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Die Wahrheit · 1909-11-05 · Heft 43 (5.11.1909) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 43 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit dir. 43. Gin Gespräch mit Dr. Tcrvfilr Kiza Key. Der bekannte Parlamentarier und Führer der Jungtürken, Universitätsprofessor Dr. Tewfik Riza Bey, der auch an der Spitze der Reisegesellschaft steht, die sich gegenwärtig aus einer Studienreise durch Oesterreich befindet, hatte die Freundlichkeit, Herrn Samuel Bettelheim, Mitglied des zionistischen Aktionskomitees, gelegentlich seines Aufenthaltes in Preßbnrg zu empfangen und demselben eine längere Unterredung über die zionistische Bewegung zu gewähren. Die seitens des illustren Gastes getanen Aeußerungen über den Zionismus sind geeignet, die von der „Alliance Israelit Universelle" verbreiteten Gerüchte, als ob Tewfik Riza Bey sich zu einer Aenderuug seiner Ansichten über den Zionismus bemüssigt gesunden hätte, gänzlich zu zerstreuen und lieferten einen neuerlichen Beweis des Wohlwollens, welches Tewfik Bey den Inden entgegenbringt. Die Unterredung fand im Chateau Palugyay statt, wo sich die türkischen Gäste ans Einladung des Besitzers vor ihrer Abreise zusammengefunden hatten. Tewfik Riza Bey, der das dreifache Doktorat der Medizin, Philosophie und Juris erworben hat, ist in den Jahren, die man gewöhnlich mit mehr oder weniger Berechtigung die besten zu neunen pflegt. Die schönen, von ungewöhnlicher Intelligenz zeugenden Züge sind von einem kurzgestutzten Barte umrahmt, der die ersten Spuren des Ergranens zeigt, und verraten keineswegs den Orientalen. Sein bestechend liebenswürdiges Wesen setzt sich aus der warmen Herzlichkeit des Mohammedaners und weltgewandten Höflichkeit des langjährigen Pariser Bürgers zusammen. Das Gespräch, welches in französischer Sprache geführt wurde, drehte sich ausschließlich um Fragen der jüdischen Einwanderung nach Palästina und ist in Folgendem im wesentlichen dem Wortlaute nach wiedergegeben: B e t t e l h e i m. Ich gestatte mir, als Mitarbeiter eines hiesigen jüdischen Blattes um einige Minuten zu bitten. Tewfik .Riza Bey. Ich bin sehr gerne bereit, Ihnen jede gewünschte Aufklärung zu geben. B. Sie hatten die Freundlichkeit, im verflossenen Jahre sich einigen Journalisten gegenüber in sehr sympathischer Weise über die zionistische Bewegung zu äußern. Von anderer Seite ist jedoch verlautet worden, daß Sie diesbezüglich Ihre Meinung geändert hätten. Es wäre uns daher sehr angenehm von Ihnen selbst zu erfahren, daß Sie tatsächlich der zionistischen Sache unveränderte Sympathie entgegenbringen. T. R. B. Durchaus, mein Herr. B. Das ist sehr erfreulich. Ich darf also versichern, daß wir die Ehre haben, in Ihnen einen Verteidiger unserer Bestrebungen zu haben. T. R. B- Gewiß, ich habe stets meine warme Sympathie für die Israeliten ansgesprochen. Ich bin in einem israelitischen Milien ausgewachsen, bin mit ihnen zusammen unterrichtet worden, kenne daher sehr gut ihre Vorzüge. Ich bin auch stets bereit, die Interessen der Israeliten zu wahren. Ich bringe der zionistischen Sache meine besten Sympathien entgegen. Es sind freilich auch Fehler geschehen, welche Mißverständnis erregen konnten. B. Wie dürfte sich die Majorität des Parlamentes der zionistischen Idee gegenüber verhalten? T. R. B. Wird die Sache einmal vor das Parlament kommen, so werde ich mit aller Entschiedenheit dafür e i n t r e t e n und ich glaube mein Wort wird gehört werden. B. Es wird von anderer Seite verbreitet, daß sich bei Ihnen viel Opposition dagegen erheben wird. T. R- B. Die zionistische Frage ist noch keine offizielle geworden, man kann von einzelnen Stimmen nicht urteilen. Ich meinerseits bin — wie gesagt — Ihrer Sache sehr geneigt. Ich kenne ja alle jüdischen Führer und bin mit einigen in persönlicher Verbindung gestanden. Ich kenne auch Herrn Zangwill. B. Sieht man also die Einwanderung der Juden gerne? T.