Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 42 (29.10.1909)
- Date
- 1909-10-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42: Die Wahrheit Seite 7 Gelehrten Mar Jsak, der sich nicht geflüchtet hatten schleppten sie in. die Kirche, wo sie ihn, da er die Annahme der Taufe entschieden verweigerte, „zur Ehre Gottes" erdrosselten. Der edle -Erzbischof Hermann III. ließ dann die Juden heimlich aus der Stadt führen und auf sieben Orte seines Erzstiftes verteilen, da er dachte, daß sie dort von den ruchlosen Horden verschont bleiben werden. Drei volle Wochen verweilten die armen Flüchtlinge in den Ortschaften Mors, Nens, Wewlinghofen, Aldenahn. Korpr rc. mit tief betrübtem Herzen. Allein die Wallbrüder ruhten nicht eher, bis sie die Spur der ihnen entronnenen Opfer aufgefnnden und das Schlachten und Morden wurde aufs neue begonnen. Im ganzen sollen während des Zeitraumes von zwei Monaten — Mai, Juni — in der Weingegend zwölftausend Juden den Märtyrertod erlitten haben. Die klebrigen nahmen zum Scheine die Taufe an, die aber, als der edle, gutmütige Kaiser Heinrich IV., der während dieser verhängnisvollen Zeit gerade in Italien beschäftigt war, znrückkam, zum Judentum wieder znrückkehren durften. Was Wunder also, daß die Sefiratage jahrhundertelang noch als Zeit der Trauer betrachtet wurden? Am ersten Tage des Schebuotfestes war es üblich, bis -vor Tagesanbruch in der Synagoge zu verweilen — in Ungarn geschah dies auch in vielen Gemeinden in Privathäusern — und viele Kapitel aus der Bibel wie ans den Psalmen zu lesen. Der Ursprung dieses Usus ist weder in den biblischen noch in den talmudischen Schriften, sondern einzig und allein in dem kabbalistischen Buche „Sohar" zu finden. Da heißt es: „Als R. Aba und R. Chia sich gemeinschaftlich auf einer Reise befanben, da stellte R. Chia die Frage: Was beabsichtigte denn die heilige Schrift mit der Anordnung: „Ihr zählet alsdann vom anderen Tage des Feiertages, vom Tage, da ihr das Omer der Wendung gebracht, sieben ganze Wochen." Hierauf eutgegnete jener: „Diese Frage ist zwar schon von unserem Kollegen (Menach. 66) erörtert worden, jedoch höre an: Als die Israeliten in Egypten waren, standen sie unter der Gewalt fremder Götter, wodurch sie gleich einer menstruierenden Frau unrein gewesen sind. Nachdem sie aber der Allgütige durch ungewöhnliche Ereignisse und wunderbare Begebenheiten befreit und sich mit ihnen durch ein Bündnis vereinigt hatte, wich auch ihre Verunreinigung wie von jener Frau, von der es heißt (3. M. 15, 28), sie zähle sieben Tage. Es verlangte daher Gott, daß die durch Götzendienst verunreinigten Israeliten sieben Wochen zu ihrer Reinigung zählen sollen. Und das hier überflüssig scheinende Wort „lochem", sowie das wegzulassende Wort „loh" sollen daraus hindenten, daß man für sich zähle, d. h. zum eigenen Vorteile, nämlich, so wie das Zählen jener sieben Tage der sich reinigenden Frau zum Vorteile dient, so entsteht auch durch das Zählen der sieben Wochen ein Vorteil für die sich reinigenden Israeliten, damit sie mit dem obern heiligen Wasser (die göttliche Lehre gemeint) sich reinigen, um mit Gott in Bündnis treten zu können. Es müssen sieben Vorbereituugswochen sein, damit die Israeliten in dem fließenden Bache, der Quellenwafser heißt (die Thora gemeint) und von dem sieben Sabbate ansströmen, sich reinigen dürfen. Und so wie jener Frau nur dann erst gestattet wird, sich ihrem Manne nähern zu dürfen, ivenn sie das rituelle Bad geiiommen, ebenso wurden die Israeliten nur durchs Baden gereinigt; denn es heißt (4. B. M. XI, 9): „Als des Nachts der Tan aufs Lager fiel." Dieses „Aufs Lager" „AI ha machne" zeigt also, daß die Israeliten in diesem Tau gebadet und daher von ihrem Schmutz gereinigt wurden. Dann erst durften sie sich dem Könige nähern, um dessen Thora anzunehmen. