Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 41 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitnng. Seite 11. Nr. 40. „Polen." Bon Ed. Birnbaum. I. Der polnische Ritus und fern S y n a g o g e n g e s a n g im Kreise der mittelalterlichen S y n a g o g en-R i t e it. Fortsetzung. *) Aber trotz aller Glossen und Kompendien — den Verfasser t)er „Turim" und seine „Waffenträger" mitgerechnet, die schließlich ans die Minhagim aller Länder znrückgreifen — bleibt der uns hier beschäftigende altslav ische Ritus unserem Auge ganz verschleiert. Nur Z n n z, bei seinem Feingefühle für die Geschichte der Riten, bei seiner gewaltigen .Kenntnis des ganzen Gebietes, kommt zn dem richtigen, einzig wahren Resultate, daß der polnische Ritus byzantinischen Ursprunges sei. Er spricht vom Einflüsse der Völker und ihrer Sillen: Perser, Araber, Syrer urtd Griechen. Gallier tmb Gothen, sie alle seien von Einfluß ans den Gottesdienst gewesen. Seit dem 11. Jahrhitiiderte seien Ritnsoerschiedenheiten zn verzeichnen. Er stellt schließlich zwei Ritengruppen fest: I. den arabisch-spanischen Ritus; II. den palüstiiiiiehen oder germanischen. Znm ersten gehören Spanien und die Länder des Islam; zum zweiten gehören die christlichen Länder mit germanischer Bevölkerung (Gothen. Franken, Longvbarden). Es kommt dann die Vermengitng der Riten. Zur ersten Gruppe zählen: -Castilien, Andatnsien, Calatonien, Aragon. Majorca, Provence, Sizilien und die arabischen Länder; zit der zweiten Gruppe: Frankreich, England, Burgund. Lothringen. Deutschland. Böhmen, Polen, Italien, Griechenland und (in älterer Zeit, wahrscheinlich ans Grund einer Hpothese von Rapaport) Palästina. Der Typtls für die Fest-Piuiinr ist bereits im 9. Jahrhunderte feststehend: Lsliolla, Hoschana, Keroba, Jozer haben bestimmte Gestalt. Dichter: Jose b. Jose, Janai und .K a l l i r. Im 11. Jahrhunderte traten w ändernde V o r b e t e r ans fremben Ländern ans. daher der man. G e s a n g s f e r t i g k e i t. Melodien der Pism onim sind von Einfluß. Hai Gaon (1037, vgl. meine Abhandlung „Die Verdienste der Gaonen um die jüdische Liturgie und den Synagogen-Gesang" itt der „Israel. Wochenschrift" von Klausner, 1903, Nr. 4) spricht von den Leistungen der awn in .Jozeroth, Kerobotli, bet Hochzeiten, an Festtagen, wenn sie schöne S t i m nt e it haben und g e s a n g s k n n d i g sind und anerkennt die a b w eichenden X i g g u n i m. (Znnz spricht sogar von einer Anweisung für u’:rn von einem C h as a r e u f ü r st e n, aber ohne die Quelle anzusnhren.) Seit dem 13. Jahrhunderte sei der b y z a n t i it i s ch e ll r s p r n n g des polnischen Ritus verwischt; der Unterschied im Pint entstamme deutschen und französischen Ritualien. Manches entstammt dem nntteldentschen und österreichischett Ritus, manches ans dem alten Machsor (der Gaonen?), Abweichungen am Neujahr ans dem französischen, manches aus dem römischen Ritus rc. Dabei nutßte Znnz die m u s i k g e i ch i ch tlichen Hilf smittel zur Eruierung gewisser Gebetstncke und synagogaler Poesien ansschalten. obgleich dieses gewichtige Moment den großen Gelehrten seit dem Jahre 1818 beschäftigte, indem er (Ges. Schriften. I.. S. 15. Anm.) die Frage answirft: „Wieso haben die Melodiett in der jüdischen Liturgie sich so allgemein verbreitet?" Diese Frage, wie ein Blätterrauschen im „Walde der Riten", mutet sie uns au! Wer will sie beantworten? „Also byzantinischen Ursprunges sind die Melodien unserer typischen Synagogenmnsik?" höre ich fragen, und das wollten Sie beweiset!, an der Hand literarischen und mnsikhistorischen Materials beweise n? Sie wollen Nachweisen, daß die Slawen die Träger dieser alten Musik gewesen, die dann die Deutschen ü