- R. B. Die Israeliten (Tewfik Bey vermied das Wort Jude) sind bei uns stets gerne gesehen gewesen. Ich habe dies auch gestern zu drei Bndapester israelitischen Journalisten gesagt, welche mich in dieser Angelegenheit interviewten. B. Dennoch bestehen aber noch die Beschränkungender Immigration. Sie kennen doch gewiß die Einrichtung der roten Zettel? T. R. B. Ja. Unter dem konstitutionellen Regime hören solche Dinge natürlich auf. B. Sie bestehen aber in anderer Form. Das zionistische Zeutralorgan berichtet, daß der Grandrabbin den Minister um Abschaffung der roten Zettel gebeten hat. Der Minister versprach die roten Zettel abzuschaffen, bemerkte aber, daß die Immigranten immerhin auch weiter registriert würden. Der Grandrabbin erwiderte hierauf, daß dies dasselbe in anderer Form wäre, der Minister erklärte aber, nicht mehr tun zu können. Das ist aber nur die Ansicht eines Ministers — fiel hier Tewfik Bey rasch ein — resp. eines Ministeriums und nicht die der O e f f e n t l i ch k e i t. ein nächstes Ministerium — fügte er mit einem bedeutsamen Lächeln hinzu — kau n andere Ansichten haben. Mittlerweile war der Wagen vorgefahren und Tewfik Riza Bey empfahl sich in freundlichster Weise. Bevor er an den Wagen trat, wendete er sich nochmals an Herrn Bettelheim und sagte zu ihm. indem er ihm herzlich die Hand drückte: „Sie können also versichern, daß ich die Interessen der Israeliten sehr J gerne vertreten werde. Die Israeliten sollen sich mit ihren An-! gelegenheiten stets vertrauensvoll an mich wenden." Verschiedene Nachrichten. Wien. (S a i s o n b e g i n n der Wiener Jüdischen T o y n b e e - H a l l e.) In der kommenden Woche nimmt die Toynbee- Halle ihre Tätigkeit in vollem Umfange auf. Die Einschreibungen für die unentgeltlichen U n t e r r i ch t s k u r s e (Englisch für Anfänger und Vorgeschrittene, ferner Stenographie) finden Samstag, den 6. November d. I. von Uhr abends und Sonntag, den 7. d. M., von 10—1(i12 Uhr vormittags, im Unterrichtslokale I.. Seitenstettengaffe 2, statt. Der Unterricht wird von staatlich geprüften Lehrkräften erteilt. Die Einschreibgebübr beträgt pro Kurs 1 Krone. Die populärwissenschaftlichen Vorträge in der Toynbee-Halle (XX., O t h m a r g a s s e Nr. 46) beginnen Sonntag, den 7. November d. I., 7 Uhr abends. Rabb. Dr. Feuchtwang liest Skizzen aus dem jüdischen Leben. Das Wochenprogramm wurde wie folgt festgesetzt: Montag, den 8. d. M.: Dr. Theodor Jenner: „Bilder aus dem Rechtsleben." Dienstag, den I 9.: Lehrer Rafael L ö w: „Erziehung zur Selbständigkeit." Mittwoch, den j 10.: Univ.-Prof. Dr. Josef Pollak: „Der Philosoph Senecca." Donj nerstag, den 11.: Fachlehrer Georg Schmied!: „Der moderne Mensch | und die Natur." Freitag, den 12.: Lehrer H. Löw-Vogel: „Bibelvortrag." Samstag, den 13.: Konzert.— Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann Dr. I. S a m n e l h, I., Fischerstiege 6, gelangen lassen. Die Vorträge beginnen an Wochentagen um 1/a8 Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. Eiutrilt srei für jeden Erwachsenen. Wien. (Oberrabbiner Dr. Güdemann im Vereine der S a b b a t h f r e u n d e.) Am 23. November, 8 Uhr abends, wird Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann im Festsaale des „Hotel Continental" den Cyklus unserer diesjährigen Bereinsabende mit einem Vortrage „Ueber den Sabbath" eröffnen. In jüdischen Kreisen gibt sich selbstverständlich großes Interesse kund. Wien. Das diesjährige Bekleidungsfest des „Vereines zur Bekleidung und U n t e r st ü tz n g armer alter Männer israel. Konfession" findet Sonntag, den 14. November, 3 Uhr nachmittags, im Festsaale des „Hotel Continental". II., Taborstraße 4, statt. Wien. („Li vj as Chen", II., S te s an i e straß e 2.) Jeden Samstag-Nachmittag um 3 Uhr findet ein Bortrag des Herrn I. R o s n e r über die laufende 8idra statt. Wien. (Beth Hamidrascli i8ereiii „Talmud Thor a", II., Malzgasse 16.) Freitag, den 5. November, präzise 1/28 Uhr abends findet ein Vortrag Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Schenk statt. Thema: „Die Akeda". Wien. („Talmud Thora", Wien, XXI.) Sonntag, den 17. Oktober l. I. fand unter dem Vorsitze seines verdienstvollen Obmannes. Herrn Max Ne u m a n n, eine Vorstandssitzniig obgenannten Vereines statt, wobei auch die Schule für das Schuljahr 1909/10 eröffnet wurde. Der Obmann schilderte die Tätigkeit des Vereines, die Frequenz der Schule (85 Schüler) und wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, Sr. Ehrw., Herrn Rabbiner Dr. Rosen mann, für sein langjähriges und so erfolgreiches Wirken, für den Aufschwung des Vereines, für die Erweiterung des Unterrichtes, für das Blühen und Gedeihen der Schule auf seiner heutigen Blüte, ein. An e r kenn un g s d e kr e t zukommen zu lasten. Herr Rabbiner Dr. Rosenmann hat den Verein stets nach Kräften gefördert und leitete

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