Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 41 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 41. Steiuherz ging weg und brummte etwas wie ases ponim*) in den Bart. Abgesehen von Steinherz hörte man nur eine Stimme des Lobes. Den Damen gefiel er besonders, das war bedeutsam. Sonntag vormittag waren die Mittelschüler versammelt und Dr. Fuchs mußte iu Gegenwart des Gymnasialdirektors und des Vorstandes eine Probelektion abhalten. Er entledigte sich seiner Ausgabe so vortrefflich, daß alle Schüler den Vortrag — er trug die Einteilung der Bibel vor — nach kurzer Zeit wiederholen konnten. Der Direktor lobte die Vortragsweise über alle Maßen; auch die Vorstände, die Dr. Fuchs nach dem Unterrichte zur Bahn begleiteten, sprachen ihm ihre Znsriedeuheit aus. Am Perron empsahl sich Dr. Fuchs von den Herren und dankte ihnen sür ihre Liebenswürdigkeit, dann stieg er in einen Wagen zweiter Klasse ein. Dr. Süß begleitete ihn und versicherte ihn seines Wohlwollens. „Meine Stimme haben Sie schon und ich hoffe, daß in einem Monat die Entscheidung sollen wird." Als er sich dann herzlich von dem jungen Rabbiner verabschiedete, drückte er ihm ein Kuvert mit einer Fünszigkronennote in die Hand.- Der Rabbiner aus Böhmen, der am darauffolgenden Samstag eine Probepredigt hielt, hatte einen anderen Bibelvers, als den vorgeschlagenen, benützt und erregte so den Unwillen des Vorstandes, während der Galizianer, der tertüo loco berufen wurde, trotz der sonst ausgezeichneten Predigt, wegen seiner schlechten Anssprache nicht gefallen konnte. - Der Große Rat, der bald daraus zu einer entscheidenden Sitzung einbernsen wurde, fand folgenden Antrag des Kultus- Präsidenten Dr. Süß vor: Von weiteren Berufungen i st a b z n s e h e n und Herr D r. Ludwig Fuchs ans Wien sofort zum Rabbiner der Gemeinde Rab e n h e i m zu e r n e n n e n. Der Antrag selbst hätte keine große Debatte hervorgerufen, denn Dr. Fuchs halte den denkbarst besten Eindruck hinterlassen; aber die Orthodoxen verlangten eine Genugtuung für die seinerzeitige Ausschließung des Rates Steinherz. Sie verlangten, daß man den alten Mann, der nicht erschienen war, holen lasse und um Verzeihung bitte. Das erregte heftigen Widerspruch.- Dr. Süß erklärte, daß die Ausschließung des alten Steinherz durch seine eigene Provokation herausbeschworen wurde. Der Beschluß der Majorität sei unerschütterlich. Die Majorität lasse sich von niemandem etwas vorschreiben und könne auch keine Genugtuung geben. Diese Worte fanden allgemeine Zustimmung und der Antrag der Orthodoxen wurde abgelehnt, worauf diese den Sitzungssaal verließen. Nachdem Dr. Süß auf mehrere Anfragen erklärt hatte, daß die Anstellung statutengemäß eine provisorische sei, aber, wie er hoffe, bald eine definitive sein werde, erhoben die Räte seinen Antrag unter tosendem Beifall einstimmig zum Beschluß. Gleichzeitig wurde bestimmt, den neuen Rabbiner am 9. A u g u st feierlich in sein Amt e i n z u f ü h r e n. Die Sitzung schloß mit einer jubelnden Kundgebung für Dr. Süß. den Dr. Ehrlich als Retter der Gemeinde pries, worauf Dr. Süß folgende Ansprache hielt: „Meine sehr verehrten Herren! Die ehrenden Worte, die Herr Dr. Ehrlich an mich zu richten die Güte hatte, haben mich tief gerührt. I st es doch st e t s ein freudiges Gefühl, seine Mühe belohnt, seine Arbeit von Erfolg gekrönt zu sehen. Doch darf ich diese Freude des Erfolges nicht für mich allein in Anspruch nehmen. Sie alle, meine sehr geehrten Herrn, können sich zu dieser glücklichen Wahl gratulieren. Gestatten Sie, meine Herren, daß ich bei dieser Gelegenheit auch unseres treuen, geschätzten Mitarbeiters, des Herrn Sekretärs, gedenke imb ihm in öffentlicher Sitzung unseren innigsten Dank und unsere Anerkennung ausspreche. Sie alle, meine geschätzten Herrn, haben Se. Ehrwürden, Herrn Dr. Fuchs, zu sehen und zu hören das Glück gehabt. Sie alle werden mir zustimmen, wenn ich sage: *) arroganter Mensch. Ein neues, herrliches Licht ist in Rabenh e i m erschiene n. Daß dieses neue Licht seine erquickenden, leuchtenden Strahlen über unsere liebe Gemeinde zum Heil und Segen fürgroß und klein werfe, daß dieses herrliche, neue Siel) t uns alle stärke, kräftige und erquicke zum G l ü ck n n d z u