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Die Wahrheit · 1909-11-05 · Heft 43 (5.11.1909) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 43 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akrcheit Nedaktiou und Administration:! Wien, II/, Novaragasse 27 Telephon der Druckerei 15302. Anakhäirgige Heitschnft für Mische K. k. österr. Postsparkaffa- Scheck-Konto Nr. 1000.918. Jtttereffett. Inserate: Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Freitag. Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Ve;ngs°vreis: (^niijjiiörifl.K 14.— Halbjährig.K 7.— Für Knltnsbeumte: Ganzjährig.K 10.— Für Ausland: Ganzjährig.8 Mark j; ß Nabel oder Iß FrcS.!> Ur. 43. Wien, 5. Uovembee HM >9 Inhalt: Der Leichtsinn der protestantischen Theologie. — Gibt es eine jüdische Nationalität. — Adolf Barlels und — die „Kölnische Zeitung". — Ein Gespräch mit Dr. Tewfik Riza Bey. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Ein neues Licht. — Austritte ans dem Judentum. — Ein vierzigjähriges Amtsjubiläum. Der Keichtstrm der protestantischen Theologie. Bon Dr. Kahan, Znaim. Keine wissenschaftliche Disziplin ist so stolz auf ihre Leistungen, so überzeugt, daß sie es so herrlich weit gebracht, wie die protestantische Theologie auf dein Gebiete der alttestamentlichen Wissenschast. Da ist alles durch ihre scharfsinnigen Untersuchungen geradezu ans den Kops gestellt. Die heilige Schrift ist keine heilige Schrift mehr, sondern ein unglückliches Konglomerat unznsammenhängender, einander widersprechender Fragmente. Der Gott Israels ist nicht mehr der einzige, wahre Gott, der Himmel lind Erde geschaffen, sondern ein grausamer Götze, der voll Eifersucht und Bosheit alles mit Tod und Verderben bedroht! Es ist ein unfaßbares Glück, daß ein so grausamer, boshafter Vater einen so gütigen, alliebenden Sohn hatte, der den verdammten Menschenkindern zum wahren Gott geworden ist! Unfaßbar, — aber so will es die protestantische Theologie! — Schaut mau aber näher, so kann mau sich des tiefsten Bedauerns nicht erwehren, daß so viel Geist, so viel Arbeit aufgewendet wurde, um — ein Spinngewebe zustande zu bringen! Schon der Umstand, daß die klare Bedeutung des Gottesnamens Jahve (Hiphil von hawa-haja) d. h. der ins Dasein Rufende, der „Schöpfer," nicht erkannt und gewürdigt wurde, ist verblüffend. Aber noch verblüffender ist der Leichtsinn, mit dem ans Grund falscher Uebersetzungen und falscher Auffassungen gewisser Stellen der heiligen Schrift Geschichte konstruiert wird und Schlüsse gezogen werden, die bei richtiger Beleuchtung ins Nichts znsammensallen müssen. Vor mir liegt ein Buch : „P a l ä st i n a s Er d g e r u ch in der israelitischen Religion" von Lic. Dr. Hugo Greßmann, Professor der Theologie an der Universität Berlin (Verlag von Karl Cnrtius, Preis Mk. 1.80), also das Werk eines gewiß klassischen Vertreters seiner Zunft. Nun sehe man sich die Mache dieses Werkes an! Ich will es wenig betonen, daß von Erdgeruch hier kaum die Rede ist, das Ganze vielmehr darauf hinansläuft, daß Jahve, der Gott Israels, deswegen so grausam und zerstörungssüchtig sei, weil es in Palästina — Stürme, Erdbeben, Gewitter und Gießbäche gab! Der Witz ist nicht von mir, sondern von Hugo Greßmann, dem Professor der protestantischen Theologie in der Residenz Berlin! Aber einzelne Stellen aus diesem Werke sollen den Ernst und die Wissenschaftlichkeit dieser Znnft besonders illustrieren. Seite 5: „Ja, wir dürfen uns freuen, daß Palästina so wenig zum Verständnis der Eigenart Jesu beizntragenvermag! Denn gerade diese Tatsache bestätigt anss neue, was wir schon wissen, daß er nicht den Inden, sondern der Menschheit, nicht Palästina, sondern der Welt gehört." — Jesus selbst aber! sprach: „Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlornen! Schafen von dem Hanse Israel." (Mat. 15, 24, vgl. 10. 5. 6.)! Greßmann weiß also etwas, was sein Herr und Heiland l entschieden in Abrede stellt! — S. 14, Anm. 3: „Nnm. 31, 22 f. werden die Metalle I in der Tat als „unrein," d. h. mit Dämonen in Beziehung i stehend, vorausgesetzt, bis sie durch Feuer rein werden."—Hat i also schon Moses die Dämonen des Neuen Testaments gekannt? I An dieser Stelle wenigstens ist keine Spur davon, Nach dcm I Feldzug gegen Midian verordnete Moses in Ausführung des! Gesetzes Nnm. 19, 11 f., daß alles, was mit einem Toien in i Berührung kam, sich reinigen müsse, Menschen) Kleider und! Metalle! Jedes Ding, das ins Feuer kommen kann (Metalle),! sollt ihr ins Feuer bringen, daß es rein werde. Was aber ins Feuer! nicht kommen kann (Kleider), sollt ihr ins Wasser bringen (ih. 23).; Hier hat also der Herr Professor Gespenster gesehen, wo kein vernünf- > tiger Mensch sie sehen kann. Wie nennt man das aber? Leichtsinn!! S. 16: „Auch der Türpfosten, in denen heute der Jude > seine Pergamentröllchen mit den z e h u G e b o t e n als Talisman zu bergen pflegt, sind Ueberlebsel der beiden Masseben" usw.; Also die Mesu s a mit den Stellen ans Deut. 6, 4—9 und 11, 13—21 ist für den Herrn Professor ein Talisman mit den zehn Geboten! Wer hat ihm nur diesen Büren ausgebnnden? Der Leichtsinn! S. 33: „Alle Gebete des Alten Testamentes beginnen mit dem Namen des israelitischen Gottes Jahve. Das ist begreiflich in einer polytheistischen Religion, die viele Götter und viele Geister kennt'" — Nein, Herr Professor! Da Jahve „der Schöpfer" heißt, so schließt seine Anrufung den Polytheismus ans! Dann aber, welcher Leichtsinn ist es, zu behaupten : alle Gebete des Alten Testamentes beginnen mit Jahve! Exod. 32, 31 betet Moses, ohne Jahve zu nennen, ebenso 34, 9. — Nnm. 12, 13 beginnt Moses sein Gebet mit El, ebenso ih. 16, 22. — Dent. 21, 7 beginnt ein Vorgeschriebenes Gebet nicht mit Jahve, ebenso ih. 26, 5. 13! Vgl. Jud. 15, 18. — 2. Sam. 7, 18 betet David zum Herrn Jahve, sagt aber ausdrücklich: „Es gibt keinen Gott außer Dir!" (V. 22.) — Ist das die Sprache eines Polytheisten? Ebenso betet Jeremia: „Wehe, o Herr Jahve! Siehe, Du hast den Himmel und die Erde geschaffen mit Deiner großen

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