feder und entfaltete eine fruchtbare literarische Tä tigkeit. Sie hat nahezu hundert Novellen ans dem jüdischen Leben veröffentlicht und drei Bücher sind bisher von ihr erschienen. Straßnitz. An Stelle des verstorbenen Herrn Dr. Friedmann ist Herr Rabbiner Dr. I. G ü n z i g aus Lvschitz einstimmig zu unserem Rabbiner gewählt worden. Trebitsch. Mittwoch, den 3. November ist einer der geachtetsten Männer unserer Gemeinde. Herr Albert G r ü n b e r g e r, Seniorchef der Firma A. M. Grüuberger. und ehemaliger Bürgermeister der politischen Jsraelitengemeiude Trebitsch, im 71. Lebensjahre gestorben. Eine zahlreiche Familie trauert um den Heimgegangenen, der im öffentlichen und privaten Leben sich allgemeiner Sympathien erfreute. Das Leichenvegängnis findet Freirag, den 5. d. M., 2 Uhr nachmittags, statt. Tesche». Au Stelle des verewigten Großindustriellen, Herrn I. Ph. G l e s i n g e r ist nunmehr zum Präses in unserer Gemeinde bei der vor kurzem statlgehabten Ansschußsitzung sein Schwiegersohn, Herr kaiserl. Rat Jaqn. S i l v e r st e i n mit Stimiiieneneinhelligkeit gewählt worden. Herr kaiserl. Rar Silberstein ist ans der Schule seines verklärten Schwiegervaters hervorgegangen; dieser Umstand allein bietet schon sichere Gewähr, daß er gewiß im Sinne und im Geiste seines Vorgängers zum Wähle der Kultusgemeinde und ihrer gemeinnützigen Institutionell seines verantwortungsvollen Amtes walten wird. Die Familie G l e s i n g e r hat zum Andenken an den Dahingeschiedenen, der Kultnsgemeinde eine Stiftung von 50.000 Kronen überwiesen. Kattowitz. Die Concordia-Loge veranstaltete vorigen Dienstag im Logen-Saale ihren ersten diesjährigen wissenschaftlichen Vortragsabend. Herr Ober-Kantor Singer, der als hervorragender Musiker einen Ruf genießt, sprach über das Thema „Traditionelle Melodien" und erntete mit seinen, von großer Sach- und Fachkenntnis zeugenden Ausführungen, die von sehr interessanten musikalischen Illustrationen durch Klavier und Gesang begleitet waren, stürmischen Beifall. Delegierte aus Breslau und Posen haben Herrn Singer eingeladen, den Vortrag auch dort zn halten. lAlle Rechte Vorbehalten.» Gin neues Licht. Von Adolf Heinrich Landau (Wiener-Neustadt). lForrsetzung.) Goldener Sonnenschein lag über dem Städtchen, als die Doktoren Süß und Ehrlich den neuen Rabbiner mit seiner alten Mutter vor das reich mit Blattpflanzen geschmückte Gotteshaus brachten. Im Innern waren alle Gemeindemitglieder mit Frauen und Kindern versammelt, aber auch beu Bezirkshauptmann, den Bürgermeister, den Stadtkommandanten nnd andere Honoratioren konnte man in der festlich geschmückten Synagoge bemerken. Jetzt wendeten sich aller Blicke dem Eingänge zll und ein herrliches Präludium lvnrde ans dem Harmvninm gespielt. Reizende, weißgekleidete Mägdlein, aus deren Augen die Freude der glücklichen Kindheit strahlte, erösineteu den Zug und streuten aus kleinen Körbchen duftende Blumen auf den Teppich. Hierauf kamen die Kultusräte im Frack und Zylinder, zuletzt, vom Vor» stände geleitet, der neue Rabbiner Dr. Fuchs im weißen Ornat, überallhin mit freundlichem Blicke grüßend. Trotz feines sicheren Auftretens konnte er eine leichte Aufregung nicht verhehlen. Mit süßem, einschmeichelndem Bariton sang der Borbeter das Boruch. liaboh*) und ein vierstimmiger Männerchor brachte das Seh hajom von Sulzer meisterhaft §u Gehör. Der Zug war am Altar angelangt, Dr. Fuchs kehrte sich der Gemeinde zu und alles betrachtete das schöne, etwas blasse Gesicht des jungen Mannes. Da ging das Töchterchen des Dr. Süß auf ihn zu, überreichte ihm einen herrlichen Blumenstrauß und sprach recht resolut: *) Gesegnet, der da kommt.