Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1909-10-29 · Heft 42 (29.10.1909) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 42 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063469-3063511--06324-3073319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 42 Die Wahrheit Seite 5. Jahre Ihr segensvolles-Wirken zum Heile unserer Gemeinde an dieser Stätte der Humanität fortzusetzem Hofrat Os er dankte dem Redner in herzlichen Worten. Er betonte, daß das Spital der israelitischen Kultusgemeinde ein Maximum von Wohltätigkeit leiste, da 80 bis 87 Prozent der Verpflegstage von den unentgeltlichen Kranken in Anspruch genommen werden. Hierauf sprach Professor Otto Zuckerkand! im Namen von Freunden und Kollegen des Jubilars. Er erwähnte, daß es angenehm berühre, daß die Feier in diese Anstalt verlegt werde, die den Schwerpunkt der jahrzehntelangen Tätigkeit des Jubilars bilde, und feierte O s e r als berühmten Lehrer, der noch aus der klassischen Wiener Schule hervorgegangen ist, als ausgezeichneten Arzt, als erfolgreichen Organisator. Er überreichte dem Jubilar eine von Freunden gesammelte Spendt von 20.000 X, deren Erträgnis als Leopold O s er- Stiftung einem von O s e r bestimmten Zwecke zugeführe werden soll. (Lebhafter Beifall.) Dann brachte Baron Albert Rothschild seine persönlichen Glückwünsche dar und enthüllte hieraus das lebensgroße Bild des Jubilars, wobei er noch eine kurze Ansprache hielt. Er sagte, er hoffe und wünsche, daß alle, welche dieses Bild jetzt und in späteren Zeiten sehen werden, eingedenk bleiben der großartigen Leistungen des Jubilars auf wissenschaftlichem Gebiete und auf dem der Humanität; denn Oser sei nicht nur ein guter Arzt, sondern auch ein guter Mensch. Hofrat Oser dankte dem Stifter des Bildes und dem Künstler mit herzlichen Worten, und damit dem ernsten Momente auch der Humor nicht fehle, fügte er in launiger Weise hinzu: „Der Künstler hat ein Meisterwerk geschaffen, das noch in späten Tagen, wenn mein Name längst verklungen sein wird, fortleben wird, vielleicht unter der Bezeichnung: Horowitz, Bildnis eines alten Jude n." Statthalter Graf K i e l m a n s e g g feierte Hofrat Oser als mehr als dreißigjähriges Mitglied und als Präsidenten des Landessanitätsrates, eine der wichtigsten begutachtenden Körperschaften, welche im Interesse des öffentlichen Wohles arbeitet. „Ich nehme sie ganz für uns in Anspruch. Das ist ja schön, kranke Menschen heilen; noch wichtiger ist es, Krankheiten zu verhüten, die Menschen gesund erhalten. In der Jahresversammlung der Amtsärzte wurde vor einigen Tagen darauf hingewiesen, daß die sanitären Verhältnisse in Wien und i n N i e d e r ö st e r r e i ch sich w e s e n t l i ch gebessert haben, daß sowohl die Morbidität als auch die Mortalität in erfreulicher Weise znrückgehe.. Ein gut Teil des Verdienstes davon gebühre dem Jubilar." Graf Kielmansegg schloß mit dem Wunsche, daß Oser noch lange Zeit die Behörden auf dem Gebiete der Sanitätspstege unterstützen möge. „Ad multos annos!" klang der Glückwunsch aus. Dekan Professor K o l i s k o gratulierte im Namen der Wiener medizinischen Fakultät; Hofrat Chrobak bildete mit dem Hofrate P a l t a u f und dem Regierungsrate Bergmeister die Deputation der k. k. Gesellschaft der Aerzte. Mit herzlichen Worten gedachte Hofrat Chrobak der großen Verdienste Osers. Hofrat v. R e u ß sprach im Namen der Allgemeinen Wiener Poliklinik. Er erinnerte daran, daß Oser zu den zwölf Aerzten gehört habe, welche in Wien 1871 die Poliklinik gründeten. Von diesen sind noch Winternitz, Oser und der Redner an der Poliklinik tätig. Die Wiener Alma matsr sei stets fruchtbar gewesen, habe sich aber um die Ernährung ihrer Jüngsten nicht sonderlich gekümmert. Die Kinder hätten sich deshalb aus eigener Kraft eine Stellung um die Möglichkeit des wissenschaftlichen Arbeitens und des Lehrens erworben. Hofrat Oser dankte mit einem „Vivat, vresoat, floreat unsere Poliklinik!" Regierunsrat S v e t l i n gratulierte im Namen des Wiener medizinischen Doktorenkollegiums, Dozent K a tz und Verwalter Dr. K o r a n y i im Namen der engeren Schüler