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (S p e n d e u l i ste aus der Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes vom 17. Oktober 1909.) Im Stadttemvel: Dr. Alexander Bing X 100, Josef Grünberger 20, Rosa Hermanii 100, Rudolf Glas 20, Simon Kohn 30, Dr. Marzell Hoffmann 100, Dr. Alexander Kohn 40, Alexander Nirenstein 200, Albert Mandelbaum 300, Moritz Sonnenschein 150, Adolf Freund 300, Ignatz Selinko 550, Jacques Feitler 400, kaiserl. Rat Leopold Langer 50V, kaiserl. Rat Leopold Sachs 2000, Michael Benies, 100, kaiserl. Rat Ignatz Gewitsch 1000, Theodor Reitlinger 500, Carl Hirsch 600. Leopold Harpner 100, Julius Wolf 500, k. k. Bergrat v. Gutmann 3000, S. Trebitsch, 1000, Gouverneur R. v. Taussig 2000, Rudolf Kohn 200, S. Simon 50 Michael Llchtenstern 60. Dr. Heinrich. Benies 40, Edmund Löwy 10, Alfred Schnschny 200, Adolf Nußbaum. 25, Max Abeles-Teplitz, 20, Max Klaber 10. Sal. Herzl 30. Bernhard Bachrach 40, Alois Grauaug 50, Dr. Felix Katzau 500, Dr. Siegfried Goldstein 100. Dr. Adolf Kapralik 50. Marc. Klinke 20. Moritz Schreiber 20, Overrabbiner Dr. Güdemann 60. Alfons Freiherr von Rothschild 2000. Albert Freiherr von Rothschild 4000, Adolf Löwy 240. Oskar Touello 50, Prof. Dr. S. Ebrinann 50, Carl Körmeudi 150, Ernst Hirsch 1000, Adolf Schreiber 100, Kommerzialrat Max Schweiger 150, Moritz Schur 1400, Siegfried Löwy 40. (53 P'rsonen, zusammen X 25175.) Im Tempel II., T e m p e l g a s s e: Bon den Herren: Bernhard Grosner X 50, Siegmund Snbak 90, Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl 50, Jakob Ripper 200, Josef B. Böhm 120, Salomon Herzl 250, Dr. Gustav Kohn 60, Wilhelm Herzog 40. Rabbiner Dr. E. David 20, kaiserl. Rat Albert Saborski 120~ Zacharias Korner 120, Carl Lemberger 450, Dr. Adolf Herzfeld 10. David Tänzer 6, Friedrich Karbach 400, Dr. Hermann Löwi 250, Friedrich Fanro 700. kaiserl. Rat Wilh. Pollak 400. Ludwig Herschmann 350, Jakob Kann 500, Michael Glogau 140, Jnlius Figdor 400, Louis Waller 100, Josef Kowauitz 80, Rektor Dr. Adolf Schwarz 80, Theodor Eisler 240. Adolf Fein 80. Simon Menzeles 60, Hermann Ehrenfeld 60, A-iron Löw 30. Jsaias Deutsch 20, Bernhard Schlesinger 100, David Färber 10. Gustav Holzer 200, Dr. Simon Rubin 10, Benjamin Planer 20. Leopold Weinwurm 30, Gustav Planer 45. Leopold Piowati 200, Rubin Nathansohn 20, Leopold Löbl 10. Daniel Wiener 30, Dr. Max Schöufeld 10. Dr. Elias Münz 50. Carl Freund 250. Salomon Stein 150, Moriz Deutsch 80, Ignaz Bruckner 150, Wilhelm Freund 10, Siegmund Sviegler 10, Emanuel Mandl 5, Nathan Lustig 20, Samuel Löwinger 10. Desider Lichtenstein 5. (54 Personen, zusammen X 6851.) Im Tempel XV.. T u r n e r g a s s e: Laura Taussig X 115, Wilhelm Glaser 130, Emanuel Kohn 9l. Arnold Landsberger 100, Heinrich Reichsseld 70. Dr. Samuel Friedländer 160, Sigmund Oesterreicher 145, Heinrich Sonnenfeld 140, Moritz Triti'ch 130, Jonas Samek 80, Hermann