b erno m me ii haben und nicht umgekehrt? Haben Sie auch an B ö h m e n gedacht, an das alte Slavonien, an das $33 des Mittelalters? *) Der Feiertage wegen mußten die Fortsetzungen unterbrochen Werden. In Nr. 37. S. 11a, Z. 17 lies „Meister" (nicht „Muster"). Das. Amn.. Z. 23 lies „Polen" (nicht „Posen.)" Gewiß! Es dürfte Euch vielleicht interessieren ztt hören, daß die Alten schott in dem Worte $33 eine musikalische Abbreviatur vermutet haben: .b2't cy t:*3 Ich habe bereits an einer anderen Stelle dieser Zeitschrift (1901, Nr. 26) nachgewiesen, daß das Gesammt-Ohasannth einen der angesehensten Gaonen, den blinden W. Iehudai Gaon (759—764 Rektor der Hochschule zn Snra) zn seinem Patron hatte, sowie daß das Geheimnis der „Lebenskraft all der alten Tonw eisen" auf die starke Autorität dieses Gaon zurückznführen sei. Ich konnte mich auf eine frühere Arbeit: „lieber den Ursprung der Traditionen im Synagogengesang" (Rahmers Literaturblatt. 1894, Nr. 39/40) berufen, in der ich auf ein Zitat des R. Zemach Gaon (A.873) hinwies, das da lautet: 12-1 ny 1213 xmi '5rrrm -12a ibzp cnvtnrt a^m d. h.: „Die ältesten Chasanim haben ihre Traditionen von dem Gaon R. Iehudai empfangen und dieser halte sie von seinen Lehrern rc. empfangen." Uebrigens eine Formel, die schon in der Mischna Edioth (p. 11, Mischna 7) vorkommt, wodurch meine zur Stelle gemachte Bemerkung in Wegfall kommt. Dieser R. Iehudai Gaon wird als a-paxan als das Haupt der Dezisvren bezeichnet. na'aa inc ban '3 von dessen Quelle alle trinken. Dieser Gaon ordnete nämlich die Hai achoth gedoloth, rvelche auch als hzzz ’2n3:r :"brr bezeichnet werden und geeignet sind, uns über manchen Brauch, der sich im Laufe der Zeiten verlor und darum im späteren Schrifttum ganz andere Auslegung fand, anfzuklüren. So sehen wir z. B.. daß das B u ch Jon a, welches heilte nur als msEn zn Mineha des Versöhnnngstages figuriert, im Altertume an allen Fa st tage n gelesen zn werden pflegte, was übrigens bereits vom Talmud (Taanir.h II) verzeichnet wird. Nun wird aber auch vielfach R. Simeon xn”p (b. h. R. S. ans Kayar in S y r i e n, nicht ans Kairo) als Verfasser des m genannt. Daß uns die älteste Halacilorh-Sammlnng nach Syrien führt, der Heimat unseres größten D i ch t e r s Kali r, ist von höchster Bedeutung, auf die später eingegangen werden soll. Aber auch in den mpics irobrr oder ixn mabn von den S ch ü lern des;"~i, die ursprünglich a r a b i s ch geschrieben waren und in hebräischer Ueberietznng nach Europa geschickt wurden, finden wir so manchen uns interessierenden Ritus und zugleich auch den Schlüssel für so manche Divergenz zwischen den Dezisoren, zumal an den Stellen, wo R. Hai Gaon die Echtheit ihres Inhalts anzweifelt, indem er annihrt. der Gaon R. Juda iei blind gewesen und der Abschreiber müsse sich in manchen Dingen geirrt haben: ns’cn: rrn a-ry “nxa px: '«-rrr na ♦pax: xb vsa i:yatr xvy na’ nya Auch im Pttnkte des allgemeinen Rechtes lautete der Grundsatz: .-"xar x'r:n ja b^.:hzzzv npn; wxn (Maimonioth zn Hilch. Sanhedr. 4, 13). (Fortsetzung folgt.) Die Mesufe-Wraut Ich Hab 'ne Kalle mir erwählt So schön wie keine zweite. Bald bin ich auch mit ihr vermählt Auf ewig ihr zur Seite. Ihr Haar ist braun wie Schokolad, Kirschrot ihr Mund zum Kusse. Und fromm ist meine schöne Mad, Sv fromm wie 'ne Mesnse. Sie trägt 'ne Brille wundersüß Ans dem becheinten Näschen, Weil sie wie 'ne Mesnse ist, Steckt sie nur hinterm Gläschen. Mein Herz kriegt schier vor Lieb ein' Riß Wenn ich in Schttl sie führe, Weil sie wie 'ne Mesnse ist, Treff ich sie vor der Türe. Ich bin ein Choßid, wie ihr wißt, Und jeder Jüd wird wissen. Weil sie wie 'ne Mesnse ist, Muß ich sie täglich „küssen". Louis Böhm, Hildesheim.