und Assistenten; die Herren überreichten eine künstlerisch ausgestattete Adresse. Primarius Dr. F l e i s ch m a n n gratulierte für den Vorstand des Kaiserin Elisabeth-Institutes für israelitische Krankenpflegerinnen. Hofrat Oser dankte und fragte: „Lieber Kollege, haben Sie schon einen drei Monate lang dauernden Geburtstag gesehen? Ich feiere einen solchen und erkläre heute, daß dies mein letzter siebzigster Geburtstag ist." (Lebhafte Heiterkeit und Beifall.) Kaiserlicher Rat Dr. Lieben gratulierte im Namen der Beamten der Kultusgemeinde und schließlich überreichte eine Pflegerin einen Lorbeerkranz. Jedem einzelnen Festredner dankte Hofrat Professor Oser in herzlichster Weise. An der Feier nahmen auch zahlreiche Kranke teil, welche an den Fenstern des ersten und zweiten Stockwerkes standen und in die Hochrufe auf den gefeierten Arzt und Direktor lebhaft einstimmten. Kndapester Tempellranten. Unser großer Tempel in der Tabakgasse erwies sich bereits vor zwei Dezennien als zu klein, so daß der Vorstand der hiesigen Gemeinde sich damit beschäftigte, in der Leopoldstadt einen neuen, großen Tempel zu bauen. Die Gemeinde wandte sich an die Stadt und -erhielt von derselben im Herzen der Leopoldstadt, in der unmittelbaren Nähe des prachtvollen Szabadsagplatzes. in der Koharygasse einen freistehenden Grund unentgeltlich mit der Bedingung, daß die Gemeinde ans diesem Grund einen Prachttempel zu erbauen hat und weiters, daß die Gemeinde eine Knabenschule errichten muß. Dieser letzteren Bedingung ist die Gemeinde in kurzer Zeit nachgekommen, indeni dieselbe in der Wesselenyigasse eine wahre Mnsterschule erbauen ließ, doch der Tempelban selbst wurde von Jahr zu Jahr verschöbet!. Es kamen die bekannten, schweren wirtschaftlichen Verhältnisse, dabei mußte die Gemeinde fortwährend für ihre zahlreichen Humanitären Institutionen neue und große Opfer bringen, so daß zur Errichtung des geplanten großen Tempels die materiellen Mittel fehlten. Als vor etwa fünf Jahren Ludwig Adler Vorsteher der Kultussektion wurde, unterwarf diese Sektion die Frage des Tempelbaues einem eingehenden Studium und kam zur Ueberzeugung, daß es den Interessen der Gemeindemitglieder viel mehr entspricht, wenn statt dem bisher geplanten großen Tempel in den von dem Tempel in der Tabakgasse weit entfernten Bezirken kleinere Tempel erbaut werden. Dieser Ansicht schloß sich auch der Gesamtvorstand an und da besonders im Extravillan des V. nnd VI. Bezirkes die Errichtung eines Tempels dringend war, folgte dem Entschluß rasch die Tat nnd wurde der erste kleinere Tempel vor etwa zwei Jahren in der Arenagasse aufgebant und voriges Jahr seiner Bestimmung feierlich übergeben. Die Gemeinde konstatierte bald mit Genugtuung, daß die Errichtung dieses Tempels einem wahrhaften Bedürfnisse entsprach, denn selbst an den Sabbathtagen ist der Tempel sehr gut besucht. Angeeifert durch diesen Erfolg, wurde vor kurzem die Erbauung eines Tempels im IX. Bezirk beschlossen; die Gemeinde verlangte von der Stadt die unentgeltliche Ueberfassung eines Grundstückes, doch konnte kein entsprechender, der Stadt gehörender Platz gefunden werden, so daß die Gemeinde, als dieselbe endlich einen passenden Platz gefunden hatte, genötigt war, von dem Eigentümer des Grundstückes dasselbe um 200.000 X anzukaufen. Als nunmehr die Erbauung des zweiten kleinen Tempels beschlossen tvar, ist von Seite des Gemeindevorstandes die Idee der Erbauung eines großen Tempels endgiltig fallen gelassen worden. Mittlerweile wurde das ans dem Eckgrund neben dem Tempel in der Tabakgasse befindliche Haus, welches auf die. architektonische Schönheit des Tempels sehr nachteilig wirkte, niedergerissen und der Grund, welcher Eigentum der Stadtgemeinde bildet, frei. Diesen günstigen Umstand benützend, beschloß der Vorstand, der Stadl den Antrag zu stellen, derselben den Grund in der Koharygasse zurückzugebeil, wenn die Stadt hiegegeu der Gemeinde die 200.000 X, welche die Gemeinde für den Grund im H. Bezirk gezahlt hat, zurückerstattet und den Grund neben dem Tempel unentgeltlich über-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.