Strach 50, Hermann Wemberger 130, Dr. Max Deurich 85. Joief König 50, Samuel Bernhardt 50. Jonas Köuiqstein 200, Samuel Mohr 100, Joses Löwy 45. Alexander Simon 200, Jiak Scher 30, Heinrich Schnabl 350, Moritz Almasi 70. Ludwig Pollak 100, Bernhard Deutsch 90. Simon Dürrheim 90, Siegmund Seiler 180, Heinrich Kirschmann 30. B. Buchwald 60, Samuel Steiner 40, Salomon Beer 60, Jakob Duschinsky 50, Jakob Herzog 50. Jakob Sonnenschein 30, Ignaz Sonnenfeld 130. Jakob Goldsand 30, Julius Fritz 20. Ignaz Pataki 20, David Schimerschek 20. Ludwig Spitzer 15, Ignaz Klein 15. Hemrich Drill 20, I. Kraus 20, Max Haas 12. Josef Braumann 20. (44 Personen, zusammen X 3613.) Im temporären Berhanse 1.. M u s i k v e r e i n s s a a l: AioiS Löwy X 40, Direktor Brüll 40. S. Friedmann 60. Isaak Schrötrer 50, Ludwig Samek 250, Wilhelm Löwy 15, Friedrich Wiener 60, Robert Wortinanu, 75, Arnold Fried manu 150, Eduard Jonas 40, Alexander Kallier 60. Moriz Korwill 60, Anton Beck 100, Rabbiner Dr. Armand Kaminka 20, Emil Wiener 85. Dr. Jakob Ornstein 100. Dr. Heinrich Benies 40, S. Chiger 50. Hermann Weinberg 80, Emil Weiner 170, Dr. Gustav Kohn 40, Leopold Wasservogel20, Siegsried Rathe 60. >.23Personen.zusammen X 1663.) Im temporäreii Bethause I.. H o r e l Po st: N. Kohn X 5. N. Schlesinger 30, Körpner 10 Dux 2, Trerrer 2, Bendin.er 2. Woctitz 2. Offner 25, Zimmer 10. Dr. Koref 10. Horwitz 40. Fried 8. Metzl 4, Handl 4, Joses Bauer 10, Franzos 10. Kohn 20. Dr. E. Münz 60, Dr. Gustav Rosenberg 15. Lndivig Großlichr 30. Salomon Jassniger 10. Samuel Wasservogel 30, Bolkmann 20, Anticherlik 2, Jaqnes Banhegyi 10. Emil Pollarschek 20, Felix Stricker 30, Plaschkes 4. Horwitz 10, Deutsch 50, Wlczek20. Schönblüh 5, Simon Horwitz 10. (35 Personen, zusammen X 520.> Wien. Freitag, den 29. Oktober, abends, Predigt im Stadttempel. Freitag, den 29. Oktober, abends. Predigt im Tempel. 21. Bez. Holzmeistergasse 12. Wien. (B e t h - H a m i d r a s ch - B e r e i n „T a l m u d - Torah" II., M a l z g a s s e 16.) Wir dringen hlennt zur Kennrnis. daß die üblichen Samstag und Sonnrag vormittags von 11 bis 12 Uhr statlfindenden Spezialvortrüge für junge Leute, seitens Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner H. 2 ch e n ck. wie >n den Borjahren wieder abgehalten werden. — Die populär-wissenschaftlichen jüdischen Freitag-Abend-Bortrüge, auch Frauen und Mädchen zugänglich, beginnen am 5. November d. I. um 7 30 abends. Den ersten Bortrag über „Die A k e d a" hält au diesem Abend Se. Ehrw. Herr Rabbiner Schenk. Wien. (Theologischer Be rein der Hörer an der t h e o l. Lehranstalt.) Die am 23. d. M. ftatrgefundene Neuivahl des Ausschußes für das Wintersemester.1909/10 ergab folgendes Resultat: Präsident: Dr. Michael H a l b e r sich m m. Bizepräsideut: Ernst Deutsch, Kassier: Chajiiu W o l f s h a u t, I. Schriftsührer: Süssie S i l b e r st e i n, II. Schrisrführer: Bela Diamant, N. F. K: Hersch Wolf Anderm a n n. Wien. Am 31. d. M. findet die Trauung des Herrn k. k. Bezirksrichters Dr. Ernst B e t t e l h e l m, Sohn des Obmannes des Bethans- Bereiues im IX. Bezirk, Herrn Gottlieb B e t t e l h e i nt, mit Fräulein Elly Bruckner statt. Wien. (Auszeichnung). Diese Tage erhielt die bekannte Spezialfirma für Synagogen-Ornate, Rudolf Goldstein — von der Internationalen 'Ausstellung in Paris 1909 die höchste Auszeichnung — ein