r Freude sowohl der jetzige n, als auch der kommenden Generation — das walte Gott. (Fortsetzung folgt.) Austritte aus dem Judentum. Richard Berger, geb. 19. Juni 1889 in Gradiska. ledig, Student, VIII., Lenaugasse 11. Anna Bergmann, geb. 15. Mai 1887 in Schweinfnrt, ledig. Private, IV., Schlößelgasse 8. T e w e l L e i d S ch ö n f e l d, geb. 5. Juni 1875 in Krakowca, ledig, X., Favoritenstraße 76 a. Leo Bischitzky, geb. 21. Juni 1891 in Wien, ledig, X., Raaberbahngasse 12. Dr. Hans T häufig, geb. 26. November 1874 in Wien, ledig, I., Johannesgasse 18. E u g e n i e Gefall, geb. 22. November 1885 in Wien, ledig, Private, XIII., Hauptstraße 123. Alma End, geb. 21. August 1886 in Wien, ledig, Private, II., Laufbergergasse 4. Adrienne H a l e k, geb. 20. August 1895 in Wien, ledig, .XVI.,. Kirchstetterngasse 53. Rudolf Guß m a u n. geb. 5. März 1842 in Veprovacz, verwitwet, Handelsagent, IX., Nußdörferstraße 78. Julius P o 11 a f, geb. 17. September 1885 in Wien, ledig, Handelsangestelller, IX., Berggasse 29. B e u e d i k r i u e Benies (Benes), geb. 9. November 1891 in Wien, ledig. Private, IX., Währingerstraße 4. Berta Rakuschan (geb. Huß), geb 14. September 1879 in Wien, verwitwet, Kaffeesiederiu, X., Goethegasse 12. Selma W e tz l e r, geb. 6. September 1880 in Wien, ledig, VIII., Trantsohngasse 6 Egon Siegwart Herrma n n, geb. 1. Oktober 1880 in Wien, ledig, IV., Favoritenstraße 33. Engen E h r m a n n, geb. 7. August 1892 in Wien, ledig (römischkatholisch laut Zuschrift Knltusgemeinde ddo. Graz 3. Okt. 1909). Wie Hag-enbeck reist! Ein großes Ereignis ist es, wenn Wilhelm Hagenbecks größte Raubtier-Dressur-Schau der Erde auf schnellstem Wege von einer Stadt nach der andern übersiedelt. Der Abend bringt noch bei vollbesetztem Hause das große, einzig dastehende Programm in unverkürzter Weise, die eigene, aus 22 Mitgliedern bestehende Musikkapelle spielt das wehmütige „Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus“, der große, 6000 Personen fassende Zeltbau entleert sich langsam und in den Raubtierstätten regen sich hunderte Hände zum Abbruch. 65 Wagen sind zu befördern, eine große, große Anzahl Requisiten zu verpacken, über 300 Tiere müssen in Stroh gebettet, das große Zweimasterzelt, mehrere Zelte der Raubtierstatte und die einzigartige, prächtige, von 2740 Glühlampen und 29 Bogenlampen beleuchtete Passade abgebrochen werden. Wer nun der Meinung ist, das größte reisende Unternehmen der Welt braucht zum Abbruch vielleicht einen ganzen Tag, dem sei gesagt, daß 5, höchstens 6 Stunden nach Schluß der Abend-Vorstellung genügen, um die umfangreiche Zeltstadt in die Eisenbahnwaggons zu verladen, eine Zeit, die als überraschend gering bezeichnet werden muß, für ein Unternehmen, wie es die Hagenbeck-Schau darstellt. In den Frühstunden des werdenden neuen Tages trifft der Extrazug für gewöhnlich am Reiseziele ein und kaum ist er zum Stillstand gebracht, so beginnt das gleiche emsige Arbeiten, das wir auch beim Abbruch bemerken konnten. Wieder sind es die beiden Elefanten „Punschi“ und. „Nona“, die ihre ausgezeichneten Kräfte in den Dienst stellen. Sie, ziehen und drücken die Schauwagen in die Eisenbahnwaggons mit einer Fertigkeit, die bei allen Zuschauern, die sich immer in grosser Anzahl beim Abbruch und Autbau der Zeltstadt einfinden, helle Bewunderung erregt. Belustigende Szenen spielen sich bei diesem- Vergnügen ab, und wie „Punschi“ arbeitet, das muß man gesehen haben, um einen Begriff von der Verwendbarkeit. Vielseitigkeit und Klugheit der Elefanten zu bekommen. Wilhelm Hagenbecks Raubtier-Dressur-Schau, in ihrer Ausstattung und ihren Vorführungen sehenswert, gibt etwa 16 Stunden nach Abbruch und nach glücklich überstandener Eisenbahnfahrt wieder eine Gala-Premiere mit einem Programm, wie es Wien noch nicht gesehen hat. Und so reist Hagen-beck durch die Welt; den modernen Anforderungen Rechnung tragend, dem sensationslüsternen Publikum den Tribut zollend. Winterszeit! bittere Zeit! Auch Hagenbeck muß ihr Rechnung tragen. Und so bezieht die Hagenbeck-Schau für den kommenden Winter feststehende Zirkusse, wie ihn unsere Kaiserstadt in dem Gebäude des Zirkus Busch ihr eigen nennt. Die Zeltstadt ist nur für die Sommerzeit berechnet.